Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Re: Die 120 Tage von Sodom (1975)
BeitragVerfasst: 28. Apr 2015, 15:42 
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Weil ich gerade am Kritiken schreiben bin, auch hier zu diesem Film mnöchte ich mich nur allzugerne äußern!
Es gibt Filmtitel, Buchtitel, was auch immer, die klingen wie Musik in meinen Ohren. "Die 120 Tage von Sodom" gehört zweifellos in diese Kathegorie. Ich war etwa 10 oder 11 Jahre alt und kann mich noch gut daran erinnern wie ich im Bücherschrank meines Erzeugers durch Zufall die gesammelten Werke von Marquis de Sade gefunden hatte und es verschlang! Es war sozusagen neben Fachbüchern, Fotobänden oder Schulliteratur das erste Prosawerk was ich freiwillig gelesen hatte und liebte. Gerade diese Geschichte, die zweihundert Jahre später als Vorbild für zahllose Stories in Internetforen dienen sollte und eigentlich ja nur eine Aufzählung von Brutalitäten beinhaltet tat es mir an und ich fühlte mich zum ersten Mal in meiner Persönlichkeit und meiner damals erwachenden Sexualität irgendwie ertappt bzw. verstanden. Diese Geschichte wurde zum Prototyp dessen was mich erregte und nur zu oft fragte ich mich ob es denn irgendwann mal eine Verfilmung dieses Stoffes geben würde.

Viele Jahre und ein Land später hatte ich diese Verfilmung in den Händen und freuite mich wie ein Kullerkeks!

Die Enttäuschung war grenzenlos!

Was war das? Warum hat Pasolini diesem Machwerk einen Namen gegeben, daß überhaupt nichts mit der Geschichte zu tun hat? Vielleicht kann ich mich nicht beugen vor der großen Schaffenskraft des Künstlers, für mich ist das was da zu sehen ist pseudointellektueller Mist der nochweniger mit de Sade zu tun hat als Twilight mit den echten Vampirlegenden? Es gibt so viele Filme die ehrlicher und vor allem kontroverser und härter in jenen Jahren von Pasolinis Landsleuten abgedreht wurden! Aber während man Fulci verriss attestierte man diesem Stinker eine künstlerisch herausragende Rolle. Zwar werden jetzt einige den Kopf schütteln da ich Pasolini mit Fulci oder meinetwegen auch Jess Franco vergleiche, aber diese Regisseure hätten diesen Stoff von Marquis de Sade nicht dermaßen Holzhammermoralin überfrachtet das der ganze Film daran irgendwann erstickte! Wobei Fulci bestimmt nicht sich an etwas vergriffen hätte was eben nicht seinem Metier entsprungen wäre.

Jeder, der die "120 Tage von Sodom" mal gelesen hat weiß das einfach alles fehlt! Keine der darin beschriebenen Grausamkeiten findet sich im Film wieder, aber diese Grausamkeit machen erst diese Geschichte aus, es ist eben wie heute in diesen Internetforenstories! Die Geschichte ist lediglich der Überbau für die explizite Darstellung von Brutalitäten! Schon alleine deshalb kann der Pasolinifilm nicht funktionieren, weil er da aufhört wo die Buchvorlage anfängt und erst ihren Sinn ergibt!

Das mir wahrscheinlich nicht jeder hier meiner Kritik beipflicheten wird ist mir gewiss und ich glaube damit werde ich leben müssen :)

Trotzdem gebe diesem Machwerk 1 von 10 geschändeten Frauen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die 120 Tage von Sodom (1975)
BeitragVerfasst: 19. Jul 2015, 23:07 
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...ich kann mir wirklich gut vorstellen, dass der streifen ´75 einschlug wie eine bombe und eine welle der empörung auslöste...
das...und nur das, schien mir auch das einzige ziel des regisseurs gewesen zu sein, weiterhin machte der mord an pasolini
(der vllt. in verbindung mit dem Streifen gestanden haben soll) die ganze sache noch schokierender, noch mysteriöser...

irgendwann hat man sich den streifen dann mal zugelegt und festgestellt,
dass die ganze sache zwar hart und geschmacklos ist, jedoch konnte ich mir den streifen gut bis zum ende anschauen...

von einer enttäuschung will ich somit nicht reden, kann es mir jedoch vorstellen, wenn man das buch gelesen hat...

im nachhinein betrachtet, find ich den film als gutes gegenstück gegen die amerikanische blaxploitations-welle,
der die möchtegernprovokateure wie kleine kindergartenkinder darstellen konnte :)

demzufolge gibts von mir 8 / 10 (kackhaufen :D )


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