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 Betreff des Beitrags: Die Passion Christi (2004)
BeitragVerfasst: 16. Apr 2014, 15:11 
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Die Passion Christi
(The Passion of the Christ)
mit Jim Caviezel, Maia Morgenstern, Christo Jivkov, Francesco De Vito, Monica Bellucci, Mattia Sbragia, Toni Bertorelli, Luca Lionello, Hristo Shopov, Claudia Gerini, Fabio Sartor, Giacinto Ferro, Aleksander Mincer
Regie: Mel Gibson
Drehbuch: Benedict Fitzgerald / Mel Gibson
Kamera: Caleb Deschanel
Musik: John Debney
FSK 16
USA / 2004

Die letzten zwölf Stunden im Leben des Jesus von Nazareth - qualvolle Stunden, die ihren Ausgang nehmen mit der Verhaftung im Garten Gethsemane. Zunächst ist da der Verrat durch seinen Jünger Judas Ischariot; es folgen die schwierige Urteilsfindung, die Todesstrafe, ausgesprochen vom römischen Stadthalter Pontius Pilatus, sein Leidensweg von Jerusalem auf den Berg Golgatha und die abschließende Kreuzigung. Dazwischen: die Versuchung Satans, der Trost der Mutter. Dann erst, endlich: die Erlösung durch Gottvater.


Wohl nur wenige Filme haben in den letzten Jahren schon im Vorfeld ihres Erscheinens für so viel Wirbel gesorgt wie der 2004 erschienene "Die Passion Christi", in dem Regisseur Mel Gibson seine künstlerische Variante über die 12 letzten Stunden im Leben von Jesus von Nazareth zum Besten gibt. Handelt es sich doch hierbei um eine extrem drastische Darstellung der Leiden des Mannes der von seinem eigenen Volk an die Römer ausgeliefert wurde, um letztendlich von diesen gekreuzigt zu werden. Man muss sich nur einmal die unterschiedlichsten Kritiken zu diesem Werk anschauen um zu erkennen, das wohl nur eine geringere Anzahl von Filmen so dermaßen kontroverse Meinungen nach sich ziehen. Das bezieht sich wohl in erster Linie auf die explizit dargestellten Gewaltmomente mit denen die Geschichte angereichert ist und zugegebenermaßen kann man sich als Zuschauer durchaus die berechtigte Frage stellen, ob ein solch hoch angesiedelter Härtegrad unbedingt notwendig war, um die Leiden eines Menschen in Szene zu setzen und dabei diverse-und äußerst brachiale Stilmittel zu verwenden die den Zuschauer phasenweise recht sprachlos zurücklassen. Aus den ansonsten üblichen Bibel-Verfilmungen mit dieser Thematik ist man doch ansonsten eher ein weich gespültes Programm gewohnt und wird eher selten auch nur mit dem Ansatz visueller Härte konfrontiert. Gibson ist an dieser Stelle einen vollkommen anderen Weg gegangen und stellt die Leiden Christi mit einer Vehemenz dar, die einem durchgehend mächtig zu schaffen macht und sich unauslöschbar in das eigene Gehirn einbrennen.

Das "Die Passion Christi" dabei von vielen Leuten sogar als Splatterfilm kategorisiert wird halte ich persönlich für stark übertrieben, denn trotz vieler wirklich unter die Haut gehender Passagen beschränkt man sich doch darauf, möglichst authentisch-und glaubwürdig eine Szenerie zu schaffen, wie sich die damaligen Ereignisse zugetragen haben könnten. Und ganz ehrlich gesagt erscheinen einem die hier ins Bild gesetzten Qualen-und Leiden eines Mannes doch auf jeden Fall nachvollziehbar und unterscheiden sich ganz erheblich von den ansonsten eher sauber wirkenden Filmen, die sich mit der Kreuzigung beschäftigen. Der einzige Aspekt der wirklich Fragen aufwirft ist derjenige, ob ein Mensch überhaupt die dargestellten Geißelungen und Folterungen körperlich ertragen könnte, ohne dabei schon vorzeitig sein Leben auszuhauchen. Es ist schwerlich nachzuvollziehen, das ein zutiefst geschundener Körper die hier in Szene gesetzten Qualen so lange aushalten kann und insbesondere die streckenweise regelrecht zelebrierten Schmerzen der Hauptperson sind wohl auch der größte Kritikpunkt vieler Leute, die in diesem Werk eine sinnlose Verrohung eines biblischen Themas sehen. Dabei glaube ich nicht wirklich, das man Gibson's Version lediglich auf seinen Härtegrad reduzieren sollte, der auch vielmehr dazu dient einen durchaus glaubwürdigen Eindruck über das echte Leiden Christi wieder zu geben. Unterstützt wird das Ganze durch einen immens wuchtigen Score von John Debney und einer rauen-und dreckigen Grundstimmung, die so vollkommen anders daher kommt als die meistens in den alten Hollywood-Filmen übliche-und viel zu glatte Atmosphäre.

Eine weitere herausragende Stärke der Geschichte ist ganz bestimmt Jim Caviezel, der in der Figur von Jesus eine wahre Glanzleistung abliefert. Wenn je der Schmerz und das Leid eines Mannes nahezu perfekt ins Bild gesetzt wurden, dann ist dies nämlich in vorliegender Story der Fall. Die Performance des Hauptdarstellers ist dabei so überzeugend das selbst der Betrachter vermeint, die zugefügten Schmerzen am eigenen leibe zu spüren, was im Prinzip die ganze Zeit über für ein extrem unbehagliches Gefühl Sorge trägt und einen dicken Kloß im Hals entstehen lässt. Lediglich einige Rückblenden in das Leben von Jesus sorgen für ein klein wenig Entspannung, ansonsten wird man eigentlich durchgehend mit einem von Härte durchzogenen Film konfrontiert, der einem merklich unter die Haut geht und dessen teils grausame Bilder wie eine zentnerschwere Last auf den eigenen Schultern liegen. An manchen Stellen möchte man am liebsten unter dem enormen Druck zusammenbrechen, zu intensiv und grausam erscheinen einem doch die kraftvollen Bilder, mit denen Gibson einer unzählige Male verfilmten Thematik in Sachen Härte neue Dimensionen verleiht und so auch ganz bewusst ein kontroverses Meisterwerk geschaffen hat, das seit jeher die Meinungen spaltet. Wie dem aber auch sei und ganz egal wie man zu diesem Werk stehen mag, auf jeden Fall kann man sich die hier gezeigten Abläufe viel eher vorstellen kann als die ansonsten doch geschönten Versionen die man immer wieder zu sehen bekommt.

Bei meiner ersten Sichtung vor mehreren Jahren konnte mich diese Version nicht so gänzlich überzeugen und vor allem die Tatsache das der Film in hebräischer Sprache vorliegt empfand ich damals als störend. Dieser Eindruck hat sich mittlerweile total geändert, denn gerade der Umstand untermalt den authentischen Eindruck dieser Geschichte, die viel mehr zu bieten hat als die zugegebenermaßen häufig vertretenen Härte-Passagen. Insgesamt gesehen handelt es sich nämlich um eine mögliche Version der letzten Stunden eines Mannes, die in der hier dargestellten Variante weitaus glaubwürdiger erscheint, als in etlichen "sauberen" Bibel-Filmen. Wenn man schon in so vielen Fällen immer wieder von den Leiden Christi spricht, dann gibt es wohl kaum eine andere filmische Umsetzung, die diese so eindrucksvoll und vehement zum Ausdruck bringt, wie es in "Die Passion Christi" definitiv der Fall ist. Gibson hat hier einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt das er nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Regisseur eine Menge auf dem Kasten hat. Dabei scheut er auch nicht davor zurück ein kontroverses Meisterwerk zu schaffen, das in vorliegendem Fall meiner persönlichen Meinung nach auf jeden Fall entstanden ist und das einen extrem nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlässt.


Fazit:


Ob man gläubig ist oder auch nicht, man sollte sich dieses eindrucksvolle Werk auf jeden Fall zumindest einmal anschauen, um sich auch selbst ein Bild davon zu machen. Für manche nur eine Ansammlung unnötiger Härte, stellt "Die Passion Christi" für viele andere Leute einen absoluten filmischen Hochgenuss dar, der zudem für kontroverse Diskussionen sorgt.


10/10


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Passion Christi (2004)
BeitragVerfasst: 18. Apr 2014, 20:48 
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Hier kann ich mich jetzt direkt äußern, denn auch ich habe die Capelight-Veröffentlichung ja erst bekommen und bereits gesichtet.

Die Geschichte, die hier erzählt wird, handelt von den letzten Stunden von Jesus von Nazareth. Er wird für ein paar Goldmünzen von Judas verkauft und von den Hohepriestern gefangen genommen. Diese wollen ihn ihrem Statthalter übergeben, damit dieser über Jesus richtet. Doch dieser zögert und reicht die Entscheidung vorerst an König Herodes weiter. Doch auch dieser will nicht über Jesus richten und gibt die Entscheidung zum Stadthalter zurück. Und dieser entscheidet, dass die Menge ihr Recht bekommt, und Jesus ans Kreuz geschlagen werden darf.

Nachdem er im Kerker war und mehrmals von der Bevölkerung verspottet worden ist, wird er dazu gezwungen sein eigenes Kreuz auf den Hügel hinauf zu schleppen. Als er dies vor Erschöpfung nicht mehr bewältigen kann, muss er Hilfe bekommen, damit er entsprechend gekreuzigt werden kann.

Die Geschichte ist hinlänglich bekannt. Es gibt keine Überraschungen, denn so ist es passiert, so lernt man es in der Schule. Deshalb gibt es hier auch von mir keinen Spoiler-Alarm, denn welche neuen Erkenntnisse sollte man sich hier erwarten? Viel wichtiger ist hier doch wie das Ganze dargestellt wird und wie es vor sich geht.

Von allen "Bibel-Filmen", die ich in meinem Leben je gesichtet habe, ob freiwilliger oder unfreiwilliger Natur, ist dieses Werk hier das absolut eindrucksvollste. Dabei habe ich gestern den Recut gesehen, wobei ich zuvor nur die Fernsehversion kannte. Ob man gläubig ist oder nicht spielt hier nur eine untergeordnete Rolle, denn auch "Ungläubige" können nachvollziehen, was sich da auf der Leinwand abzeichnet. Und es sind mehrere Charaktere und Elemente, die diesem Film hier eine ganz besondere Note geben:

1. Die Sprache
Diese ist Aramäisch, was heute kaum noch gesprochen wird. Laut Informationen des Mediabooks wurde dafür sogar extra ein Professor zurate gezogen. Das hat natürlich den Nachteil, dass der gesamte Film untertitelt ist, wahlweise in Englisch oder Deutsch, aber gerade auch das macht hier das Besondere aus. Es wirkt dadurch absolut glaubwürdig und ist trotz des vielen Textes leicht zu verstehen. Einige Brocken Latein kann ich so verstehen, da brauche ich sogar noch nichtmal Untertitel. Das rückt die Schauspieler natürlich wieder ins besondere Licht, denn selbst unsereins kann teilweise in Englisch Emotionen noch nicht mal richtig transportieren. Wie also soll das gelingen, wenn man auch noch eine Sprache sprechen muss, die man selbst nicht versteht? Ich finde jedenfalls, dass es fantastisch gelingt. Kritiker sind allerdings der Ansicht, dass gerade die lateinische Sprache im Film falsch dargestellt wurde, denn sie ist eher dem heutigen Italienisch ähnlicher als dem wirklichen Latein.

2. Die Bildqualität
Verglichen habe ich diese nicht, aber die Blu Ray bietet ein exzellentes, ruckelfreies Bild an. Gerade auch, was die dunklen Szenen angeht, wurde hier ganze Arbeit geleistet. Dabei kommt man sich aufgrund der Farbgestaltung wirklich vor wie in einem Monumentalfilm, denn es hat manchmal den Anschein, als ob der Film in einem Kupfer-Braun-Ton gedreht worden ist, ganz wie es den Vorstellungen der damaligen Zeit entspricht. Dabei tun Kleidung und Darstellung der Gebäude ihr Übriges dazu bei, dass man sich wirklich in die Zeit von Babylon zurückversetzt fühlt. Besonders gelungen sind teilweise die Darstellung von Himmel, man nehme da nur die Szene mit der Kreuzigung.

3. Effekte
Natürlich kann man keine Science-Fiction-Effects-Show erwarten, aber das, was man hier sieht, ist recht gut gemacht. Man fühlt praktisch mit als Jesus ausgepeitscht wird, gerade auch, als die "Neunschwänzige Katze" verwendet wird. Da fließt doch recht ordentlich Blut für einen solchen Film. Das ist ja auch das, was manche diesem Film ankreiden wollen: Er ist zu brutal. Gerade die Härte macht es aber umso begreiflicher eine entsprechende Empfindung beim Zuschauer zu kreieren. Rein optisch sind die dargestellten Wunden aber auch die Hölle selbst, die ganz kurz auftaucht, exzellent gelungen.

4. Die Erzählweise
Es werden zwar nur die letzten Stunden des Leben Jesu erzählt, aber in Rückblenden werden die entsprechenden anderen Anteile, die für die biblische Erzählung wichtig sind, mit eingebracht. Da wird weder das letzte Abendmahl noch der Verrat von Petrus ausgelassen, denn er wird Jesus dreimal leugnen, ganz wie es in der Bibel steht. Auch Rückblendem aus Jesu Vorgeschichte werden so mit erschlagen und sind weder aufdringlich noch störend im Handlungsfluss.

5. Die Musik
Es gibt wenige Filme, wo ein Score dermaßen passend ausgewählt worden ist. Dabei mischen sich orientalische Klänge und Gesänge in klassische Melodien mit hinein, die das Leid des dargestellten Bildes nur umsomehr verstärken. Allein schon deswegen ist die Capelight-Variante eine lohnende Anschaffung.

6. Die Charaktere
Es gibt mehrere Charaktere, die einen hier richtig begeistern können, und da möchte ich gar nicht Jesus als erstes nennen, sondern Maria. Maia Morgenstern, eine rumänische Schauspielerin, spielt die Maria hier sehr sehr eindrucksvoll und mit extrem viel Gefühl. Man kann ihr Leid, was eine Mutter für ihren Sohn empfindet, förmlich spühren und gerade deshalb ist sie zwar nicht der Hauptcharakter aber für mich der am meisten präsenteste. Erst dann kommt Jesus selbst. Mal erhlich: Welcher Schauspieler würde sich schon zutrauen, Jesus selbst zu spielen, denn man kann da eine Menge falsch machen und sich vielleicht sogar den Hass der Fundamentalisten auf sich ziehen. Jim Caviezel hat seine Sache hier aber großartig gelöst. Das Leid, was er ertragen muss, kommt hier natürlich durch die vielen Wunden stark zum Tragen, denn es scheint fast jeder Jesus irgendeine Wunde zugefügt zu haben. Dabei sind es gar nicht die körperlichen, die hier so eindrucksvoll dargestellt sind, sondern vor allem die seelischen, die allen voran durch Judas ihren Weg in die Passion fanden. Die einzige, die hier ohne diesen Film bereits bekannt war, ist Monica Bellucci. Sie spielt hier die Maria Magdalena, aber sie ist neben Maia Morgenstern einfach nur eine Randerscheinung. Sie macht ihre Sache gut, kommt allerdings nur durch ihr Äußeres Optisches zur Geltung, denn sie ist wie Maria gekleidet, was beide Frauen meist im Doppelpack aus der gesamten Menge herausstechen lässt. Der vierte Charakter witrd von Rosalinda Celentano gespielt und weiß im Film fast gar nicht eine richtige Rolle darzustellen, denn man weiß einfach nicht, wer diese Person ist, und das bleibt im Film selbst ein wenig im Dunklen. Sie hat mit Adriano Celentano einen berühmten Vater. Hier ist sie durch ihre Optik und Stimme recht gut präsent. Es hätte allerdings eine etwas ausgereiftere Rolle ihr etwas besser getan, denn man kann nur vermuten, dass es sich bei der Darstellung um den Teufel handelt.

Es gibt viele, vielleicht sogar sehr viele Menschen, die diesen Film nicht mögen und ihn enstprechend kritisiert haben, und nicht wenige davon gehören irgendeiner Kirche oder Glaubensrichtung an. Dabei vergessen viele aber auch, dass ein Film in erster Linie immer noch Kunst ist, und sei er auch noch so authentisch gedacht. Gerade anhand der Teufelsdarstellung wird dies doch deutlich, denn dieser war mit Sicherheit nicht Teil der Erzählung in der Bibel.

Aus meiner Sicht ist die Umsetzung hier aber fantastisch gelungen und es gibt wie ich finde keinen zweiten auch nur annähernd ebenbürtigeren Film über den Glauben. Dabei ist es doch eigentlich als positiv anzusehen, wenn sich viele Menschen, egal aus welchem Grund, diesen Film ansehen, denn diese erfahren so ganz neben bei einen Teil des Kernglaubens des Christentums, ob sie es nun glauben oder nicht, und darüber sollte jeder Geistliche doch froh sein, denn dieser Film hat mehr Leute vor die Mattscheibe gebracht, als es wahrscheinlich eine Messe in der Kirche über einen Monat lang täte, vielleicht sogar länger. Gerade deshalb ist die Kritik an diesem Werk vor allem der Kirche nicht zu verstehen, denn was diese in der heutigen Zeit nicht schaffte, hat Mel Gibson mit seinem Werk hier vollbracht: Die Auseinandersetzung und Diskussion über Glauben, Wahrheit und Legende. Und deshalb gibt es von mir hier auch 10/10 Punkten.

Fertig!

_________________
Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


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