Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
Aktuelle Zeit: 8. Dez 2016, 08:52

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde





Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 25 Beiträge ] Gehe zu Seite  1, 2, 3  Nächste
AbonnentenAbonnenten: 1
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 4744

AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Excision (2012)
BeitragVerfasst: 10. Mai 2013, 14:43 
Offline
Archivmeister
Benutzeravatar

Registriert: 12.2012
Beiträge: 1716
Geschlecht: männlich
BildBild


Originaltitel: Excision
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2012
Darsteller: u. a. AnnaLynne McCord, Traci Lords, Ariel Winter, Roger Bart, John Waters, Malcolm McDowell, Marlee Matlin, Matthew Gray Gubler, Jeremy Sumpter, Ray Wise, Molly McCook, Natalie Dreyfuss
Regie: Richard Bates jr.
FSK: 18


Inhalt:


Pauline sieht sich selbst, wie sie sich gegenüber sitzt. In einem bekachelten Raum, fast krankenhausähnlich. Blut läuft ihrem Ebenbild gegenüber aus der Nase. Und sie spukt es ihrem gesunden Ich zu. Dann wacht sie auf. Ihre Schwester Grace-Marie kommt ins Bild, wie sie in einer Art Schaukelstuhl ein Inhalations- oder Sauerstoffgerät benutzt. Sie leidet an Mukoviszidose.

Bild


Irgendeine High School. Pauline setzt sich zu den anderen Mädchen, als diese miteinander reden. Sie wird als "nicht hübsch genug" bezeichnet. Aufgrund ihrer Verhaltensauffälligkeiten, bringen ihre Eltern, allen voran ihre religiös fanatische Mutter Phyllis, sie zu einem Reverent. Geld für einen richtigen Psychiater können sie nicht aufbringen. Pauline beleidigt regelmäßig den Pfarrer in seinen Sitzungen. Sie glaubt nicht an Gott, ist aber dennoch mehrmals am Beten. Und sie berichtet in ihrem Gebet, dass sie plant vorehelichen Sex zu haben. Und sie will Chirurgin werden.

BildBild


In der Schule legt sie sich des Öfteren mit ihrem Mathelehrer Mr. Cooper an. Um ihr ein wenig Disziplin beizubringen, will Phyllis ihre Tochter dazu verpflichten, am Figuren-Tanz teilzunehmen, was dieser gegen den Strich geht. Der Vater, Bob, hat in der Familie nicht das sagen, und so erhebt er keine Einwände dagegen. In ihren Gedanken erscheinen Bilder von Leichen und Toten vor Paulines geistigem Auge, an denen sie sich reibt und mit ihnen spielt. Sie will ihre Jungfräulichkeit an Adam, einen Jungen aus der Schule, den sie eigentlich gar nicht kennt verlieren. Sie gibt ihm am nächsten Tag ihre Nummer.

Die Eltern von ihr kommen immer wieder zum Streit über ihre Tochter. In ihrem Zimmer pierced Pauline sich selbst, was vor allem Phyllis wieder nicht tolerieren möchte und es ihr deshalb untersagt mit dem Piercing aus dem Haus zu gehen.

Pauline ist eine Außenseiterin, aber die Aussicht auf eine schnelle Nummer, lässt Adam bei ihr anrufen. Aber sie unterbindet das Gespräch. Sie betet. Dann ist sie auf dem Boden eingeschlafen. Wieder sieht sie Tote in ihren Träumen. Adam kommt sie abholen. In seinem BMW. Ihrer Mutter spielt sie eine Lerngruppe vor, damit sie von ihrem Tächtelmächtel nichts mitbekommt. Sie gehen in ein Hotel. Weil sie die Pille nehme, will sie es ohne Kondom machen. Dann schlafen sie miteinander und sie hat dabei Fantasien von einem blutenden Adam, wie sie ihn reitet. Sie will, dass er es ihr mit dem Mund macht, aber als dieser gerade zu Gange ist, bekommt sie ihre Periode und Adam leckt ohne es vorher geahnt zu haben ihr Blut. Und ist angewidert. Sie will nicht schwanger sein. Wieder kommen Gedanken in ihr hoch, dass sie einen toten Fötus an der Nabelschnur in der Hand hält. Und entsorgt ihn. Abgetrieben in einer Art Waschmaschine.

Die Freundin ihrer Schwester ist unter dessen an Mukoviszidose verstorben. Ihr selbst geht es dadurch immer schlechter. Grace wird eine Lungentransplantation brauchen.

Pauline will nicht mehr zum Reverent. Sie betet für ihre Schwester. Und er soll ihre Mutter töten.

Eine Schulkameradin betritt das Haus, Abigail. "Sollte ich dich nochmal hier sehen, werde ich eine Tracheotomie mit dir durchführen - mit dem stumpfen Ende deines Springseils." Sie schaut sich im Spiegel an und malt auf ihrem Bauch rum. Sie will sich selbst eine Bauchdeckenplastik machen, damit der Nabel mehr in der Mitte ist. Ein Herpes-Bläschen ist im Spiegel zu erkennen. Sie hat ihn von ihrem Vater, als er sie nach einem Beinahe-Ertrinkungstod wiederbelebt hat. Ihre Mutter hat ein Kleid für sie für den Figuren-Tanz gekauft. Sie reißt ihrer Tochter im Traum die Zunge raus.

Aus dem Schulunterricht verschwindet sie auf die Toilette. Und trinkt etwas. Dann geht sie wieder ins Klassenzimmer, sagt aber gleich, dass sie sich nicht ganz wohl fühle. Aber Mr. Campbell will sie nicht erneut gehen lassen, da sie bereits draußen gewesen ist, und sie somit keinen Schein mehr frei hat. Und deshalb kotzt sie anschließend ihre Sitznachbarin Abigail voll. Ihre Mutter findet später heraus, dass Pauline ein Brechmittel aus der Hausapotheke entwendet hat. Und trotzalledem muss Pauline am Figuren-Tanz teilnehmen. Sie wird dafür von ihrer Mutter zurecht gemacht. Auch Grace muss dorthin. Doch es bietet sich ein merkwürdiges Bild: Der Altersunterschied zwischen den Tänzern ist enorm. Grace ist mit einem der Tänzer auf der Tanzfläche am Rumknutschen. Derjenige, der mit Pauline tanzt, ist von ihrem Herpes angewidert, und gerade deshalb, gibt Pauline ihm einen Kuss. Beide werden von ihrer Mutter nach Hause gezerrt.

Grace hört man immer häufiger im Schlaf husten. Pauline studiert unter anderem die Anatomie der Lunge in der Bücherei. Ihre Mutter bekommt allerdings spitz, dass Pauline nicht in der Schule gewesen ist, und versetzt ihrer Tochter eine Ohrfeige. Während des Abendessens bewirft Pauline ihre Mutter deshalb selbst mit Nahrungsmitteln. Bob und Phyllis streiten mal wieder. Sie kann ihre Tochter nicht lieben.

Als Pauline unterwegs ist, nimmt sie einen toten Vogel mit nach Hause. Sie seziert ihn und leckt sich anschließend die blutigen Finger ab. Sie betet wieder. Ihre Mutter ist eine Schlampe. Kacheln und eine Vierergruppe. Sie zieht ihren eigenen Kopf aus einem Leichensack.

Phyllis will mit ihrer Tochter reden, doch diese will nicht. Das Haus wird beschmiert. Pauline ist eine Fotze. Sie geht in die Schule, stößt Adam zur Seite und geht auf die Freundin von Abigail los und stößt ihren Kopf gegen den Spind. Sie wird zum Direktor gebeten und soll für ihre Tat zur Rechenschaft gezogen werden. Aus diesem Grund wird sie auf unbestimmte Zeit suspendiert. Sie selbst glaubt, dass sie eine Borderline-Persönlichkeitsstörung hat. Und ritzt sich auf der Toilette ein Kreuz in den Unterarm. Sie wollen sie nun zu einem echten Psychiater schicken.

Bild


Grace wird auf die Transplantationsliste für Lungen gesetzt. Pauline entschuldigt sich für ihr Verhalten aus den vergangenen Tagen. Ihre Schwester bekommt einen Hustenanfall. Beten. Sitzt an Grace' Bett. Sie tut ihrem Vater etwas Schlafmittel in den Tee, während ihre Mutter nicht zu Hause war. Dann entdeckt sie Abigail auf der anderen Straßenseite und lockt sie auf ihr Grundstück. Dort betäubt sie sie und schleift sie in die Garage. Und auch Grace wird betäubt und dorthin gebracht. Pauline schneidet sich die Haare ab. Es soll ja alles so steril wie möglich sein. Erst später entdeckt ihre Mutter das Grauen, was Pauline angerichtet hat, und ihr damit angetan hat...
Bild


Wertung:

Was bei "Durchgeknallt" eher auf der psychischen Ebene geschildert worden ist, wird hier in allen Facetten gezeigt und ausgelebt: Die Borderline-Persönlichkeitsstörung. Angefangen von leicht selbstverletztendem Verhalten, was nicht zwingend dazu gehören muss, über Anhedonie und Flucht in sexuelle Beziehungen unbekannter Partner. Daneben kommt es bei Pauline zu paranoiden Größenwahn im Sinne einer dissoziativen Störung. Denn sie glaubt, dass sie ihre Schwester durch ihre mickrigen Anatomiekenntnisse einer Lungentransplantation unterziehen zu können. Unbekümmert hinsichtlich der Verluste, die sie dadurch herauf beschwört.

Der Film ist kein Film zum nebenher sehen, denn er beinhaltet viel Dialoge. Die Hauptperson wirkt, obwohl es ein eher konservativ-religiöses Elternhaus zu sein scheint, ungepflegt und deplaziert. Ihre Schwester Grace eher angepasst. Um ihre Schwester retten zu wollen, was natürlich ein löblicher Ansatz ist, nimmt Pauline alles in Kauf - Ihre Karriere, die aus ihrer Sicht sowieso schon vorherbestimmt gewesen ist, das Leben ihrer Schwester, das von Abigail und damit auch ihr eigenes und das ihrer Familie - überzeugt davon, dass sie den Eingriff auf jeden Fall durchführen kann. Dabei vergisst sie, dass selbst geübte größte Schwierigkeiten haben, eine Lungentransplantation durchzuführen. Und hat man kein Organ zur Verfügung, dann nimmt man sich es einfach von seiner Nachbarin.

Was für eine Art Film ist das jetzt? Vielleicht ein Psychodrama. Er zeigt und beschreibt aber auch Tabuzonen, wie z. B. in Ansätzen die Nekrophilie und in aller Ausführlichkeit die Persönlichkeitsstörung von Pauline, was ihn deshalb zur Kontroverse macht. Denn nicht jedermann und jede Frau erwartet einen solchen Anblick bei einem solchen Film.

Darstellerisch bleiben übrigens keine Wünsche offen. Pauline ist, obwohl ich die Schauspielerin nicht kannte, ideal besetzt, da hier genau der Typus von Charakter verkörpert wird, der zu einer solchen Persönlichkeit passt. Traci Lords sieht man in der Rolle der zugeknöpften fanatisch-religiös geprägten Mutter. Vielleicht hätte man es anders herum erwartet, aber die Rolle steht ihr gut zu Gesicht. Malcolm McDowell kennt man eher aus komödienhaften Rollen, und auch wenn seine hier recht klein gehalten ist, so tritt er doch in Erscheinung.

Abschließend kann ich diesen Film nur mit 10/10 Punkten bewerten, auch wenn mir der ein oder andere dabei gar nicht zustimmen kann. Mir gefällt die Umsetzung und auch der Unterhaltungswert. Das einzige, was man hätte weglassen können, ist die mit Zitaten belegte psychiologische Beurteilung des Mediabooks im Innenteil und eines hier nicht näher erwähnten Rezensenten.

_________________
Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Excision
BeitragVerfasst: 25. Mai 2013, 16:04 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 12.2012
Beiträge: 715
Geschlecht: nicht angegeben
Excision ist vor allem ein anderer Film! Anders in dem Sinne dass es nicht der 235. Actioner oder der 187. Backwood-Slasher ist den man gerade
gesehen hat. Excision ist ein Film mit einer sehr eigenen und anspruchsvollen Aussage, einer der Streifen die weitab vom Mainstream liegen und mich
immer wieder erfreuen wenn man denn eine solche Perle entdeckt!

Absolut grandios die Darsteller - hervorzuheben AnnaLynne McCord die mit ihrer mutigen Leistung den Film trägt, auch das Wiedersehen mit Ray Wise
erfreute mich. Mr. McDowell spielt das was er kann: sich selbst - seit Clockwork Orange konsequent, auch das eine durchaus phänomenale Leistung!

Ausserdem herausragend in meinen Augen sind die Bilder die ästhetisch und doch zugleich grauenvoll wechseln zwischen der täglichen "Familienidylle"
und Paulines (Wach-)Träumen ... ein derart faszinierendes Blutbad z. B. wird mir lange im filmischen Gedächtnis hängen bleiben...!

Man sollte Excision SEHEN, so richtig beschreiben kann man ihn nicht - von mir verdiente 10/10

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Excision
BeitragVerfasst: 27. Mai 2013, 20:36 
Offline
Forum Admin
Benutzeravatar

Registriert: 12.2012
Beiträge: 2733
Geschlecht: männlich
Das hört sich alles sehr gut an und ich mag ja sowieso Filme, die ein wenig vom Üblichen abweichen. Der steht somit auf meiner Wunschliste.

_________________
Bild

Bild Big Brother is watching you


Nach oben
 Profil Besuche Website  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Excision
BeitragVerfasst: 28. Mai 2013, 09:04 
Offline
Wikinger-Zombie
Benutzeravatar

Registriert: 01.2013
Beiträge: 110
Wohnort: Köln
Geschlecht: männlich
Wirklich richtig guter Film, mit das beste was ich in letzter Zeit gesehen habe.
Die Story ist einfach gut, Schauspieler überzeugen alle, da gibt es keine Ausfälle.

Blu-Ray ist vom Bild und Ton auch auf gutem Niveau, leider sind die Extras etwas mau ausgefallen. Ich hätte gerne ein Making-Of gesehen, find ich bei Filmen mit niedrigem Budget immer intressant.
Da der Film auf dem gleichnamigen Kurzfilm von 2008 beruht wäre doch der Kurzfilm als Extra schön gewesen.

9 von 10


Nach oben
 Profil Besuche Website  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Excision
BeitragVerfasst: 11. Jul 2013, 07:00 
Offline
Foren-Amazone
Benutzeravatar

Registriert: 12.2012
Beiträge: 419
Wohnort: hier im Forum
Geschlecht: weiblich
Excision hat mich sehr überrascht. Der Film ist wirklich tiefgründig und spricht die vielschichtigen Probleme einer Familie an, die mit einem totgeweihten Kind zusammen lebt. Doch diesmal ist es nicht das kranke Kind, um das sich die Story dreht, sondern das vermeindlich gesunde, das an der Situation zerbricht. Auch wenn die Erzählstruktur mit den Tagträumen teilweise sehr abstrakt wirkt, ist das Geschehen sehr gut nachvollziehbar. Das sich ausgegrenzt fühlen, die Selbstverletzungen.

Auch wenn es abwegig erscheint, hat mich die Story ein wenig an "Beim Leben meiner Schwester" erinnert. Nicht an die grottenschlechte Verfilmung mit Cameron Diaz, in der dem Ganzen der Sinn genommen wurde. Sondern vielmehr an den Roman von Jodi Picoult, in dem es eben auch um eine Familie geht, die an der Krankheit des einen Mädchens zerbricht. Sehr tragische Geschichte, die einen hilflos zurück lässt.

In einer Sache muss ich Blaines Berichterstattung allerdings widersprechen: Als Pauline mit Adam Sex hat und dabei den Tagtraum von dieser riesigen Blutlache hat, denkt sie nicht, dass es sein Blut ist. Es ist ihr Blut. Sie wird entjungfert ;)

Generell ist aber nicht nur die Story von Excision erwähnenswert. Filmisch wird einem ebenfalls eine Menge geboten. Graue Alltagstristesse wechselt mit farbintensiven Traumsequenzen, denen man ihren künstlerischen Wert einfach nicht absprechen kann. Die Präsentation, die einstudierten Bewegungen der Darsteller und die Unmengen an Kunstblut haften sich wunderbar ins Gedächtnis. Wird schwierig werden, vergleichbare und gleichzeitig genauso gut umgesetzte Filme zu finden.

Jetzt stellt sich nur noch die Frage, warum Excision in der Rubrik "Kino Kontrovers & Skandalfilme" gelandet ist...

Von mir gibts 9/10

_________________
Es kotzt mich an, dass ich nicht Leben kann, wo ich will
Es kotzt mich an, dass ich nicht tragen kann, was ich will
Es kotzt mich an, dass ich nicht sein kann, wie ich will
Es kotzt mich an, dass ich nicht sagen kann, was ich will


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Excision
BeitragVerfasst: 11. Jul 2013, 19:12 
Offline
Archivmeister
Benutzeravatar

Registriert: 12.2012
Beiträge: 1716
Geschlecht: männlich
Angel hat geschrieben:
Jetzt stellt sich nur noch die Frage, warum Excision in der Rubrik "Kino Kontrovers & Skandalfilme" gelandet ist...


Ich hatte ihn hierher verfrachtet, da es zwei Kontroversen in diesem Film gibt: Zum einen die aufgrund der BPS recht drastisch ausgefallenen Szenen hinsichtlich der Nekrophilie, auch wenn sie nur in Gedanken und nicht im wirklichen Leben vorhanden ist, und Achtung, SPOILER
weil aufgrund des auftretenen Größenwahnsinns Pauline glaubt eine schwierige Operation durchführen zu können.
Das ist schon kontrovers, finde ich, denn man kann daran zweierlei sehen: Auf der einen Seite ist die gestörte Persönlichkeit und die Eltern erkennen dies nicht und können somit den Konflikt, der nicht nur zwischen ihnen und ihrer Tochter besteht, nicht auflösen und auf der anderen Seite ist es Pauline selbst, die die Störung an sich in sich trägt. Die Kontroverse besteht jetzt darin, dass man zum einen natürlich Pauline die Schuld für das, was dort passiert ist gibt, und sie damit zur Anti-Heldin wird. Auf der anderen Seite tragen ihre Eltern die eigentliche Schuld, denn mit einer vernüftigen Therapie hätte es vielleicht nicht so weit kommen müssen. Pauline kann schließlich nichts dafür, dass sich ihre Persönlichkeit in diese Richtung entwickelt hat, aber ihre Eltern hätten dafür sorgen müssen, dass dadurch keine Katastrophen heraufbeschworen werden. Dadurch verlieren sie nicht nur ihre älteste Tochter an die Irrungen und Wirrungen eines eingeschränkten Geistes mit nicht intaktem Urteilsvermögen sondern auch noch die andere, eben durch die Begrenzung ihrer Realität auf der Basis ihres religiösen Fanatismus. Außen vor dabei der Vater, denn dieser ist, wie im Film gezeigt, weder gewillt etwas dagegen noch dafür zu tun, was ihm natürlich die Mitschuld an dem Drama gibt.

Wer ist also schuld daran? Die Mutter? Pauline? Der Vater? Der Vater und die Mutter? Oder einfach die Krankheit von Pauline? Und das ist schon kontrovers, denn je nachdem, welcher Meinung ich bin, steht diese dann absolut konträr zu der entsprechenden Gegenseite. Und deshalb gehört dieser Film hier in die Kontrovers-Reihe. Als Psychodrama hätte ich ihn aber auch bezeichnen können :D

_________________
Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Excision
BeitragVerfasst: 12. Jul 2013, 06:48 
Offline
Foren-Amazone
Benutzeravatar

Registriert: 12.2012
Beiträge: 419
Wohnort: hier im Forum
Geschlecht: weiblich
Angenommen, man überträgt dieses Konfliktpotential mal auf andere Filme, dann müsste auch der "Blockbuster" Beim Leben meiner Schwester so kontrovers diskutiert werden. Und das wird er ganz bestimmt nicht, er wird vielmehr wie einer dieser vielen Kinofilme betrachtet, die man schon wieder vergessen hat, bevor sie aus dem Kino raus sind. Hier wird nämlich das selbe Problem diskutiert: der Bruder wird zum Brandstifter, die Schwester verklagt ihre Eltern, will Selbstbestimmung erlangen, um ihrer kranken Schwester nicht mehr helften zu müssen und riskiert damit, dass diese stirbt. Wem soll man da die Vorwürfe machen? Den Eltern, weil sie sich um ihr krankes Kind sorgen und dabei die gesunden nicht genug beachten? Wenn du mich fragst, ist das genauso viel Zündstoff wie in Excision. Nur halt, dass es niemand interessiert. Weil es ein schmalziges Kinodrama ist und niemand umgebracht wird. Für mich ist Excision also definitiv nicht so kontrovers, wie viele andere Filme, die im Forum diskutiert werden.

Einzig der Punkt mit der Nekrophilie überzeugt mich ein bisschen. Macht Spaß, mit euch über Filme zu diskutieren ;)

_________________
Es kotzt mich an, dass ich nicht Leben kann, wo ich will
Es kotzt mich an, dass ich nicht tragen kann, was ich will
Es kotzt mich an, dass ich nicht sein kann, wie ich will
Es kotzt mich an, dass ich nicht sagen kann, was ich will


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Excision
BeitragVerfasst: 12. Jul 2013, 19:41 
Offline
Archivmeister
Benutzeravatar

Registriert: 12.2012
Beiträge: 1716
Geschlecht: männlich
Man könnte es halt auch als Psychodrama bezeichnen, denn ein wenig "psycho" ist es, weil einfach die Persönlichkeit und damit auch die Psyche von Pauline im Vordergrund des Films steht - und das gerade weil die Szenen einigermaßen drastisch ausgefallen sind, und Drama, weil es irgendwo schon tragisch ist, dass ein Mensch glaubt, dass er eine komplexe Prozedur - gemeint ist die Transplantation - durchführen kann. Und das dann auch noch an der eigenen Schwester. Eigentlich ist es ja ein löblicher Ansatz, der mit den falschen Mitteln verfolgt und verwirklicht wird. Das ist aus meiner Sicht die "Größenwahn-"Komponente des Films und auch ein Merkmal der Persönlichkeits Paulines. Das ist auf der anderen Seite aber auch kontrovers, denn Pauline vollführt hier nicht nur die "Gute Tat" in Form der Transplantation sondern gleichzeitig bringt sie Spenderin und Empfängerin um - unabhängig von der Tatsache, dass ihre Schwester wahrscheinlich nicht mehr lange zu leben gehabt hätte.

Man hätte das alles natürlich auch anders darstellen können. Einziger mir bekannter ähnlicher Film ist "Durchgeknallt - girl interrupt", in der auch die Protagonistin, gemeint ist Susannah Kaysen, an Borderline leidet. Mit einem entscheidenden Unterschied: Sie wird in eine Nervenheilanstalt - natürlich gegen ihren Willen - gebracht. Dadurch ist eine ganz andere Sichtweise vorprogrammiert. Es wird hier mehr um die Beziehung zwischen ihr und Lisa, ebenfalls Patientin, gezeigt und wie sie mit der Situtation versucht klar zu kommen. Pauline hingegen ist aufgrund ihrer Eltern nicht in der Lage sich mit sich selbst auseinander zu setzen, denn das verhindern ihre Eltern. Und diese hätten irgendwann reagieren müssen. Die Familie Kaysen hat reagiert, in dem sie ihre Tochter nach einem "Selbstmordversuch" mit Aspirin - sie hatte angeblich nur starke Kopfschmerzen - eingewiesen haben. Dieses Schicksal bleibt Pauline verwehrt. Und dadurch kommt es schlussendlich nur zur Katastrophe, in dem sie das Leben von sich selbst, ihrer Schwester und damit auch schließlich ihrer Eltern zerstört. Ganz zu schweigen von Abigail, die bei der Organentnahme drauf geht.

Das hätte vielleicht durch ein etwas besseres Elternhaus vermieden werden können. So wie es Susannah vielleicht gehabt hat, auch wenn sie ihre Tochter vermeintlich abgeschoben haben. Die Sichtweise ist bei beiden Filmen zusätzlich etwas anders: Susannah erzählt ihre Geschichte selbst und ist dabei selbstkritisch und durchaus in der Lage sich und ihr Verhalten zu reflektieren.

Sei es drum. Egal ob nun kontrovers oder nicht - es ist auf jeden Fall ein sehr guter Film.

_________________
Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Excision
BeitragVerfasst: 13. Jul 2013, 10:51 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 12.2012
Beiträge: 715
Geschlecht: nicht angegeben
Um mich mal selbst zu zitieren und auch zu korrigieren, an Euren Beiträgen sieht man dass man Excision sehr wohl beschreiben kann!

Clyde bedankt sich auch in der Nachbetrachtung den Film besser verstanden zu haben, die Dialoge in O-Ton sind halt für mein bescheidenes Denglish
etwas kompliziert und wimmeln vor unbekannten Vokabeln^^

Und ausserdem finde ich es wie immer sehr schön wenn sich ein Review zu einer Diskussion entwickelt, auch dafür ein Dankeschön!

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Excision (2012)
BeitragVerfasst: 22. Jul 2013, 14:53 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 07.2013
Beiträge: 463
Wohnort: Freudenstadt
Geschlecht: männlich
Horror und so weiter. Aber immer wieder kommt ein Film daher, der sich nicht so einfach in einer Schublade stecken lassen will. Mit Excision haben wir genau so einen Film. Ohne großes Vorwissen bin ich an den Film rangegangen und ich wurde dermaßen überfahren von diesem Film, dass ich selbst 1 Tag später noch nicht weiß, was ich da erlebt habe.

Pauline hat es nicht leicht. Ihrer Mutter kann sie nichts recht machen, ihr Vater hat keine eigene Meinung und ihre Schwester leidet an einer Lungenkrankheit. In der Schule ist sie auch nicht unbedingt die beliebteste, was mit ihrem Aussehen und ihrer Art zusammen hängt. Doch sie hat ein Ziel und um das zu verwirklichen würde sie alles tun.

Die Story von Excision (was auf deutsch so viel wie Entfernung bedeutet), kann man eigentlich nicht wirklich zusammenfassen, ohne die ganze Überraschung, welche sie birgt zu verraten. Daher halte ich mich auch sehr bedeckt. Nichts desto trotz ist die Geschichte von Excision dermaßen außergewöhnlich, dass man nach dem Film wirklich sagen muss, sowas hat man noch nicht gesehen. Clever wird hier das Leben eine 18 Jährigen gezeigt und das dann aber dermaßen verschoben und verrückt, dass man oft nicht weiß was genau hier gerade vor sich geht. Die Schauspieler sind alle wirklich grandios. Allen voran natürlich AnnaLyne McCord, welche die Pauline spielt. Durch ihr Make Up sieht sie meistens aus wie eine pubertierende Jugendlich, aber immer wieder kann man ihre wahre Schönheit bewundern. Auch Malcolm McDowell macht als Mathe Lehrer eine gute Figur, auch wenn er nur eine sehr kleine Rolle bekommen hat. Alles in allem hat man hier wirklich sehr viel Wert auf sehr gute Schauspieler gelegt.

Die Kamera macht auch einen faszinierenden Job. Die Bilder sind hervorragend eingefangen und immer wieder bekommt man einen cleveren Zusammenschnitt präsentiert, der zeigt, was alle vier Familienmitglieder gerade machen. Auch sonst wird hier viel Wert auf eine wunderschöne Bildkomposition gelegt. Diese wird dann zusätzlich noch von dem grandiosen Soundtrack untermalt, welcher wirklich unter die Haut geht und in Verbindung mit den Bildern ein wunderschönes Bild zeichnen kann.

Die Effekte sind auch sehr gut geworden, denn ja es gibt Blut und die Szenen gehören wirklich zu den Highlights, da so dermaßen unvermittelt auftauchen, dass man einfach nur mit einem offenen Mund dasitzen kann. Allein die letzten 20 Minuten habe ich den Mund nicht mehr zu bekommen, weil der Film so viel verrücktes geboten hat, dass ich einfach nur erstaunt war.
Fazit: Mit Abstand der beste Film der letzten Jahre. Clever, ungewöhnlich, herausragend gespielt von AnnaLyne McCord und einfach nur einzigartig. Wer einen ganz besonderen Film jenseits von irgendwelchen festen und klaren Regeln sehen will, der muss Excision einfach gesehen haben. Man wird diesen Film so schnell nicht vergessen!!!

_________________
Bild

Cyberpunk Kaiju Experimentalworld

Cyberpunk Kaiju Experimentalworld bei Facebook: Fan werden ;)


Nach oben
 Profil Besuche Website  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 25 Beiträge ] Gehe zu Seite  1, 2, 3  Nächste

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron
© phpBB® Forum Software | phpBB3 Forum von phpBB8.de
» Kontakt & Rechtliches Support / Hilfe Forum Gooof Webdesign Kostenloses Forum Dein Forumo Forum web tracker