Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Ken Park (2002)
BeitragVerfasst: 21. Jun 2013, 18:27 
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Ken Park
(Ken Park)
mit Adam Chubbuck, James Bullard, Seth Gray, Eddie Daniels, Zara McDowell, Maeve Quinlan, Stephen Jasso, Wade Williams, Tiffany Limos, Julio Oscar Mechoso, James Ransone, Patricia Place, Amanda Plummer, Mike Apaletegui, Harrison Young
Regie: Larry Clark / Edward Lachman
Drehbuch: Larry Clark / Harmony Corine
Kamera: Larry Clark / Edward Lachman
Musik: Keine Informationen
Keine Jugendfreigabe
Frankreich / Niederlande / USA / 2002

Hinter der idyllischen Fassade einer kalifornischen Vorstadt brodelt es gewaltig. Auch als sich Ken Park, ein ganz "normaler" Teenager, eines Tages das Gehirn wegschießt, ändert sich daran nichts: Shawn schläft weiter mit der Mutter seiner Freundin, die vermeintlich tiefreligiöse Peaches entpuppt sich als Bondage-vernarrtes Biest, Claude versucht sich der sexuellen Avancen seines Stiefvaters zu erwehren und Tate, der nur per Selbststrangulation zum Höhepunkt kommt, erschießt scheinbar aus heiterem Himmel seine Großeltern.


Darf ich dich lecken?


Spätestens zu dem Zeitpunkt, als der junge Shawn diese Frage an die Mutter seiner Freundin richtet, weiss der Zuschauer ganz genau, das er es hier nicht mit einem normalen Teeniefilm zu tun hat. Das hätte allerdings auch bei Regisseur Larry Clark sehr verwundert, ist er doch eher bekannt dafür, das er mit seinen Filmen provozieren will, was ihm schon 1995 mit seinem Werk "Kids" vortrefflich gelungen ist. Nun ist "Ken Park" sicherlich noch viel verstörender und auch härter, als es "Kids" war, denn der Schockeffekt des hier in Szene gesetzten Geschehens verfehlt beim Zuschauer ganz sicher nicht seine Wirkung und brennt sich fast unauslöschlich in dessen Gedächtnis. Und obwohl das hier Gezeigte ganz bestimmt nicht realitätsfremd erscheint und bei vielen Leuten eventuell schon zur Normalität in der heutigen Zeit zählt, ist man teilweise geschockt und fassunglosund ringt bei bestimmten Passagen sogar sichtlich nach Fassung.

Der Titelheld des Filmes steht hier überhaupt nicht im Mittelpunkt der Geschichte, man sieht ihn lediglich in der Anfangssequenz, in der er sich das Leben nimmt und in den letzten gut 3 Minuten dieses Werkes, als man eine kleine Erklärung für seine Tat erhält. Ansonsten dreht sich alles um seine Freunde, mit denen er seine Zeit verbracht hat und man erhält einen doch ziemlich tiefen Eindruck über die einzelnen Charaktere und vor allem über die häuslichen Verhältnisse, aus denen sie kommen. Die dabei gewonnenen Eindrücke sind dabei teilweise wirklich erschütternd und bieten einen guten Einblick hinter die äussere Fassade der zumeist hübschen Einfamilienhäuser. Da ist zum Beispiel Shawn, der es hinter dem Rücken seiner Freundin hemmungslos mit deren Mutter treibt, dann wäre da Claude, der unter dem Alkoholismus seines Vaters leidet, der ihn sogar sexuell missbrauchen will, die hübsche Peaches, die unter ihrem fanatisch-religiösen Vater leidet, ihm die religiöse Tochter vorspielt, aber insgeheim ein sexhungriges Luder ist und zuletzt noch Tate, der lediglich durch Selbststrangulation zum Orgasmus kommt und irgendwann ohne ersichtlichen Grund seine Großeltern ermordet.

Bei den Abgründen, die sich einem hier offenbaren, hat Larry Clark noch einen draufgesetzt und die oben beschriebenen Dinge schonungslos offen in Szene gesetzt. Gerade die Sex-Passagen, die der Film beinhaltet, lassen manchmal den Eindruck entstehen, das man vielmehr einen Hardcore-Porno als denn ein Jugend-Drama zu sehen. So kann man Tate bei der Selbstbefriedigung zusehen, wobei die Kamera voll draufhält, auch ist Oralverkehr zwischen Peaches und 2 ihrer Freunde im Angebot und auch hier wird wirklich alles gezeigt. Nun kann man sicherlich trefflich über die Notwendigkeit solcher Szenen streiten, ich bin jedoch der Meinung, das diese Passagen dem Film noch zusätzliche Intensität verleihen und das gesamte Geschehen noch authentischer und schockierender gestalten, als es von haus aus schon ist.

Nun gibt es nicht gerade wenige Leute, die "Ken Park" als ziemlich sinnlose Provokation ansehen und werfen Larry Clark vor, gerade durch die teils harten Sex-Passagen die fehlende Tiefe der Charaktere zu kaschieren, doch ich bin da vollkommen anderer Meinung, denn eben diese sexuelle Haltung der einzelnen Personen sagt doch eine Menge über sie aus. Ausserdem ist der Einblick und die Beleuchtung der hauptpersonen durchaus ausreichend und sehr aussagekräftig. Aber nicht umsonst ist dieses provozierende Werk in der "Kino Kontrovers-Reihe" erschienen, denn die Meinungen darüber gehen wirklich extremst auseinander. Von Schund bishin zum Meisterwerk ist wohl alles vertreten, was man nur äussern kann. Und ganz egal, wie man nun persönlich zu diesem Film steht, eines kann man ihm keinesfalls absprechen und das ist die Tatsache, das ordentlich über ihn diskutiert wird. Und somit hat der Regisseur sein gestecktes Ziel doch ganz sicher erreicht, denn er provoziert die Menschen, die sein Werk gesehen haben, zu einem regen Meinungsaustausch.


Fazit:


"Ken Park" ist bestimmt kein Film für das breite Mainstream-Publikum, vielmehr wird hier ein Filmerlebnis geboten, über das man spricht und diskutiert. Durch seine größtenteils schockierende Wirkung regt er zum nachdenken an und hinterlässt einen sehr nachhaltigen Eindruck im Kopf des Betrachters, der sich auch noch lange, nachdem der Film zu Ende ist, noch seine Gedanken um ihn macht und versucht, das Gesehene zu verarbeiten. Ein Film, den man schwerlich nach gut oder schlecht bewerten kann, der aber auf jeden Fall sehr interessant ist.



7/10

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 Betreff des Beitrags: Re: Ken Park
BeitragVerfasst: 21. Jun 2013, 20:29 
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Master hat es größtenteils schon geschrieben. Doch dort, wo andere Filme bremsen und nicht alles zeigen, geht Ken Park weiter, so dass man sich teilweise wie in einem Porno mit Schockelementen vor kommt. Das ist sozusagen das, was das Besondere an diesem Film ist. Und "Ken Park" wird immer mit Kids verglichen werden, wobei das Thema HIV 1995 aktueller und damit wahrscheinlich schockierender gewesen ist (was es heute ja leider muss man fast sagen) nicht mehr ist.

Hatte diesem Film vor einiger Zeit sogar 08/10 gegeben. Das heißt aber nicht, dass jeder diesen Film gut findet. Einige würden sogar behaupten, dass es rein auf das *räusper* Geficke hinauslaufen würde. Aber die Frage ist doch anfangs: Warum hat sich der Rotschopf mit dem Skateboard eine Kugel durch den Kopf gejagt? Und das darf man nicht aus den Augen verlieren.

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Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


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