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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Surrealistica Uniferno 1 (2010) + 2 (2012)
BeitragVerfasst: 10. Feb 2014, 15:33 
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Produktionsland: Deutschland
Produktion: Phantasma Disques
Erscheinungsjahr: 2010+2012
Regie: Cosmotropia de Xam
Drehbuch: Cosmotropia de Xam
Kamera: Cosmotropia de Xam
Schnitt: Cosmotropia de Xam
Spezialeffekte: Cosmotropia de Xam
Budget: ca.
Musik: Mater Suspiria Vision
Länge: ca. 74 Minuten (Teil 1) + 47 Minuten (Teil 2)
Freigabe: ungeprüft
Darsteller: Marina Dellamore, Shazzula, Claude Gerber


Trailer:
vimeo.com Video From : vimeo.com


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Meinung:

Nachdem seine neusten Werke viel Anklang, nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen Fans des außergewöhnlichen Films gefunden haben, hat sich der deutsche Arthouse Regisseur Cosmotropia de Xam nun dazu entschlossen seine Frühwerke neu aufzulegen. Den Anfang dabei macht sein Debütwerk Surrealistica Uniferno, welches zusammen mit dessen Fortsetzung auf einer DVD im März erhältlich sein wird. Da es beide Filme schon regulär, in ihrer Ursprungsfassung zu erwerben gibt, habe ich mich nun daran gemacht beide einmal näher anzuschauen. Aber können die Filme auch eine solche Macht ausüben, wie es seine neusten Werke geschafft haben.

Von der ersten Sekunde an merkt man, dass man es hier mit einem Werk aus der Feder Cosmotropia de Xam zu tun hat. Ein Mund, welcher einen merkwürdigen, spiegelnden Gegenstand in sich trägt. Wirre Schnitte zucken über den Bildschirm. Der Zuschauer ist erschlagen und das nach gerade einmal 1 Minute. Gleichzeitig ist da diese Musik, die wie eine meditative Droge auf die ungeschulten Hörgänge einschlägt. Armbewegungen umschließen den Geist des Beobachters und nehmen ihn mit in einen Zustand der Leere. Spiegelungen von Augen sind zu sehen. Eventuell ein Zeichen für eine gespaltene Seele des zum Mund gehörenden Körpers? Haben wir es hier mit einer, oder mehrere Personen, bzw. Persönlichkeiten zu tun?

Die Farben verändern sich und alles wirkt unnatürlich und mystisch. Ein Buch ist zu sehen und eine weibliche Stimme rezitiert sich wiederholende Wörter. Ein Zauberspruch? Ein Fluch? Aber wer soll nur verflucht werden, wer ist das Ziel dieser Worte? Der Zuschauer ist ratlos, doch schon bald zeigt sich, wer darunter leiden muss. Eine weitere Frau wird gezeigt. Doch auch hier zeigen sich unzählige Spiegelungen von Augen. Hat sich vielleicht die gespaltene Persönlichkeit der anderen Frau auf sie übertragen? Wie sich zeigt, scheint sie das Opfer des Zaubers zu sein. Nun trägt ihr Mund diesen merkwürdigen Gegenstand und er scheint Besitz von ihr und ihrer Seele zu ergreifen.

Plötzlich fallen Perlen aus ihrem geöffneten Mund. Entflieht nun ihre Seele? Ist sie der bösen Seite ausgeliefert? Und warum zeigt sich die erste Frau nicht mehr? Hat sie Angst vor dem Wesen, was sie erschaffen hat? Eine mystische Verwandlung beginnt und die Frau bewegt sich in verschlingenden Bewegungen, die den Zuschauer immer weiter in ihren Bann ziehen und ihn nicht mehr los lassen. Der Kampf ist verloren. Und alles endet in dem Ende des Seins und des Lebens. Die Seele explodiert und alles ist zu Ende.

Der zweite Teil setzt nun genau dort an. Nachdem die Seele am Ende des ersten Teils explodiert ist, beginnt sie nun zu wandern. Die gute Hexe scheint gefangen in einer Welt, die ihr offen steht, von welcher sie allerdings ohne Seele nicht weg kommt. Verschlossene Türen soweit das Auge reicht, keine Tür lässt sich öffnen. Doch was symbolisiert die Tür denn genau? Wieso hat das Logo dieser beiden Filme das Aussehen eines kryptischen, fast altertümlich wirkenden Schlüsselloches einer längst vergangen Zeit. Wohin führen die Türen eigentlich? Ist der Film der Schlüssel? Sind die Türen Hindernisse die es, sowohl für die Hauptdarstellerin, wie für den Beobachter zu überwinden gilt?

Verzweifelt läuft sie durch einen Bahnhof, dass Holocaust Denkmal ist zu sehen. Gefangen in einem Labyrinth aus dem es kein Entrinnen gibt. Sie ist allein, doch in ihrer größten Not kommt ihr eine Nonne zur Hilfe, die mit ihr zusammen einen Weg heraus aus der Gefangenschaft sucht, die sie ansonsten noch in den Wahnsinn treiben würde. So beginnt eine Reise für beide, die nicht nur für die Darsteller zu einer Herausforderung wird.

Über Cosmotropia de Xam Werke zu schreiben, bedeutet gleichzeitig sich von allem frei zu machen und seine eigenen Gedanken freien Lauf zu lassen. Die normalen Restriktionen einer Review greifen hier nicht, denn es handelt sich hier auch nicht um einen ganz normalen Film. Interessant ist, dass Teil 2, direkt an den Vorgänger anknüpft und man den Fehler tunlichst vermeiden sollte, beide getrennt zu sichten. Wenn man nämlich das Ende von Teil 1 für sich nimmt, weiß man bei weitem nicht, was es einem sagen möchte und auch andere Verknüpfungen werden erst nach dem Abspann von Teil 2 wirklich klar. Es ist wie Ying und Yang, ein Kreis der sich schließt, ein Werk das aus zwei Teilen besteht, die getrennt so unvollkommen sind, dass man den Genuss nicht wirklich auskosten kann.

Wo in Teil 1 die Bilder noch recht entspannt und fast hypnotisierend sind, dann aber in einem Knall gipfeln, da bietet der Nachfolger ein gänzlich anderes Bild. Hier wird man mit schnellen Schnitten bombardiert, manchmal sieht man eine Szene erst normal ablaufen, dann wieder rückwärts. Spiegelbildlich für die Zerrissenheit der beiden Charaktere in Teil 1, tritt in Teil 2 die Rastlosigkeit und Verzweiflung der guten Hexe in den Vordergrund. Sie kann überall hin gehen und doch kommt sie niemals an, denn Mächte halten sie zurück oder ziehen sie immer wieder an den Ursprungsort zurück.

Musikalisch sieht es da ganz ähnlich aus, denn im ersten Teil bekommt man einen wilden Hippie Industrial Mix vorgeworfen, welcher das Bild der zwei Seelen in einem Körpr erneut verdeutlicht. Zum einen fühlt man sich verloren in Zeit und Raum, erreicht einen Zustand der kompletten Ruhe und der Erleichterung, nur um wenig später mit harten Klängen unsanft aus dieser Ebene der Freiheit herausgerissen zu werden. Teil 2 hingegen wirkt sehr unruhig, gleichzeitig aber auch immer wieder entspannt und tranceartig in seinen verwendeten Sounds. Die Rastlosigkeit der Seele und des Körpers wird erneut hervorragend unterstrichen und begleitet.

Die Kryptik hingegen ist in beiden Werken absolut gleich. Man versteht den Film beim ersten Sehen definitiv nicht. Teil 1 ist da sogar noch deutlich schwerer zu „lesen“ als der Nachfolger. Hier merkt man zwar, dass Cosmotropia de Xam etwas aussagekräftiger geworden ist, seinen ganz eigenen Stil erkennt man aber immer noch. Zudem scheint Surrealistica Uniferno 2 der indirekte Vorgänger zu Diabolique (Review) zu sein. Viele Orte und Punkte auf der Reise der verlorenen Seele wird der interessierte Zuschauer auch in Diabolique wieder erkennen. Und als kleiner Tipp an dieser Stelle muss gesagt werden, dass man seinen Blick besonders in Teil 2 nicht immer nur auf den Darstellern im Vordergrund fixieren sollte, denn im Hintergrund sind oft Sachen zu sehen, die für den Gesamtkontext unerlässlich sind und nicht verpasst werden sollten.

Fazit: Surrealistica Uniferno 1+2 sind zwei außergewöhnliche Werke aus der Feder eines außergewöhnlichen Regisseurs geworden. Kryptisch, verzaubernd und einzigartig. Audiovisuell bekommt man bei dieser Reise des Körpers und der Seele wieder einmal etwas geboten, wozu wohl nur Cosmotropia de Xam fähig ist. Nach Teil 1 wird man leer zurück gelassen, nur um im zweiten Teil dann wieder den Weg zurück in die Welt zu finden und am Ende dann doch so kraftlos zurück zu bleiben, weil man von diesem Audiovisuellen Angriff einfach erledigt ist. Für Fans des Regisseurs und alle die, die es noch werden wollen eine absolute Empfehlung.

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 Betreff des Beitrags: Re: Surrealistica Uniferno 1 (2010) + 2 (2012)
BeitragVerfasst: 10. Feb 2014, 15:52 
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Ich hab mir übrigens noch die Erstauflage sichern können, von denen es wohl nicht mehr allzu viele gibt:

http://phantasmadisques.bigcartel.com/p ... a+uniferno

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 Betreff des Beitrags: Re: Surrealistica Uniferno 1 (2010) + 2 (2012)
BeitragVerfasst: 12. Feb 2014, 14:35 
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Hier gehts zur Info bzgl. der neuen Auflage:

The Early Works of Cosmotropia de Xam Vol. 1

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