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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Alexandra's Project (2003)
BeitragVerfasst: 26. Okt 2013, 17:18 
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Alexandra's Project
(Alexandra's Project)
mit Gary Sweet, Helen Buday, Bogdan Koca, Samantha Knigge, Jack Christie, Eileen Darley, Geoff Revell, Philip Spruce, Nathan O'Keefe, Peter Green, Martha Lott, Cindy Elliott, Gemma Falk, Nicole Daniel, Duncan Graham
Regie: Rolf de Heer
Drehbuch: Rolf de Heer
Kamera: Ian Jones
Musik: Graham Tardiff
Keine Jugendfreigabe
Australien / 2003

Eigentlich dachte Steve, dass ihn zuhause eine Schar von Gästen zu seinem Geburtstag überraschen würde, doch in seiner stockdunklen, verlassenen Wohnung erwartet ihn nur ein Videoband mit der Aufschrift "Spiel mich". Als er es abspielt, sieht er zunächst seine Frau Alexandra und seine Kinder, die ihn fröhlich beglückwünschen. Dann schickt Alexandra die Kids auf ihr Zimmer und beginnt einen verführerischen Striptease. Doch dann hält sie sich plötzlich eine Waffe an den Kopf. Steve stoppt das Band und versucht die Polizei anzurufen, doch das Telefon ist tot und er muss zudem feststellen, dass er in seiner Wohnung eingeschlossen wurde. Er sieht sich das Band weiter an und was er im weiteren Verlauf der Aufnahme sehen muss, übersteigt seine allergrößten Ängste.


Der Hass einer Frau kann zerstörend sein


Rolf de Heer (Bad Boy Bubby) hat mit dieser australischen Low Budget Produktion ein Ehedrama der aussergewöhnlichen Art geschaffen, das durch seine enthaltene Intensität auf jeden Fall einen sehr nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer hinterlassen dürfte. Die geschieht auf eine Art und Weise, wie es sicherlich nicht ganz alltäglich ist, aber dennoch beinhaltet dieses Werk eine nahezu erschreckende Authenzität, die insbesondere auf das männliche Geschlecht eines teils schon schockierende Wirkung hinterlassen dürfte. Dabei fängt die Geschichte doch sehr seicht an, man wird mit der scheinbaren Idylle eines australischen Vorstadt konfrontiert, in der Steve und Alexandra mit ihren beiden Kindern leben. Zwar bemerkt man schon in dieser Phase des Films, das im Verhältniss zwischen den beiden Eheleuten keine perfekte Harmonie herrscht, jedoch gibt es eigentlich keinerlei Anzeichen für das, was im weiteren Verlauf der Geschichte noch passieren wird. Insbesondere Steve scheint mit seinem Leben doch ausserordentlich zufrieden zu sein, ist er doch auch beruflich ziemlich erfolgreich und scheint seine Familie über alles zu lieben.

Nachdem er allerdings an seinem Geburtstag nach der Arbeit nach Hause kommt, wird sein komplettes Leben vollkommen auf den Kopf gestellt, denn erwartet ihn doch eine Party der ganz besonderen Art. Nun weiss man ja nicht erst seit heute, das hassende Frauen zu Vielem in der Lage sind, um ihren Männern deren Fehler vor Augen zu führen, doch das "Projek", mit dem Alexandra ihren Mann überrascht, toppt doch so ziemlich alles, was man sich so in seinen kühnsten Träumen vorzustellen vermag. Dabei bedient sich die Ehefrau der einfachsten Mittel, um ihren Mann zu schockieren und zu demütigen, ist es doch eine banale Videocassette, die das Leben von Steve innerhalb kürzester Zeit aus dem Ruder laufen lässt. Näheres zum Inhalt des Tapes kann man hier nicht äussern, um nicht die gesamte Spannung vorwegzunehmen, allerdings ist das Videomaterial so hart und demütigend, das einem gerade als Mann kalte Schauer über den Rücken laufen und man das Gesehene erst einmal verarbeiten muss.

Obwohl hier im Cast mehrere Darsteller aufgeführt sind, handelt es sich im Endeffekt um ein intensives Kammerspiel mit lediglich zwei Personen, von denen eine auch noch nur per Video präsent ist. Nun mag manch einer eventuell denken, das sich eine eher zähflüssige und langatmige Geschichte entwickelt, doch diese Befürchtung kann man von Anfang an im Keim ersticken. Vielmehr entsteht zwischen den beiden Eheleuten ein psychisches Katz-und Maus Spiel, in dem der Verlierer von der ersten Sekunde an feststeht. Steve hat nämlich keinerlei Chance, dieses perfide und sadistische Spiel zu gewinnen, ist seine Frau doch überhaupt nicht greifbar für ihn, so das er die gesamte Palette der Demütigungen über sich ergehen lassen muss, die das Video-Tape für ihn bereithält. Dabei schlägt ihm nicht der gesammte aufgestaute Frust und Hass seiner Frau entgegen, sondern wird im häppchenweise Stück für Stück vermittelt, wobei sich sein eigener Schmerz immer mehr steigert, bis es kaum mehr auszuhalten ist. Gerade die immer weiter ansteigenden Demütigungen seiner Frau sind es, die der Geschichte eine ungeheure Wucht verleihen und dem Zuschauer so manchen Schlag in die Eingeweide garantieren.

Insbesondere als Mann gerät man dabei zeitweise in einen Zustand, der gar nicht mehr den Eindruck eines Spielfilms verleiht, befindet man sich doch mit einemmal selbst in Steves Fernsehsessel und stellt sich dabei vor, das es nicht Alexandra, sondern die eigene Ehefrau ist, die einem aus dem Bildschirm entgegenschaut. So sieht man dann das Geschehen streckenweise aus einem vollkommen anderen Blickwinkel und denkt über sein eigenes Verhalten innerhalb der eigenen Ehe nach. Bringt man der eigenen Ehefrau den Respekt entgegen den sie verdient hat, oder bewegt man sich auch in einer Art Scheinwelt, in der nach der eigenen Sichtweise scheinbar alles in Ordnung ist? So kann man sich dann auch hervorragend in die vorherrschende Situation des geschockten Ehemannes hineinversetzen und entwickelt trotz dessen offengelegter Fehler so etwas wie Mitgefühl, denn will man doch auf keinen Fall in seiner Situation sein, die sich mit der Zeit immer mehr zuspitzt. Denn durch die auf dem Tape gezeigten Geschehnisse gerät Steve immer mehr in einen Strudel, der ihn unaufhörlich immer weiter nach unten zieht und seine Psyche zunehmend belastet. Alexandra's Botschaft an ihn ist nämlich geprägt von Sadismus und psychischer Qual und entpuppt sich letztendlich als eine Machtdemonstration gegenüber einem machtlosen Menschen, der mit zunehmender Laufzeit immer mehr feststellen muss, das er keinerlei Chancen hat, seine Situation zu verbessern.

Aus dem zu Beginn lebensfrohen und selbstsicheren Mann wird immer mehr ein psychisches Wrack, das die durch das Video entstehenden Qualen kaum noch begreifen geschweige denn verarbeiten kann. Und an diesem Punkt kommen wir nun zur größten Stärke dieser australischen Produktion und das sind ganz eindeutig die beiden Hauptdarsteller Gary Sweet und Helen Buday, die durch ihr brillantes Schauspiel für die ausgehende Intensität dieses Dramas verantwortlich zeichnen. Die immense Ausdrucksstärke der kleinsten Gefühlsregungen vermitteln einen so authentischen und glaubwürdigen Eindruck, das man wirklich streckenweise das Gefühl bekommt, ein Teil dieser Geschichte zu sein, die faszinierend und schockierend zugleich ist. Obwohl der Film keinerlei Action beinhaltet und sich fast ausschließlich in einem Zimmer vor einem TV-Gerät abspielt, entsteht eine solch dichte Grundstimmung, das man als Betrachter schweissnasse Hände bekommt. Dabei wird man die gesamte Laufzeit über ein starkes Gefühl der Beklemmung nicht los und steht auch lange nach der Sichtung des Filmes noch nachhaltig unter den Eindrücken, die er vermittelt hat.

"Alexandra's Project" ist sicherlich nicht unbedingt ein Film, den man als mainstreamtauglich bezeichnen kann und wird so wohl auch lediglich einer betimmten Zielgruppe zugänglich sein. Wer allerdings ein extrem intensives und authentisches Drama zu schätzen weiss, der wird von diesem aussergewöhnlichen Werk nahezu begeistert sein. Mit den einfachsten und bescheidendsten Mitteln wurde hier das Maximale an Wirkung erzielt, so das man von einem nahezu brillanten Filmerlebnis sprechen kann, das insbesondere beim männlichen Geschlecht seine Spuren hinterlassen dürfte.


Fazit:


"Alexandra's Project" kann man durchaus als Mahnmal für Männer ansehen, die ihren Frauen nicht die nötige Zuwendung und den gebührenden Respekt entgegenbringen, den sie letztendlich verdienen. Sicherlich werden die eventuellen Folgen hier auf eine äusserst drastische Art dargestellt, die aber keinesfalls an den haaren herbeigezogen erscheint. Auf jeden Fall aber handelt es sich um einen brillanten Film, den man unbedingt gesehen haben sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 99 Minuten
Extras: Behind the Scenes, Interview, Trailer, Trailershow, Booklet

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 Betreff des Beitrags: Re: Alexandra's Project (2003)
BeitragVerfasst: 27. Okt 2013, 11:06 
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Keine Wertung Master? Wobei sich ja aus Deinem - hervorragenden - Review entnehmen lässt dass diese im oberen Bereich anzusiedeln ist! Da ich dabei bin: Die Vorstellung
verrät genug um neugierig zu werden und lässt ausreichend aus um die Spannung bei Sichtung zu erhalten. Vorab: meiner Frau war er 10/10 wert, natürlich.

Alexandra's Project trifft einen als Mann von Beginn an da wo es wehtut: am eigenen Ego und der eigenen Sicht auf die Dinge. Mann weiß dass Frau die Dinge anders sieht, aber
so kompromisslos, so intensiv und erbarmungslos den Spiegel vorgehalten zu bekommen kann vernichtend sein. Es ist sicher über ein Jahr her dass ich diesen Film gesehen habe,
aber er ist einer derjenigen die sich einem einbrennen, sicher im Gedächtnis, mehr noch ins Unterbewusstsein, und so habe ich ihn präsent als wäre es gestern gewesen.

Wenn das Leben durch unvorhergesehene und plötzliche Ereignisse wie Krankheit, Unfall oder ähnlichem aus den Fugen gerät gehört es dazu, auch wenn man immer hofft davon
verschont zu bleiben. Eigentlich nicht vorstellbar dass einem das eigene, wohlgeordnete und intakte Dasein noch schlimmere Streiche spielen kann, und umso heftiger ist denn
auch die Wirkung. Sind es doch die Kleinigkeiten die man selbst beeinflussen kann und die in der Summe verheerend wirken. Das wahre Grauen lauert gleich um die Ecke,
nebenan, und trägt keine Maske sondern begegnet uns mit dem Gesicht der Alltäglichkeit.

Ohne auf den Ablauf einzugehen, hier wird einem Mann ohne Gnade vorgehalten wie sehr er in einer für ihn bequemen und perfekten Scheinwelt lebte. Das ist brilliant gespielt
und glaubhaft bis ins letzte Detail, fesselt von Anfang an bis zum bitteren Ende und beschäftigt den Betrachter. Sicher ist diese Geschichte in ihrem Ausmass und ihrer
Konsequenz über dem Alltag angesiedelt, aber man muss sich nur diverse Statistiken ansehen um zu erkennen wie oft sich derlei Dramen in der Realität abspielen, wenn auch
nicht so spektakulär und dramatisch.

Ein Wort zu Alexandra: Es wird ausreichend beleuchtet warum sie sich dieses perfide Projekt ausgedacht hat, jeder Mensch hat einen Punkt ab dem er sich wehrt. Ich habe eine
gewisse Sympathie dafür, auch wenn ich natürlich mehr mit Steve leide!

Ein absolut sehenswertes Kammerspiel! 10/10 Videobotschaften

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 Betreff des Beitrags: Re: Alexandra's Project (2003)
BeitragVerfasst: 27. Okt 2013, 18:23 
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Beiträge: 163
Geschlecht: nicht angegeben
Gut gemachter Film, mit ein paar Logikfehlern und vielleicht einen Ticken zu übertrieben, aber dafür das der Film eigentlich nur komplett in einem Zimmer spielt absolut genial gemacht.

Man sieht hier ein schön gemachtes Kammerspiel, der es sich in allen fällen lohnt mal gesehen zu werden.

Ich glaube von mir, kann ich mal getrost 8/10 Punkten geben.

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