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 Betreff des Beitrags: Assault - Anschlag bei Nacht (1976)
BeitragVerfasst: 25. Feb 2014, 16:45 
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Assault - Anschlag bei Nacht
(Assault on Precinct 13)
mit Austin Stoker, Darwin Joston, Laurie Zimmer, Martin West, Tony Burton, Charles Cyphers, Nancy Kyes, Peter Bruni, John J. Fox, Marc Ross, Alan Koss, Henry Brandon, Kim Richards, Frank Doubleday, Gilbert De la Pena
Regie: John Carpenter
Drehbuch: John Carpenter
Kamera: Douglas Knapp
Musik: John Carpenter
FSK 16
USA / 1976

In einer düsteren, heruntergekommenen Vorort von L.A. soll ein Polizeirevier geschlossen werden. Die meisten Bediensteten sind bereits verschwunden, die Telefone gekappt und nur eine Notbesetzung hält noch die Stellung. Zur gleichen Zeit werden andernorts zwei unschuldige Bürger Opfer einer brutalen Streetgang. Der Vater eines der Opfer rächt sich, erschießt den Mörder seiner Tochter und muss vor der Überzahl der schwer bewaffneten Gang-Mitglieder fliehen. Während seiner Flucht vermehrt sich die Zahl seiner Verfolger, bis ihn sein Weg in letzter Minute in die besagte Polizeistation führt. Die Eingeschlossenen, Cops und inhaftierte Verbrecher, müssen das Revier gemeinsam verteidigen und werden zu einer mörderischen Schlacht gezwungen...


John Carpenter ist sicherlich zu den absoluten Regie-Legenden zu zählen und seine echten Meisterwerke sind wohl hauptsächlich unter seinen früheren Werken zu finden. Ganz eindeutig reiht sich auch "Assault - Anschlag bei Nacht" aus dem Jahre 1976 ein, der in Deutschland hauptsächlich unter seinem Alternativ-Titel "Das Ende" bekannt ist und nach "Dark Star" erst der zweite Spielfilm des Altmeisters war. Kaum ein anderer seines Faches schafft es fast spielerisch, mit den geringsten Mitteln eine maximale Wirkung zu erzielen und den Zuschauer dabei so in seine Werke eintauchen zu lassen, das man stellenweise schon fast selbst zum Spielball der stattfindenden Ereignisse wird. Gerade in vorliegendem Fall kommt dieser Aspekt besonders zum tragen, präsentiert sich doch ein mit 150.000 $ ein äußerst niedrig budgetierter Action-Thriller, der in erster Linie durch seine grandiose Grundstimmung und die vorhandene Hochspannung ins Auge des Betrachters fällt und diesen ganz automatisch in den immer stärker in den Vordergrund tretenden Sog der Gewalt hinein zieht. Schauplatz des Ganzen ist Los Angeles und hinter der glitzernden Fassade der Metropole rumort es insbesondere in den Vororten ganz gewaltig. Jugendbanden neigen zu immer mehr Gewalt, auf die von Seiten der Polizei wiederum mit Gegengewalt reagiert wird. Kein Wunder also, das Carpenter seine Erzählung auch mit einer eben solchen Einstellung beginnt, die diesen Aspekt hervorhebt. Im weiteren Verlauf stellt man dann auch relativ schnell fest das in dieser Eröffnungs-Sequenz die Basis und Grundlage für die weiteren Abläufe gelegt wurde, in denen die ansteigende Gewaltspirale immer mehr eskaliert, bis anscheinend sämtliche Grenzen von Recht und Ordnung noch nicht einmal mehr ansatzweise zu erkennen sind.

Der größte Genie-Streich des Regisseurs war es sicher, als Schauplatz für den Großteil der weiteren Ereignisse ein fast verlassenes Polizeirevier zu wählen, das nur noch von wenigen Leuten besetzt ist, da ein Großteil der Belegschaft schon längst in ein neues Quartier umgezogen ist. Durch diese Location entfaltet das Geschehen in der Folge eine ungeheuer starke klaustrophobische Note, werden doch die wenigen Verbliebenen in einen Kampf hinein gezogen, der ungleicher kaum sein könnte. Nachdem nämlich ein verzweifelter Mann das Revier betritt und Hilfe sucht nachdem seine kleine Tochter von jugendlichen Straftätern erschossen wurde, nimmt das Unheil unaufhaltsam seinen Lauf. Aus nachvollziehbaren Gründen hat der Mann nämlich aus Rasche den Mörder seiner Tochter nach einer wilden Verfolgungsjagd getötet und nun wollen seine Kumpanen selbstverständlich Blutrache. Einen ganz besonderen Spannungsmoment bezieht das Szenario zudem aus dem Aspekt, das die Beamten im Revier nur erahnen können, weshalb sie auf einmal geradezu belagert werden und sich einer zahlenmäßig weit überlegenen Gruppe gegenübersehen, die zudem auch unmissverständlich zum Ausdruck bringt, das sie unter Einsatz des eigenen Lebens zu wirklich Allem bereit ist. Nun könnte man leicht zu der Annahme gelangen, das sich diese Entschlossenheit durch verbale Ankündigungen oder große Sprüche zu erkennen gibt, doch auch bei diesem Punkt versteht es Carpenter einmal mehr, den Zuschauer wirklich zu überraschen. Die Angreifer sprechen nämlich während der gesamten Ereignisse überhaupt nicht und sind zudem auch eher selten wirklich im Bild zu sehen. Dennoch weiß undspürt man ganz genau das hier eine Situation vorherrscht, in der die im Revier eingeschlossenen Menschen praktisch auf einem verlorenem Posten stehen und normalerweise nicht den Hauch einer Chance haben.

So offenbart sich dann auch nach einiger Zeit eine Atmosphäre die so dicht und zermürbend ist, das sie ganz erheblich an den eigenen Nerven zehrt. Um nichts auf der Welt möchte man mit den Protagonisten tauschen deren Ausgangslage so hoffnungslos erscheint, denn da die Angreifer bei ihren Attacken Schalldämpfer benutzen und sich das Polizeirevier in einer eher unbewohnten Gegend befindet, ist die Aussicht auf Hilfe und Unterstützung nicht unbedingt groß. Die dadurch entstehende Beklemmung legt sich wie eine zentnerschwere Last auf die eigenen Schultern und man droht unter deren Gewicht jederzeit einzubrechen. In dieser scheinbaren Ausweglosigkeit entwickeln dann die Darsteller ihre großen Stärken, denn einmal ganz davon abgesehen das man es hier mit eindrucksvollem Schauspiel der Akteure zu tun bekommt, füllt jeder einzelne der Akteure seine Rolle mit einer unglaublichen Authenzität aus, so das die Geschichte durchgehend glaubwürdig erscheint und dadurch eine unglaublich hohe Intensität freisetzt. Dabei erscheint "Assault - Anschlag bei Nacht" selbst in der heutigen zeit noch unwahrscheinlich hart und kompromisslos, wobei sich dieser Aspekt nicht unbedingt auf der visuellen Schiene zu erkennen gibt. Trotz etlicher Schusswechsel und Toter bekommt man nämlich so gut wie überhaupt kein Blut zu sehen was der Film jedoch auch gar nicht nötig hat, da er seine Härte aus der gegebenen Situation bezieht, die durchgehend absolute Hochspannung garantiert. Das trifft allerdings auch nur auf das vorliegende Original zu, denn die 2005 erschienene Neuauflage "Das Ende - Assault on Precint 13" wirkt dagegen wie ein lauer Kindergeburtstag und kommt in keiner Phase an Carpenter's Meisterwerk heran. Dabei handelt es sich noch nicht einmal um ein wirklich schlechtes Remake, doch hat der Altmeister hier ganz einfach die Messlatte der Qualität viel zu hoch gelegt, als das eine noch so gut gedachte Neu-Interpretation da mithalten könnte.

"Assault - Anschlag bei Nacht" stellt nämlich ganz eindeutig die perfekte Symbisose aus Spannung, Atmosphäre und guten Darstellern dar, die zudem noch von einem absolut grandiosen Soundtrack mehr als nur passend untermalt wird. Nach nunmehr schon fast vier Jahrzehnten liegt mit diesem Film immer noch ein Paradebeispiel dafür vor, das man auch mit den geringsten Mitteln einen unglaublich guten-und intensiven Action-Thriller auf die Beine stellen kann, der den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute für sich einnimmt und ihm dabei ein unvergessliches Film-Erlebnis bereitet. Wohl in den seltensten Fällen wurde auf eine solch spartanische Art und Weise so dermaßen effektiv und eindrucksvoll der Beweis geliefert, das Gewalt immer Gegengewalt erzeugt. John Carpenter hat aber nicht nur die Thematik ganz hervorragend umgesetzt, sondern ihr zudem auch noch eine intensive-und glaubwürdige Note beigefügt, so das diese Geschichte auch in der heutigen Zeit immer wieder sehenswert erscheint. Düster, bedrohlich und knallhart wird hier eine Situation dargestellt, in der man weder mit Overacting, noch mit übertriebenen Action-Passagen konfrontiert wird, sondern einzig und allein mit der schier aussichtslosen Lage einiger menschen, die mit dem Mut der Verzweiflung, aber dennoch mit klarem Verstand um das eigene Überleben kämpfen. Die dabei zum Vorschein kommende Glaubwürdigkeit der Ereignisse verleiht diesem Werk etwas ganz Besonderes, was es in den heutigen Produktionen leider nur noch eher selten zu sehen gibt, die doch viel eher von ihren spektakulären Elementen leben.


Fazit:


"Assault - Anschlag bei Nacht" zählt meiner Meinung nach zu den besten Action-Thrillern, die je das Licht der Filmwelt erblickt haben. Diesen Status hat sich das Werk dabei keineswegs durch blutige Einstellungen oder anderer visueller Härte erarbeitet, sondern vielmehr durch die authentische Darstellung einer ausweglosen Situation, in der sich einige Menschen befinden. Wer dieses Meisterwerk noch nicht kennen sollte muss diesen Zustand unbedingt ändern, da man ansonsten einen kleinen Meilenstein des Genres verpassen würde.


10/10

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