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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Blutiger Schatten (1978)
BeitragVerfasst: 14. Dez 2012, 14:39 
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Blutiger Schatten
(Solamente nero)
mit Lino Capolicchio, Stefania Casini, Craig Hill, Massimo Serato, Juliette Mayniel, Laura Nucci, Attilio Duse, Gianfranco Bullo, Luigi Casellato, Alfredo Zammi, Alina Simoni, Emilio Delle Piane
Regie: Antonio Bido
Drehbucj: Marisa Andalo / Antonio Bido
Kamera: Mario Vulpiani
Musik: Stelvio Cipriani
ungeprüft
Italien / 1978

Das Grauen schleicht durch die Gassen von Venedig. Eine Serie grässlicher Morde bestimmt das Nachtgeschehen und hält die Menschen in Angst und Schrecken. Stefano, ein junger Wissenschaftler, besucht seinen Bruder Paolo, der in Venedig als Pfarrer arbeitet. Als er aber die Malerin Sandra trifft, verliebt er sich in sie. Das junge Glück wird von den momentanen Schrecken und einem blutigen Schatten getrübt. Okkultismus und geheimnisvolle Kräfte scheinen ihre Finger im Spiel zu haben. Plötzlich macht Stefano eine schreckliche Entdeckung...


Nach "Die Stimme des Todes" aus dem Jahre 1977 folgte hier nur ein Jahr später gleich der zweite Giallo, der unter der Regie von Antonio Bido entstanden ist. Dabei gehen die Meinungen über "Blutiger Schatten" bei den Fans so manches Mal ziemlich auseinander, bietet der Film für viele nicht mehr als den absoluten Durchschnitt, für andere jedoch ein absolutes Highlight des Genres. Ich persönlich zähle mich hier zur zweiten Gruppe, denn die hier erzählte Geschichte hat mich von der ersten Sekunde an in ihren Bann gezogen. Das liegt hauptsächlich an der wirklich erstklassigen Atmosphäre, die sich durch das gesamte Geschehen zieht und dabei äußerst dicht-und stimmungsvoll daher kommt. Als zweite große Stärke ist sicherlich der gezogene Spannungsbogen auszumachen, denn Bido hat es meisterlich verstanden, die vorhandene Schraube kontinuirlich immer fester anzuziehen, so das sich erst kurz vor dem Ende alles entladen kann und dem Zuschauer ein Täter präsentiert wird, mit dem man nicht unbedingt rechnen konnte.

Die wirklichen Zusammenhänge der Mord-Serie werden sehr lange im Dunkeln gehalten und so manche bewusst gelegte Fährte führt einen hier in die Irre, bevor sich zum Ende hin alles lückenlos aufklärt. So ist auch die Aufmerksamkeit des Betrachters jederzeit gewährleistet, der sich nur zu gern an diesem geheimnisvollen Rätselspiel beteiligt, bei dem man immer wieder kleinere Puzzle-Teilchen serviert bekommt, die man in mühsamer Kleinarbeit zusammensetzen muss. Als mögliche Täter werden dabei einige der Charaktere präsentiert, nur fehlt es im Prinzip an jeglichen Motiven, die hier die Morde erklären könnten. Doch gerade dieser Aspekt sorgt meiner Meinung nach für jede Menge Thrill, fischt man doch selbst die ganze Zeit über eher im Trüben und versucht sich seinen eigenen Reim auf das Ganze zu machen. Als Anhaltspunkt dient lediglich die Eröffnungs-Szene des Filmes, die mit zunehmender Laufzeit immer wieder eingespielt wird und letztendlich auch untrennbar mit der Motivlage des Killers verbunden ist. Ein weiteres Indiz ist ein Gemälde, das innerhalb der Geschehnisse noch einen ganz wesentlichen Anteil an der Aufklärung der mysteriösen Story haben soll.

Mit der Lagunen-Stadt Venedig hat Bido den nahezu perfekten Schauplatz für sein Szenario gewählt und insbesondere die in der Nacht spielenden Passagen in den engen Straßen sorgen hier phasenweise für eine echte Gänsehaut, die durch die exzellente Geräusch-Kulisse noch zusätzlich untermalt wird. Die dabei bedrohlich aufkommende Atmosphäre geht keinesfalls spurlos an einem vorbei und man kann förmlich spüren, wie sich die Geschichte dem nächsten Mord annähert, der so sicher kommt wie das Amen in der Kirche. Die Kills an sich sind dabei eher blutarm und recht harmlos in Szene gesetzt worden, doch "Blutiger Schatten" hat reißerische Momente auch überhaupt nicht nötig, versteht es der Film doch auch ohne explizite Gewaltdarstellungen jederzeit, in jeder Beziehung zu punkten. Vielleicht hätte sich der ein oder andere ein wenig mehr Spektakel gewünscht, doch in seiner Gesamtheit hat Antonio Bido hier einen Genre-Vertreter kreiert, der absolut stimmig ist und einen herausragenden Gesamteindruck hinterlässt.

Letztendlich liegt es natürlich im Auge des jeweiligen Betrachters, doch für mich persönlich stellt dieses Werk einen der absolut besten Vertreter seiner Gattung dar, den man sich immer wieder gern anschaut. Ein atmosphärischer Giallo, der wirklich sämtliche Zutaten beinhaltet, die dieses Genre so sehenswert erscheinen lassen. Man kann Bido nur jede Menge Respekt für diesen Film zollen, der einen von der ersten bis zur letzten Minute in seinen Bann zieht und der einen Strudel von Ereignissen in Gang setzt, die sich bis zum bitteren Ende extrem geheimnisvoll und mysteriös gestalten.


Fazit:


Von vielen Leuten eher als Durchschnitt abgestempelt, beinhaltet "Blutiger Schatten" eine Story, die durchgehend äußerst spannend und atmosphärisch zu unterhalten weiß. Der Film sollte in keiner gut sortierten Sammlung fehlen, beinhaltet er doch einen ziemlich hohen Wiedererkennungswert und eignet sich jederzeit für eine neuerliche Sichtung.


8,5/10

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 Betreff des Beitrags: Re: Blutiger Schatten (1978)
BeitragVerfasst: 14. Sep 2014, 14:22 
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Nachdem ich nunmehr einige Gialli gesehen habe, kann ich auch berichten, dass dieser hier seine Sache ziemlich gut macht, wobei es hier ein wenig weniger um die aktuellen Morde geht, als um das, was ganz zu Beginn des Films gezeigt wird. Selten habe ich einen Krimi gesehen, der in ähnlich komplexer Weise die Handlung aufgebaut hat, und gerade das macht diesen Film alles andere als einen Durchschnittsgiallo. Man muss hier tatsächlich ein wenig mitdenken, denn sonst fehlen einem Details, die bei der Lösung des Rätsels wichtig sein könnten.

Als Anmerkung sei gesagt, dass sich in meiner Fassung der Director's Cut befunden hat (in der obigen Box von Master müsste die normale Fassung enthalten sein, welche aber auch bei mir hier zu Hause ist). Der Zeitunterschied ist etwas mehr als eine Minute, wobei ich nicht weiß, ob wesentliche Handlungsstränge umgeändert oder gestrichen wurden.

Was ein wenig nervt ist die doch eher schlechte Synchronisation, auch wenn mindestens einer der Sprecher als bekannt einzustufen ist (der Wirt wird von Nils Clausnitzer gesprochen, der unter anderem auch Willie Tanner in "ALF" sowie auch Roger Moore synchronisiert hat). Gerade Intonation und Gefühle bleiben da ein wenig auf der Strecke. Das Bild ist in Ordnung, auch wenn mindestens eine Sequenz ihre Störungen hatte. Die Atmosphäre ist nur teilweise einem Giallo würdig, denn es fehlt in Venedig ein wenig an weiten Plätzen, wie man sie aus Italien kennt, zumindest wurden sie nicht so explizit dargestellt. Was jedoch wiederum komplett typisch ist, ist die Filmmusik, denn diese würde man einem Giallo auf jeden Fall zuordnen können.

Schauspielerisch herausragend war für mich hier übrigens Craig Hill, der hier den Don Paolo gespielt hat, und dieses gelingt ihm fantastisch.

Mir hat der Film gefallen, gerade auch weil man ein wenig aufpassen muss und ihn nicht so ganz nebenher sehen kann. Wenngleich die typische Brutalität eines Giallos fehlt, kann dieser Film hier absolut überzeugen und erhält deshalb von mir 08/10 Punkten.

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Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


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