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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Civic Duty (2006)
BeitragVerfasst: 26. Okt 2013, 17:21 
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Civic Duty
(Civic Duty)
mit Peter Krause, Kari Matchett, Richard Schiff, Kaled Abol Naga, Ian Tracey, Vanesa Tomasino, Laurie Murdoch, Michael Roberds, Agam Darshi, Mark Brandon, Brenda Crichlow, Val Cole, Mark Docherty, P. Lynn Johnson
Regie: Jeff Renfroe
Drehbuch: Andrew Joiner
Kamera: Dylan MacLeod
Musik: Terry Huud / Eli Krantzberg
FSK 16
Großbritannien / Kanada / USA / 2006

USA: Es ist die Zeit nach 9/11. Die Angst vor dem weltweiten Terrorismus ist allgegenwärtig. Auch der Alltag des Buchhalters Terry Allen wird nur von dem einen Thema bestimmt. Obsessiv verfolgt er in den Medien die Berichterstattungen über den Kampf gegen den Terror. Als im Nachbarhaus ein islamischer Student einzieht, wächst in Terry der Verdacht, dass es sich um einen Terroristen handelt. Obwohl ihm niemand glauben möchte, fängt er an seinen neuen Nachbarn zu beobachten. Für Terry ist klar, er wird alles tun, um die wahre Identität des Studenten zu entlarven. Koste es, was es wolle!


Der Übergang eines Verdachtes in eine ausgewachsene Paranoia


Der 11.9.2001 hat die Welt nachhaltig verändert, hat der Terrorismus in der Welt an diesem Tag doch eine neue Dimension erreicht. Vor allem die US-Amerikaner dürften davon betroffen sein und islamische Mitbürger weitaus skeptischer beobachten, wie es davor der Fall war. "Civic Duty" erzählt nun eine Geschichte, in der anfängliche Skepsis mit der Zeit zu einer fixen Idee wird, um letztendlich in totaler Paranoia zu enden. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der arbeitslose Buchhalter Terry, der seinen neuen Nachbarn von der ersten Minute an äußerst argwöhnisch beobachtet und durch das kleinste Indiz in seiner Vermutung bestätigt wird, das es sich ganz eindeutig um einen Terroristen handelt. Trotz der Ermahnungen seiner Frau verbeisst sich Terry immer mehr in diese Idee und so entwickelt sich aus einem kleinen Anfangsverdacht innerhalb kürzester Zeit eine echte Paranoia, die für die Hauptfigur am Ende der Geschichte in einem extrem tragischen Showdown endet.

Regisseur Jeff Renfroe hat seiner Geschichte eine eher sehr ruhige-und bedächtige Erzählweise verliehen, was in diesem Fall aber keinesfalls als negativ anzusehen ist. Vielmehr wird den Ereignissen dadurch eine ungeheure Intensität verliehen, die sich schon nach einer relativ kurzen Zeitspanne auch auf den Zuschauer überträgt. Ertappt man sich doch selbst dabei, wie man sich von dem immer stärker werdenden Fanatismus des Hauptdarstellers anstecken lässt und dabei gedanklich jedes Klischee bedient, das man sich nur vorstellen kann. Zugegebenermaßen deuten auch etliche Dinge darauf hin das der Nachbar Dreck am Stecken hat, wodurch man durchaus Verständnis für das Verhalten von Terry aufbringen kann. Wie er selbst hinterfragt man nicht die etlichen Indizien, sondern beschreitet den Weg der Vorverurteilung eines Menschen, der vom Profil her einfach viel zu gut in das Bild eines Terroristen hineinpasst. Gekonnt wird hier kontinuierlich an der Spannungsschraube gedreht, die Ereignisse verdichten sich zusehends und lassen dabei extrem bedrohliche Züge erkennen. Dabei wurde bewusst auf viel Action-und explizite Gewaltdarstellungen verzichtet, die der Film allerdings auch überhaupt nicht nötig hat.

Der Story-Plot erzeugt eine immer dichter werdende Atmosphäre, in der eine Mischung aus purer Angst und nackter Ungewissheit entsteht, die einem wirklich zu schaffen machen kann. Durch das herausragende Schauspiel der Akteure wir die Autenzithät des Geschehens ganz besonders hervorgehoben, wobei sich Peter Krause (Six Feet Under) ganz besonders hervortut. Seine Darstellung des sich in eine Paranoia hineinsteigernden Mannes ist absolut beeindruckend, jede einzelne Geste drückt dabei die immer mehr aufsteigende Angst nahezu perfekt aus. Man kann die Wandlung des eigentlich eher ruhigen-und besonnenen Buchhalters perfekt nachvollziehen, dessen anfänglicher Verdacht durch immer wieder ins Bild gesetzte Nachrichten-Sendungen in eine Dimension geleitet wird, die am Ende vollkommen eskaliert. Jeff Renfroe hat hier die Macht der Medien einerseits eher hintergründig, aber dennoch besonders intensiv in Szene gesetzt. Im Abstand von einigen Minuten wird man immer wieder mit Nachrichten konfrontiert, die insbesondere etwas labile Menschen in eine ganz besondere Richtung lenken können. Dabei wird die seit dem 11.9 vorherrschende Angst der Bürger noch zusätzlich geschürt und flammende Reden des damaligen Präsidenten George W. Bush tragen auch nicht unbedingt zur Entspannung bei.

So ist es dann letztendlich auch nicht besonders verwunderlich, das die Situation am Ende total eskaliert, Terry hat sich nicht mehr unter Kontrolle und steht so stark unter dem Einfluss seiner fixen Idee, das eine Eskalation absolut unvermeidbar ist. Die während der Geschichte aufgebaute Spannung entlädt sich in einem finalen Showdown, der kaum tragischer hätte enden können. Wird dem Zuschauer hier schon ein ordentlicher Schlag in die Magengrube versetzt, so verleiht die letzte Szene des Filmes dem ganzen noch eine extrem makabere Note. Ich möchte diese Szene nicht bis ins Detail schildern, aber im Mittelpunkt steht wieder eine dieser Nachrichten-Einspielungen, aus der man jedoch seine eigenen Schlüsse ziehen muss. Weiß man nämlich nicht genau, ob es sich um eine reale Nachricht handelt, oder ob sich diese nur im umnebelten Geist von Terry abspielt. Wie dem aber auch sei, diese letzte Einstellung hinterlässt einen sehr bitteren Beigeschmack, ist aber gleichzeitig die perfekte Abrundung eines Filmes, der einen nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis des Betrachters hinterlässt. Noch lange nach der Sichtung lässt man sich die Ereignisse immer wieder durch den Kopf gehen und stellt sich dabei ganz automatisch die Frage, welche macht die Medien auf einen selbst ausüben. Gezielte Propaganda und das Schüren der menschlichen Ängste ist dabei ein nicht zu unterschätzender Einfluss auf die eigene Meinung, die sich innerhalb kürzester Zeit in eine nicht gewollte Vorverurteilung wandeln kann.


Fazit:


"Civic Duty" ist ein sehr beeindruckender Paranoia - Thriller, der gerade durch seine ruhige-und bedächtige Erzählstruktur eine immense Intensität entfacht. Selten sieht man einen Film in dem im Prinzip gar nicht viel passiert, der aber dennoch eine solch nachhaltige Wirkung hinterlässt. Nervenzerfetzende Spannung und eine Grundstimmung die man aufgrund ihrer Dichte schneiden könnte, sorgen für ein herausragendes Film-Erlebnis, das man unbedingt gesehen haben sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 94 Minuten
Extras: Trailer, Trailershow, Exklusives Booklet

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