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 Betreff des Beitrags: Das Geheimnis der grünen Stecknadel (1972)
BeitragVerfasst: 11. Jan 2013, 20:15 
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Das Geheimnis der grünen Stecknadel
(Cosa avete fatto a Solange?)
mit Joachim Fuchsberger, Fabio Testi, Cristina Galbo, Karin Baal, Günther Stoll, Claudia Butenuth, Camille Keaton, Maria Monti, Giancarlo Badessi, Pilar Castel, Giovanna Di Bernardo, Vittorio Fanfoni, Marco Mariani, Antonio Casale, Emilia Wolkowicz
Regie: Massimo Dallamano
Drehbuch: Bruno Di Geronimo / Massimo Dallamano
Kamera: Joe D'Amato
Musik: Ennio Morricone
FSK 16
Deutschland / Italien / 1972

Im Londoner Hyde Park wird die Leiche eines jungen Mädchens gefunden, die Schülerin des nahe gelegenen Mädcheninternats war. Neben ihr liegt eine grüne Stecknadel. Der verheirate Lehrer Henry, der ein Verhältnis mit Schülerin Elisabeth hat, das entdeckt werden könnte, gerät in den Verdacht des ermittelnden Inspektors Barth, da er in der Nähe des Tatorts einen Füller verloren hat. Auch Elisabeth wird ermordet. Auf eigene Faust gehen Henry und seine Frau Herta dem Mörder nach und stellen ihn.


Diese deutsch-italienische Co-Produktion ist einer der letzten Filme, die in der legendären Edgar Wallace Film-Reihe erschienen sind und zählt somit zu den wenigen Filmen, die bei vielen der eingefleischten Wallace-Fans auf keine allzu große Begeisterung gestoßen ist. Das liegt ganz einfach an den starken Einflüßen des italienischen Kinos, die in diesem Werk den ganz klar gewichtigeren Anteil für sich in Anspruch nehmen. Die Geschichte weicht nämlich sehr stark von den ansonsten üblichen Wallace-Verfilmungen ab und bietet nicht die ansonsten übliche Londoner Grusel-Szenerie, wie man sie aus so vielen Werken des berühmten britischen Autors her kennt. Und so ist es dann auch durchaus nachvollziehbar , das die eingefleischten deutschen Krimi-Fans nicht so sehr auf ihre Kosten kommen, hat Regisseur Massimo Dallamano doch vielmehr einen waschechten Giallo mit deutscher Schauspielerbeteiligung geschaffen, der zudem noch zu den richtig guten Vertretern seiner Art zu zählen ist. Von Beginn an wird dabei keinerlei Hehl aus der Tatsache gemacht, das die Einflüße des Cinema Italiano ganz klar überwiegen, präsentiert sich dem Zuschauer doch von der ersten Minute ein ineinander verschachteltes Szenario, das in erster Linie durch seinen äusserst gelungenen Spannungsaufbau zu überzeugen weiss. Dabei treten mit der Zeit immer mehr die üblichen Zutaten des italienischen Giallos in den Vordergrund, was der Geschichte insgesamt extrem gut zu Gesicht steht und für einen äusserst spannenden Filmgenuss garantiert.

Dazu zählt sicherlich hauptsächlich die erstklassige Grundgeschichte, die zu keiner Zeit irgendwie vorhersehbar oder durchsichtig erscheint, bekommt der Betrachter doch lediglich etliche kleine Puzzle-Teilchen serviert, die sich erst kurz vor dem Ende zu einem großen Ganzen zusammenfügen und somit auch erst wenige Minuten vor Toreschluß die Gesamtzusammenhänge der brutalen Morde erkennen lässt, die einem in 90 äusserst spannenden Minuten präsentiert werden. Bis dahin jedoch tappt man wirklich ziemlich im Dunkeln und kann sich kaum einen Reim auf die Morde machen, die an etlichen Schülerinnen einer Mädchenschule begangen werden und erahnt lediglich im Laufe der Zeit durch einige kleinere Indizien, das einige Schülerinnen ein schreckliches Geheimnis miteinander teilen müssen, das letztendlich einige von ihnen ihr junges Leben kostet. Dallamano hat seine Geschichte dramaturgisch gesehen so exzellent aufgebaut, das der Zuschauer fast schon sogartig in das geheimnisumwitterte Geschehen hineingezogen wird, das eine unglaublich starke Faszination ausübt, der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann. Das dabei stattfindende Ratespiel bietet nebenbei etliche falsche Fährten die einen immer wieder in eine falsche Richtung locken, bis dann endlich sämtliche Teile dieser sehr sehenswerten Geschichte zusammengefügt werden und dabei einen äusserst tragischen Hintergrund erkennen lassen, der einem auch die Motivlage des Täters sehr nahe bringt, so das man fast schon so etwas wie menschliches Verständniss für ihn aufbringen kann, auch wenn das seine taten keinesfalls entschuldigt.

Neben der erstklassigen Dramaturgie des Szenarios und dem stetig ansteigenden Spannungsbogen ist es insbesondere die hervorragende Darsteller-Riege, die diesem Film eine Menge Klasse verleiht. Fabio Testi, Karin Baal und Joachim Fuchsberger sollen an dieser Stelle nur stellvertretend für ein insgesamt harausragend agierendes Darsteller-Ensemble stehen, das durch seine gläntenden Leistungen dem Film ganz automatisch ihren ganz persönlichen Stempel aufdrücken und so zu einem fasz schon perfekten Gesamteindruck beitragen. Dieser entsteht aber vor allem durch den Aspekt, das hier nicht wie in einigen anderen Giallos die Motive für eine Mordserie wie auch die Identität des Mörders wie beiläufig aus dem Hut gezaubert werden, denn in "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" liegt dem Ganzen eine absolut erstklassige-und vor allem nachvollziehbare Story zugrunde, in der es nicht vor Logiklöchern nur so wimmelt. Doch in vorliegendem Fall passen im Prinzip sämtliche Komponenten nahezu perfekt ineinander, was letztendlich für einen aussergewöhnlich gelungenen Giallo verantwortlich zeichnet, der diese Bezeichnung auch wirklich verdient und für sich in Anspruch nehmen kann.

Eine geheimnisvolle Geschichte, ein wunderbar aufgebauter Spannungsbogen, eine dichte-und größtenteils sehr bedrohliche Grundstimmung und hervorragende Schauspieler machen diesen Film der Edgar Wallace-Reihe zu einem unvergesslichen Filmerlebnis, das man unbedingt gesehen haben sollte. Einige im Netz umherschwirrende-und eher durchschnittliche Kritiken kann ich mir persönlich nur so erklären, das eingeschworene Wallace-Fans über die Abweichung zu den klassischen Verfilmungen seiner Romane zu sehr enttäuscht waren, denn Liebhaber des italienischen Kinos dürften bei diesem Film viel eher vor Begeisterung mit der Zunge schnalzen, offenbart sich ihnen doch ein in allen Belangen vollkommen überzeugender Giallo, so wie man ihn sich vorstellt und auch wirklich haben möchte. Meiner Meinung nach braucht sich "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" auch keinesfalls hinter eventuell bekannteren Vertretern des Genres zu verstecken, offenbart sich dem Betrachter doch ein unglaublich spannendes Geschehen, das tief ineinander verschachtelt förmlich zum Mitraten einlädt.


Fazit:


Einige enttäuschte fans des legendären Edgar Wallace möges es mir verzeihen, aber "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" ist ein wirklich herausragender Beitrag des Cinema Italiano, das mit einigen deutschen Einflüßen angereichert wurde, was sich insbesondere bei den Darstellern bemerkbar macht. Filmisch gesehen ist allerdings Italien Trumpf, was man auch von der ersten bis zur letzten Minute dieses grandiosen Genre-Beitrags keinesfalls abstreiten kann. Und so wird das Herz des Italo-Liebhabers um einige Takte höher schlagen, wohingegen sich die Freunde des deutschen Krimis schmollend in ihr Schneckenhaus zurückziehen werden.


9/10

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 Betreff des Beitrags: Re: Das Geheimnis der grünen Stecknadel
BeitragVerfasst: 14. Jan 2013, 00:53 
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Ich kenn leider nur die verstümmelte Premiere-Fassung, aber dennoch hat er mir saugut gefallen. Allgemein gefallen mir die Italo-Filme der Wallace Reihe besser als ihre deutschen Kollegen.

8/10 Pkt

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Wer im Glashaus sitzt, sollte ich sich im Dunkeln ausziehen!


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