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 Betreff des Beitrags: Das Grauen kommt um 10 (1979)
BeitragVerfasst: 2. Jul 2014, 13:46 
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Das Grauen kommt um 10
(When a Stranger Calls)
mit Carol Kane, Rutanya Alda, Carmen Argenziano, Kirsten Larkin, William Boyett, Charles Durning, Ron O'Neal, Rachel Roberts, Tony Beckley, Colleen Dewhurst, Michael Champion, Joseph Reale, Ed Wright, Louise Wright
Regie: Fred Walton
Drehbuch: Fred Walton / Steve Feke
Kamera: Donald Peterman
Musik. Dana Kaproff
FSK 16
USA / 1979

Die Highschool-Babysitterin Jill wird eines Abends während ihres Dienstes, von einem Anrufer terrorisiert. Entnervt bittet sie die Polizei, den Anrufer festzustellen, als er sich schon wieder meldet und ihr die berühmte Frage "Haben sie schon nach den Kindern gesehen?" stellt. Tatsächlich findet sie die Kinder ermordet auf und erfährt kurz darauf, das die Anrufe aus demselben Haus kommen. Knapp kann sie dem Killer entkommen, dieser wandert ins Gefängnis. Sieben Jahre später jedoch kommt er wieder frei und die Anrufe bei Jill, jetzt selbst Mutter, beginnen wieder…


Was lange währt wird endlich gut, diesen Spruch kann man bei der vorliegenden Veröffentlichung wirklich anwenden. Mit "When a Stranger Calls" wie der Film im Original heißt erhält nun endlich nach geschlagenen 35 Jahren ein Klassiker des Psycho-Thrillers bei uns seine Premiere auf DVD-und Blu-ray, was eigentlich schon sehr lange überfällig war. Trotz seiner sicherlich vorhandenen Klasse stößt dieses Werk nicht bei allen Leuten auf ungeteilte Freude, denn so manch einer sagt der Geschichte doch diverse Längen nach, die ich persönlich aber definitiv nicht entdecken kann. Sicher, "Das Grauen kommt um 10" hat seine absoluten Stärken-und Höhepunkt im ersten-und letzten Filmdrittel, wobei insbesondere die ersten gut 25 Minuten an Intensität und Spannung wohl schwerlich zu überbieten sind. In dieser Zeitspanne baut Regisseur Fred Walton nämlich einen dermaßen straff gezogenen Spannungsbogen auf, das man selbst heute nach weit über drei Jahrzehnten immer noch echte Schweißausbrüche bekommen kann. Und das obwohl man lediglich mit einer einzigen Person konfrontiert wird, die hier jedoch ein psychisches Schreckens-Szenario über sich ergehen lassen muss, das dem Zuschauer das Blut in den Adern gefrieren lässt. Dabei steht der äußerst subtil aufkommende Horror ganz eindeutig im Vordergrund und dem Betrachter präsentiert sich eine extrem angespannte Situation, in die man sich unglaublich gut einfühlen kann und so jederzeit die gleichen furchtbaren Momente erlebt wie Babysitter Jill.

Die beklemmende Atmosphäre der Ausgangslage legt sich wie eine zentnerschwere Last auf die eigenen Schultern und nicht selten überkommt einen dabei das Gefühl, das man unter der nervlichen Anspannung fast zusammenbrechen könnte. Vor allem der Moment der Erkenntnis, das sich der Täter im gleichen Haus befinden muss ist trotz Kenntnis der Inhaltsangabe ein echter Schockmoment und an dieser Stelle der Geschichte merkt man dann auch spätestens, wie tief man selbst in die bedrohliche Situation eingetaucht ist und wie sehr sie einem doch zu schaffen macht. Allein die bloße Vorstellung sich mit einem Psychophaten in einem Haus zu befinden sorgt für höchste Intensität, wobei die gelungene Umsetzung des Ganzen ihr Übriges tut, um die Ereignisse glaubhaft-und authentisch erscheinen zu lassen. Danach gibt es dann den berühmt-berüchtigten Schnitt in der Story die gleichzeitig einen Zeitsprung von 7 Jahren macht und erst dann wieder ansetzt, als der verurteilte Mörder aus der psychiatrischen Anstalt fliehen kann, in die er damals eingeliefert wurde. Es offenbart sich nun ein längerer Mittelteil, in dem man ausschließlich mit Privatdetektiv John Clifford (Charles Durning) und seiner Suche nach dem Entflohenen konfrontiert wird, was für manch einen einen unnötigen Stil-und Spannungseinbruch darstellt weshalb dieser Mittelteil auch leider viel zu oft als große Schwäche dieses Filmes angesehen wird. Dabei halte ich das für vollkommen übertrieben-und ungerechtfertigt, denn die Suche des ehemaligen Polizisten gestaltet sich viel interessanter, als manche Kritik es eventuell vermuten lässt.

Dem Zuschauer zeigen sich dabei ebenso die Sichtweise des Jägers, sowie auch die des Gejagten und beide Seiten werfen dabei äußerst spannende Facetten auf, denn rein psychologisch gesehen sind beide Blickwinkel extrem gut in Szene gesetzt worden. Gleichzeitig beleuchtet die Geschichte dabei auch noch zusätzlich soziale Probleme, spielt spielen sich die entsprechenden Passagen doch im Obdachlosen-Milieu ab. Zwar hegt man keinerlei Mitleid mit dem psychopathischen Mörder, doch seine Figur steht doch gleichzeitig stellvertretend für die von der Gesellschaft Ausgestoßenen und zeigt dabei einen eindringlichen Einblick all derer, die im normalen Leben keine Chance mehr erlangen können. So bietet der Film also auch durchaus sozialkritische Ansätze und sind ein nicht unwichtiger Bestandteil in einem äußerst überzeugendem Gesamtpaket, das dann im letzten Drittel zu seinen ursprünglichen Wurzeln zurückkehrt. Nun steht nämlich die damalige Babysitterin Jill ungewollt wieder im Fokus der Geschehnisse, die mittlerweile selbst zweifache Mutter geworden ist. Ein Anruf in einem Restaurant löst traumatische Erinnerungen in ihr aus, denn eine wohlbekannte Stimme hat wieder einmal die Frage gestellt: !Haben sie nach den Kindern gesehen"? Schlagartig ist die grandiose Grundstimmung vom Anfang wieder vorhanden und es entwickelt sich ein ähnliches Szenario, in dem die gute Jill dieses Mal aber noch mehr im Mittelpunkt steht als ihr lieb sein kann.

Letztendlich ist "Das Grauen kommt um 10" viel mehr als nur ein handelsüblicher Psycho-Thriller, denn die Geschichte enthält ebenso Anleihen vom klassischen Krimi und offeriert im oft gescholtenen Mittelteil sogar Züge, die an ein sozialkritisches Drama erinnern. Manch einem mag diese Kombination vielleicht nicht gänzlich zusagen, doch gerade darin sehe ich persönlich die ganz große Stärke eines Werkes, das sich so extrem wohlwollend von etlichen Nachahmern abhebt. Fred Walton hat hier einen wirklich zeitlosen Klassiker auf den Weg gebracht, dem auch das Rad der Zeit nicht schaden konnte. Ob nun vor 35 Jahren oder in der heutigen Zeit, die Story nimmt einen immer wieder aufs Neue für sich ein und man wird regelrecht von der dichten Grundstimmung ummantelt, die sich insbesondere im ersten-und im letzten Teil entfachen kann. Nun endlich hat es das Werk auch bei uns den Weg auf eine DVD gefunden, wofür man Explosive Media nur ein dickes Lob aussprechen kann, zudem auch die vorhandene Qualität der silbernen Scheibe überzeugen kann. Wem schon das Remake "Unbekannter Anrufer" gefallen hat der kommt an diesem brillanten Original keinesfalls vorbei, das in meinen Augen immer noch zwei Klassen über der Neuauflage angesiedelt ist.


Fazit:


Unendlich lange musste man sich gedulden bis nun endlich die lang erhoffte Veröffentlichung dieses zeitlosen Klassikers wahr geworden ist. "Das Grauen kommt um 10" ist definitiv ein Film, der auch im Laufe der Jahre rein gar nichts von seiner unglaublichen Faszination eingebüßt hat und auch heute noch tadellos funktioniert.


9/10


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