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 Betreff des Beitrags: Das Grauen kommt nachts (1972)
BeitragVerfasst: 12. Jul 2014, 11:52 
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Das Grauen kommt nachts
(Delirio Caldo)
mit Mickey Hargitay, Rita Calderoni, Raul Lovecchio, Carmen Young, Christa Barrymore, Tano Cimarosa, Marcello Bonini Olas, Katia Cardinali, William Darni, Max Dorian, Stefania Fassio, Stefano Oppedisano, Cristina Perrier
Regie: Renato Polselli
Drehbuch: Renato Polselli
Kamera: Ugo Brunelli
Musik: Gianfranco Reverberi
ungeprüft
Italien / 1972

Nach dem Mord an einer jungen Frau verdächtigt die Polizei den Kriminalpsychologen Dr. Herbert Lyutak. Dieser gesteht den Mord auch seiner Frau und gibt als Grund seine Frustration über Potenzprobleme an, doch dann geschehen weitere Morde, an denen Lyutak unmöglich beteilgt gewesen sein kann. Inspektor Edwards steht vor einem Rätsel: Versucht etwa jemand, den Fokus der Ermittlungen von Lyutak wegzulenken?


"Ich bin's, der Kartoffel"


Diese läppischen vier Worte sind wohl mit zu den prägendsten Film-Zitaten zu zählen, die je in einem filmischen Werk ausgesprochen wurden. Gleichzeitig deuten sie auch an, das man Renato Polselli's Gialli aus dem Jahr 1972 wohl mit vollkommen anderen Maßstäben messen sollte, als dies im Normalfall bei anderen Genre-Kollegen der Fall ist. Wer hier nämlich auf die üblichen Zutaten wie Spannung, brutale Morde oder auch die Suche nach den Motiven des Mörders hofft wird wohl eher eine ziemliche Enttäuschung erleben, denn "Das Grauen kommt nachts" besticht vielmehr durch ganz andere Atribute, die man als Fan des italienischen Sub-Genres nicht unbedingt erwartet. Rein filmisch gesehen handelt es sich hier nämlich um einen ziemlichen Rohrkrepierer, denn Polselli schien ganz offensichtlich nicht das Gespür zu haben, hier einen stimmigen-und atmosphärischen Vertreter seiner Art in Szene zu setzen. Sicher, die Grundlagen des Gialli sind durchaus vorhanden, es ist vielmehr die skurrile Umsetzung der Geschichte, die beim Zuschauer eher zwiespältige Gefühle aufkommen lässt. Da wäre an erster Stelle wohl der extrem sprunghafte Plot zu nennen, denn die Story erscheint doch an unzähligen Stellen seltsam wirr und wild zusammen gestückelt. In etlichen Passagen vermisst man dann auch echte Zusammenhänge und viele Szenen scheinen sehr willkürlich aneinandergereiht, so das phasenweise schon vielmehr ein bizarrer Trip anstelle eines gut strukturierten Filmes in Erscheinung tritt.

"Delirium" ist einer der Alternativtitel dieses grotesken Werkes und in einem solchen vermeint man sich auch des Öfteren zu befinden. Doch auch wenn sich das jetzt alles äußerst negativ anhört, bezieht die Story gerade aus diesen Aspekten ihren ganz besonderen Reiz und dürfte wohl zu den ungewöhnlichsten im Bereich des italienischen Gialli zählen. Mit einer ordentlichen Portion Sleaze versucht Polselli unzählige Mankos zu überdecken, was ihm jedoch nur recht dürftig gelingt. Stattdessen offenbart sich ein wirres Szenario, das aufgrund seinem extrem hohen Anteil an unfreiwilliger Komik definitiv den puren Trash darstellt und so für den geneigten Liebhaber dieser Filmart ein wahres Spektakel darstellen dürfte. Es ist ganz einfach eine echte Pracht, den unbeholfen agierenden Darstellern bei ihrem Schauspiel zuzuschauen, das von dermaßen viel Theatralik durchzogen ist, das einem manchmal fast schon die Lachtränen in die Augen schießen. Die deutsche Synchronisation des Filmes dürfte eines der ganz großen Highlights sein, denn durch sie bekommt man doch so manchen Dialog geboten, der sich wie ein nicht mehr zu entfernendes Brandzeichen im Gedächtnis des Betrachters einbrennt. Die unbeholfenen und hölzernen Performances der Akteure wären unter Berücksichtigung normaler Umstände als vernichtend einzustufen, doch aus der Sicht des puren Italo-Trashs ergibt sich vielmehr eine weitere Zutat, die absolut perfekt in das äußerst skurrile Gesamtbild passt.

In diesem Film wird dermaßen viel verbaler Nonsens abgesondert das man sich so manches Mal den Bauch vor lauter lachen halten muss. Als wenn das nicht schon genug wäre, wimmelt es zudem noch vor diversen Anschlussfehlern in etlichen Szenen (Opfer werden nackt gezeigt und tragen in der nächsten Sekunde wieder Kleidung, wobei dieser Punkt eventuell der Tatsache geschuldet ist, das ja immerhin vier verschiedene Versionen dieses Werkes existieren, die übrigens alle auf der Veröffentlichung des Labels FilmArt enthalten sind. Nach den bisher schon aufgezählten Punkten kann man sich ganz bestimmt denken, das auch im Bereich der Logik nicht viel erwartet werden darf und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, das die Protagonisten in den meisten Fällen durch kaum nachvollziehbare Handlungsweisen brillieren. Zu guter letzt sollte man auch nicht ganz unerwähnt lassen, das man in "Das Grauen kommt nachts" mit sämtlichen Modesünden der damaligen Zeit konfrontiert wird, wobei sich insbesondere der ermittelnde Inspektor immer wieder in den Vordergrund rückt. Knallbunte Hemden sind nämlich sein Markenzeichen und die Farbzusammenstellung seiner Oberteile ist so grell, das es einem fast schon in den Augen schmerzt. Man merkt also, das man bei der Vorstellung dieses Filmes noch stundenlang weiter schreiben könnte, dabei aber auf keinen Fall die üblichen Aspekte eines Gialli beleuchtet, da diese in vorliegendem Szenario wirklich eher als nebensächlich einzustufen sind.

Letztendlich dürfte Polselli's Werk ganz stark die Meinungen spalten, denn als ernst zu nehmender Beitrag des italienischen Sub-Genres ist "Das Grauen kommt nachts" schwerlich einzustufen. Von dieser Warte aus gesehen dürfte eine Bewertung dann auch eher relativ vernichtend ausfallen, wohingegen aus der Sicht eines Trash-Liebhabers ein wahres Spektakel vorliegt. Ehrlich gesagt hätte ich es nie für möglich gehalten, einen so dermaßen skurrilen Gialli zu Gesicht zu bekommen, den man ausschließlich nach dem reinen Unterhaltungswert bewerten sollte. In allen anderen Belangen versagt das Szenario nämlich fast auf der ganzen Linie, doch selten wurde man bei einem filmischen Rohrkrepierer so kurzweilig und grotesk unterhalten.


Fazit:


"Das Grauen kommt nachts" hat nicht umsonst einen skurrilen Kultstatus inne, denn von dieser Seite aus gesehen dürfte es relativ schwer sein, diese filmische Offenbarung zu toppen. Für echte Spannung und eine schwer zu durchschauende Mördersuche sollte man allerdings zu anderen Genre-Vertretern greifen, denn in vorliegendem Fall weiß man schon sehr frühzeitig, in welche Richtung das Ganze im Endeffekt abzielt.


als Gialli 3/10

als purer Italo-Trash 9/10


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