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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Das Parfüm der Dame in Schwarz (1974)
BeitragVerfasst: 11. Feb 2016, 16:00 
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Das Parfüm der Dame in Schwarz
(Il Profumo della signora in nero)
mit Mimsy Farmer, Maurizio Bonuglia, Mario Scaccia, Jho Jhenkins, Nike Arrighi, Lara Wendel, Aleka Paizi, Renata Zamengo, Ugo Carboni, Roberta Cadringher, Sergio Forcina, Luigi Antonio Guerra, Carla Mancini
Regie: Francesco Barilli
Drehbuch: Francesco Barilli / Massimo D'Avak
Kamera: Mario Masini
Musik: Nicola Piovani
ungeprüft
Italien / 1974

Die junge Sylvia wird von rätselhaften Alpträumen heimgesucht, in denen unheilvolle Bilder des rätselhaften Todes ihrer Mutter auftauchen. Ihr Freund Roberto beginnt langsam sie für geistig verwirrt zu halten. Lediglich in ihrem Nachbarn, einem alten Herrn von nebenan, findet sie eine Art Vaterfigur. Sie beginnt sich immer häufiger in ihr Apartment zurück zu ziehen. Dort verspürt sie jedoch keine Sicherheit. Unheimliche Vorfälle häufen sich und ein erstes Todesopfer gibt es zu beklagen. Ist Sylvia in Gefahr? Eine unvorhersehbare Wendung wird alles verändern!


Unter der Regie des Italieners Francesco Barilli sind lediglich drei Filme entstanden und der vorliegende "Das Parfüm der Dame in Schwarz" stellt dabei das Erstlingswerk dar. Das ist umso erstaunlicher, da es sich um ein wahres Meisterwerk handelt das keinesfalls den üblichen Konventionen folgt, sondern einen ganz eigenen und unverwechselbaren Stil an den Tag legt. Obwohl dieser Film dem Sub Genre des Giallo zugeordnet wird handelt es sich um keinen der üblichen Vertreter seiner Art, handelt es sich doch vielmehr um einen höchst sehenswerten Mix verschiedener Genres, in dem der Horrorfilm ganz eindeutig im Vordergrund steht. Dennoch benutzt Barilli durchaus die üblichen Versatzstücke des beliebten italienischen Thrillers, jedoch bekommt der Zuschauer hier keine Mordserie, geschweige denn einen ominösen Mörder mit Handschuhen vorgesetzt. In der Anfangsphase tendiert das Geschehen in die Richtung eines waschechten Psycho Thrillers mit der dazu gehörigen geheimnisvollen Grundstimmung, doch im Laufe der Zeit besticht die Erzählung mit dermaßen vielen Wendungen und Richtungswechseln, das einem fast schon schwindelig werden kann. Ominöse und mysteriöse Ereignisse häufen sich und phasenweise sind die Grenzen zwischen Realität und Fiktion so gut wie gar nicht mehr zu erkennen.

Das ist dem erstklassig aufgebauten Spannungsbogen durchgehend sehr förderlich und weckt gleichzeitig auch die Neugier des Betrachters. Im Mittelpunkt des Ganzen steht dabei die junge Sylvia (Mimsy Farmer), die ganz augenscheinlich in ihrer Jugend mehrere Traumata erlebt haben muss, die sie nun anscheinend einholen und ihr diverse Tagträume vorspielen. Zumindest entsteht dieser Eindruck, doch ehrlich gesagt fällt es unglaublich schwer, sich einen wirklichen Reim auf die geheimnisvollen Abläufe zu machen, denn immer wenn man der Meinung ist der Lösung ein wenig näher gekommen zu sein, steht schon die nächste Wendung auf dem Plan um das Szenario wieder um zu werfen. In diesem Aspekt liegt dann auch der ganz besondere Reiz dieses eher unbekannten, aber qualitativ unglaublich starkem Werk, denn bis wenige Minuten vor dem Ende stellt man zwar so manche Theorie auf, kann sich aber nie wirklich sicher sein, ob die eigenen Vermutungen auch zutreffen. Als wenn das nicht schon für ein grandioses Filmerlebnis ausreichen würde, wartet der Regisseur dann zum Ende hin mit einem absolut krassen Showdown auf, der nicht nur das bis dahin Gesehene völlig auf den Kopf stellt und sämtliche Vermutungen in Luft auflöst, sondern den Zuschauer zudem auch noch fassungslos zurück lässt.

Fast ungläubig beobachtet man die letzten gut zehn Minuten und kann wirklich nicht fassen, was Barilli seiner Geschichte für einen krönenden, aber gleichzeitig auch im ersten Moment verstörenden Abschluss verpasst hat. Danach braucht man auch erst einmal eine gewisse Zeit um das Ganze so richtig sacken zu lassen und betrachtet dieses Meisterwerk im nachhinein auch mit einem vollkommen anderen Blickwinkel. Fairerweise sollte man an dieser Stelle anmerken, das "Das Parfüm der Dame in Schwarz" ganz sicher keine leichte Kost für den üblichen Mainstreamer darstellt, denn streckenweise offenbart sich hier ein regelrechter Hirnverbieger, der auch genügend Freiraum für eigene Spekulationen lässt. Wie dem aber auch sei, auf jeden Fall bekommt man an dieser Stelle eine echte Perle des italienischen Kinos serviert, die in vielen Teilen schon stark an Roman Polanskis Meisterwerk "Rosemary's Baby" erinnert. Die Kombination aus Elementen des Giallo, Zutaten des Psycho Thrillers und dem Hauptanteil des subtil aufkommenden Horrors verleihen diesem Meisterwerk etwas absolut Faszinierendes, dem man sich unmöglich entziehen kann. Mystische Ansätze und surreal anmutende Passagen würzen das Szenario noch zusätzlich und so ergibt sich in der Summe ein extrem stimmiges Gesamtbild.

Es ist immer wieder schön zu sehen, das in den letzten Jahren etliche eher unbekannte europäische Filmjuwelen endlich zu einer würdigen Veröffentlichung gelangen. "Das Parfüm der Dame in Schwarz" zählt definitiv zu dieser Kategorie und dürfte jeden Liebhaber des Cinema Italiano regelrecht begeistern. Man sollte nur keinen reinrassigen Giallo erwarten, denn wer mit dieser Erwartungshaltung an die Story heran gehen sollte, könnte am Ende eventuell eine Enttäuschung erleben. Das scheint aber bei der Klasse des Filmes so gut wie unmöglich, denn die Zusammensetzung der verschiedenen Elemente aus mehreren Genres sind so außergewöhnlich gut gelungen, das man letztendlich vor diesem herausragenden Beitrag des europäischen Filmes den Hut ziehen kann. Wer hier nicht zugreift ist selbst schuld und weiß zudem auch nicht, was für eine brillante Inszenierung ihm durch die Lappen geht, die ihren absoluten Höhepunkt vor allem in dem keinesfalls vorhersehbaren Ende beinhaltet.


Fazit:


Zwar hatte ich persönlich auch mit einem reinrassigen Giallo gerechnet, bin im nachhinein über diese Fehleinschätzung keinesfalls enttäuscht. Viel zu sehr zieht einen dieser extrem außergewöhnliche Beitrag in seinen Bann und verwöhnt einen zudem auch noch mit sehr viel Ästhetik, so dam man im Endeffekt nur ein überragendes Gesamtzeugnis ausstellen kann.


9/10


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Parfüm der Dame in Schwarz (1974)
BeitragVerfasst: 12. Feb 2016, 10:09 
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Sehr schön, dann kann ich mir den Film bedenkenlos einfach so ansehen, ohne weiter auf die Details achten zu müssen. Wird nämlich heute oder morgen soweit sein.

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Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Parfüm der Dame in Schwarz (1974)
BeitragVerfasst: 23. Mai 2016, 12:21 
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Hat sich doch ein wenig verzögert aber nun denn:

Irgendetwas stimmt nicht mit Silvia Hacherman. Sie arbeitet, und arbeitet und arbeitet, und dabei scheint sie sehr wenig Zeit für ihr Privatleben zu haben. Und dann erscheint ihr ihre Mutter im Spiegel, in einem schwarzen Kleid, und als wäre dies nicht schon genug, so taucht auch ein kleines Mädchen auf. Und Silvia glaubt, dass sie verrückt wird, denn sie scheint sich auch an dieses Mädchen zu erinnern. Die Nachbarn machen sich bereits Sorgen um sie, und dann stirbt auch noch ihre beste Freunde in jungen Jahren an einem Herzleiden. Die Fäden verdichten sich um Sylvia herum, bis man es auf sie selbst abgesehen zu haben scheint.


Wertung:


Diesen Film versteht man bei der Erstsichtung fast nicht, denn die Handlung ist zwar gar nicht so ausufernd dafür aber im Detail so komplex dargestellt, dass sich der Rahmen an sich nicht sofort erschließen mag. Gerade in Bezug auf Silvia, das kleine Mädchen sowie den mysteriösen Mann und die Frau im Spiegel kommt es Anfangs zu einiger Verwirrung. Diese kann im Verlauf des Films zu großen Anteilen aufgelöst werden. Was jedoch nicht aufgelöst wird, sind die letzten Szenen des Films, die hier aufgrund von Spoilergefahr nicht besprochen werden. Im Interview mit Barilli wird eine Erklärung versucht, aber auch diese ist nicht so richtig zufriedenstellend.

Dabei ist der typische Giallo-Aspekt, also ein Täter und dessen Entlarvung bzw.Verfolgung, hier mal nicht gegeben, denn den Mörder an sich gibt es Anfangs gar nicht. Somit ist das klassische Motiv außer Kraft gesetzt. Es kommt trotzdem eine Krimiatmosphäre auf und das italienische Flair trägt sein Übriges dazu bei, dass man hier am Ehesten von einem Giallo sprechen kann. Die Polizei fehlt z. B. völlig. Dafür werden ein paar Afrikaner und die Vorstellung von Voodoo präsentiert. Das wirkt insgesamt ein wenig abgehoben und weit entfernt von der Norm. Das ist aber nicht schlimm, denn dadurch hebt sich „Il Profumo della signora in nero“ deutlich von anderen Gialli ab.

Sylvia ist hier eine sehr gute Hauptperson in Gestalt von Mimsy Farmer. Mir hat diese Schauspielerin gar nichts gesagt, obwohl ich wahrscheinlich sogar einen Film mit ihr schon gesehen hatte. Sie wirkt allerdings weniger italienisch, was vielleicht daran liegt, dass sie keine Italienerin ist.

Die musikalische Untermalung, die Hauptsächlich nur aus zwei Themen zu bestehenscheint, ist einfach atemberaubend. Insgesamt ist sowieso was Bild und Ton angeht, ganze Arbeit geleistet worden, denn die Synchronisation ist einfach gelungen. Es wirkt nichts plump oder deplaziert und tonal bleiben da keine Wünsche offen. Die Bildqualität ist perfekt. So soll ein Film restauriert sein, denn es gibt nicht einen Bildfehler, zumindest keinen offensichtlichen, und das ist bei einem älteren Film keine Selbstverständlichkeit. Auch im dunklen sind die Konturen scharf abgrenzbar. Die kräftigen Farben wirken anfangs ein wenig wie Pop-Art, aber man gewöhnt sich schnell an den Anblick. Das Gesamtpaket von „Il Profuma il signora del nero“ ist als extrem gut zu bezeichnen, denn sowohl Film als auch Ausstattung halten, was die Vorschusslorbeeren versprochen haben. Und damit wird uns hier erstmals ein wunderbares Kunstwerk an italienischer Filmkunst präsentiert, die sich, wenngleich auch aus anderen Gründen, nicht vor den großen Meistern Fulci, Argento oder Bava verstecken braucht.

Freunde des italienischen Kinos und auch alle Krimifreunde kommen um diesen Film eigentlich nicht herum. Und auch allen anderen sei er wärmstens empfohlen. Als Wertung ausgedrückt gibt es 09/10 Punkte. Die kleinen Abzüge gibt es aufgrund der offenen Fragen am Ende, die auch durch das Bonusmaterial nicht gänzlich beantwortet werden. Ein wenig mehr Klarheit und es hätte die Höchstnote gegeben. Dies betrifft im Übrigen auch den Filmtitel, denn auch dieser wirft abschließend mehr Fragen auf, als er beantwortet.

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Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


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