Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Das unsichtbare Auge (1978)
BeitragVerfasst: 14. Jan 2013, 23:37 
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Das unsichtbare Auge
(Someone's Watching Me)
mit Lauren Hutton, David Birney, Adrienne Barbeau, Charles Cyphers, Grainger Hines, Len Lesser, John Mahon, James Murtaugh, J. Jay Saunders, Michael Laurence, George Skaff, Robert Phalen, Robert Snively, Lean Le Bouvier, James McAlpine
Regie: John Carpenter
Drehbuch: John Carpenter
Kamera: Robert B. Hauser
Musik: Harry Sukman
FSK 16
USA / 1978

Zuerst sieht es nach einer Folge von dummen Zufällen aus: Die anonymen Anrufe, die Päckchen mit den mysteriösen Geschenken, und die Benachrichtigungen von einer Firma, die gar nicht existiert. Doch dann begreift Leigh: Jemand in ihrer unmittelbaren Nähe versucht, sie systematisch um den Verstand zu bringen. Für die junge Frau beginnt ein mörderischer Kampf um ihr Leben.


Im gleichen Jahr, in dem Altmeister John Carpenter mit "Halloween" einen Meilenstein des Slasherfilms herausbrachte, erschien auch dieser herrliche Psycho-Thriller, der im Prinzip eine eher untypische Arbeit der Regie-Legende darstellt und leider in der Filmografie Carpenters nie die Aufmerksamkeit erlangt hat, die ihm von der Qualität her durchaus zustehen müsste. Denn hat man hier doch einen erstklassigen und spannenden Thriller kreiert, der auf den Spuren von Alfred Hitchcock wandelt und mit den minimalistischsten Mitteln die maximale Spannung erzeugt. Dabei ist es immer wieder erstaunlich zu sehen, das es keiner teuren Effekte oder anderer kostspieligen Dinge bedarf, um den Zuschauer absolut zu fesseln und in seinen Bann zu ziehen. "Das unsichtbare Auge" ist dabei schon eine Art Paradebeispiel, wie man mit einigen wenigen Darstellern, von denen die meisten zudem noch vielmehr als nötiges Beiwerk anzusehen sind und einigen minimalistischen Mitteln einen extrem bedrohlichen und atmosphärischen Film zu schaffen, der in so mancher Passage auch für eine gepflegte Gänsehaut sorgen kann.

Insbesondere die angesprochene Atmosphäre ist das absolute Aushängeschild dieses Werkes, in dem Leigh (Lauren Hutton) ständig seltsame Telefonanrufe-und Geschenke erhält. Erscheint das zu Beginn noch eher wie eine Verwechslung, so entpuppt sich das Geschehen doch äusserst schnell als perfides Psycho-Spielchen, das jemand mit ihr treibt, um sie anscheinend in den Wahnsinn zu treiben. Fast minütlich verdichtet sich die Grundstimmung des Szenarios immer mehr und es entfalten sich bedrohliche-und unheimliche Züge, die ihre Wirkung auf den Betrachter keinesfalls verfehlen. Obwohl das Geschehen zu keiner Zeit durch spektakuläre Aktionen auffällt, entwickelt sich ein Spannungsbogen, der phasenweise Ausmaße von absoluter Hochspannung erkennen lässt. Es sind lediglich Anrufe, seltsame Briefe und die Tatsache, das anscheinend jemand in Leigh's Wohnung war, die hier für atemlose Spannung sorgen. Und dann wäre da selbstverständlich wirkliche überzeugende und authentische Darstellung von Lauren Hutton, die dem Ganzen sehr viel Glaubwürdigkeit verleiht. Nimmt sie die ganzen Dinge zu Beginn noch auf die leichte Schulter und gibt sich als selbstbewuste und taffe Frau, so wird gerade der Übergang zu einem ängstlichen Nervenbündel, zu dem sie mit der Zeit mutiert, brillant dargestellt

Man kann sich sehr gut in ihre Lage hineinversetzen, da die Dinge, mit denen sie konfrontiert wird, im eigenen Alltag passieren könnten, was der ganzen Geschichte einen ungeheuer realistischen Anstrich verleiht. Somit sind wir auch bei der ganz großen Stärke dieses Filmes angelangt, denn hier gibt es nichts Übernatürliches oder Phantastisches, das man in das Reich der Fantasie abschieben kann, vielmehr wird man mit einem perfiden Katz-und Maus Spiel konfrontiert, das in dieser Form jedem normalen Menschen an jedem Ort der Welt passieren kann. So fragt man sich fast zwangsläufig, wie man selbst in einer solchen Situation reagieren würde und wird eventuell mit seinen eigenen Ängsten konfrontiert. Es werden die ureigensten Ängste des Menschen offenbart, denn eine bedrohliche Gefahr wirkt immer erheblich stärker, wenn sie unsichtbar ist und man nicht weiss, von wem sie ausgeht.

So ist dann auch die Identität des Täters eher nebensächlich und wird zum Ende der Geschichte lediglich zur Kenntnis genommen, hat aber während der gesamten Laufzeit eine vielmehr unbedeutende Gewichtung für das gewonnene gesamtbild, es geht einzig und allein um das Psycho-Spiel an sich und deren Auswirkung auf das Opfer. Und man kann es nur noch einmal wiederholen, dieser Aspekt wurde einfach erstklassig und ausdrucksstarl in Szene gesetzt, Mrs. Hutton gibt eine fantastische Kostprobe ihres Könnens und verleiht dem von ihr gespielten Charakter extrem viel Authenzität, so das die auftretende Angst auch spürbar beim Betrachter ankommt und man sich selbst in seiner Haut nicht unbedingt sehr wohlfühlt, obwohl man ja sicher vor dem eigenen Bildschirm sitzt und eigentlich kein Teil der Ereignisse ist, die sich da vor dem eigenen Auge abspielen. Und das ist doch ein untrügliches Zeichen dafür, das die Faszination des Geschehens auf einen übergesprungen ist und man sich mit der Situation identifizieren kann, denn ohne es wirklich zu merken, wird man selbst teilweise zum Spielball der Ereignisse und ist tief in die Story eingetaucht, so das die unheimliche Stimmung schon körperlich zu spüren ist.

Letztendlich ist "Das unsichtbare Auge" ein Film, der auch nach mittlerweile über 3 Jahrzehnten nichts von seinem reiz und seiner Faszination eingebüßt hat, behandelt er doch auch eine Thematik, die jederzeit aktuell ist und in der sich auch die eigenen Ängste widerspiegeln. Man könnte es auch "Extrem-Stalking" nennen, oder auch einfach nur die Befriedigung, einen anderen Menschen mit einer unsichtbaren macht zu belegen, gegen die er sich nur schwerlich zur Wehr setzen kann. Auf jeden Fall aber wurde das Thema hier erstklassig und extrem authentisch umgesetzt, so das Fans spannender Psycho-Thriller sich diese Perle des Genres unbedingt anschauen sollten.


Fazit:


Vielleicht liegt es daran, das Carpenter's "Halloween" im gleichen Jahr erschien und "Das unsichtbare Auge" dadurch nie die Beachtung erhalten hat, die dieser erstklassige Film verdient hätte. Dabei hat der Altmeister hier einen äusserst gelungenen Film geschaffen, der mit den geringsten Mitteln die größtmögliche Spannung und Atmosphäre erzeugt. Jeder, der dieses kleine Juwel noch nicht kennt, sollte diesen Zustand so schnell wie möglich ändern, denn ansonsten verpasst man ein fantastisches und sehr intensives Film-Erlebnis, das unter die Haut geht und auch einen nachhaltigen Eindruck im Kopf des Zuschauers hinterlässt.


8,5/10

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