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 Betreff des Beitrags: Der Kreuzmörder (2009)
BeitragVerfasst: 27. Dez 2012, 15:43 
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Der Kreuzmörder
(El Quinto mandamiento)
mit Ilean Almaguer, Angelica Aragon, Tomas Goros, Alberto Guerra, Jimena Guerra, Ernesto Gomez Cruz, Guollermo Ivan, Carlos Padilla, Alejandro Tommasi, Luis Felipe Tovar
Regie: Rafael Lara
Drehbuch: Rafael Lara
Kamera: Keine Information
Musik: Keine Information
Keine Jugendfreigabe
Mexiko / 2009

Immer wenn die Mädchen die Stimmen der Dämonen in seinem Kopf wecken, sind sie kurz darauf tot. Dabei haben sie Victor so gut gefallen. Er hat sie gemalt, ist ihnen gefolgt, hat sie tagelang beobachtet. Elf Opfer. Elf tote Mädchen zwischen 16 und 18, gefoltert, vergewaltigt und mit dem Kreuz gezeichnet. Gerne würde er die Dämonen zum Schweigen bringen. Wenn ihn die Polizei doch endlich finden würde. Aber die tappt auch nach elf bestialischen Morden immer noch im Dunkeln. Nur ein Wunder kann noch helfen ...


Mit seinem erst zweiten Spielfilm hat Regisseur Rafael Lara einen meiner Meinung nach sehr beeindruckenden Thriller mit Serienkiller-Thematik kreiert, der sich insbesondere in seiner Erzähl-Struktur doch ganz wesentlich von anderen Genre-Vertretern abhebt. So sind die mehrfachen Morde des jungen Victor im Grunde genommen ein eher unwesentlicher Bestandteil einer Geschichte, in der es sich fast ausschließlich um die Beweggründe des jungen Mannes handelt, die im Laufe der Zeit eine mordende Bestie aus ihm gemacht haben. Wer aufgrund der hohen Alterseinstufung einen reisserischen Thriller mit viel Blut und harten Einlagen erwartet wird sicherlich eine Enttäuschung erleben, ist das Geschehen doch vielmehr auf die seelischen Qualen seiner Hauptfigur und die dafür verantwortlichen Personen focussiert, was dem gesamten Szenario schon etwas sehr außergewöhnliches verleiht. Manch einem mag die Geschichte eventuell etwas sperrig und zäh vorkommen, doch wenn man das Gesehene einmal richtig auf sich einwirken lässt offenbart sich ein Szenario voller Bigotterie-und Doppelmoral, was letztendlich dazu führt das aus einem auf den ersten Blick symphatischen jungen Mann einen obsessiven Killer macht.

Die Identität des Kreuzmörders wird gleich mit der Eingangsszene der Story gelüftet und so werden die folgenden Abläufe auch komplett aus der Sicht von Victor geschildert, der übrigens von Ilean Almaguer ganz fantastisch dargestellt wird. Immer wieder eingestreute Rückblenden in seine Kindheit offenbarem dem Zuschauer einen tiefen Einblick in die Seele des jungen Mannes, der schon in frühester Kindheit unter seiner streng religiösen Mutter gelitten hat. Auch wenn die Einblicke in die Vergangenheit rein zeitlich gesehen ziemlich kurz gehalten sind erscheinen sie doch vollkommen ausreichend, um sich ein gutes Bild über einen fast schon krankhaften Hang zur in der Familie vorherrschenden Religion zu machen, die überhaupt keine Möglichkeit offen lässt um eine gesunde und glückliche Entwicklung zu nehmen, wie sie für ein Kind eigentlich unbedingt nötig ist. Es findet im Prinzip nur das Eintrichtern von Verboten statt, wobei die Entdeckung des eigenen Körpers und sexuelle Gedanken als absolute Todsünde abgetan werden. Um ihrem Sohn solche Gedanken aus dem Kopf zu treiben, schickt Victor's Mutter ihn immer wieder zum Gemeinde-Pfarrer, was die normale Entwicklung des Jungen dann endgültig zerstört. Der gute Mann hat nämlich nichts Besseres zu tun als kleine Jungen zu missbrauchen, was zwar im Laufe der Story lediglich angedeutet wird aber dennoch mit einer extremen Wucht auf den Betrachter einprasselt.

Sind doch gerade die beiden wichtigsten Bezugspersonen im Leben von Victor so maßgeblich dafür verantwortlich, das in den folgenden Jahren ein junger Mann heranwächst der in allen jungen Frauen die pure Sünde sieht und diese im Namen Gottes tötet. Rafael Lara hat hier ganz bewusst auf explizite Gewaltdarstellungen verzichtet, bis auf einige hektisch geschnittene Szenen bekommt man keinerlei visuelle Härte geboten. Diese hat das Werk aber auch überhaupt nicht nötig, liegt das Hauptaugenmerk doch viel eher in der Anprangerung der kirchlichen Doppelmoral, wie sie ja auch oft genug im wahren leben zu beobachten ist. Die ganze Tragweite und die Konsequenzen einer vollkommen abartigen Erziehung und sexuellem Missbrauch durch einen Diener Gottes entfachen hier eine so immense Intensität der Ereignisse, das die eigentliche Härte vielmehr im eigenen Kopf entsteht. Sicherlich gibt es keinerlei Entschuldigung für die Taten des jungen Mannes, jedoch bringt man aufgrund der Vorgeschichte ein gewisses Verständnis auf und kann stellenweise sogar etwas wie Mitleid für die gequälte Seele eines Menschen empfinden, dessen Innerstes von den wichtigsten Personen in seinem Leben zerstört wurde. Und so kommt es dann auch einige Minuten vor dem Ende zu der fast unausweichlichen Konfrontation mit Victor's Peinigern, wobei seine Mutter noch mit einigen bösen Worten ihres Sohnes sehr gut wegkommt. Der Pfarrer jedoch erleidet ein ganz anderes Schicksal, das einem jedoch noch nicht einmal einen Funken Mitleid entlocken kann und im Prinzip nur eine vollkommen logische Konsequenz darstellt.

Letztendlich entfaltet die Geschichte dann im endgültigen Showdown noch einmal die volle Kraft ihrer Drama-Anteile, die eigentlich schon die ganze Zeit über die Thriller-Thematik in den Hintergrund gedrängt haben. Das ist jetzt aber keinesfalls negativ gemeint, sondern unterstreicht nur noch mehr die außergewöhnliche Zusammensetzung verschiedenster Einzel-Zutaten, die in der Summe einen wirklich herausragenden Film ergeben. Rafael Lara hat mit "Der Kreuzmörder" einen absolut faszinierenden Genre-Mix kreiert, der von seiner Erzählart einen nicht unbedingt alltäglichen Filmgenuss bietet. Manch einer mag das vielleicht vollkommen anders betrachten, doch trotz kaum vorhandener visueller Härte entfacht dieses Werk eine Intensität, die dem Zuschauer merklich unter die haut geht. Selten zuvor habe ich einen ähnlich gelagerten Film gesehen, in dem ein Serienkiller trotz seiner abscheulichen Taten so viel Symphatiepunkte sammeln kann, da eigentlich ganz andere Leute für seine Verbrechen verantwortlich zeichnen. All diese Dinge werden hier in gut 90 Minuten extrem gut herausgearbeitet, so das man im Prinzip nur zu einem überdurchschnittlich guten Gesamteindruck gelangen kann. Man sollte nur nicht mit den ansonsten üblichen Erwartungen an die Thematik herangehen, denn "Der Kreuzmörder" hebt sich doch ganz gewaltig von den üblichen Vertretern des Genres ab und zwar in einem absolut positiven Sinne.


Fazit:


Hier stellt sich einmal mehr sehr eindrucksvoll unter Beweis, das sich Mexiko längst als ernstzunehmendes Filmland etabliert hat. Eine eindrucksvolle-und unter die Haut gehende Geschichte, die erstklassige Ausarbeitung der religiösen Motive und eine brillant agierende Darsteller-Riege sind die größten Stärken eines Filmes, den man sich unbedingt ansehen sollte. Abweichend von den sonst üblichen Serienkiller-Filmen nietet Lara's Werk eine willkommene Abwechslung und legt sein Hauptaugenmerk weniger auf die Taten des Mörders als vielmehr auf die Umstände, die zu den Morden geführt haben. Ich fühlte mich bestens unterhalten und kann nur eine unbedingte Empfehlung für diesen außergewöhnlich guten Film aussprechen.


8,5/10

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