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 Betreff des Beitrags: Der New York Ripper (1982)
BeitragVerfasst: 28. Sep 2013, 19:24 
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Der New York Ripper
(Lo Squartatore di New York)
mit Jack Hedley, Howard Ross, Andrea Occhipinti, Almanta Suska, Alexandra Delli Colli, Paolo Malco, Cinzia De Ponti, Cosimo Cinieri, Daniela Doria, Zora Kerova, Josh Cruze, Rita Silva
Regie: Lucio Fulci
Drehbuch: Gianfranco Clerici / Lucio Fulci / Vincenzo Mannino
Kamera: Luigi Kuveiller
Musik: Francesco De Masi
ungeprüft
Italien / 1982

Am Ufer des Hudson wird der leblose Körper einer attraktiven Frau gefunden. Furchtbar zugerichtet von einem Triebmörder. Ein Mord, der eindeutig in eine Serie weiterer brutaler Triebverbrechen gehören. Schon seit Wochen geht der Schrecken in New York City um. Ein Mädchen wurde auf einer Fähre umgebracht, eine Striptease-Tänzerin im Nachtclub, und weitere Fälle sind bei der Polizei aktenkundig. Auch die Frau vom Hudson ist nicht das letzte Verbrechen des unheimlichen Täters. Immer wieder schlägt er grausam und ekelerregend zu. Bis Leutnant Williams feststellt, daß dem Mörder an der linken Hand zwei Finger fehlen. Die gezielte Jagd auf den New York Ripper beginnt. Die Stunden der Bestie sind gezählt...


Die Filme von Lucio Fulci haben eigentlich schon von jeher die Meinungen gespalten und zugegebenermaßen befinden sich in der Filmografie des Regisseurs auch einige echte Rohrkrepierer. Auf vorliegendes Werk trifft die aber keinesfalls zu, den mit "Der New York Ripper" hat der gute Mann ein wahres Genre-Highlight entstehen lassen, wobei man die Geschichte mehreren Kategorien zuordnen könnte. Einerseits Krimi, auf der anderen Seite äußerst viele Horror-Elemente, doch vom Prinzip her eigentlich schon fast ein waschechter Gialli, dem lediglich diverse andere Elemente beigemischt wurden. Wenn wir den Film wie viele der Fans einmal als Gialli betiteln, dann handelt es sich auf jeden Fall um einen der härtesten Vertreter seiner Art, denn was bei den meisten Genre-Kollegen doch zumeist eher nur im Ansatz zu erkennen ist, tritt in vorliegendem Fall ganz offensichtlich in den Vordergrund. So beinhaltet die von Beginn an sehr spannende Story etliche Passagen, in denen es extrem rau-und derbe zur Sache geht. Dabei vermischt Fulci die typischen typischen Stilmittel des Slashers mit kriminalistischen Elementen und präsentiert dem Zuschauer ein Endprodukt, das sich in Sachen visueller Härte auch nicht hinter heutigen Produktionen verstecken muss. Gleichzeitig gibt es hier nicht nur die ansonsten übliche Prise Erotik in einem Gialli zu sehen, denn das Geschehen strotzt nur so vor sexuellen Anspielungen, die phasenweise sogar recht deftig in den Fokus geraten.

Das Ganze wurde in eine Geschichte verpackt, die einen von Beginn an packt und auch bis zum bitteren Ende nicht mehr loslassen will. Der Spannungsaufbau gestaltet sich dabei als äußerst gelungen und auch wenn man mit zunehmender Laufzeit erahnen kann um wen es sich bei dem grausamen Frauenmörder handelt, bekommt man die endgültige Bestätigung für seine Ahnung erst wenige Minuten vor dem Ende. Bis dahin offenbaren sich immer mehr Puzzle-Teilchen die in eine ganz bestimmte Richtung deuten, doch Fulci präsentiert desweiteren auch diverse andere Verdächtige, so das man sich nie wirklich sicher sein kann, wer den letztendlich für die reißerischen Morde verantwortlich zeichnet. Und reißerisch ist wirklich die richtige Bezeichnung für die etlichen Tötungen, bei denen mit Blut-und SFX wahrlich nicht gegeizt wird. Selbst für die Verhältnisse des Regisseurs geht es extrem brutal zur Sache, wobei die Kamera etliche Passagen auch sehr gut einfängt und dem Betrachter auch in Großaufnahme zeigt. In diesem Zusammenhang möchte ich lediglich an die Ermordung einer Prostituierten erinnern, wobei der Killer hier mit einer Rasierklinge agiert und die dabei entstehenden Szenen einem teilweise wirklich zusetzen können. Doch ganz generell geht man während des gesamten Szenarios nicht unbedingt zart zur Sache, so das etwas zarter besaitete Menschen lieber die Finger von diesem Film lassen sollten, der bestimmt nicht für schwache Gemüter ausgelegt ist.

Ein absolutes-und unverkennbares Markenzeichen dieses Werkes ist definitiv die Stimme des Mörders, der bei seinen Anrufen immer wieder die Disney-Figur Donald Duck imitiert. In diesem Aspekt liegt für viele Leute ein Grund zur negativen Kritik vor, wird die hohe Stimme doch sehr oft als absolut nervtötend bezeichnet. Das mag natürlich reine Empfindungssache sein, doch insbesondere für den psychologischen Effekt der Story ist hier meiner persönlichen Meinung nach ein nahezu genialer Schachzug eingefügt worden, der zudem die von Haus aus schon äußerst bedrohliche Grundstimmung des Ganzen noch einmal zusätzlich hervorhebt und in den Vordergrund rückt. Zudem betrachtet man es am Ende der Story auch noch einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel, wird einem doch erst durch die Eröffnung sämtlicher Zusammenhänge so richtig klar, warum der Mörder sich gerade dieser Imitation bedient hat. Man kann es also sehen wie man will, "Der New York Ripper" ist in seiner Gesamtheit auf jeden Fall ein rundum gelungener Film, in dem Fulci verschiedene Genres miteinander verbunden hat. Das Ergebnis zählt sicherlich schon zu den Genre-Klassikern und ist aufgrund seiner unverhohlenen Rohheit regelrecht berüchtigt. Kein Wunder also, das dieses Werk auch nach über 3 Jahrzehnten immer noch indiziert ist und die ungeschnittene Version nur über unsere österreichischen Nachbarn zu beziehen ist. Im Gegensatz zu diversen anderen sehr harten Filmen von Lucio Fulci wird hier zudem noch eine äußerst interessante Story erzählt, was bei ihm ja auch nicht immer der Fall ist. Und auch wenn diese sicherlich nicht frei von jeglichen Logiklöchern ist, so bietet sie doch extrem spannende Krimikost in einem blutigen Gewand, was im Endeffekt für eine hochexplosive Mixtur sorgt.

Für mich selbst liegt hier definitiv der beste Film des italienischen Regisseurs vor und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie oft ich ihn schon gesehen habe. Dabei hatte ich das Glück, dieses wunderbare Stück Film noch auf der großen Kinoleinwand zu sehen, was zusätzlich noch einmal ein enormer Schub für die geniale Atmosphäre war. Selbst in der heutigen Zeit lässt sich diese Perle immer wieder gut anschauen, ohne das das Geschehen dabei an Faszination einbüßt und die knallharten Effekte tun ihr Übriges, um einem durchgehend eine Gänsehaut zu verpassen. "The New York Ripper", das ist Fulci at his Best und dieser italienische Beitrag sollte definitiv in keiner gut sortierten Sammlung fehlen.


Fazit:


Hart, spannend, äußerst atmosphärisch und absolut kompromisslos, das sind wohl die treffendsten Eigenschaften um diesen Film zu beschreiben. Die Mischung aus Slasher, Krimi und Gialli ist ganz vortrefflich gelungen, wobei es wohl jedem selbst überlassen ist, in welche Kategorie er dieses Werk letztendlich einordnet.


10/10

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 Betreff des Beitrags: Re: Der New York Ripper (1982)
BeitragVerfasst: 18. Jan 2014, 18:06 
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Etwas verspätet aufmerksam geworden auf den Ripper bin ich erst durch den Hype um das Erscheinen der MBs.
Fulci, nunja .. als lucio-skeptischer Zuschauer viel die Wahl zwischen Mediabook und Amaray ersteinmal nicht schwer,
also musste eine normale DVD her.

Positiv anzumerken sind auf jeden Fall die zahlreichen Wendungen innerhalb des Filmes, ständig wird eine kleine
Spur gelegt, wer denn nun der Mörder sein könnte, aber nein, ein Holzweg und das Raten geht weiter. Ich war anfangs der Überzeugung,
es wäre einer der 'Guten' (ohne zuviel zu verraten).

Die Tötungsszenen sind recht hart ausgefallen, da wird recht freizügig die Rasierklinge geschwungen. Auch die Locations
sind gut gewählt, besonders das Geschehen auf der Fähre noch recht zu Beginn haben sehr gut gefallen.

Der NYR ist recht spannend, für mich reichte allerdings ersteinmal eine 1x Sichtung. Mir beinhaltete er etwas zuviel
"Rotlichtmilieu", aber das ist geschmackssache.

Quak Quak Quak
6/10

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I don't think runnning will save you.


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