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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Der Tod trägt schwarzes Leder (1974)
BeitragVerfasst: 6. Jan 2013, 21:36 
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Der Tod trägt schwarzes Leder
(La Polizia chiede aiuto)
mit Giovanna Ralli, Claudio Cassinelli, Mario Adorf, Franco Fabrizi, Farley Granger, Marina Berti, Paolo Turco, Corrado Gaipa, Micaela Pignatelli, Ferdinando Murolo, Salvatore Puntillo, Eleonora Morana, Sherry Buchanan, Roberta Paladini, Luigi Antonio Guerra
Regie: Massimo Dallamano
Drehbuch: Massimo Dallamano / Ettore Sanzo
Kamera: Franco Delli Colli
Musik: Stelvio Cipriani
Keine Jugendfreigabe
Italien / 1974

Ein junges Mädchen wird nackt erhängt in einer Dachboden-Wohnung aufgefunden. Der vermeintliche Selbstmord stellt sich bald als vorgetäuscht heraus. Commissario Valentini und seine Kollegin werden auf den Fall angesetzt. Bei ihren spannenden Ermittlungen kommen sie einem Verbrechernetz auf die Spur, das Minderjährige zur Prostitution anbietet.


Es gibt nicht gerade wenige Leute, die bei vorliegendem Film einen waschechten Gialli erwarten, doch entpuppt sich "Der Tod trägt schwarzes Leder" doch vielmehr als erstklaasiger italienischer Polizeithriller, der zwar durchaus Elemente des Gialli's erkennen lässt, doch stehen diese doch eher im Hintergrund der absolut faszinierenden Geschichte, die sich dem Zuschauer hier präsentiert. Es ist aber insbesondere diese Mischung, die vorliegendes Werk in meinen Augen zu etwas ganz Besonderem macht. Deshalb ist es auch eher unverständlich, das dieses Meisterwerk des italienischen Kinos eigentlich nie die beachtung bekommen hat, die es eigentlich verdient hat. Offenbart sich dem Betrachter doch eine Story, die nicht nur äusserst atmosphärisch und extrem spannend umgesetzt wurde, sie beinhaltet zudem noch eine bitter-böse Thematik und offenbart Abgründe, die einen in die Abgründe der menschlichen Seele blicken lassen und dem Geschehen einen sehr bitteren Beigeschmack verleihen, den man nicht so schnell wieder los wird.

Ganz besonders hat mir der Aspekt gefallen, das die Identität des Mörders gar nicht einmal das Wesentliche ist, sondern vielmehr die Hintergründe und Motive, die hinter dem Ganzen stecken und Ausmaße annehmen, die erst ganz am Ende vollkommen offengelegt werden. Und so stellt sich auch ziemlich schnell heraus, das die eingeschlagene Richtung des Filmes ganz klar zum Polizeithriller tendiert, in dem sich mit der Zeit immer mehr an Spannung aufbaut. Zudem bekommt man einen sehr tiefen Einblick in die Ermittlungsarbeit der Ermittler, die auch selbst nicht vor Anschlägen auf ihr Leben verschont bleiben, nachdem sie der Lösung des Ganzen und insbesondere den Hintermännern zu nahe kommen.

Dabei hat Regisseur Massimo Dallamano auch ein hervorragendes Gespür für das Erzähltempo des Filmes bewiesen, das streckenweise seine temporeichen und durchaus rasanten Passagen hat, andererseits aber auch immer wieder durch eher ruhigere, aber äusserst intensive Phasen auffällt, die dem Geschehen einen sehr realistischen und authentischen Eindruck verleihen. Es ist ganz einfach alles absolut perfekt aufeinander abgestimmt, denn auch die hier angetretene Darsteller-Riege hätte man nicht besser auswählen können. Bis in die kleinsten Nebenrollen ist jeder einzelne Charakter perfekt besetzt und sämtliche Darsteller liefern eine eindrucksvolle Kostprobe ihres Könnens ab. So kommt man insbesondere als Freund des Cinema Italiane eigentlich nicht drum herum, diesem Klassiker eine uneingeschränkt positive Bewertung zu geben, beinhaltet "Der Tod trägt schwarzes Leder" doch alle Zutaten, die einen Film dieser Art so absolut sehenswert machen und sorgt so für ein erstklassiges Filmerlebnis.

Es gibt nicht besonders viele Genrefilme, an denen es im Prinzip rein gar nichts auszusetzen gibt und dieses Werk von Massimo Dallamano gehört ganz eindeutig in diese kleine Gruppe von Filmen. Dramaturgisch gesehen mit einem herausragenden Spannungsbogen versehen, entfaltet sich innerhalb kürzester Zeit eine äusserst dichte Grundstimmung, deren Faszination sich zwangsläufig auf den Zuschauer überträgt. Durch seine im Bezug auf das Erzähltempo variable Erzählstruktur entfaltet sich dabei eine ungeheure Intensität, die nicht spurlos an einem vorrüberzieht. Diese wird durch die beinhaltete und sehr böse Botschaft der Geschichte noch zusätzlich hervorgehoben, verleiht dem Ganzen allerdings auch einen äusserst bitteren Beigeschmack, der sich noch lange im Kopf des Betrachters festsetzt. Denn nur zu authentisch erscheinen die Ereignisse, die leider auch heutzutage immer wieder aktuell sind und für ein sehr beklemmendes und betroffenes Gefühl sorgen, wenn man von solchen Fällen hört.


Fazit:


"Der Tod trägt schwarzes Leder" zählt sicherlich zu den besten Filmen, die das italienische Kino hervorgebracht hat. Ein perfekt aufeinander abgestimmtes Szenario sorgt ganzzeitig für absolut erstklassige und extrem spannende Unterhaltung. Ein Film, der auch nach über drei Jahrzehnten immer wieder sehenswert ist und auch überhaupt nichts von seinem Reiz verloren hat. Hier kann man nur eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen, die auch nicht nur an die Liebhaber des italienischen Kinos gerichtet ist.


10/10

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Tod trägt schwarzes Leder
BeitragVerfasst: 1. Mär 2013, 22:02 
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Dem muss ich etwas widersprechen, denn als Giallo-Verehrer - und jedem Giallo-Kenner fällt das auch auf - hat der Film einige häßliche Pickel: :knueppel:

1. Dallamano klaut erst mal völlig hemmungslos die Filmmusik von Cipriani aus "Das Syndikat" (1971. also 3 Jahre vorher gedreht)

2. Dallamano schnappt sich mit Adorf und Fabrizi gleich noch die Schauspielcharaktere aus "Das Syndikat"

3. Dallamano kopiert die Schlachten zwischen Polizei-Medien und Polizei-Staatsanwälte aus "Das Syndikat", setzt allerdings statt eines Männchens ein Weibchen ein.

4. Die erhängte 15jährige ist eine Plastik-Puppe und sieht auch so aus (hätte man ja auch eine echte aus dem Leichenschauhaus hinhängen können, denn die Kühltruhen waren derzeit voll davon).

Deshalb gibt es kreative Abzüge von mir von 1,5.. was heißt: 8,5:10 Punkten.

Geil ist der Film aber allemal.. :Up:


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Tod trägt schwarzes Leder
BeitragVerfasst: 2. Mär 2013, 12:36 
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Vampir-Adel

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seifersdorfer hat geschrieben:
Dem muss ich etwas widersprechen, denn als Giallo-Verehrer - und jedem Giallo-Kenner fällt das auch auf - hat der Film einige häßliche Pickel: :knueppel:

1. Dallamano klaut erst mal völlig hemmungslos die Filmmusik von Cipriani aus "Das Syndikat" (1971. also 3 Jahre vorher gedreht)

2. Dallamano schnappt sich mit Adorf und Fabrizi gleich noch die Schauspielcharaktere aus "Das Syndikat"

3. Dallamano kopiert die Schlachten zwischen Polizei-Medien und Polizei-Staatsanwälte aus "Das Syndikat", setzt allerdings statt eines Männchens ein Weibchen ein.

4. Die erhängte 15jährige ist eine Plastik-Puppe und sieht auch so aus (hätte man ja auch eine echte aus dem Leichenschauhaus hinhängen können, denn die Kühltruhen waren derzeit voll davon).

Deshalb gibt es kreative Abzüge von mir von 1,5.. was heißt: 8,5:10 Punkten.

Geil ist der Film aber allemal.. :Up:



Jetzt muß ich widerum ein wenig Einspruch erheben :!:

Also häßliche Pickel hat der Film nicht, nur ein leichtes musikalisches Wiederholungs-Syndrom :D

Geklaut wäre zuviel gesagt, denn immerhin wird der Komponist STELVIO CIPRIANI selbst mit aufgeführt, wobei er soweit ich die Musik kenne, diese z.T. ein wenig varriierte! DAS SYNDIKAT ist von 1971 , DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER ist von 1974 und jetzt kommt es, ha ha, es gab noch den Film DER UNERBITTLICHE VOLLSTRECKER ( La Polizia Sta A Guardare ) und der ist von 1973. Hier wurde ebenfalls CIPRIANI als Komponist mit aufgeführt, wo ebenfalls eines seiner Stücken, die vorher im SYNDIKAT zu hören waren mit eingebaut wurde. Sowas kam z.T. schon vor, wobei CIPRIANI schon ein wenig zusätzliche Musik komponiert hatte, hört sich ja schließlich nicht alles nach Musik-Recycling an!

Es gibt übrigens zwei Soundtrack CDs, wo man es wunderbar hören kann!
Die eine erschien 2008 beim Label -Chris Soundtrack Corner- und nennt sich LA POLIZIA CHIEDE AIUTO! Da ist nur Musik zu Drei Polizeifilmen von CIPRIANI enthalten!

Die andere erschien bei -Digitmovies- 2009. Dort sind zwei Soundtracks von CPRIANI enthalten, DAS SYNDIKAT und DIE GNADENLOSE JAGD! Aber diese werden sie vermutlich haben und die andere :?: :?: :?: :D

Zum Film:
Also mir gefällt dieser auch sehr gut und das Thema bzw. der ganze Fall geht bis in die höchsten Kreise. Sowas ist in der Tat nach wievor aktuell! Auch CLAUDIO CASSINELLI als ermittelner Kommissar finde ich klasse und seine Reaktion, nach dem das Ausmaß erkannt worden ist, er entnervt zum Schluss das berühmte Handtuch wirft mit dem Satz:

" Ihr könnt mich alle am Arsch lecken! "

Hier scheitert mal wieder einer, an einer ganz bestimmten Instanz!
Ein fürwahr im Grunde genommen bitteres Ende, weil blockiert wird, weil sonst der ganze Staat bzw. Staatspparat baden gehen würde und etliche im Gefängnis landen würden! Ich finde den Film klasse, auch die restliche Besetzung ist toll! MARIO ADDORF hat sich in der regel immer hervorragend in den Italokrimis gemacht. Der passte da wunderbar hinein, so auch hier!

Das hier einige Charaktere oder auch Medienschlacht ein wenig übernommen wurde, sehe ich nicht so eng, denn hier ist ein ganz anderer Fall vorhanden und immerhin inszenierte ihn DALLAMANO wirklich gut!

Ich sehe ihn aber eher als eine Mischung aus Polizeifilm und Politthriller!
Schaue den immer wieder gerne!

Von mir 9 / 10 :Up:
GrafKarnstein vamp11


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