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 Betreff des Beitrags: Der Todesengel (1971)
BeitragVerfasst: 8. Feb 2013, 14:53 
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Der Todesengel
(La Vittima designata)
mit Tomas Milian, Pierre Clementi, Katia Christine, Luigi Casellato, Marisa Bartoli, Ottavio Alessi, Alessandra Cardini, Enzo Tarascio, Carla Mancini, Bruno Bischetti
Regie: Maurizio Lucidi
Drehbuch: Augusto Caminito / Leslie Daniels
Kamera: Aldo Tonti
Musik: Luis Bacalov
Ungeprüft
Italien / 1971

Stefano, Leiter einer erfolgreichen Werbeagentur, ist mit seinem Leben unzufrieden. Er würde sich am liebsten von Ehefrau Luisa trennen, doch alle Geschäftsanteile laufen auf den Namen seiner Gattin. Bei einem Aufenthalt in Venedig lernt Stefano den Grafen Matteo Tiepolo kennen, der ihm ein ungewöhnliches Angebot macht: Er werde Stefanos Frau ermorden, dieser wäre damit alle Sorgen los und könnte sich mit seiner Geliebten Fabienne ein neues Leben aufbauen. Im Gegenzug soll Stefano den verhassten Bruder Tiepolos beseitigen - ein scheinbar perfektes Verbrechen. Stefano nimmt den Vorschlag nicht weiter ernst, der Graf jedoch begeht tatsächlich den angekündigten Mord, für den Stefano sogar als Hauptverdächtiger in Frage kommt. Tiepolo hält außerdem wichtige Indizien zurück, die Stefano entlasten könnten, und will ihn so zwingen, seinen Teil der "Abmachung" einzuhalten. Ein ebenso paradoxes wie teuflisches Spiel beginnt: Stefano muss einen Mord begehen, um damit seine Unschuld zu beweisen...


Schon die Inhaltsangabe dieses italienischen Thrillers deutet ganz eindeutig darauf hin, das wohl Alfred Hitchcocks "Strangers on a Train (Der Fremde im Zug)" als Vorlage gedient hat, springen einem die inhaltlichen Ähnlichkeiten doch förmlich ins Auge. Dennoch unterscheiden sich beide Filme doch in vielen Punkten ganz erheblich, wobei ehrlich gesagt vorliegende Version von Maurizio Lucido meiner Meinung nach die bessere Variante der Thematik ist, denn "Der Todesengel" hinterlässt beim Zuschauer einen etwas stimmigeren Gesamteindruck als Hitchcocks Klassiker. Das beginnt allein schon bei den einzelnen Charakteren der Geschichte, die hier ganz einfach tiefer und intensiver beleuchtet werden, zudem überzeugen die Darsteller hier auch durch das weitaus bessere Schauspiel. Doch auch in allen anderen Punkten erscheint Lucidis Werk viel ausgereifter, die einzelnen Komponenten des Filmes ergeben ein absolut stimmiges Gesamtbild, das ausserdem mit einer ziemlich überraschenden Schluß-Sequenz kompletiert wird, mit der man den Betrachter zurücklässt, der nun aufgrund der letzten Einstellung noch seine eigenen Interpretationen im Bezug auf die letzte Einstellung anstellen kann.

"Der Todesengel" ist nicht unbedingt ein temporeicher und schon gar nicht ein actiongeladener Vertreter des Genres, die Erzählstruktur des Geschehens ist vielmehr ruhig und teilweise schon bedächtig. Dennoch entfaltet der Film eine ungeheure Faszination auf den Zuschauer und lässt dabei gleichzeitig ein hohes Maß an Intensität aufkommen, die einem kaum merkbar mit der Zeit richtiggehend unter die Haut kriecht. So taucht man immer tiefer in die Ereignisse ein und versucht sich auch mit der Situation auseinanderzusetzen, in der sich die Hauptfigur Stefano (Tomas Milian) befindet, der hier wie übrigens auch alle anderen Darsteller ganz hervorragend agiert. So kann man dann auch die schier aussichtslose Lage äusserst gut nachvollziehen, die er in diesem perfiden Spiel einnimmt. Er wird zum Spielball von Matteo (Pierre Clementi) und es scheint aus dieser misslichen Lage keinerlei Ausweg zu geben. Von der Polizei als Hauptverdächtiger abgestempelt bleibt ihm letztendlich nur eine einzige Möglichkeit, um seine Unschuld zu beweisen.

An diesem Punkt tritt dann auch der größte Unterschied zu "Strangers on a Train" in den Vordergrund des Szenarios, denn das Ende der Geschichte präsentiert sich vollkommen anders, was dem Ganzen noch eine zusätzlich sehr interessante Note verleiht, die vom Zuschauer nur zu gern angenommen wird, sorgt sie doch für eine vollkommen andere Sichtweise der Ereignisse und drückt dem Film einen ganz eigenen Stempel auf. Lucidi ist es ganz ausgezeichnet gelungen, durch überraschende Varianten die Fasziantion dieses erstklassigen Werkes noch zusätzlich anzuheben und es so auch zu einem absoluten Juwel des italienischen Kinos macht. Hier stimmt einfach alles, angefangen mit der äusserst interessanten Geschichte die über einen dramaturgisch erstklassigen Aufbau verfügt, bis hin zur beklemmenden Grundstimmung, die fast ganzzeitig vorherrscht. Grandios agierende Darsteller, erstklassige Kulissen und ein perfekt auf die Szenerie abgestimmter Score machen "Der Todesengel" zu einem wahrhaft fantastischen Filmerlebnis, das mit absoluter Sicherheit ganz oben in der Hitliste des Cinema Italiano anzusiedeln ist.

Obwohl "Der Fremde im Zug" für mich persönlich schon ein absoluter Klassiker ist, hat mir vorliegende Variante von Maurizio Lucidi noch besser gefallen, ist die Geschichte doch insgesamt viel ausgegorener und hinterlässt einen viel stimmigeren Gesamteindruck. Hinzu kommt die Tatsache, das durch das vollkommen andere Ende der Geschichte etwas Überraschendes hunzugefügt wurde, was dem Zuschauer Freiraum für eigene Interpretation im Bezug auf die Motivlage lässt. Die ruhige, aber dennoch sehr intensive Erzählstruktur der Geschehnisse sorgt dafür, das man sehr gut in Geschehnisse eintauchen kann und sich insbesondere mit der Figur des Stefano identifizieren kann, der trotz seiner Betrugsabsichten gegenüber seiner Frau von Beginn an sehr viele Symphatiepunkte beim Betrachter sammeln kann. Und so bietet Maurizio Lucidis Film letztendlich ein Sehvergnügen, das sich kein Liebhaber des Genres entgehen lassen sollte.


Fazit:


Eine altbekannte Thematik aus einem Hitchcock-Klassiker wurde hier weitaus interessanter und spannender in Szene gesetzt, ausserdem wurde durch ein total abweichendes Ende eine weitere Fawcette hinzugefügt, die das von Haus aus schon extrem gute Gesamtbild noch einmal zusätzlich aufwertet. "Der Todesengel" ist nicht nur den Freunden des italienischen Kinos wärmstens ans Herz zu legen, sondern dürfte auch die breite Masse ansprechen. Wer qualitativ hochwertige Thriller zu schätzen weiß, kommt an dieser italienischen Perle auf keinen Fall vorbei.


9/10

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Todesengel
BeitragVerfasst: 14. Feb 2013, 18:40 
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Vampir-Adel

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DER TODESENGEL

zählt fest zu meinen absoluten Lieblingsfilmen der 70er Jahre, was sich auch nie ändern wird!
Er ist sehr stimmungsvoll in Szene gesetzt worden.
Das liegt;

1. an dem schönen 70er Jahre Flair, was eben nur in der Zeit möglich war.

2. an der z.T. melancholischen Stimmung, die meistens durch die geniale Musik von LUIS BACALOV und THE NEW TROLLS hervor gerufen wird.

3. an den Schauplatz VENEDIG! Diese Stadt ist einer der schönsten altertümlichsten Städte Europas und versprüht eh schon ihre ganz eigene Atmosphäre, da sie heute noch wirkt, als wäre man 200 oder 300 Jahre in die Zeit zurück versetzt! Diese Atmosphäre kommt dem Film sehr zu gute und versteht es diese auch zu nutzen und zusammen mit dem 70er Jahre Flair entstand hier was ganz eigenes einzigartiges!

4. Die wirklich intensiven Leistungen der Darsteller, allen voran TOMAS MILIAN und PAUL CLEMENTI

5. Die großartige Regie von MAURIZIO LUCIDI, der meiner Meinung nach hier seinen besten Film gemacht hat, wobei seine Italo-Krimi Genreperle DIAMANTENPUPPE ich ebenfalls nicht missen will!

6. Die tolle starke Geschichte, die hier erzählt wird, die zwar von der Grundbasis nicht neu erfunden wurde, wie Master schon richtig bemerkte, aber auch der Film hier gefällt mir weitaus besser als DER FREMDE IM ZUG!

Das alles zusammen ergab ein wahres Filmjuwel des italienischen Films, der eine tolle intensive Atmosphäre von Anfang bis Ende aufweist!
Ganz toller Film, den ich mehr, als nur zu 100% empfehlen kann!

11 / 10 :Up:

Ps. Die DVD hat u.a. als Extra den schönen Soundtrack zu bieten. Obwohl ich die DVD natürlich auch habe, habe ich nach wievor meine alte VHS Original vom Label -Mike Hunter- behalten, was auch so bleiben wird, denn das ist für mich in Bezug zum Film Nostalgie pur, wenn ich mal hin und wieder mir den Film auf Video anschaue!
GrafKarnstein
vamp11


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Todesengel
BeitragVerfasst: 14. Feb 2013, 20:20 
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Freut mich, das auch dir dieser italienische Vertreter zusagt lieber Graf. Viele bewerten den Film ja wegen seinem eher ruhigen Erzählfluss eher mäßig, doch gerade in diesem Punkt liegt meiner Meinung nach die absolute Stärke des Werkes.

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Todesengel
BeitragVerfasst: 15. Feb 2013, 19:22 
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Vampir-Adel

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Na sowas, ich hatte bisher immer angenommen, das der Film gerade bei den Italofans einen höheren Status geniessen würde :roll:

Vielleicht haben ja etliche Leute das wahre potenzial des Films nicht erkannt!
Ist des öftren schon merkwürdig. kaum bietet ein italienischer Thriller kaum Morde, geschweige denn blutige Slasherszenerien, so geniest er weniger Ansehen bei den Fans, als andere Italothriller!

Sicher ist alles Geschmackssache, wie man so schön sagt, aber sowas fiel / fällt mir schon seit damals immer wieder auf!

Ich zumindest geniesse diesen Film in Abständen immer wieder gerne, zumal ich damals öfters auch selbst in Venedig war und die ganze Atmosphäre und das Flair sehr schätze! :)
GrafKarnstein vamp11


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 Betreff des Beitrags: Re: Der Todesengel
BeitragVerfasst: 7. Apr 2013, 11:25 
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Wunderbarer Vertreter des Giallo-Genres. Der Film hat einen ziemlich ruhigen Erzählstil, ist aber keine Sekunde langweilig, finde ich. Die Hauptdarsteller Tomas Milian und Pierre Clémenti sind schlicht und einfach perfekt. Speziell Clémentis Schauspiel ist überragend. Der hervorragende Score rundet das positive Gesamtbild ab.

Ich bin begeistert!

9/10 Pkt

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Wer im Glashaus sitzt, sollte ich sich im Dunkeln ausziehen!


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