Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
Aktuelle Zeit: 11. Dez 2016, 14:47

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde





Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 2 Beiträge ] 
AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 300

AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Die Farben der Nacht (1972)
BeitragVerfasst: 8. Jun 2014, 17:07 
Offline
Forum Admin
Benutzeravatar

Registriert: 12.2012
Beiträge: 2735
Geschlecht: männlich
Bild




Die Farben der Nacht
(Tutti i colori del buio)
mit George Hilton, Edwige Fenech, Ivan Rassimov, Julián Ugarte, George Rigaud, Maria Cumani Quasimodo, Nieves Navarro, Marina Malfatti, Luciano Pigozzi, Dominique Boschero, Lisa Leonardi, Renato Chiantoni
Regie: Sergio Martino
Drehbuch: Ernesto Gastaldi / Santiago Moncada / Sauro Scavolini
Kamera: Miguel Fernández Mila / Giancarlo Ferrando
Musik: Bruno Nicolai
FSK 18
Italien / Spanien / 1972

Nach einem schweren Unfall, bei dem sie ihr ungeborenes Kind verlor, wird eine junge Frau von grausigen Alpträumen geplagt. Ihre Schwester rät ihr, die Hilfe eines Psychiaters in Anspruch zu nehmen, doch auch das hilft nichts. Schließlich gerät die junge Frau in die Fänge einer seltsamen Okkultismus-Gruppe, in der Hoffnung, dort den Ursprung ihrer quälenden Visionen zu finden. Doch plötzlich kommt es zu den merkwürdigsten Todesfällen in ihrer Umgebung und hinter allem scheint die mysteriöse Sekte zu stehen. Es scheint, als würden ihre schlimmsten Alpträume wahr werden.


Nachdem Sergio Martino 1971 schon mit seinem sehr guten "Der Schwanz des Skorpions" und dem herausragenden "Der Killer von Wien" zwei erstklassige Gialli ablieferte, erschien nun lediglich ein Jahr später das eher unbekannte Werk "Die Farben der Nacht". Gleich zu Beginn sollte man darauf aufmerksam machen, das sich dieser Film doch ein wenig vom ansonsten üblichen Strickmuster abhebt und die Geschichte mit einigen Mystery-Elementen sowie surreal erscheinenden Bildfolgen angereichert wurde. Davon kann sich der Zuschauer dann auch sogleich ein Bild machen, wird er doch schon in den ersten Minuten mit einem fieberartigen Alptraum der Hauptfigur Jane konfrontiert und es präsentiert sich ein eher ungewohnter Einstieg in diesen Film des Sub-Genres. Auch in der Folge wiederholen sich solche Einstellungen mehrmals, weshalb man auch in einigen Phasen des Geschehens schwerlich zwischen Realität und Fiktion unterscheiden kann. Auch die gesamte Erzähl-Struktur der Story ist nicht unbedingt geradlinig und so muss man schon die eigene Konzentration aufrecht erhalten, damit man den roten Leitfaden nicht aus den Augen verliert. Martino geht hier etwas andere Wege und lässt dabei einen sehr gelungenen Mix aus Thriller, Krimi-und Mystery Film auf den Betrachter los, zu dem man allerdings erst mit zunehmender Laufzeit den endgültigen Zugang findet. Ist dies aber erst einmal geschehen, dann wird man mit einer wirklich sehenswerten Inszenierung belohnt, die ihre ganz große Stärke sicherlich in visueller Hinsicht beinhaltet, denn die kräftigen Farben und die teils surreal erscheinenden Visionen sorgen dafür, das es phasenweise zu einem wahren Bilderrausch kommt, der einen in echte Verzückung geraten lässt.

Gleiches trifft auch einmal mehr auf Hauptdarstellerin Edwige Fenech zu, die allein schon durch ihr optisches Erscheinungsbild ein Fest für die Augen ist. Ihr zur Seite stehen mit George Hilton und Ivan Rassimov zwei weitere Größen des Gialli, so das man fast schon von einer wirklichen Starbesetzung sprechen kann. Die ansonsten üblichen Morde treten hier zunächst erst einmal gar nicht in Erscheinung, worin schon der größte Unterschied zu den meisten Genre-Kollegen genannt ist. Martino rückt vielmehr seine weibliche Hauptfigur in den Fokus und versucht dabei, dem Zuschauer einen möglichst tiefen Einblick in deren seelischen Zustand zu gewähren. Größtenteils gelingt das auch ausgezeichnet und so vermisst man auch kaum die obligatorische Mordserie, die einen Film dieser Gattung doch ansonsten auszeichnet. Es entpuppt sich eher ein Szenario in dem man dem Betrachter etliche kleine Hinweise liefert, die letztendlich dazu führen könnten, die phasenweise mysteriösen Abläufe zu erklären. Irgenwer möchte nämlich ganz offensichtlich die hübsche Jane in den Wahnsinn treiben oder ihr gar nach dem Leben trachten, wobei die Motivlage dafür wie auch die Identität des Übeltäters lange im Dunkeln bleiben. Bis sich das Rätsel am Ende aufklären lässt, wird man von Martino auf etliche falsche Fährten angesetzt und hat dabei seine helle Freude an einem wunderbaren Rätselspaß.

Auch wenn in vorliegendem Fall kaum visuelle Härte zu sehen ist, erlangt der Plot doch größtenteils ein Höchstmaß an Intensität und streckenweise leidet man regelrecht mit der bezaubernden Edwige mit, die immer mehr zu der Erkenntnis gelangt, das sie nicht mehr weit vom absoluten Wahnsinn entfernt ist. Dieser Aspekt wird immer wieder in regelmäßigen Abständen eingeführt und macht einen noch neugieriger auf die Zusammenhänge einer Geschichte, die auf den ersten Blick gar nicht so leicht zu entschlüsseln ist. Für manch einen mag das eher negativ erscheinen, doch meiner persönlichen Meinung nach zeigt sich an dieser Stelle vielmehr ein absolutes Qualitäts-Merkmal dieses außergewöhnlichen Gialli, den man eventuell auch mehrmals sichten muss, um seine ganze Klasse zu erkennen. Ein toller Cast, sehr viel Spannung und ein visuell ansprechender Bilderrausch machen "Die Farben der Nacht" in meinen Augen sogar zu einem kleinen Juwel, dem viel zu wenig Beachtung geschenkt wird, die das Werk von Martino aber definitiv verdient hätte.

Wie dem aber auch sei, im Prinzip führt für eingefleischte Gialli-Liebhaber kein Weg an diesem Film vorbei, in dem eine wie immer betörende-und verführerische Edwige Fenech das Herz eines jeden Mannes höher schlagen lässt, so das man den guten George Hilton wahrlich darum beneidet, in der Rolle ihres Lebensgefährten an ihrer Seite agieren zu dürfen. Zwar kommt "Die Farben der Nacht" ganz sicher nicht an die herausragende Klasse eines "Der Killer von Wien" heran, bietet aber dennoch einen weiteren-und mehr als gelungenen Genre-Beitrag von Sergio Martino.


Fazit:


Fieberhafte Impressionen, surreale Momente und der Einfluss von diversen Mystery-Elementen heben diesen Film von der sonst üblichen Gialli-Kost ab. Gerade dadurch erlangt das Werk aber eine kleine Ausnahme-Position und ist umso höher einzuschätzen, denn der hier gewählte Weg hebt sich doch eher wohlwollend vom sonst Üblichen ab. Ich kann es aber auch durchaus nachvollziehen das dieser Film nicht jedem gefällt, jedoch sollte man ihm auf jeden Fall eine faire Chance geben, um eventuell eine sehr positive Überraschung zu erleben.


8/10


Nach oben
 Profil Besuche Website  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Die Farben der Nacht (1972)
BeitragVerfasst: 28. Nov 2016, 22:10 
Offline
Archivmeister
Benutzeravatar

Registriert: 12.2012
Beiträge: 1717
Geschlecht: männlich
Jane geht es nicht gut. Sie wird von Alpträumen geplagt. Und ihr Partner Richard bekommt dies hautnah mit. Jane ist sogar schon in psychologischer Behandlung bei Dr. Burton, wo sie von ihrer Schwester Barbara unterstützt wird. Das Problem ist, das Jane bei einem Autounfall ihr ungeborenes Kind verloren hatte. Und jetzt scheint sie daran zu zerbrechen, denn ihr Alpträume drehen sich auch um einen Mann mit himmelblauen Augen. Doch an diesem Mann ist nicht ein Funken Freundlichkeit. Auch sich selbst in hässlicher Weise kann sie sehen, so dass sie meistens einfach wach wird. Richard gibt ihr aus diesem Grund Vitamintabletten, wovon Dr. Burton gar nichts hält, denn Richard kennt sich zwar als Pharmavertreter geringfügig auch mit der Wirkung von Medikamenten aus aber im schlechtesten Fall kann er Jane auch ernsthaft schaden.

In ihrer Verzweiflung wendet sich Jane ja sogar an die ihr fast unbekannte Nachbarin Mary, und von dieser wird sie zu einer schwarzen Messe mitgenommen, denn Mary ist sich sicher, dass sie Jane von ihrem Leid erlösen können. Doch während dieser Messe geschehen sonderbare Dinge und es kommt sogar jemand zu Tode, nur Jane wird immer unsicherer und kann irgendwann selbst nicht mehr unterscheiden, was Wirklichkeit und was Fiktion ist, bis sie selbst aus dem Hinterhalt angegriffen wird...


Wertung:


Dieser Film hier, der zwar in der Richtung "Giallo" platziert wurde für mich aber eigentlich fast schon ein klassischer Horrorfilm ist, der es sogar Streckenweise mit seinen Gruselmomenten durchaus mit "Shining" aufnehmen kann, ist vorzüglich gelungen, und das liegt an mehreren Dingen. Die Geschichte ist so dargestellt, dass selbst der Zuschauer irgendwann nicht mehr genau weiß, wer jetzt überhaupt noch die Wahrheit sagt oder wer überhaupt wer ist und welches Spiel hier gespielt wird, und das erlebt man so im Film nicht sehr häufig, und das hat mir hier vorzüglich gefallen. Allen voran kommt hier Edwige Fenech als Hauptdarstellerin bestens zur Geltung, da sie die nötige Klasse aber auch den Sexappeal mitbringt. Aber als männlicher Gegenpart steht George Hilton dem in nichts nach. Für einen Giallo ist mir etwas zu wenig italienisches Flair vorhanden. Allein durch die englischen Namen geht dies verloren. Ich kann auch rückblickend nicht genau sagen, wo dieser Film jetzt gespielt hat. Für die Geschichte ist es letzten Endes irrelevant.

Die Thematik um eine schwarze Messe herum zu gestalten ist nicht neu, denn viele Filme haben eine Art Sekte oder sogar Satansanbeter als Hauptthema. Hier ist es jedoch so, dass gar nicht so klar herausgestellt wird, dass es sich um Satanisten handelt bzw. handeln könnte. Die Auflösung des Ganzen ist dann in sich logisch und recht gut geglückt. Musikalisch wird man hier eher schon einem Gialli gerecht, wenngleich die ganz großen Musikstücke hier ausbleiben.

Die Bildqualität ist auf der mir vorliegenden Blu Ray von LFG extrem gut gelungen. Es gibt keine Störungen und die Farben kommen mit allen Details kräftig zur Geltung. Im Nachhinein tut es mir nur leid, dass ich mir diesen Film nicht schon früher angesehen habe. Als Wertung für einen absolut spannenden und klassischen Horrorfilm vergebe ich hier 09/10 Punkte.

_________________
Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 2 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron
© phpBB® Forum Software | phpBB3 Forum von phpBB8.de
» Kontakt & Rechtliches Support / Hilfe Forum Gooof Webdesign Kostenloses Forum Dein Forumo Forum web tracker