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 Betreff des Beitrags: Die Waffe, die Stunde, das Motiv (1973)
BeitragVerfasst: 18. Mär 2013, 18:02 
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Die Waffe, die Stunde, das Motiv
(L'Arma, l'ora, il movente)
mit Renzo Montagnani, Bedy Moratti, Eva Czermerys, Salvatore Puntillo, Claudia Gravy, Alcira Harris, Arturo Trina, Adolfo Belletti, Amaldo Bellefiore, Francesco D'Adda, Gina Mascetti, Maurizio Bonuglia
Regie: Francesco Mazzei
Drehbuch: Francesco Mazzei / Mario Bianchi
Kamera: Giovanni Ciarlo
Musik: Francesco De Masi
keine Jugendfreigabe
Italien / 1973

Der Mord an dem gütigen Pater Don Giorgio gibt Kommissar Boito Rätsel auf. Noch bevor das Motiv erkennbar wird, geschieht ein weiterer Mord in der Umgebung des Paters.


Auch der zweite Film aus der gerade erschienenen Giallo Collection von Koch Media ist eine deutsche DVD-Premiere und anscheinend gab es diesen eher unbekannten Genre-Vertreter noch nicht einmal auf VHS zu begutachten. Umso schöner ist es deshalb, das man den Film von Francesco Mazzei nun endlich begutachten kann, offenbart sich doch eine gelungene Kombination aus Giallo-und Drama, das auch teilweise kritisch mit der katholischen Kirche ins Gericht geht. Zu Beginn braucht die Story zugegebenermaßen ein wenig Anlaufzeit um so richtig in die Gänge zu kommen, wobei das Geschehen jedoch zu keiner Zeit langatmig oder gar uninteressant erscheint. Dennoch gewinnt das Ganze merklich an Klasse, als endlich mit Renzo Montagnani der ermittelnde Kommissar auf der Bildfläche erscheint, der dem geschehen durch seine ganz eigene Art einen persönlichen Stempel aufdrückt. Die Zeichnung des intelligenten Ermittlers ist dabei sehr gut gelungen und seine Methoden erscheinen phasenweise sogar etwas außergewöhnlich und stellen zudem das Salz in der Suppe dar. Ihm zur Seite steht sein Assistent Moriconi, der das genaue Gegenteil seines Vorgesetzten darstellt und in der Rolle des klischeebeladenen Trottels eine wunderbare Figur abgibt, die auch für einige humorige Momente verantwortlich zeichnet.

Ansonsten war es das aber auch schon mit der witzigen Seite des Szenarios, das sich neben einer interessanten Kriminal-Geschichte auch mit der Doppel-Moral der Kirche beschäftigt und diese des Öfteren eindrucksvoll ins Bild setzt. Dabei steht der Mord an einem jungen Pfarrer im Vordergrund, der gleich 2 Affären mit verheirateten Frauen hatte und sich dann immer selbst für seine Sünden gegeißelt hat. Auch wenn die Polizei bei ihren Ermittlungen ziemlich lange im Dunkeln tappt, so liegt das Motiv für die Tötung doch für den Zuschauer recht offensichtlich auf der Hand. Auch die Identität des Killers ist dabei nicht wirklich im Verborgenen und dürfte insbesondere für Kenner des Genres unmittelbar auf der Hand liegen. Zudem gibt es immer wieder diverse Anhaltspunkte die auf eine ganz bestimmte Person abzielen, die sich dann letztendlich am Ende auch als Mörder offenbart. Diese Indizien werden hauptsächlich von einer bestimmten Figur der Geschichte eingestreut auf die ich nicht näher eingehen möchte, die jedoch durch ihr Verhalten eine ganz klare Tendenz erkennen lässt.

Erstaunlicherweise mangelt es der Geschichte dennoch nicht an der nötigen Spannung, um den Betrachter für sich zu gewinnen, denn obwohl Mazzei ziemlich offensichtliche Spuren in Richtung des Killers legt, kann man sich doch fast die gesamte Laufzeit über nicht vollkommen sicher sein, ob man mit den eigenen Vermutungen auch richtig liegt. Und so kann man sich trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit der Ereignisse an einem gelungenem Film erfreuen, dessen Inszenierung ein wenig von den ansonsten handelsüblichen Genre-Kollegen abweicht. So handelt es sich in vorliegendem Fall um keine wirklich Serie von Morden, denn lediglich 2 Menschen werden Opfer des Mörders. Zum anderen verleiht die Hintergrund-Thematik der kirchlichen Doppel-Moral dem ganzen eine unglaublich faszinierende Note und drückt dem Geschehen den Stempel des Dramas auf, der absolut passend erscheint.

Es ist schon absolut erstaunlich wenn man sieht, wie viele kleine Film-Juwelen eher unbeachtet vor sich hin dümpeln, bevor sie endlich einmal auf DVD veröffentlicht werden. Auch "Die Waffe, die Stunde, das Motiv" ist durchaus in diese Kategorie einzuordnen, denn auch wenn sich der Film eventuell nicht mit den absoluten Grüßen des Genres messen kann, so bietet er allerbeste-und kurzweilige Unterhaltung. Mazzei's Werk siedelt sich meiner Meinung nach auf jeden Fall oberhalb des Durchschnitts an und ist durch die Genre-Kombination aus Giallo-und Drama zudem noch ein recht außergewöhnlicher Vertreter seiner Art. Allein dieser Aspekt sollte einen neugierig machen und dem Film endlich die Beachtung schenken, die er aufgrund der vorhandenen Klasse definitiv verdient hat.


Fazit:


"Die Waffe, die Stunde, das Motiv" ist vielleicht nicht unbedingt ein Meisterwerk, kombiniert jedoch 2 verschiedene Genres unheimlich gut miteinander. Mit ein wenig Anlaufzeit offenbart sich eine äußerst spannende Geschichte, an der man als Fan auf jeden Fall seine Freude hat. Ich fühlte mich bestens unterhalten und kann nur eine absolute Empfehlung für diesen Film aussprechen.


7/10

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Waffe, die Stunde, das Motiv
BeitragVerfasst: 7. Apr 2013, 10:19 
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Gefiel mir ziemlich gut. Es gibt zwar keine reißerischen Morde, dafür aber ein nettes miträtseln in wunderbarer Atmo. Die Erzählstruktur ist eher ruhig und unaufgeregt, trotzdem ist der Film keine Sekunde langweilig.

Hat mich gut unterhalten...7,5/10

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