Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Don't Torture a Duckling
BeitragVerfasst: 29. Apr 2016, 20:48 
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Don't Torture a Duckling
(Non si sevizia un paperino)
mit Florinda Bolkan, Barbara Bouchet, Tomas Milian, Irene Papas, Marc Porel, Georges Wilson, Antonello Campodifiori, Ugo D'Alessio, Virgilio Gazzolo, Vito Passeri, Rosalia Maggio, Andrea Aureli, Linda Sini, Franco Balducci
Regie: Lucio Fulci
Drehbuch: Lucio Fulci / Roberto Gianviti
Kamera: Sergio D'Offizi
Musik: Riz Ortolani
ungeprüft
Italien / 1972

Ein kleines verschlafenes Dorf in Süditalien wird von einem großen Schrecken wachgerüttelt. Der kleine Bruno wird tot und bestialisch zugerichtet von der Polizei gefunden. Sofort verfallen die Einwohner in eine Hysterie und man verdächtigt zunächst den bekannten Außenseiter Guiseppe und später auch die als Voodoohexe gebranntmarkte Maciara. Ein wütender Mob zieht durch die Stadt, vorbei an einer überforderten Polizeieinheit. Als dann bald darauf weitere Jungen vermisst und tot aufgefunden werden, sehen sich die Einwohner und die Polizei in völliger Hilflosigkeit und beginnen schnell über jeden Verdächtigen her zu ziehen. Wer ist der Mörder und wer wird ihm Einhalt gebieten? Ein Wettlauf mit der Zeit, gesponnen aus Verdächtigungen und Zweifel beginnt!


Dieser sehr seltene Giallo von Lucio Fulci wird nicht gerade von wenigen Leuten als einer der besten Vertreter des Genres bezeichnet. Darüber kann man sicherlich geteilter Meinung sein und ich kann es durchaus nachvollziehen, wenn manch einer in dieser Beziehung zu einer vollkommen anderen Meinung gelangen sollte. Handelt es sich doch um einen bei diversen Zutaten eher ungewöhnlichen Beitrag, denn die italienische Regie - Legende geht in ihrer Erzählung durchaus eigene Wege, so handelt es sich in vorliegendem Fall bei den Opfern nicht um die ansonsten üblichen und spärlich bekleideten Schönheiten, Fulci lässt stattdessen lieber diverse Knaben aus einem kleinen Dorf das Zeitliche segnen und sorgt so schon einmal von Beginn an für ein gewisses Unbehagen beim Zuschauer. Gleichzeitig wird von der ersten Minute an der Nährboden für einen gelungenen Spannungsaufbau bereitet, wobei dies allerdings auch auf eine recht unkonventionelle Art und Weise von statten geht. Gerade in den ersten Minuten wird man nämlich mit einigen wirr erscheinenden Versatzstücken konfrontiert, auf die man sich zunächst keinen Reim machen kann. Die auf den ersten Blick zusammenhanglos wirkenden Einblendungen ergeben erst mit zunehmender Laufzeit einen wirklichen Sinn, aber der zunächst etwas konfus erscheinende Einstieg in die Erzählung weckt von der ersten Minute an die Neugier beim Betrachter. So gesehen hat der Regisseur eigentlich alles richtig gemacht und sich so auch die Aufmerksamkeit des Zuschauers gesichert, der in der Folge eine interessant erzählte Story geliefert bekommt.

Vor allem in der ersten Hälfte des Filmes werden die üblichen Elemente des Gialli durch einige Horror - Zutaten ergänzt, denn die Andeutung einer leichten Voodoo Thematik sorgt zunächst für zusätzliche Würze. Im späteren Verlauf sind die Anleihen beim Horror Genre aber nicht mehr zu erkennen und es präsentiert sich der eher bekannte Verlauf eines Genre Beitrages, den man aus unzähligen anderen Filmen her kennt. So werden einem fast selbstverständlich mehrere mögliche Verdächtige für die Mordserie präsentiert, wobei man einige davon jedoch auch sofort wieder ausschließen kann, da eine Täterschaft ganz einfach viel zu offensichtlich wäre. Die wahre Identität sowie auch die Beweggründe des Mörders offenbaren sich erst kurz vor dem Ende, wodurch die Spannung bis zum finalen Showdown aufrecht erhalten werden kann. Bis es soweit ist wartet Fulci mit einigen expliziten Goreeinlagen auf, die sich insbesondere bei der Ermordung einer als Voodoo-Hexe betitelten Dorfbewohnerin zu erkennen geben. In diesem Zusammenhang wird auch gleichzeitig das typische Klischee bedient, das Dorfbewohner gern zum Aberglauben neigen und aus diesem heraus zu Taten in der Lage sind, die sie ansonsten niemals ausführen würden. Ansonsten hält sich die Geschichte im Bezug auf Härte eher zurück, aber die enthaltenen Szenen lassen durchaus Fulcis Faible für explizite Gewaltdarstellungen erkennen.

Handelt es sich in der Summe um einen wirklich gelungenen und überdurchschnittlich guten Film, so ist meiner persönlichen Meinung nach aber doch ein ziemlich unübersehbarer Schwachpunkt zu erkennen. Dieser ergibt sich aus dem phasenweise dargebrachten Schauspiel der Akteure, denn in manchen Passagen wirken die Perfomances doch etwas hölzern und ungelenk. Dieser Aspekt macht sich zwar nicht durchgehend bemerkbar, aber es kommt leider immer wieder zu Sequenzen, in denen man weitaus besser und spielfreudiger hätte agieren können. Besonders auffällig wir dieser Punkt immer dann, wenn die ermittelnden Polizeibeamten auf den Plan gerufen werden. An diesen Stellen mangelt es dann nicht nur an der nötigen Logik, auch das generelle Verhalten der Ermittler und die damit verbundenen Handlungen sind nicht immer ganz nachvollziehbar. Es mag sein das dies nur ein rein subjektiver Eindruck ist, aber ehrlich gesagt würde man mit den hier zur Schau gestellten Ermittlungsmethoden noch nicht einmal einen Hund hinter dem Ofen hervor locken, geschweige denn einen Serienmörder fangen. Kein Wunder also das der Täter dann auch nicht von der Polizei ausgemacht wird, denn die Identität des Killers wird eher zufällig von ganz anderen Personen aufgedeckt.

Wie dem aber auch sei, trotz diverser Schwächen hat mir "Don't Torture a Duckling" äußerst gut gefallen, wobei ich den Film aber dennoch nicht zu den ganz großen Klassikern des Sub Genres zählen würde. Dennoch bewegt man sich auf jeden Fall oberhalb des Durchschnittsbereiches , wofür allein schon die sehr interessant erzählte Geschichte verantwortlich zeichnet. Im Gegensatz zu etlichen anderen Werken Fulcis gestaltet sich diese nämlich weitaus besser als die ansonsten manchmal sehr ausgedünnten Rahmenhandlungen, wobei diese Einschätzung aber auch immer in der Betrachtungsweise des jeweiligen Zuschauers liegt. Zu empfehlen ist dieser Beitrag des italienischen Kinos aber definitiv, denn Genre Liebhaber werden bestimmt ihre Freude an diesem stellenweise etwas anderen Vertreters haben.


Fazit:


Die Vorfreude auf diesen Film war wirklich groß und größtenteils konnte meine persönlichen Erwartungen dann auch erfüllt werden. Die Kombination aus Krimi und leicht eingewebten Horror Elementen ist stellenweise sehr gelungen und auch die Erzählweise der Abläufe kann etliche Pluspunkte verbuchen. Einige Logiklöcher und stellenweise hölzernes Schauspiel stehen stehen dem etwas negativ gegenüber, wodurch der insgesamt stimmige und überzeugende Gesamteindruck jedoch nur ein wenig geschmälert wird.


8/10


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