Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Elevator (2011)
BeitragVerfasst: 1. Apr 2013, 13:09 
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Elevator
(Elevator)
mit Christopher Backus, Anita Briem, John Getz, Shirley Knight, Michael Mercurio, Amanda Pace, Devin Ratray, Joey Slotnick, Tehmina Sunny, Waleed Zuaiter, Gary Ambrosia, Herbert Russell
Regie: Stig Svendsen
Drehbuch: Marc Rosenberg
Kamera: Alain Betraincourt
Musik: Herrman Christoffersen / Björnar Johnsen
FSK 16
USA / 2011

9 Personen - 1 Blockierter Aufzug - 1 Bombe - 0 Entkommen

Beim Kampf ums Überleben zählt keine Moral. Das erfahren neun unterschiedliche Gäste einer Wall Street Party am eigenen Leib, als Ihr Fahrstuhl hoch über Manhattan stecken bleibt. Auf engstem Raum zeigt sich schnell, wem an ein Miteinander gelegen ist, wer nur an sich denkt und wer ein Sadist ist. Die Fassaden der Zivilisation brechen vollends, als auch noch eine Bombe im Aufzug entdeckt wird: Alle Moralvorstellungen weichen einem Kampf ums eigene Überleben; Die Fahrt zur Party wandelt sich zu einem Sturz in den Horror.



Auf die Inhaltsangabe sollte man in diesem speziellen Fall nicht zuviel Wert legen, liegt man doch ansonsten einem Trugschluss auf und erwartet einen klaustrophobisch anmutenden Fahrstuhl-Thriller, der sich jedoch keinesfalls zu erkennen gibt. Ganz generell sollte man gleich zu Beginn anmerken, das nur die wenigsten dieser Filme auch wirklich funktionieren und als Paradebeispiel dafür kann man immer nur wieder den Klassiker "Abwärts" erwähnen, bei dem es sich meiner Meinung nach um die Mutter aller Fahrstuhl-Thriller handelt. Nun will ich Regisseur Stig Svendsen keinesfalls das Bemühen absprechen, das er mit seinem zweiten Langfilm "Elevator" einen durchaus ernstzunehmenden Beitrag kreieren wollte, doch sollte dies wirklich seine Absicht gewesen sein, dann ging dieser Schuss ganz mächtig nach hinten los. Nun sind Filme dieser Art prinzipiell selten sehr logisch und gerade das Verhalten der eingeschlossenen Personen ist nur schwerlich vorherzusehen, was ganz einfach in der unterschiedlichen Natur eines jeden Menschen bedingt ist. Was sich einem hier jedoch präsentiert geht beim besten Willen auf keine Kuhhaut mehr, denn das bunte Treiben mit unlogischen Verhaltensweisen der Protagonisten zu bezeichnen, würde der Sache noch nicht einmal annähernd gerecht werden. Das beginnt schon mit der Besetzung des Fahrstuhls, denn für die Zusammensetzung der verschiedenen Personen hätte man kaum mehr Klischees bemühen können, als es in vorliegender Geschichte der Fall ist.

Da hätten wir den schwitzenden Fettsack, eine sensationslüsterne Reporterin mit ihrem untreuen Verlobten, einen arroganten Vorstands-Vorsitzenden mit seiner rotzfrechen Nichte, einen aus dem Iran stammenden Sicherheits-Chef, eine schwangere Angestellte, einen zynischen Klaustrophobiker und nicht zu vergessen eine gebrochene dicke Frau, die sich eine Bombe um die Hüfte geschnürt hat. Diese Zusammensetzung an sich birgt schon extremes Eskalations-Potential in sich, das jedoch zu keiner Zeit irgendwie in Erscheinung treten will. Ebenso baut sich während der gesamten Laufzeit so gut wie gar keine Spannung auf, da die Ereignisse absolut vorhersehbar sind. Zu guter Letzt gibt sich auch die ansonsten unbedingt erforderliche Grundstimmung erkennen, erwartet man doch ganz automatisch eine dichte-und bedrückende Atmosphäre, die bei einem räumlich so stark eingeschränkten Schauplatz fast wie von selbst auf den Plan tritt. Nichts von diesen ganzen unentbehrlichen Zutaten ist zu verspüren und auch eine eigentlich übliche Panik bei den Eingeschlossenen Personen scheint so gar nicht aufkommen zu wollen. Lediglich das zu Beginn großmäulige Gör entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einer Heulboje in Miniaturausgabe und geht einem somit egal auf welche Art auch immer den gesamten Film über auf die Nerven. Bedenkt man jetzt noch das Fehlen jeglicher Logik und hört den zum Großteil extrem skurrilen Dialogen zu, dann fragt man sich ganz unweigerlich, um was für einen Film es sich hier überhaupt handelt.

Und diese Frage ist wirklich nicht so leicht zu beantworten, wodurch die eher sehr schlechten Meinungen zu diesem Werk auch durchaus nachvollziehbar erscheinen. Dennoch sollte man sich spätestens jetzt selbst einen Gefallen tun und "Elevator" eben nicht als ernsten Genre-Beitrag ansehen. Wie aber soll man dieses phasenweise groteske Szenario dann beurteilen, wenn die üblichen Maßstäbe keinesfalls anzulegen sind und die Ereignisse sich fernab jeder Realität bewegen? Eine gute Frage, auf die zumindest ich für mich persönlich eine befriedigende Antwort gefunden habe. Auch wenn das Bestreben des Regisseur ganz bestimmt in eine vollkommen andere Richtung abgezielt hat, wurde hier eher eine wunderbar funktionierende Persiflage geschaffen, die man allerdings auch so betrachten muss. Wer dieses Werk laut seiner eigenen Deklaration als ernsten Thriller ansieht ist selbst schuld und am Ende des Ganzen auch vollkommen zu recht absolut enttäuscht, da die Geschichte in keiner einzigen Phase das halten kann, was einem in der Inhaltsangabe versprochen wird. Ist man jedoch dazu in der Lage, auch während der Laufzeit einmal die Sichtweise auf das Szenario zu wechseln, der entdeckt ein wunderbares Sammelsurium an Absurditäten, an dem man seine helle Freude haben kann. Aus der veränderten Betrachtung heraus ergibt sich so nämlich eine wunderbar schräge Komödie, die mit bissigem Wortwitz und stellenweise skurriler Situationskomik gesegnet ist. Manch einer will das sicherlich nicht hören und kann meinen Blickwinkel auch nicht nachvollziehen, da hier doch eben ein packender Fahrstuhl-Thriller angekündigt wurde. Doch obliegt es nicht jedem Zuschauer selbst, seine Sicht auf die Dinge während eines Filmes zu ändern, wenn dieser dann unter den neuen Gesichtspunkten auch ganz vortrefflich funktioniert?

Und so wird dann aus dümmlichen Dialogen, peinlich berührenden Szenen und unlogischem Verhalten der Akteure eine Art witzige Anleitung, wie man sich in der hier dargestellten Situation auf keinen Fall verhalten sollte, was die gesamte Produktion in einem vollkommen anderen Licht erscheinen lässt. Die offensichtlichen Unzulänglichkeiten eines dümmlichen Drehbuches verleihen der Geschichte auf einmal ungeahnte Stärken und das im ersten Moment dilletantisch erscheinende Schauspiel der Darsteller wird unfreiwillig zur komischen Kunst. Wenn man diese Einschätzung teilen kann, dann wird aus einem total misslungenem Thriller eine fast schon grandiose Parodie, die durchgehend bestens unterhalten kann und äußerst kurzweilig gestaltet ist. Wer aber doch lieber echten Thrill sehen möchte, sollte lieber die Finger von "Elevator" lassen, der eigentlich nur aus der Sichtweise eines Liebhabers der unfreiwilligen Komik so wirklich überzeugen kann.


Fazit:


Als Thriller versagt das Werk im Prinzip auf der ganzen Linie, doch als unfreiwillig komische Parodie auf den Fahrstuhl-Thriller an sich funktioniert die Geschichte einfach wunderbar. Letztendlich muss das ein jeder für sich selbst entscheiden, aber ich fühlte mich durchgehend bestens unterhalten und kann an all jene die ihre Betrachtungsweise ändern können und auf keine eingefahrene Schiene festgelegt sind eine absolute Empfehlung aussprechen.


als Thriller 3/10

als unfreiwillig komische Parodie 8/10

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