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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Fell (2010)
BeitragVerfasst: 23. Mai 2013, 14:10 
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Originaltitel : Fell

Herstellungsland : USA

Erscheinungsjahr : 2010

Regie : Marcus Koch

Darsteller : Jeff Dylan Graham,Katie Walters,Kristian Day,Barron Christian,Shawn C. Phillips

Laufzeit : 81:11 Minuten (NTSC)

Freigabe : Not Rated

Label : Chemical Burn Entertainment (US DVD)


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Story :


Ein Mann erwacht auf dem Boden liegend in seiner Küche, ein Veilchen ziert sein Auge und er kann sich nicht erinnern was am Abend zuvor geschah.
Der Name des jungen Mannes ist Bill, der aussieht als wäre er der "Slacker-King" in seinem Heimatort.
Ein 5-Tage Bart, siffige Klamotten, eine Wohnung die zur Müllhalde verkommt und fettige, ungewaschene Haare stehen selbstredend für Bill's Lebensstil, der von geringer Leistungs- und Anpassungsbereitschaft geprägt ist.
Obendrauf hat Bill auch noch mit manischen Depressionen zu kämpfen, die er medikamentös Behandeln muss.
Doch nun hat Bill ein viel größeres Problem, denn in seiner Dusche liegt die Leiche einer unbekannten Frau.

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In kleinen Fragmenten bekommen wir einen Einblick in Bill's Vergangenheit und erfahren was der eventuelle Grund für seine Depressionen ist.
Bill und Jenny waren ein recht glückliches Paar für mehr als 2 Jahre, bis zu dem Tag als Jenny ihn verlassen hatte.
Bill fand keine Erklärung für den plötzlichen Sinneswandels seiner Ex-Freundin und rutschte immer tiefer in seine Depression.
Sein Psychotherapeut verschrieb ihm Medikamente, die er unbedingt kontinuierlich jeden Tag einnehmen muss - dieser Aufforderung kommt er aber regelmässig nach.

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Ohne jegliche Familie und von seiner Freundin verlassen ist Bill's einzige Bezugsperson sein Freund Derek, den er noch aus Schulzeiten kennt.
Derek motiviert Bill immer wieder auf's neue etwas zu unternehmen, damit er nicht in seiner Wohnung in einen katatonischen Zustand fällt.
Bill vetraut seinem besten Freund an, das er eine Leiche in der Dusche liegen hat und man versucht gemeinsam eine Lösung zu finden.
Durch die unkonstante Einnahme seiner Psychopharmaka verfällt Bill immer tiefer in den Wahn.....


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Bewertung :


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Marcus Koch dürfte den deutschen Fans am ehesten durch seine Clown-Splattergranate 100 TEARS bekannt sein.
Vielmehr noch dürften sich aber seine Arbeiten als Special-FX-und Make-Up Artist für Filme wie NIKOS THE IMPALER, TOXIC AVENGER 4, THE UH-OH SHOW, SWEATSHOP oder THE THEATER BIZARRE ein das Gedächtniss der Indie-Fans gebrannt haben.
Nach 100 TEARS (2007) - der am ehesten dem Slasher/Serienkiller Genre zuzurechnen ist - beweist uns Marcus das er als Regisseur wesentlich mehr auf dem Kasten hat als bluttriefende Splatterkost.
Mit FELL ist ihm ein grandioses Referenzstück für seine Vielfältigkeit gelungen, welches bereits nach wenigen Minuten Unbehagen und gebanntes Interesse beim Betrachter impliziert.
Vorweg sollte auch erwähnt werden, das FELL kein Film ist den man sich aus Spaß oder mal eben nebenher anschaut, da es sich um einen Film handelt der seine Wirkung mit schleichender Akribie etabliert
Der Zuschauer sollte dem Film seine volle Aufmerksamkeit widmen und ihn sich in einem Durchgang ansehen, da sonst viel der extremen Dichte, der Spannung und der Atmosphäre verloren gehen würde!


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Gorehounds kommen bei FELL eher nicht auf ihre Kosten und haben vermutlich ein großes Problem mit dem Tempo und der ausgeprägten Narrativität.
Auch wenn man marginale Horrorelemente erkennen kann, handelt es sich nicht um einen Horrorfilm - FELL ist ein Thriller-Psychodrama, bei dem der Horror sekundär ist und sich auf psychologischer Ebene abspielt!
Zwar ist es nicht immer angebracht Vergleiche zu anderen Filmen zu ziehen, doch in diesem Fall komme ich nicht drum herum um die Intensität von FELL zu berschreiben.
Ähnlich wie in HENRY - PORTRAIT OF A SERIAL KILLER bietet FELL ein eindringliches Portrait des Hauptdarstellers, seiner Manie und den psychotischen Symptomen.
Die Art wie hier Realität, Imagination und Wahn zu einer Symbiose verschmelzen erinnert stark an THE MACHINIST.
Wie bei THE MACHINIST ist auch bei FELL der Hauptprotagonist ein Antiheld auf abschüssiger Bahn, der auf der Suche nach der Wahrheit und dem eigenem Ich immer mehr den Halt verliert.


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Storytechnisch kann FELL auch auf ganzer Linie überzeugen und eine Vorhersehbarkeit ist nur Minimal gegeben, was grade in den letzten 20 Minuten zu einem sehr intensiven Erlebniss wird.
Hier werden die eventuellen Erwartungen und Vermutungen des Betrachters erfüllt, um diese schon kurze Zeit später durch Storytwists komplett über den Haufen zu werfen - eine regelrechte Einverleibung des Zuschauers durch Bill und seinen Wahn findet hier statt.
Jeff Dylan Graham (HOME SICK, THEATER BIZARRE, DEAD & ROTTING) - der Bill spielt - liefert eine wirklich imposante Performance und hat für diesen Part auch vollkommen zu Recht den Award für "Best Actor" auf dem "Bloodbath Film Festival" in Dallas gewonnen!
Auch Kristian Day - hier als Derek zu sehen - spielt grandios und sein Charakter stellt einen tollen Konterpart zu Bill - Day hat übrigens schon für BODY IN A DUMPSTER vor und hinter der Kamera gestanden.
Katie Walters spielt hier Jenny und auch ihr merkt man an das sie mit Herzblut bei der Sache ist.
Walters hat auch am Drehbuch zu FELL mitgearbeitet und als Darstellerin ist dies ihr bisher einziger Part gewesen - ich hoffe aber das wir sie eventuell in Zukunft nochmal vor der Kamera agieren sehen werden.
Es ist schon bemerkenswert welch eindringliches Werk Marcus Koch hier zustande gebracht hat, eine "Tour de Force" von einem Kammerspiel welches grade mal drei Darsteller benötigt die fast ausschließlich an eine Location gebunden sind.

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FELL bekommt viel seiner Intensität auch durch die eingefangenen Bilder die hier präsentiert werden, welche durch ihre bleiche Farbgebung die mentale Tristesse des Hauptprotagonisten verbildlichen.
Stilsicher präsentier Regisseur Marcus Koch hier Bilder von leicht surrealer Perfektion gepaart mit ruhigen Kameraeinstellungen- und fahrten, die vollends überzeugen!
Die Frames stehen zusammen mit dem Score- welcher vorwiegend aus monoton-minimalen Klavierstücken oder auch geloopten Soundcollagen besteht - in einem perfekten Kontrast und eine fast halluzinogene Wirkung macht sich breit.

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Marcus Koch beweist mit FELL das man auch mit limitierten Mitteln, einem Budget von grade mal 10.000 $ und ohne Effekthascherei einen innovativen und eindrucksvollen Indie-Film inszenieren kann der ohne jegliche Klischeehaftigkeit auskommt.
Wirklich unverständlich und mehr als traurig ist die Tatsache das sich bisher noch keine deutsches Label einer Veröffentlichung angenommen hat - grade in Anbetracht das doch wirklich jeder Schund hierzulande eine Auswertung erfährt.
FELL hat es definitiv verdient international mehr Beachtung zu bekommen, da es im Indie Bereich nicht wirklich viele Filme eines solchen Kalibers gibt!


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8,5 von 10 Küchenradios



Ein Dank geht an Elmar Berger von Manic Entertainment, der bei FELL als Produzent fungierte und mir einen Screener des Films zur Verfügung gestellt hat! :Up:

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www.youtube.com Video From : www.youtube.com

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"Are you gonna bark all day little doggie, or are you gonna bite?"


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