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 Betreff des Beitrags: Funny Games (1997)
BeitragVerfasst: 8. Okt 2015, 14:46 
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Funny Games
(Funny Games)
mit Susanne Lothar, Ulrich Mühe, Arno Frisch, Frank Giering, Stefan Clapczynski, Doris Kunstmann, Christoph Bantzer, Wolfgang Glück, Susanne Meneghel, Monika Zallinger
Regie: Michael Haneke
Drehbuch: Michael Haneke
Kamera: Jürgen Jürges
Musik: keine Informationen
ungeprüft
Österreich / 1997

Urlaubsbeginn. Anna, Georg und ihr Sohn Schorschi fahren in ihr idyllisch gelegenes Ferienhaus am See. Während Vater und Sohn schon mal das Segelboot auftakeln, bereitet Anna das Abendessen vor. Plötzlich wird die Idylle durch Peter und Paul gestört. Die beiden so wohlerzogen wirkenden jungen Männer geben bald zu verstehen, dass sie es auf das Leben der Familie abgesehen haben. Es beginnt ein tödliches Spiel.


In den letzten Jahren ist man immer wieder mit diversen Vertretern des Home Invasion Thrillers konfrontiert wurden und mit Werken wie "The Strangers" oder auch "Kidnapped" waren auch recht heftige Vertreter ihrer Art dabei. Dennoch dürfte wohl der vorliegende "Funny Games" von Michael Haneke immer noch als Referenz gelten, handelt es sich dabei doch um einen der mit Abstand fiesesten Genre Beiträge, den man je zu Gesicht bekommen hat. Dabei ist die extrem intensive Wirkung der Geschichte keinesfalls in visuellen Gewaltdarstellungen begründet, denn Haneke deutet hier die meisten Dinge lediglich an und leistet somit der Fantasie des Zuschauers Vorschub. In dessen Vorstellung entwickelt sich nämlich eine Gewaltspirale die ihres gleichen sucht, wodurch sich einmal mehr die Behauptung bestätigt, das angedeutete Greueltaten eine weitaus stärkere Wirkung auf das menschliche Gehirn haben, als wenn eine Story vor Splatter und Gore Einlagen nur so strotzt. In dieser Beziehung dient "Funny Games" als absolutes Paradebeispiel und so ist es dann auch nicht wirklich verwunderlich, das sich das Geschehen über seine erstklassig agierenden Darsteller und eine ungemein beklemmende Grundstimmung definiert. Im Prinzip ist das Schauspiel ganz generell als hervorragend zu bezeichnen, doch meiner persönlichen Meinung nach sind es insbesondere die beiden Täter Peter (Frank Giering) und Paul (Arno Frisch), die durch ihre Interpretation der zwei Psychopathen dem Film ihren ganz persönlichen Stempel aufdrücken und dem Betrachter durch ihre eiskalte Art so manchen Schauer über den Rücken jagen.

Neben der brillanten Darsteller Riege legt der Regisseur auch merklichen Wert darauf den Zuschauer in die Geschichte einzubinden. Während der Abläufe wird dieser nämlich des Öfteren von einem der Täter direkt angesprochen, so das die gesamte Szenerie noch ein Stück heftiger erscheint. Ohne es wirklich zu wollen wird man ganz unweigerlich ein Teil der Ereignisse und dieser Aspekt liegt einem die gesamte Zeit über wie eine zentnerschwere Last auf den Schultern. Gerade aufgrund der persönlichen Einbindung in das Szenario überkommt einen nämlich ein äußerst starkes Gefühl der Hilflosigkeit, das sich in vorliegendem Fall durch die angesprochene Interaktion um ein Vielfaches stärker bemerkbar macht als in vergleichbaren Genre Beiträgen. So kann man dann auch ohne Übertreibung die Behauptung aufstellen, das diese Geschichte einem durchgehend schwer zu schaffen macht und Haneke unterstützt diese These vor allem in der zweiten Filmhälfte mit mehreren quälend lang erscheinenden Kameraeinstellungen. Diese kommen nach dem ersten Mord der Täter zum Vorschein und phasenweise wird man dabei das Gefühl nicht los, das man es mit einem extrem in die Länge gezogenen Standbild zu tun hat.

Für mich selbst ist an dieser Stelle auch die heftigste Phase des Filmes zu erkennen, denn auch die über einige Minuten anhaltende Stille trifft einen mit der Wucht eines Keulenschlages mitten in die Eingeweide. Streckenweise ist man schon fast einer Ohnmacht nahe und man wünscht sich dabei fast schon, das die beiden jungen Täter doch dem Ganzen ein schnelles Ende bereiten sollen. Davon ist man jedoch noch weit entfernt, denn Peter und Paul tragen eine sadistischen Ader nach Außen, wie man sie in der hier gezeigten Form eher selten zu Gesicht bekommt. Von Beginn an wird nämlich unter der Wahrung extremster Umgangsformen ein bitter-böses Spiel mit den Opfern getrieben, das an Boshaftigkeit kaum noch zu überbieten ist. Dabei lassen insbesondere die jederzeit vorhandenen Höflichkeitsfloskeln einen zynischen Unterton erkennen und man merkt den beiden jungen Männern regelrecht an, welch diebische Freude sie durch das Leid ihrer Opfer empfinden. Sie genießen es sichtlich die betroffene Familie bis auf das Äußerste zu quälen und gleichzeitig den schlimmsten Demütigungen zu unterziehen, die man sich nur vorstellen kann. Wenn das Ganze von der Thematik her nicht so ernst wäre, dann könnte man an diversen Stellen sogar manchmal lachen, ergibt sich doch stellenweise eine Art von Situationskomik, die aber letztendlich ausschließlich den Tätern ein Lächeln der Befriedigung auf die Lippen zaubert.

Letztendlich ist "Funny Games" von der visuellen Gewalt her alles andere als heftig ausgestattet und in dieser Beziehung gibt es auch sicherlich brutalere Vertreter, doch als extrem stimmiges Gesamtwerk ist dieser Film auf seinem Gebiet bis heute absolut unerreicht. Unzählige Andeutungen sorgen hier für eine Atmosphäre, die man mit dem Wort beklemmend lediglich ansatzweise beschreiben kann. Angefüllt mit sehr viel Sarkasmus und teils rabenschwarzer Situationskomik offenbart sich ein Szenario, das für den Zuschauer nur sehr schwer zu verdauen ist und auch einen äußerst nachhaltigen Eindruck in dessen Gedächtnis hinterlässt. Dabei dürfte vor allem das bittere Ende in Erinnerung bleiben, denn hier sollte man keinesfalls auf ein typisches Hollywood Happy End hoffen. Das dieses jedoch durchaus möglich gewesen wäre zeigt Michael Haneke auf seine ganz eigene Art und Weise, indem er der Geschichte mit der berühmten Fernbedienungs-Einstellung eine abstruse Note einverleibt, die einem besonders schwer im Magen liegt.


Fazit:


"Funny Games" ist auch aus heutiger Sicht immer noch ein echtes Brett von einem Film. Unter den etlichen Home invasion Thrillern ist dieses Werk absolut herausragend und setzt dabei nicht wie ansonsten zumeist üblich auf einen expliziten Härtegrad. Dennoch ist die Wirkung des Ganzen um ein Vielfaches ausgeprägter als bei ähnlich gelagerten Vertretern, so das hier wirklich ein kleines und extrem fieses Meisterwerk entstanden ist.


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