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 Betreff des Beitrags: Gefährliche Begierde Im Rausch dunkler Gelüste (2013)
BeitragVerfasst: 2. Dez 2013, 15:52 
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Gefährliche Begierde - Im Rausch dunkler Gelüste
(Suspension of Disbelief)
mit Sebastian Koch, Lotte Verbeek, Emilia Fox, Rebecca Night, Eoin Macken, Lachlan Nieboer, Frances de la Tour, Julian Sands, Kenneth Cranham, Paris Arrowsmith, Jessica Chamberlain, Samantha Coughlan, Ginny Dee
Regie: Mike Figgis
Drehbuch: Mike Figgis
Kamera: Mike Figgis
Musik: Mike Figgis
FSK 16
Großbritannien / 2013

Martin ist ein talentierter Drehbuchautor und Schriftsteller, der gerade eine schwierige Phase in seinem Leben durchmacht. Direkt nach dem überraschenden Tod seiner mysteriösen und verführerischen Bekannten Angelique verändert sich sein Leben auf dramatische Art und Weise...hat der rätselhafte Tod von Angelique etwas mit dem ebenfalls ungeklärten Verschwinden seiner Ehefrau zu tun? Als auf einmal Angeliques Zwillingsschwester Therese auftaucht, kommen ihm Zweifel an ihrer Vergangenheit, trotzdem fühlt er sich auf seltsame Art und Weise zu ihr hingezogen. Er gerät in einen Strudel aus Leidenschaft und Verdächtigungen – und nichts ist, wie es scheint...


Immer wieder trifft man auf diverse Filme, die aufgrund ihrer außergewöhnlichen Inszenierung einen extrem nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlassen. Bei vorliegendem "Gefährliche Begierde verhält sich das keinesfalls anders, denn obwohl die Inhaltsangabe im Prinzip eine ziemlich geradlinige Geschichte vermuten lässt, hat Regisseur Mike Figgis, der übrigens auch für Drehbuch, Kameraführung und Musik zuständig ist ein Geschehen kreiert, das man im Grunde genommen als das vollkommene Chaos bezeichnen kann. Die Bezeichnung ist hier durchaus angebracht und sollte vor allem nicht negativ aufgefasst werden, steht doch im Mittelpunkt mit der Figur von Martin (Sebastian Koch), dessen Leben vollkommen ungeordnet und chaotisch erscheint. Dennoch ist die Art wie Figgis diesen Zustand in seine Geschichte transportiert mehr als ungewöhnlich und kann zudem in etlichen Passagen beim Zuschauer für dezente Schwindelanfälle sorgen. Es präsentiert sich nämlich fast durchgehend ein Szenario das größtenteils relativ ungeordnet und unstrukturiert präsentiert, wobei Letzteres aber lediglich bei oberflächlicher Begutachtung des Geschehens der Fall ist. Bei genauerem Hinsehen ergibt nämlich die ganze Chose sehr wohl einen Sinn und entfaltet ganz nebenbei auch einen durchaus konstanten Spannungsbogen, so das die Aufmerksamkeit des Betrachters jederzeit gewährleistet ist.

Man sollte jedoch anmerken, das dieses Werk sicherlich nicht jeden Geschmack treffen wird, eröffnet sich einem doch eine Art von Erotik-Thriller, die sich jenseits der ansonsten üblichen Genre-Kollegen ansiedelt. Das liegt selbstverständlich in der mehr als außergewöhnlichen Erzählweise begründet, doch auch einige andere Aspekte sorgen dafür, das sich dieser Film wohlwollend von anderen Vertretern abhebt. So gelingt es Figgis fast spielerisch, seiner Erzählung knisternde Erotik zu verpassen, wobei sich diese allerdings hauptsächlich in diversen Andeutungen zu erkennen gibt. Wirkliche Nacktszenen bekommt man so gut wie überhaupt nicht geboten, lediglich einige Nackt - Einstellungen der geheimnisumwitterten Therese (Lotte Verbeek) regen die Fantasie an, denn von der bidhübschen jungen Frau geht eine ganz eigene Faszination aus, die man nicht näher beschreiben kann. Genau in diesen Kleinigkeiten beinhaltet das Werk seine Stärken, denn die ständigen Andeutungen lösen bei einem den Wunsch nach mehr aus, wobei der Regisseur es meisterhaft verstanden hat die eine Art Versprechen abzugeben, das er jedoch letztendlich nicht einlöst. Das mag sich eventuell etwas dämlich anhören, aber anders kann ich die manigfaltigen Empfindungen kaum beschreiben, die einen während der Sichtung überkommen, denn "Gefährliche Begierde" deutet fast alles nur an, ohne das im Grunde genommen wirklich viel passiert.

Visuell gesehen offenbart sich das Szenario streckenweise wie ein Geduldsspiel, das an einigen Stellen sogar erheblich an den Nerven zerren kann. In weiten Teilen kommt es einem so vor, das man lediglich etliche wild aneinandergereihte Video-Clips zu sehen bekommt, die erst bei genauerem Hinsehen einen echten Sinn ergeben. Zudem gibt es nicht wenige Momente, in denen dem an sich schon leicht verwirrendem Treiben durch visionsartige Bilder ein surrealer Touch verliehen wird, so das man oft nur schwer zwischen Realität und Fiktion unterscheiden kann. Darin liegt andererseits auch der Sinn der Geschichte begründet, wobei ich jedoch nicht weiter darauf eingehen möchte um niemandem die Spannung zu nehmen. In der Geschichte wird jedoch alles zufriedenstellend beantwortet, auch wenn man eventuell eine gewisse Zeitspanne benötigt, um auch wirklich sämtliche Zusammenhänge zu erkennen.

Im Endeffekt hat Mike Figgis hier einen wirklich außergewöhnlichen Film kreiert, bei dem man schon in etlichen Momenten an einen David Lynch erinnert wird. Chaos im Film kann hier wirklich wörtlich genommen werden und das Gesamtwerk siedelt sich unter Garantie jenseits des üblichen Mainstreams an. Tief ineinander verschachtelt offenbart sich eine Geschichte die alles andere als geradlinig erzählt wird, aber gerade durch diesen Aspekt ihren ganz besonderen Reiz ausübt. Die von Figgis mit eingebrachten Momente in denen man dem Film noir huldigt verleihen dem Ganzen eine noch zusätzlich erstklassige Note und werten den gewonnenen Gesamteindruck noch einmal weiter auf. Sicherlich nicht für jedermann geeignet bietet "Gefährliche Begierde" aber definitiv ein Seherlebnis, das man in dieser Form ganz bestimmt nicht jeden Tag geboten bekommt und eine Sichtung lohnt sich allemal, um sich ein eigenes Urteil zu bilden.


Fazit:


War ich zu Beginn der Sichtung noch drauf und dran möglichst schnell die Stop-Taste des heimischen DVD-Players zu drücken, so wurde ich im Laufe des Filmes doch eines Besseren belehrt. Was nämlich zu Beginn vollkommen wirr-und ohne jegliche Strukturen daher kommt, entwickelt sich immer mehr zu einem wirklich gelungenem Film, auf den man sich allerdings gänzlich einlassen muss, um die definitiv vorhandene Klasse auch würdigen zu können. Zugegebenermaßen hat es Figgis an einigen Stellen fast schon ein wenig zu gut mit der Chaos-Thematik gemeint, aber insgesamt gesehen, doch mich persönlich hat dieses Werk absolut begeistert.


8/10

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