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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Giallo a Venezia
BeitragVerfasst: 21. Nov 2016, 17:27 
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Giallo a Venezia
(Giallo a Venezia)
mit Leonora Fani, Jeff Blynn, Gianni Dei, Michele Renzullo, Eolo Capritti, Vassili Karis, Giancarlo Del Duca, Mariangela Giordano, Giuseppe Curia, Luciano Foti, Alba Maiolini, Maria Mancini, Maurizio Streccioni, Maria Tedeschi, Claudio Zucchet
Regie: Mario Landi
Drehbuch: Aldo Serio
Kamera: Franco Villa
Musik: Berto Pisano
ungeprüft
Italien / 1979

Fabio, ein perverser Sexfanatiker, kann seine sexuelle Befriedigung nur durch Gewalttätigkeiten und Voyeurismus erlangen. Er denkt sich immer neue Schikanen aus, um sie seiner jungen Freundin Flavia aufzuerlegen. Auf der Suche nach neuem Nervenkitzel zwingt er sie sogar zur Prostitution, um aus sicherer Entfernung zuschauen zu können. Plötzlich geschehen zur selben Zeit in Venedig bestialische Morde. Kommissar De Paul glaubt an sexuell motivierte Taten, stößt bei seinen Ermittlungen aber schnell auf unzählige Rätsel und Ungereimtheiten. Wer ist die Sex-Bestie, die Venedig mit unfassbar harten Morden unsicher macht?


Bei Mario Landis (Patrick lebt) Spät-Giallo "Giallo a Venezia" handelt es sich um den wohl am meisten gesuchten Genre Beitrag überhaupt, der eigentlich bisher nie für den deutschen Markt verwertet wurde. Nun dürfen sich die Liebhaber des Genres aber sogar über eine Blu-ray Auswertung des Labels X-Rated freuen, das den Beitrag in seiner Eurocult Reihe heraus gebracht und sogar mit einer deutschen Synchronisation versehen hat. Nun beinhaltet die vorliegende Geschichte allerdings trotz einer interessant zu lesenden Inhaltsangabe nicht sonderlich viel Substanz, denn leider reduziert sich der Film selbst auf ein hohes Maß an Softsex-Szenen und einen für den Gialli unüblichen extremen Härtegrad, der sich an mehreren Stellen visuell zu erkennen gibt. Dabei beinhaltet die Story sehr wohl einiges an Potential, was allerdings in der Erzähl-Struktur nur sehr selten wirklich ausgeschöpft wird. Vielmehr legt Landi den Fokus auf eine ausgeprägte Frauenfeindlichkeit, die diesem schmuddeligen Machwerk förmlich aus allen Poren tropft. Unwillkürlich kommt dem Zuschauer dabei Lucio Fulcis "The New York Ripper" in Erinnerung, wobei die angesprochenen Elemente in vorliegendem Fall noch expliziter in Erscheinung treten. Frauen haben hier wirklich nichts zu lachen und werden lediglich als Lustobjekte und Opfer perverser Morde in Szene gesetzt, so das man nach Beendigung der Sichtung dieses Filmes das unbedingte Verlangen verspürt, sich den Dreck vom Leib zu waschen.

Nun hört sich das alles nicht sonderlich positiv an, andererseits macht es gerade die grausame Faszination dieses Streifens aus, der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann. Das beginnt schon mit der recht brachial ins Bild gesetzten Eröffnungs-Sequenz, in der man mit dem brutalen Mord an der Hauptfigur Fabio konfrontiert wird. Danach taucht die Geschichte erst einmal in ruhigeres Fahrwasser ab und es wird durch Erzählungen diverser Menschen in Rückblenden versucht, dem Betrachter die Motive für die Tötungen von Fabio und seiner Geliebten Flavia näher zu bringen. Teilweise ist das sogar aus filmischer Hinsicht recht interessant, wobei die ständigen Einspielungen unzähliger Sexszenen den Gialli Anteil äußerst stark in den Hintergrund drängen. Die Skizzierung der beiden Hauptfiguren bezieht sich nämlich ausschließlich auf ihr Sexualleben, wobei sich innerhalb kürzester Zeit heraus kristallisiert, das insbesondere Fabio von perversen Neigungen getrieben wird. Und so wird dann auch gefummelt, geleckt und gebumst bis der Notarzt kommt, was einem mit der Zeit sogar ein wenig auf die Nerven geht. Dabei sind Nacktszenen in diesem Genre definitiv keine Rarität, nur hat man es bei "Giallo a Venezia" in dieser Beziehung wirklich übertrieben. Die dadurch entstehende Mischung aus brutalster Gewalt, Frauenfeindlichkeit und Soft-Pornographie gestaltet sich so auch größtenteils ziemlich bizarr, so das man das gewonnene Gesamtbild schwerlich in Worte fassen kann.

Dieser krude Beitrag beschäftigt einen auch nachhaltig, denn es fällt nicht sonderlich leicht das Gesehene so schnell zu verdauen. Insbesondere die Tötung einer Prostituierten macht einem extrem zu schaffen, denn die Kamera hält voll drauf, wenn die Dame des horizontalen Gewerbes durch gezielte Stiche mit einer Schere in das weibliche Geschlechtsorgan über den Jordan befördert wird. Diese Passage liegt nicht nur extrem schwer im Magen, sondern sie setzt sich auch unauslöschbar im Gedächtnis des Zuschauers fest. Insgesamt gesehen beinhaltet die Geschichte gar nicht einmal viele solch explizit dargestellter Szenen, jedoch sind die enthaltenen Momente äußerst harter Tobak, die selbst dem geneigten Gorehound zu schaffen machen dürften. Auch bei der von mir angesprochenen Tötung ergeben sich Parallelen zum "New York Ripper", wobei der Härtegrad des Gesehenen in "Giallo a Venezia" um einiges stärker nachwirkt. So bleibt am Ende eine Produktion die sich keinesfalls über eine ausgeklügelte Story definiert, sondern ihr Hauptaugenmerk vielmehr auf Zutaten legt, die lediglich die niederen Instinkte des Menschen ansprechen.

Das ist eigentlich sehr schade, denn man hätte ohne Weiteres einen in sich stimmigeren Film auf den Weg bringen können. So ist beispielsweise durchaus immer wieder der Ansatz eines gelungenen Spannungsaufbaus zu erkennen, der allerdings durch die zu häufig eingestreuten Sex-Passagen immer wieder in sich zusammen fällt. Und so kann man dann auch "Giallo a Venezia" fast schon als filmischen Rohrkrepierer bezeichnen, der einzig und allein für Komplettisten und eingefleischte Genre-Liebhaber seinen Reiz haben dürfte. Und dennoch strahlt dieser italienische Sicko trotz der angesprochenen Mängel einen kaum zu definierenden Reiz aus, der sich jedoch keinesfalls über inhaltliche Substanz, sondern vielmehr durch die berühmt-berüchtigten Effekte definiert. Freunde eines waschechten Schmuddelfilmes kommen also sehr wohl auf ihre Kosten, wohingegen der normale Filmliebhaber wohl eher angeekelt den Kopf abwenden wird und zu anderen Beiträgen des Genres greift.


Fazit:


Mario Landis berüchtigtes Werk ist auf keinen Fall für zart besaitete Gemüter geeignet und insbesondere dem weiblichen Geschlecht dürfte eine Sichtung schwer im Magen liegen. Die Abwertung der Frau wird hier nämlich dermaßen explizit in den Fokus gerückt, das Feministinnen auf der ganzen Welt die Hände über dem Kopf zusammen schlagen dürften. Aber auch Männern dürften die Haare zu Berge stehen, denn das Maß an Gewalt und Brutalität in der Erzählung ist extrem hoch und man hätte sich mehr um Dinge wie Spannung und Thrill kümmern müssen, um ein besseres Gesamtbild zu erlangen.


5/10


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 Betreff des Beitrags: Re: Giallo a Venezia
BeitragVerfasst: 21. Nov 2016, 22:49 
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Archivmeister
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Oh, nur 05/10? Hab den Film selbst noch nicht gesehen, aber Andreas Bethmann ist verflucht stolz darauf den ausgegraben zu haben. Kann mir selbst aber noch kein Urteil bilden, da ich hier mal wieder auf eine Hartbox warte, die auch noch in einer kleinen Auflage kommen soll. Bin aber trotzdem gespannt drauf :D

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Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


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