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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Hannibal (2001)
BeitragVerfasst: 18. Nov 2013, 13:02 
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Hannibal
(Hannibal)
mit Anthony Hopkins, Julianne Moore, Gary Oldman, Ray Liotta, Frankie Faison, Giancarlo Giannini, Francesca Neri, Zeljko Ivanek, Hazelle Goodman, David Andrews, Francis Guinan, James Opher, Enrico Lo Verso, Ivano Marescotti
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Thomas Harris / David Mamet / Steven Zaillian
Kamera: John Mathieson
Musik: Hans Zimmer
keine Jugendfreigabe
Großbritannien / USA / 2001

Zehn Jahre sind vergangen, seit Special Agent Clarice Starling sich auf nervenaufreibende Gespräche mit dem kannibalischen Psychiater Dr. Hannibal Lecter einließ, um den Serienmörder "Buffalo Bill" dingfest zu machen. Lecter gelang damals eine spektakuläre Flucht, und inzwischen hat er unter dem Namen Dr. Fell den Posten des Kurators der Palazzo-Capponi-Bibliothek im berühmten Palazzo Vecchio in Florenz ergattert. Aber seine ruhigen Tage sind gezählt. Längst ist nicht mehr nur das FBI hinter ihm her, sondern außerdem Mason Verger, Erbe eines gewaltigen Viehzucht-Imperiums und einziges überlebendes Opfer von Hannibal Lecter. Nun hat Verger ein immenses Kopfgeld auf seinen Peiniger ausgesetzt, das gierige Polizisten ebenso reizt wie korrupte Justizbeamte. Als Dr. Lecter sich mit einem Brief bei Clarice meldet und Verger davon erfährt, kommt dem entstellten Milliardär schließlich eine perfide Idee: Er will Lecter fangen, indem er Clarice als Köder einsetzt...


Was waren das für Wellen, die dieser Film damals nach seinem Kinostart geschlagen hat. Manch ein sogenannter Experte plädierte sogar dafür, das so etwas Brutales verboten werden müsste. Nach eigener Sichtung dieses Werkes habe ich mich allerdings gefragt, ob ich den falschen Film gesehen habe. Sicher, es gibt einige Szenen die schon etwas eklig wirken, aber ich habe die hier gezeigte Härte den Situationen entsprechend eher als ziemlich makaber empfunden. Wenn man "Hannibal" vor allem im Vergleich mit anderen Werken unserer Zeit vergleicht, dann ist der Härtegrad doch eher als harmlos zu bezeichnen. Außerdem konnten hier die generell hohen Erwartungen nicht erfüllt werden, was nicht heißen soll, das dieser dritte Teil der "Hannibal Lecter - Reihe" schlecht ist, nur waren die Erwartungen doch etwas höher gesteckt, vor allem wenn man so wie ich, vorher das Buch gelesen hat. Der Roman ist hier nämlich weitaus besser gelungen als die filmische Umsetzung und als Leser wird man fast durchgehend mit einer Gänsehaut versehen, da die Geschehnisse doch extrem ausführlich und detailliert geschildert werden, was in vorliegendem Film leider nur ansatzweise zum Ausdruck kommt.

Die Geschichte hält sich zwar noch relativ nahe am Buch, aber es ist mir vollkommen unverständlich, das zum Beispiel einfach Personen weggelassen wurden, die im Buch eine nicht ganz unbedeutende Rolle gespielt haben. So wurde im Film gänzlich auf die Schwester von Mason Verger verzichtet, die im Buch als kraftstrotzende Bodybuilderin dargestellt wurde. Das wirkt auf den ersten Blick schon etwas befremdlich, auch wenn es im Endeffekt vielleicht nicht so schwer ins Gewicht fällt. Auch die Passage mit den Wildschweinen ist viel zu kurz geraten und bringt dem Zuschauer nicht annähernd die grausame Atmosphäre näher, die einem beim lesen des Romans ganz unwillkürlich unter die Haut kriecht. Auch bei den Darstellern gibt es einige Abstriche zu machen, was aber keineswegs am wieder einmal brillanten Anthony Hopkins liegt, bei dem man immer wieder das Gefühl bekommt, das er die Rolle des Kannibalen nicht nur spielt sondern richtiggehend lebt. Julianne Moore als Clarice Starling ist hier einfach kein gleichwertiger Ersatz für Jodie Foster, die diesen Charakter noch in "Das Schweigen der Lämmer" gespielt hat. Moore fehlt es etwas an Ausdruckskraft und sie hat nicht den Schuss Genialität, der Foster noch so ausgezeichnet hat. Hier wird zwar eine durchaus routinierte Leistung gezeigt, aber leider auch nicht mehr. Man merkt der guten Frau zwar jederzeit ihr Bemühen um eine intensive Performance an, doch erscheint das Schauspiel dadurch auch phasenweise ein wenig verkrampft.

Die größte Schwäche beinhaltet der Film allerdings in der fehlenden Interaktion zwischen Lecter und Starling, denn was den Vorgänger "Das Schweigen der Lämmer" noch so unglaublich faszinierend gestaltet hat, kommt in vorliegender Geschichte eher selten zum Ausdruck. Erst als die beiden zum Ende des Filmes hin aufeinander treffen, bekommt der Zuschauer wieder einmal ein paar hörenswerte Dialoge geboten, die das Szenario insgesamt jedoch auch nicht sonderlich aufwerten können. Damit an dieser Stelle keine Missverständnisse auftreten, "Hannibal" ist ein durchaus gelungener Abschluss der Reihe, muss sich aber im Vergleich mit "Roter Drache" und "Das Schweigen der Lämmer" hinten anstellen und ist meiner Meinung nach der mit Abstand schwächste Film der Reihe. Da hilft es auch nicht, das mit Ridley Scott ein namhafter Regisseur am Werk war, denn diverse Teile der Geschichte wurden sogar regelrecht in den Sand gesetzt. So baut "Hannibal" eigentlich zu keiner Zeit wirklich konstant Spannung auf, denn immer wieder sind hier kleinere Einbrüche zu verzeichnen die man ganz sicher hätte vermeiden können. Auch die in den ersten Filmen so grandios dichte-und beklemmende Grundstimmung lässt sich eher selten erkennen, was letztendlich schon eine kleine Enttäuschung darstellt. Eventuell bewertet man diese Punkte ein wenig anders, wenn man den Roman von Thomas Harris im Vorfeld nicht gelesen hat, doch mit eben dieser Vorkenntnis entpuppt sich die filmische Umsetzung als teilweise mittelmäßig.

Im Endeffekt siedelt sich "Hannibal" zwar immer noch oberhalb des Durchschnitts an, doch der Film verschenkt leider zu viel Potential, das aufgrund der literarischen Vorlage auf jeden Fall vorhanden war. Als Höhepunkt erscheint einem einmal mehr das Schauspiel eines Anthony Hopkins, der an seiner Seite jedoch mit einer eher blassen Julianne Moore keinen Gegenpart auf Augenhöhe hat. Das wertet das Szenario ganz unweigerlich ein wenig ab, hat man in der Rolle der Clarice Starling automatisch die grandiose Jodie Foster vor Augen, die ganz offensichtlich viel zu große Fußstapfen hinterlassen hat, als das Moore diese ausfüllen könnte. Und so sollte man sich schon vor der Sichtung des Werkes darüber im Klaren sein, das man keinesfalls die gleiche Qualität der Vorgänger geboten bekommt, denn "Hannibal" lässt leider zu viele Schwächen erkennen, die sich in der Bewertung des Betrachters niederschlagen.


Fazit:


Es ist mehr als schade, das sich die filmische Umsetzung der Geschichte nicht noch stärker an der Buchvorlage orientiert hat, denn dann hätte man einen herausragenden Film präsentiert bekommen. So aber erscheint das Werk zwar immer noch überdurchschnittlich gut, kann jedoch die Genialität der bisherigen Filme keinesfalls erreichen.


7/10

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 Betreff des Beitrags: Re: Hannibal (2001)
BeitragVerfasst: 18. Nov 2013, 17:22 
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Master of Horror hat geschrieben:
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Fazit:

Es ist mehr als schade, das sich die filmische Umsetzung der Geschichte nicht noch stärker an der Buchvorlage orientiert hat, denn dann hätte man einen herausragenden Film präsentiert bekommen. So aber erscheint das Werk zwar immer noch überdurchschnittlich gut, kann jedoch die Genialität der bisherigen Filme keinesfalls erreichen.

7/10


Dieses Fazit kann ich bedenkenlos unterschreiben. Gerade das Buch ist hier auch um einiges angenehmer aufzunehmen als das Schriftwerk des Vorgängers, da die Story einfach mehr im Zusammenhang steht. Von mir auch 07/10.

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Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


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