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 Betreff des Beitrags: HARRY BROWN (2009)
BeitragVerfasst: 14. Dez 2012, 19:44 
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Vampir-Adel

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HARRY BROWN -[ Großbritannien 2009 ]- 98 min


Sir Michael Caine = HARRY BROWN
Emily Mortimer = Inspektorin ALICE FRAMPTON
Liam Cunningham = SID ROURKE
Jack O'Connell = MARKY
Ben Drew = NOEL WINTERS
David Bradley = LEONARD ATTWOLL
Iain Glen = CHILDS

Regie : DANIEL BARBER


Bild

HARRY BROWN ist ein Senior, der ein Appartement in London bewohnt! Das triste Wohnviertel wird von kriminellen Jugendlichen terrorisiert und HARRY beobachtet ihr negatives Treiben des öfteren durchs Fenster! Seine Frau liegt im Koma, die er jeden Tag besucht und mit seinem alten Freund LEONARD spielt er regelmäßig Schach! LEONARD berichtet HARRY, das er von diesen Jugendlichen ständig schickaniert und tyrannisiert wird! Als HARRY einen Anruf aus dem Krankenhaus erhält, eilt er dorthin, muß aber einen Umweg in Kauf nehmen, da der Fußgängertunnel eben von diesen Jugendlichen belegt ist! Er kommt deshalb zu spät und kann seine Frau nicht mehr sehen, denn sie verstarb! Nach der Beerdigung kündigt LEONARD an, das er sich von diesen Jugendlichen nichts mehr gefallen lassen will und am nächsten Tag wird HARRY durch die Inspektorin FRAMPTON informiert, das man LEONARD tot im Fußgängertunnel aufgefunden hat! Die Polizei nimmt den jugendlichen Anführer NOEL und einige Bandenmitglieder fest, die des Mordes an dem Rentner verdächtigt werden. Beim Verhör werden die Beamten von diesen Jugendlichen mit fäkalen und unter der Gürtellinie gehenden übelsten Beleidigungen beleidigt! FRAMPTON kann ihnen erstmal nichts nachweisen und muß diese laufen lassen!

Während dessen hat der alte Rentner HARRY BROWN nun endgültig genug von diesem jugendlichen Abschaum, deren jegliche Art von Anstand und Moral abhanden gekommen ist und er beschließt gegen diese zu Felde zu ziehen! HARRY war damals bei den -Royal Marines- und in Nordirland stationiert und kann diesbezüglich nun auf seine Erfahrungen als Soldat im Kampf gegen diese Jugendlichen zurückgreifen! So ist HARRY z.B. schneller, als ein jugendlicher Drogenjunkie, der ihn des Nachts überfällt, mit einem Messer auf ihn losgeht, aber HARRY diesem ein Bajonett in den Körper sticht! ALICE FRAMPTON bringt den Toten bzw. das Bajonett in Verbindung mit Mr. BROWN, aber auch ihm kann sie nichts nachweisen und so bleibt es beim Verdacht, der aber verstärkt wird, denn es bleibt nicht bei diesen einen toten Jugendlichen und als Superintendent CHILDS im Gegensatz zur Inspektorin FRAMPTON annimmt, das es sich bei den Morden um einen Bandenkrieg im Drogenmilieu zwischen den Jugendlichen handelt und deswegen im Viertel eine Großrazzia startet, um mal aufzuräumen, eskaliert die Gewalt!

ALICE FRAMPTON : " Das ist nicht Nordirland Harry! "

HARRY BROWN : " Nein, aber die Menschen dort hatten für etwas gekämpft, aber für die hier, da draußen, ist es nur unterhaltsam! "

Plakat aus Frankreich Bild

Was uns der Regisseur DANIEL BARBER hier aufzeigt, ist ein ziemlich deprimierendes Bild einer Gesellschaft und seiner Jugend, die immer mehr macht, was sie will und dabei hat der Film von Anfang bis Ende eine durchweg reale und düstere Atmosphäre und zeigt zu Beginn das authentische Alltagsleben eines Rentners, der den Haushalt alleine bestreiten muß! Der Streifen ist kein Actionfilm, sondern ein eher ruhig in klaren, aber düsteren Bildern inszenierter Film, um den Rachefeldzug eines alten Mannes, der in seiner Wohnumgebung mit jugendlichen kriminellen Elementen aufräumt! Der Rentner HARRY BROWN geht hier u.a. mit eiskalter Routine vor und die Szenen, die dies verdeutlichen verfehlen ihre Wirkung nicht! Der Film zeigt dies ohne großes Action-Brimborium, was ihm dadurch nur noch besser zu Gesicht steht! Aufgrund dessen erreicht der Film in fast allen Szenen eine durchweg atmosphärische Dichte und Intensität, wie man sie lange nicht mehr zu sehen bekam! Die fast dezente Filmmusik von RUTH BARRETT & MARTIN PHIPPS fällt hier genauso düster aus, wie die ganze Inszenierung und die ruhige Kamera tut ihr übriges!

Das britische Schauspieler MICHAEL CAIN zeigt sich mal von einer anderen Seite, was ihm hervorragend gelungen ist, denn man fühlt und sympathisiert mit ihm! M. CAIN ist nach wievor einer der ganz großen Schauspieler und Harry Brown scheint ihm, wie auf den Leib geschrieben! Einfach genial und es passt!
Dann der Darsteller B. DREW als jugendlicher Bandenführer Noel, der hier dermaßen mies agiert, so das man ihm nur noch die Kugel in den Kopf wünscht! Die anderen Darsteller sind toll und fügen sich dem Geschehen sehr passend ein.

Bild Zweitmotiv aus England

Fazit: Ein düsteres Drama und Rachedrama, das es gekonnt versteht gesellschaftliche Missstände mit einzubauen ohne aufgesetzt zu wirken und intensiv in seiner Wirkung ist! Diesen Film sah ich nun schon 5. mal und empfehle ihn zu 100%!
Definitiv einer der besten britischen Filme des neuen Film-Jahrtausends!

10 / 10

GrafKarnstein :evil:


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 Betreff des Beitrags: Re: HARRY BROWN
BeitragVerfasst: 14. Dez 2012, 20:07 
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Ob "Harry Brown" nun wirklich die europäische Antwort auf "Gran Torino" ist kann ich nicht beurteilen, da ich das Werk von Clint Eastwood noch immer nicht gesehen habe. Aber eines ist "Harry Brown" auf jeden Fall, nämlich ein äusserst brillanter Film, in dem Michael Caine eine absolute Paraderolle spielt. Thematisch gesehen bewgt man sich hier auf einer Schiene mit so fantastischen Rache-Thrillern wie "Ein Mann sieht rot" oder "Death Sentence" und dennoch unterscheiden sich diese Filme doch ganz gewaltig in ihrem Stil. Das ist in erster Linie schon in dem Hauptcharakter der vorliegenden Geschichte begründet, denn handelt es sich bei Harry Brown (Michael Caine) keinesfalls um einen harten und eiskalten Rächer, sondern um einen gerade zum Witwer gewordenen alten Mann, der vollkommen zurückgezogen in einem tristen Wohnghetto lebt, das die Trostlosigkeit eines sozialen Brennpunktes perfekt widerspiegelt. Seine einzige Freude sind die täglichen Schachpartien mit seinem einzigen Freund, der ständig von rebellischen Jugendlichen terrorisiert wird. Erst als dieser von den Jugendlichen ermordet wird und die Polizei kaum etwas unternehmen kann, überkommt Harry eine maßlose Wut, die sich letztendlich darin äussert, das er das Recht in die eigenen Hände nimmt, um seinen Freund zu rächen.

Nun ist die Erzählweise des Geschehens eher von der sehr ruhigen und bedächtigen Art, was dem ganzen aber eine ungeheure Intensität verleiht, die man diesem Werk eigentlich auf den ersten Blick überhaupt nicht zutraut. Es gibt keinerlei blinden Aktionismus, vielmehr haben die Macher des Films ihr Hauptaugenmerk auf inhaltliche Stärke und tiefergehende Charakterzeichnungen gelegt. Insbesondere die Darstellung der Jugendlichen kann man als äusserst gelungen bezeichnen, die Sinnlosigkeit ihrer Taten werden ganz ausgezeichnet zum Ausdruck gebracht. So ist es vor allem die Motivation der Täter, die einem hier kalte Schauer über den Rücken jagt, denn eigentlich gibt es gar keine. Es geht einzig und allein um einen perfiden Unterhaltungswert, den die Täter aus ihren Taten ziehen, da ihr Leben ansonsten von einer Tristess geprägt ist, aus der es anscheinend kein Entrinnen gibt. Diese wird insbesondere durch die erstklassigen Schauplätze der Ereignisse extrem gut in den Vordergrund gerückt, die schon eine recht beklemmende Wirkung auf den Betrachter hinterlassen, so das in den meisten passagen ein ausgeprägtes gefühl der Schwermut aufkommen kann.

Die trostlose Grundstimmung des Filmes kriecht einem dabei förmlich unter die Haut und hinterlässt einen äusserst authentischen Eindruck der Geschehnisse, die unglaublich real und glaubwürdig erscheinen, spiegeln sie doch durchaus realistische Geschehnisse dar, wie sie in der heutigen Zeit fast täglich vorkommen. Man wird fast selbst ein Teil der Geschichte, denn könnte sich das Szenario doch jederzeit auch vor der eigenen haustür abspielen, was die intensive Wirkung zusätzlich verstärkt und einen selbst zu einem Teil der Abläufe macht. Zudem gerät man auch in einen emotionalen Zwiespalt, denn weiss man doch ganz genau, das Selbstjustiz keinesfalls der richtige Weg sein kann, um der Gewalt entgegenzuwirken, bringt aber andererseits jede Menge menschliches Verständnis für Harry auf, der das Recht in die eigene Hand nimmt. Letzteres wird insbesondere durch die Hilflosigkeit der Polizei noch zusätzlich verstärkt, die der Täter nicht wirklich habhaft werden kann. Hierfür sind in erster Linie die stattfindenden Verhöre ein Paradebeispiel, in denen die ermittelnden Beamten eine Respektlosigkeit und Eiseskälte der Jugendlichen entgegenschlägt, die einen fast schon sprachlos macht. Von Reue ist dort überhaupt nichts zu spüren, vielmehr müssen sich die Polizisten auf das Übelste beleidigen lassen.

Auch wenn "Harry Brown" ein Film der leiseren Töne ist, entfaltet dieses Werk eine ungeheure Intensität, die sich auch in mehreren wirklich harten Szenen bemerkbar macht, die für eine 16er Freigabe nicht unbedingt selbstverständlich sind. Da dies trotz allem in einer sehr bedächtigen und ruhigen Erzählweise geschieht, ist die ausgehende Wirkung noch stärker und legt sich schon fast wie eine zweite Haut über den Zuschauer, der sich der brutalen Faszination der Ereignisse keinesfalls entziehen kann und so schon fast jede einzelne Einstellung kürperlich miterlebt. Besonders die letzten gut 20 Minuten des Filmes entfalten hierbei eine Intensität, die nur schwerlich zu überbieten ist. Gerät die Situation doch vollkommen ausser Kontrolle, was eine vollkommene Eskalation von Härte und Gewalt zur Folge hat. Hier bekommt man auch gleichzeitig sehr eindrucksvoll vor Augen geführt, mit welcher Kälte die Täter zu Werke gehen und wie wenig ihnen ein anderes Leben wert ist. Stellvertretend dafür stehen die Ereignisse, die sich zum Ende hin in Harry's Stammkneipe abspielen und die die extreme Wirkung dieses Filmes noch einmal ganz besonders hervorhebt.

Abschließend kann man eigentlich nur von einem äusserst guten Gesamtpaket sprechen, das Regisseur Daniel Barber hier in Szene gesetzt hat. Wenn man dann noch bedenkt, das es sich um sein Regie-Debut handelt, ist man noch um ein Vielfaches tiefer beeindruckt und muss diesem Mann seinen tiefsten respekt zollen. Ist es ihm doch gelungen, eine altbewährte Thematik in beeindruckende Bilder umzusetzen, die ihre Wirkung auf den Betrachter zu keiner Zeit verfehlen und ihm dabei immer das Gefühl zu vermitteln, das es sich hier um die ungeschönte und brutale Realität handelt, die auch jeden von uns täglich ereilen könnte. Das es dabei ohne ausufernden Aktionismus gelungen ist, ein so intensives und bedrückendes Filmerlebnis zu kreieren ist eine Leistung, die man meiner Meinung nach gar nicht hoch genug würdigen kann. Ganz sicher ist dies auch zu einem sehr großen teil den erstklassigen Darstellern zu verdanken, unter denen Michael noch einmal ganz besonders hervorsticht, denn seine Darstellung des "Harry Brown" kann man ganz einfach nur als absolut brillant bezeichnen.


Fazit:


"Ein Mann sieht rot" zählt wohl noch immer als größter Klassiker unter den Rachethrillern, jedoch braucht sich auch ein "Harry Brown" keineswegs ehrfurchtsvoll hinter diesem Meisterwerk verstecken. Zwar ist mit Michael Caine kein cooler Charles Bronson-Verschnitt zu erwarten, doch ist es gerade der Charakter eines alternden und vollkommen durchschnittlichen Rentners, der diesem Film seine ungeheuer authentische Ausstrahlung verleiht. Kein extrem cooler Rächer, sondern eine absolute Durchschnittserscheinung steht hier im Mittelpunkt des Geschehens, das dadurch umso glaubwürdiger erscheint und den Zuschauer so zu einem teil seiner Geschichte macht. Mit leisen Tönen und einer eher ruhigen Erzählweise wurde hier eine so starke Intensität geschaffen, das man auch nach dem Ende der Story noch sehr nachhaltig unter deren Eindruck steht.


9/10

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 Betreff des Beitrags: Re: HARRY BROWN
BeitragVerfasst: 14. Dez 2012, 20:15 
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Ein Genuss des Grafen Arbeit zu lesen^^ Sehr schön gemacht!

Ich denke man muss diesen Film sehen, es kann auch sein dass man ihn öfter sieht nach dem ersten Mal :lol:

Die Art und Weise wie sich Harry Brown im Verlauf der Handlung vom passiven Opfer zum aktiven Täter verändert
wird fesselnd in Szene gesetzt. Die Sympathien sind klar gesetzt, wobei man rational der Handlungsweise nicht
zustimmen könnte, Harrys Lebensumstände aber eine eigene Dynamik entwickeln die nur ein mitfühlen und
daumendrücken zulassen und objektive Straftatbestände ad absurdum führen.

Ohne zu spoilern darf ich erwähnen dass einige Szenen gegen Ende nicht unerwartet kommen und insgesamt wohl
dem Publikum Tribut gezollt wurde - mir hätte ein anderes Ende besser gefallen.

Unterm Strich pflichte ich Graf bei 10/10! Ein Meisterwerk mit einem grandiosen Michael Caine!

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 Betreff des Beitrags: Re: HARRY BROWN
BeitragVerfasst: 14. Dez 2012, 20:17 
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Ja, die Vorstellungen des Grafen haben schon etwas wirklich Adeliges an sich, anders kann man es nicht sagen.

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