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 Betreff des Beitrags: Kommando Cobra (1971)
BeitragVerfasst: 8. Jan 2013, 18:18 
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Vampir-Adel

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KOMMANDO COBRA

(Frankreich / Italien 1971)
(Ot: LE SAUT DE L'ANGE / DA PARTE DEGLI AMICI FIRMATO MAFIA)

deutsche Alternativtitel: TÖDLICHER AUFTRAG / CITY HUNTER

Jean Yanne - LOUIS ORSINI /// Sterling Hayden - CUSTER MASON
Senta Berger - SYLVAINE ORSINI /// Gordon Mitchell - HENRY DI FUSCO
Raymond Pellegrin - DIEGO ALVAREZ /// Gian-Carlo Sbragia - FORESTIER
Daniel Ivernel - KOMMISSAR PEDRINELLI

Regie : YVES BOISSET

Laufzeit ca. 90 min

FSK : ab 18 Jahren


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Marseille
In Marseille herrscht ein Privatkrieg zwischen dem korsischen Clan der mächtigen Familie Orsini und dem gegnerischen Mafiaboss Diego Alvarez. Der eigentliche Drahtzieher ist allerdings der einflußreiche Immobilienmakler und angehende Politiker Forestier, der die Macht in der Stadt an sich reissen will. Zudem hat auch der Wahlkampf begonnen und Forestier steht mit auf der Kandidatenliste.

"Das ist von den Orsinis",
bekommt man zu hören und kurz darauf wird ein Eckrestaurant mit explodierenden Brandsätzen in die Luft gejagt.

"Ein Gruß von den Orsinis",
hört man nochmals und ein Pärchen wird im Hotelzimmer brutal zusammen geschossen.

Irgendwelche politisch motivierten Jugendlichen/Studenten übermalen und beschmieren die Plakate des Kandidaten Forestier, aber eine Polizeitruppe kommt hinzu und attackieren die jungen Leute mit Schlagstöcken, die sie auch im Mannschaftswagen weg tranportieren.

Beim verlassen des Senatsgebäudes wird Lucien Orsini aus einem vorbeifahrenden Auto mit einem Gewehr erschossen und später bei der Beerdigung seines Bruders wird Marc Orsini erschossen, der sogleich mit ins Grab fällt.

Derjenige der die beiden Orsinis erschoss ist Henry Di Fusco, ein angeheuerter Killer aus den USA, der im Auftrag von Alvarez handelte. Von der Familie Orsini lebt nur noch Sylvaine Orsini, die Witwe von Marc und Louis Orsini, der aber weit weg in Thailand lebt. Forestier will aber noch weiter über Leichen gehen und ordnet durch Alvarez an, das auch Louis Orsini zu sterben hat und das noch vor den Wahlen. Zu diesem Zweck macht sich Di Fusco auf nach Thailand.

Thailand
Louis Orsini betreibt dort Pflanzen-Wirtschaft und hatte/wollte mit den undurchsichtigen dunklen Geschäften seiner Familie nichts zu tun haben. Seinen Colt, der Marke COBRA benutzt er schon lange nicht mehr. Seine Cobra gab seinem ehemaligen Kommandotrupp in Indochina den Namen KOMMANDO COBRA. Louis lebt mit seiner Lebensgefährtin Lee zusammen und sie haben eine Tochter, Geneviéve und sie haben Besuch von Custer Mason, einen Kumpel und Freund vergangener Tage. Custer ist ein Polizist aus Amerika, der zur Zeit in Marseille ist. Louis bittet Custer bei seiner Rückreise nach Marseille, seine Tochter mitzunehmen, damit sie dort aufs Internat gehen kann, was Custer auch macht.


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Inzwischen ist Henry Di Fusco längst in Thailand eingetroffen, um Louis zu ermorden, aber er erschiesst versehentlich Lee. Louis nimmt sogleich die Verfolgung auf und erwischt Di Fusco. In einer Scheune bringt er ihn zum reden, indem er ihm eine Kniescheibe zerschießt. Di Fusco erzählt ihm nun, das es mit den anstehenden Wahlen in Marseille zu tun hat und seine Brüder sterben mußten, weil sie zu mächtig gewesen sind. Er nennt Louis auch Namen und als von Forestier die Rede ist,:

Louis: "Was Forestier, der Makler! Wieso? Was wollt ihr von mir? Was hab ich mit deren Politik zu tun?"

Di Fusco berichtet u.a., das Forestier mit Leuten der SAC zusammen arbeitet, die seinen Wahlkampf unterstützen.

Louis zerschießt die zweite Kniescheibe und der Rest erledigt eine giftige Cobra. Di Fusco stirbt einen häßlichen Tod. Louis rüstet sich auf, nimmt sich seine Cobra und zusammen mit zwei ehemaligen Kampfgefährten, den Vietnamesen CHANG und N'GUYEN geht es nach Marseille.

Marseille :
Custer und der Kommissar Pedrinelli wissen von dem Attentat in Thailand und können sich nun denken, was Louis in Marseille vorhat! Pedrinelli muß aber Rücksicht auf den Wahlkampfkandidaten nehmen, denn Forestier gibt sich nach außen als freundlicher Politiker und Geschäftsmann. Zudem muß Louis erfahren, das sein Töchterchen tot ist, denn sie wurde ein weiteres Opfer von Forestier und Alvarez. Jetzt kennt Louis keine Gnade mehr und zusammen mit den beiden Vietnamesen will er mit Forestier, Alvarez und allen anderen Strolchen abrechnen. Die Stadt Marseille wird zum Schauplatz einer unerbittlichen Rache und Louis wird zum meistgesuchten Mann in der Stadt.


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Nach EIN BULLE SIEHT ROT (siehe Review in dieser Rubrik) inszenierte Regisseur YVES BOISSET einen weiteren Film, um kriminelle Vereinigungen und ihrer Verstrickungen in der Politik, so nach dem Motto: Der Zweck heiligt die Mittel! Wobei Boisset hier nur zum Teil auf diverse Realitäten zurückgriff, da er eine eher fiktive Rachegeschichte in einem fiktiven Marseiller Wahlkampf erzählt. Aber die Art und weise wie er das macht, lassen diesen Film zu einem spannungsgeladenen gewalttätigen Thriller werden, der alles andere als langweilig ist.

Boisset's Figuren sind wohlsituierte, angesehene Marseiller Bürger, die ihr eigentliches Antlitz hinter Masken verbergen. Hatte z.B. ein anderer französischer Regisseur, CLAUDE CHABROL solch angesehendes Bürgertum und ihre Masken eher auf andere feinfühlige subtile Art entlarvt, so wählt hier Boisset die extreme Varriante,...die der Gewalt. Er ist kein Mann der leisen Töne und arbeitet nicht mit Samthandschuhen.

Da wäre Forestier, ein Immobilienmakler und Abgeordneter mit priviligierten Verbindungen zur Präfektur und Polizei. Hauptschuldiger an Morden und politischer Korruption, der zusätzlich der Kopf des SAC ist. Übrigens, die Organisation des SAC existierte tatsächlich und geht auf die Gründung einer subversiven Gruppierung durch General de Gaule im Jahre 1946 zurück, aber davon werde ich später beim anderen Film ausführlicher werden, da in diesem hier zwar der SAC von Boisset erwähnt wird, aber ansonsten keine weitere Rolle spielt.

JEAN YANNE als Louis Orsini hatte sich losgesagt. Von diversen Geschäften und Machenschaften seiner Brüder und es liegen zwei Kontinente zwischen ihm und Marseille, aber es reichte wohl nicht. Louis, um das Liebste das er verlor ist nun fest entschlossen, sich für die Dezimierung seiner Familie zu rächen. Den Rächer, den Jean Yanne darstellt ist rückblickend nicht so vergleichbar mit anderen filmischen Rächern, denn er agiert weniger emotional. Sein Schmerz über den Verlust seiner Lebensgefährtin und Tochter ist eher verhalten. Er ist in seinen Handlungen kühl und nutzt all seine Erfahrungen, die er im Krieg machte für seine Racheaktionen.


Die Auseinandersetzung zw. LOUIS (links) und FORESTIER (rechts) auf dem Dach


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SENTA BERGER, vielen bekannt aus italienischen Filmen, ist hier Syvaine. Von einer 20-Francs Prostituierten, stieg sie als Sylvaine Orsini zur Ehefrau des mächtigen und reichen Marc Orsini auf. Sylvaine reicht dies aber nicht und sie hat gelernt, wie man sein Geswissen ausschaltet, wenn es um Macht und Geld geht.

Was die Gewalt angeht, so macht Yves Boisset auch hier keine Gefangenen und so urteilte, ein wenig rückblickend der Filmdienst folgendermaßen, Zitat:

"Formal belangloser Gangsterfilm, der durch seinen, für die damalige Zeit extremen Tötungszynismus und seine Brutalität aus dem Rahmen fällt!"

Ich stimme damit überein, nur die Bezeichnung -belanglos- unterschreibe ich in keinster Weise. Das eine Filmkritik damals extra auf die Gewalt eingeht und das noch so betont, fällt ebenfalls aus dem Rahmen. Ziemlich zynisch und ebenfalls kaltschnäuzig werden hier Leute aus dem Weg geräumt oder zusammen geschlagen. Und alles wieder mit einer Konsequenz, die ihresgleichen sucht. Gefangene werden nicht gemacht und das verleiht auch diesen Film eine enorme Härte, die man möglicherweise so nicht erwartet hat.

Als Paradebeispiel sind hier die beiden Vietnamesen CHANG und N'GUYEN zu sehen, die äußerst brutal, aber berechtigt den Mafiaboss Alvarez erledigen. Als ihr erster Tötungsversuch merkwürdigerweise misslingt und der schwer Verletzte ins Krankenhaus transportiert wird, fahren die beiden dreisterweise gleich hinterher, um es zu ende zu bringen. (siehe Bild)


Bild


Solche zynischen Gewaltszenerien könnten u.a. ein Grund dafür sein, das KOMMANDO COBRA bei späteren VHS Veröffentlichungen nur noch zensiert erschien.

Zu den Fassungen:
Bei den damaligen Videofirmen VMP und ITT Contrast läuft der Film ca. 89 min. Auf dem Rückcover ist eine Laufzeit von 120 min vermerkt, die aber nicht stimmt!

Beim Label Moviestar (Titel: TÖDLICHER AUFTRAG) sollen ca. 5 min fehlen, was schon viel ist, aber beim Label Jaguar Video (Titel: CITY HUNTER) soll der Film nur noch 70 min laufen, was eine Kürzung von ca. 20 min ausmachen würde.

Ich sah diesen Film zur Probe mal im TV, meines erachtens damals Pro7 oder Sat1, nur um meine Vorahnung bestätigt zu sehen. In der Tat wurde der Film so ziemlich gekürzt gesendet. Es hat sehr viel gefehlt, so das ich annehmen muß, das es diese 70 min Fassung war, die da ausgestrahlt wurde. Dann soll man es doch lieber gleich sein lassen, solche Filme zu bringen. Ob diese, aus meiner Sicht 89 min Uncut-Version auch komplett ist, vermag ich nicht zu sagen, denke aber das sie komplett ist.


Videocover einer ungeschnittenen damaligen Neuauflage von VMP


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"MELDUNG AUS MARSEILLE: SYNDIKAT IN ACTION",

hieß es damals fast schon harmlos klingend in der Werbung.

Yves Boisset erreicht zwar nicht ganz die klasse seines Vorfilms EIN BULLE SIEHT ROT, aber er schuf hier definitiv mit KOMMANDO COBRA ein Film, der durchgehend spannend ist und zu keiner Sekunde langweilt, ein Film der es 100%ig wert wäre auch auf DVD zu erscheinen. Mir hat der immer gefallen!


9/10 französischen Wahlkämpfen


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