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 Betreff des Beitrags: 3 Minutes (2014)
BeitragVerfasst: 15. Dez 2014, 18:05 
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3 Minutes
(The Elevator: Three Minutes Can Change Your Life)
mit Caroline Goodall, Burt Young, James Parks, Katie McGovern, Sara Lazzaro, Niccolò Senni, Gianfranco Terrin, Daniel Mba, Katia Greco, Paolo Borzì
Regie: Massimo Coglitore
Drehbuch: Mauro Graiani / Riccardo Irrera
Kamera: Vincenzo Carpineta
Musik: Stefano Caprioli
FSK 16
Italien / USA / 2014

Der erfolgreiche Quizshow-Moderator Jack Tramell kommt nach einem langen Arbeitstag nach Hause. Im Fahrstuhl zu seiner Wohnung beginnt der Alptraum, als er von einer scheinbar verrückten Frau überfallen wird. Im gestoppten Aufzug kommt Jack gefesselt zu sich und befindet sich inmitten eines perfiden Spiels - basierend auf den Regeln der von ihm moderierten Quizshow "3 Minutes". Die sich Kathryn nennende Frau verfolgt berechnend und skrupellos ihr Vorhaben. Doch ist sie wirklich verrückt und Jack das unschuldige Opfer, wie er es in seiner Todesangst immer wieder beteuert, oder verbirgt er gekonnt ein dunkles Geheimnis?


Es ist immer wieder sehr erfreulich wenn man sieht, welch erstaunlich gute Regie-Debüts manch ein bisher vollkommen unbekannter Regisseur hinlegt. Auch der vorliegende Film "3 Minutes" zählt ganz eindeutig dazu und stellt den sehr guten Erstling von Massimo Coglitore dar, der an dieser Stelle sehr viel Fingerspitzengefühl für eine gelungene Mixtur aus einem klaustrophobischen Fahrstuhl-Thriller und einem Drama erkennen lässt. Dabei sollte man keinesfalls ein Szenario voller Action erwarten, denn die Macher konzentrieren sich vielmehr auf ein gelungenes-und äußerst perfides Katz-und Mausspiel zwischen den beiden Hauptdarstellern das sich fast ausschließlich innerhalb einer Fahrstuhl-Kabine abspielt. Der als Opfer auserkorene Quizmaster Jack wird dabei von einer ihm völlig unbekannten Frau überwältigt und im Fahrstuhl gefoltert, wobei die Täterin die Regeln aus seiner Show zu Grunde legt. Über die Beweggründe dieser zunächst willkürlich erscheinenden Handlungen wird man zunächst im Unklaren gelassen, wobei sich schon aufgrund der Motiv-Suche ein sehr gelungener Spannungsbogen aufbaut. Zudem schafft es Coglitore gekonnt den Zuschauer in die Ereignisse einzubinden, denn fast schon zwangsläufig versetzt man sich in die Lage der Protagonisten und kann dabei Verständnis für beide Figuren aufbringen.

Dies geschieht vor allem ab dem Zeitpunkt an dem die Beweggründe der Frau immer ersichtlicher werden und auch wenn die Motive nach gut der hälfte der Geschichte offen vor einem liegen, büßt der Film keinesfalls etwas von seiner Faszination ein. Von nun an geht der psychische Machtkampf nämlich in die zweite Runde und nimmt dabei so richtig an Fahrt auf, was ganz automatisch die bisher schon recht hohe Intensität des Ganzen noch einmal steigert. Das äußert sich aber auf keinen Fall durch Action oder Brutalität, denn "3 Minutes" ist viel eher ein Vertreter, der sein Hauptaugenmerk auf die ruhigeren Töne legt und dabei dennoch streckenweise brachial auf den Betrachter einwirkt. Hinzu kommt der räumlich gesehen arg eingeschränkte Schauplatz, denn bis auf ganz wenige Momente spielt sich das gesamte Geschehen innerhalb der Fahrstuhl-Kabine ab. Dieser Umstand schnürt einem teilweise die Luft ab und man kann sich durchgehend nicht der klaustrophobischen-und extrem beklemmenden Grundstimmung erwehren, die mit der Wucht eines Vorschlaghammers auf einen nieder prasselt. Ohne es wirklich zu wollen wird man zwangsläufig zu einem Teil der Geschehnisse und möchte dabei keinesfalls den Platz mit den Charakteren tauschen, die sich einen unerbittlichen Schlagabtausch auf der psychischen Ebene liefern.

Zum Ende hin gleitet das Szenario dann in etwas ruhigeres Fahrwasser und konfrontiert einen dabei mit einer Situation, in der sich anscheinend ein Happy End andeutet, doch von diesem kurzzeitigen Eindruck sollte man sich keinesfalls täuschen lassen. Massimo Coglitore hat nämlich noch einen gelungenen Twist eingebaut der zwar bei genauerer Betrachtung eventuell nicht vollkommen unvorhersehbar erscheint, aber dennoch eine gewaltige Wirkung hinterlässt. Und auch wenn man mit einer recht offen gelassenen Szene aus der Geschichte entlassen wird kann man sich doch ohne Probleme seinen Reim darauf machen wie die Chose endgültig endet, da kleinere Indizien kurz vor dem Ende ganz eindeutig in eine bestimmte Richtung weisen. Und so kann man letztendlich von einem äußerst stimmigen Gesamteindruck sprechen, wobei dieser Film aber auch sicher nicht jeden Geschmack treffen wird. Das liegt sicherlich in der Hauptsache an dem Umstand, das es sich hier fast schon um ein Kammerspiel handelt und nicht jeder etwas mit dieser Art der Geschichten-Erzählung anfangen kann. Wer jedoch auf extrem intensive Filme steht in denen auch das Schauspiel der Akteure stärker gewichtet wird ist hier genau an der richtigen Adresse, denn "3 Minutes" zieht einen in seinen Bann und besticht durch die herausragenden Leistungen seiner Darsteller.

Wie immer liegt es im Auge des jeweiligen Betrachters, doch meiner persönlichen Meinung nach hat das Label OFDB Filmworks einmal mehr sein Gespür für den besonderen Film unter Beweis gestellt. Trotz mangelnder Action, einem stark begrenzten Schauplatz und einem eher ruhigen Erzähl-Tempo handelt es sich um ein höchst intensives Werk das einen von der ersten bis zur letzten Minute in seinen Bann zieht. Zudem stimmen die Ereignisse durchaus nachdenklich und werfen auch bestimmte moralische Fragen auf, was dem Ganzen in meinen Augen auch eine gewisse tiefe verleiht. Deshalb kann ich an dieser Stelle auch nur eine glasklare Empfehlung an all jene aussprechen, die auch einmal etwas anderes als überzogene Action und literweise Kunstblut sehen wollen, denn das Regie-Debüt von Massimo Coglitore ist definitiv ein Film, der auch nachhaltig im Gedächtnis hängen bleibt.


Fazit:


Und wieder einmal bekommt man es mit einem Film zu tun an den man im Prinzip ohne jegliche Erwartungen heran geht, um letztendlich richtig positiv überrascht zu sein. Eine tolle Mischung aus Thriller-und Drama die mit tollen Darstellern besetzt ist und spürbar unter die Haut geht. "3 Minutes" ist ein Machtkampf auf der psychischen Schiene, der von einem bisher unbekannten Regisseur nahezu brillant in Szene gesetzt wurde und dabei ein Seh-Erlebnis präsentiert, an das man sich noch länger erinnern wird.


8,5/10


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