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 Betreff des Beitrags: Mitternachtsspitzen (1960)
BeitragVerfasst: 18. Mai 2013, 14:39 
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Mitternachtsspitzen
(Midnight Lace)
mit Doris Day, Rex Harrison, John Gavin, Myrna Loy, Roddy McDowall, Herbert Marshall, Natasha Parry, Hermione Baddele, John Williams, Richard Ney, Anthony Dawson, Rhys Williams, Richard Lupino
Regie: David Miller
Drehbuch: Ivan Goff / Janet Green
Kamera: Russell Metty
Musik: Frank Skinner
FSK 12
USA / 1960

Die reiche Amerikanerin Kit und ihr frisch gebackener britischer Ehemann Anthony Preston hoffen nach drei Monaten Ehe endlich auf ein wenig freie Zeit für ihre Hochzeitsreise nach Venedig. Dann bekommt das Paar in London jedoch eines Tages mysteriöse Morddrohungen: Mit verstellter Stimme droht ein Mann Kit, sie innerhalb von einem Monat zu ermorden - oder hat Kit nur eine blühende Fantasie?


Dieser Film von David Miller zählt wohl ganz eindeutig zu den absoluten Top-Thrillern aller Zeiten und hätte auch vom großen Alfred Hitchcock kaum besser-und spannender inszeniert werden können. "Mitternachtsspitzen" gehört auf jeden Fall zu den zeitlosen Klassikern, die auch bei der unzähligsten Sichtung immer wieder aufs Neue faszinieren, auch wenn der Zuschauer die Lösung des perfiden Katz-und Maus Spiels längst kennt. Und das vorliegende Geschehen hat es wirklich in sich, wie eigentlich alle Werke der damaligen Zeit benötigt man keinerlei Härten und noch nicht einmal ein gesteigertes Tempo, um den Betrachter bei Laune zu halten. Die herausragend ins Bild gesetzte Geschichte spricht für sich und lässt trotz einer nach heutigen Verhältnissen eher beschaulichen Erzähl-Struktur einen immer mehr ansteigenden Spannungsbogen zu, der einen von der ersten bis zur wirklich letzten Minute bei Atem hält. Dabei ist es immer wieder erstaunlich, mit welch verhältnismäßig bescheidenen Mitteln man einen herausragenden Thriller konstruieren kann, denn eine äußerst überzeugende Darsteller-Riege und eine extrem spannende Geschichte sind vollkommen ausreichend, um für gut 100 Minuten atemloser Spannung zu sorgen.

Es ist insbesondere die großartige Doris Day, die den Ereignissen durch ihre grandiose Performance einen ganz persönlichen Stempel aufdrückt, ist ihr die Rolle der verängstigten jungen Frau doch augenscheinlich wie auf den Leib geschneidert. Ihr zur Seite steht mit Rex Harrison ein Darsteller, der ihr in so gut wie nichts nachsteht, jedoch durch die Omnipräsenz seiner Kollegin fast schon ein kleines Schattendasein führen muss. Das perfide Psycho-Spiel, das sich von der ersten Minute an entwickelt tritt zu Beginn noch ohne größere Intensität in Erscheinung, nimmt aber innerhalb kürzester Zeit immer stärkere Formen an und baut so auch beim Betrachter ein stetiges Gefühl der Anspannung auf, das man bis zur letzten Einstellung nicht mehr los wird. David Miller ist es ganz exzellent gelungen, die Geschehnisse dramaturgisch absolut perfekt ins Bild zu setzen und einem so ein Szenario anzubieten, bei dem man etliche eigene Vermutungen anstellen kann, ohne sich aber darüber im Klaren zu sein, ob man sich auf der richtigen Spur befindet. Gibt es doch einen Kreis von Verdächtigen, in dem sich gleichzeitig mehrere potentielle Täter befinden. Das eigentlich Geniale an der Sache ist der Aspekt, das man im Prinzip den wenigsten Personen ein Motiv zuordnen könnte, das ein so grausames Psycho-Spielchen rechtfertigen würde, das die junge Kit (Doris Day) über sich ergehen lassen muss.

Der Schachzug der im Prinzip fehlenden Motive macht die Sache dann auch besonders interessant, kann man seinen Verdacht doch schwerlich einer bestimmten Person zuordnen. So dürfte dann auch die Auflösung des Ganzen bei der Erstsichtung des Filmes für die meisten Leute eine echte Überraschung darstellen, denn wirklich vorhersehen konnte man diese Entwicklung nicht wirklich. Sicherlich ist einem der Täter auch durch diverse Kleinigkeiten einmal aufgefallen, doch verhält es sich auch bei ihm wie bei allen anderen Verdächtigen, die häppchenweise präsentierten Verdachtsmomente sind keinesfalls ausreichend, um absolute Sicherheit zu gewährleisten. Und so muss man dem Regisseur ein richtig dickes Kompliment machen, denn Miller ist mit diversen Hinweisen keinesfalls geizig, doch da diese auf etliche Personen hindeuten, bleibt dem Zuschauer bis kurz vor dem Ende die wahre Lösung verborgen, was doch ganz eindeutig ein untrügliches Zeichen dafür ist, das man hier ganz hervorragende Arbeit geleistet hat.

Im Endeffekt ist "Mitternachtsspitzen" meiner Meinung nach ein Genre-Vertreter, der ganz weit oben an der Spitze der Nahrungskette anzusiedeln ist, bietet der Film doch ein grandios aufgebautes Gebilde aus Verdächtigungen und Lügen, das erst kurz vor Schluss so richtig zu durchschauen ist. Die dabei vom Geschehen ausgehende Faszination überträgt sich ganz zwangsläufig auch auf den Betrachter, für den an etlichen Stellen schon fast das obligatorische Nägelkauen angesagt ist. Die großartig agierenden Hauptdarsteller mit einer alles überragenden Doris Day tun ihr Übriges, um diesen genialen Film zu einem echten Erlebnis zu machen, das zudem auch einen durchaus nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Und auch dieses Werk mittlerweile über ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat, könnte sich so mancher Beitrag der heutigen zeit eine dicke Scheibe abschneiden, liegt hier doch geradezu ein Paradebeispiel für einen absoluten Hochspannungs-Thriller vor, der seine intensive Wirkung mit den einfachsten Mitteln erzielen kann.


Fazit:


Hitchcock hätte seine wahre Freude an diesem Film gehabt, den er selbst nicht besser hätte umsetzen können. Manchmal sind es doch eben gerade die "alten Schinken", von denen man nicht genug bekommen kann und die ganz automatisch zu zeitlosen Klassikern werden. "Mitternachtsspitzen" gehört meiner Meinung nach ganz eindeutig in diese Kategorie und ich kann nur jedem empfehlen, sich diesen herausragenden Beitrag zumindest einmal anzuschauen, es lohnt sich wirklich.


9/10

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