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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Next Door - Manche Türen sollten nie geöffnet werden (2005)
BeitragVerfasst: 26. Feb 2013, 16:15 
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Next Door - Manche Türen sollten nie geöffnet werden...
(Naboer)
mit Kristoffer Joner, Cecille A. Mosli, Julia Schacht, Anna Bache-Wiig, Michael Nyquist, Oystein Martinsen, Odd Arno Midtsjo, Magne Kipperrud
Regie: Pal Stetaune
Drehbuch: Pal Stetaune
Kamera: John Andreas Andersen
Musik: Simon Boswell
Keine Jugendfreigabe
Norwegen / Dänemark / Schweden / 2005

John macht nach der Trennung von seiner langjährigen Freundin eine schwere seelische Krise durch, als er seine hübschen Nachbarinnen Kim und Anne kennen lernt, deren Apartment nebenan er bizarrerweise nie beachtet hat. Das Verhalten der beiden Frauen ist mehr als eigenwillig: John soll für kurze Zeit in den weitläufigen und heruntergekommenen Räumen der Nachbarwohnung die Aufpasserrolle über die von Phobien geplagte Kim übernehmen. Diese lockt ihn immer tiefer in das Labyrinth aus Zimmern und Korridoren, hinein in eine Welt, in der John ungeahnte Grenzen überschreitet. Die Realität existiert nicht mehr, und in dem wirbelnden Chaos aus Terror, Sex, Gewalt und Schizophrenie sucht der Verzweifelte nach einem rettenden Ausweg.


Hitchcock meets David Lynch


Zu diesem Eindruck könnte man nach der Sichtung dieses skandinavischen Psychothrillers durchaus gelangen, der dem Zuschauer ganz eindeutige Anleihen an Hitchcock's Psycho liefert, andererseits aber auch in die Richtung der Werke eines David Lynch tendiert. Und gerade diese sehr aussergewöhnliche Kombination sorgt hier für ein absolut beeindruckendes Filmerlebnis, bei dem man als Zuschauer ständig an der Grenze zwischen Realität und Fiction wandelt, die größtenteils ineinander überlaufen und so die volle Konzentration des Betrachters einfordern, damit man nicht den roten faden verliert. So entpuppt sich "Next Door" als ein Film, den man nicht einfach mal im Vorbeigehen anschauen sollte, eröffnet sich doch gerade in der ersten Filmhälfte ein Szenario, das man als äusserst bizarr bezeichnen könnte, denn wird man doch mit etlichen Passagen bedient, bei denen man zu Beginn nicht unbedingt weiss, was man mit ihnen anfangen soll. Und so wird man mit Szenen bedient, in denen sich der Hauptcharakter John in der Wohnung seiner beiden hübschen Nachbarinnen aufhält und die anscheinend überhaupt keinen Sinn ergeben.

Zudem wird John auch noch zu härterem Sex förmlich genötigt, so das man sich erst recht gar keinen Reim auf das sehr kuriose Geschehen machen kann. Als man dann auch noch immer wieder mit kleineren Rückblenden bedient wird, in denen John noch mit seiner Ex-Freundin zu sehen ist, scheint die Verwirrung absolut komplett, jedoch ergeben diese verwirrenden und zu diesem Zeitpunkt noch recht sinnlosen Puzzle-Teilchen am Ende eine Aufklärung, die eigentlich keinerlei Fragen offen lässt. Das unterscheidet dann auch "Next Door" ganz erheblich von den meisten David Lynch-Filmen, die am Ende doch viel der Interpretation des Zuschauers überlassen, der sich damit eventuell überfordert fühlen könnte. Das dies hier nicht der Fall ist, macht diesen intensiven Psycho-Tripp extrem symphatisch, der einen von der ersten Minute an vollkommen in seinen Bann zieht und ganzzeitig für äusserst spannende Unterhaltung sorgt. Manch einer mag jetzt eventuell denken, das dies bei einer Laufzeit von gerade einmal knapp 73 Minuten nicht besonders schwerfallen dürfte, aber dennoch muss man es erst einmal hinbekommen, auch in einem so relativ kurzen Spielfilm für ganzzeitige Spannung und Faszination zu sorgen.

Und in dieser Beziehung kann man Regisseur Pal Stetaune nur ein ganz großes Lob aussprechen, was aber auch ganz generell für die gelungene Gesamt-Komposition anzuwenden ist. Das fängt schon bei der Location an, denn die Wohnung, in der sich ein Großteil der Geschichte abspielt ist ganz einfach riesig und hinterlässt beim Betrachter den Eindruck, das man sich in einer Art Labyrinth befindet, aus dem es anscheinend keinerlei Ausweg gibt, was den phasenweise verwirrenden Eindruck der Ereignisse noch einmal zusätzlich unterstreicht. Hinzu kommen die wirklich ganz ausgezeichnet agierenden Schauspieler, die für diese Geschichte absolut perfekt ausgewählt wurden und vor allem durch authentische und ausdrucksstarke Darstellungen zu einem insgesamt herausragenden Gesamteindruck beitragen. Und nicht zu vergessen ist da die Story an sich, die durch die gewählte Erzählstruktur vor allem in der ersten Hälfte für einige Verwirrungen sorgt, zum Ende hin jedoch die Geschehnisse aufklärt und den Zuschauer mit keinerlei Fragen zurücklässt.

So wird man nach der Ansicht dieses tollen Filmes mit einem absolut befriedigendem Eindruck zurückgelassen und muss feststellen, das man gerade einen erstklassigen Psycho-Tripp gesehen hat, der von der ersten bis zur letzten Minute mit einem äusserst straffen Spannungsbogen versehen ist und zudem auch in atmosphärischer Hinsicht vollkommen überzeugend daherkommt. Es passt einfach alles perfekt zueinander, die einzelnen Zahnräder greifen stimmig ineinander über und offerieren so letztendlich einen Film, den man unbedingt gesehen haben sollte.


Fazit:


Meiner Meinung nach handelt es sich bei "Next Door" um einen fiesen kleinen Psychothriller, den man ohne Probleme als echten Geheimtipp ansehen kann. Ein weiteres Beispiel dafür, das in Europa jede Menge erstklassige Filme produziert werden und innerhalb unseres Kontinents ist Skandinavien ganz sicher nicht die schlechteste Adresse. Wer äusserst intensive und intelligente Thriller zu schätzen weiss, sollte sich dieses Werk keinesfalls entgehen lassen.


9/10

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