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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Only God Forgives (2013)
BeitragVerfasst: 20. Nov 2013, 10:13 
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Produktionsland: Dänemark, Frankreich
Produktion: Johnny Andersen, Lene Børglum uva.
Erscheinungsjahr: 2013
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch: Nicolas Winding Refn
Kamera: Larry Smith
Schnitt: Matthew Newman
Spezialeffekte: Vitch 'Toon' Chavasit
Budget: ca. $4.800.000
Musik: Cliff Martinez
Länge: ca. 90 min
Freigabe: noch unbekannt
Darsteller: Ryan Gosling, Kristin Scott Thomas, Tom Burke, Yayaying, Vithaya Pansringarm, Byron Gibson, Gordon Brown, Sahajak Boonthanakit, Joe Cummings, Charlie Ruedpokanon, Oak Keerati


Inhalt:
Die Geschichte, um die es geht, ist schnell erzählt: Julian (Ryan Gosling) lebt in Thailand und betreibt dort einen Thai-Box-Club, der allerdings vor allem dazu dient, seine Drogengeschäfte zu kaschieren. Als sein Bruder nach der Vergewaltigung und dem grausamen Tod einer minderjährigen Prostituierte selbst vom Vater des Opfers ermordet wird, reist Crystal (Kristin Scott Thomas) nach Thailand und fordert ihren jüngeren ungeliebten Sohn Julian dazu auf, Rache zu üben für den Tod des großen Bruders. Auf seiner erzwungenen Suche nach Gerechtigkeit stößt Julian auf einen mächtigen Gegner, den kompromisslosen Polizisten Chang (Vithaya Pansringarm), der seine ganz eigenen Vorstellungen von Gerechtigkeit hat und diese buchstäblich mit dem Schwert durchsetzt.
(Quelle: Kino-Zeit.de eigene Inhaltsangabe folgt nach Sichtung)


www.youtube.com Video From : www.youtube.com


Meinung:

Nicolas Winding Refn und Ryan Gosling sind zurück. Nachdem das Duo mit Drive schon für Begeisterungsstürme gesorgt hat, schlagen sie nun mit Only God Forgives erneut zu. Doch was genau erwartet den geneigten Zuschauer hier? Können sie an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen oder haben die zahlreichen vernichtenden Kritiken vom Filmfestival in Cannes doch Recht?

Näheres zur Geschichte zu sagen, möchte ich mir an dieser Stelle direkt sparen. Nicht weil sie so schlecht ist oder gar langweilig, sondern weil der Film enorm davon profitiert, dass man so wenig wie möglich von ihm weiß. Ein kleines Detail kann man allerdings verraten und zwar, dass auch in Only God Forgives das zentrale Thema Rache ist, genauso wie in Drive. Allerdings hören hier die Gemeinsamkeiten der beiden Werke auch schon auf. Wo Drive noch auf einen guten Mix aus Romantik, Ehre, Beschützerinstinkt, Action und Gewalt setzte, fehlt dies bei OGF komplett. Dieser ist vielmehr ein Rachestück, welches allerdings zu keinem Zeitpunkt wirklich Stellung bezieht. Das heißt man weiß nie wer hier der Gute oder der Böse ist. In Drive waren die Rollen da viel klarer verteilt und man wusste von der ersten bis zur letzten Sekunde wer der Böse und wer der Gute ist.

Immer wieder merkt man hier deutlich, dass Drive viel mainstreamiger und massentauglicher war als sein Nachfolger. In Only God Forgives zeigt Winding Refn, das er Filme nicht für das breite Publikum machen will, sondern viel mehr für Fans des Arthouse Kinos. Besonders schön dabei ist, dass er seinen neusten Streich Alejandro Jodorowsky, welcher für Filme wie El Topo und Montana Sacra verantwortlich war, gewidmet hat. Dessen Filme waren ja auch alles andere als normal. Von der ersten Minute an merkt man dem Film an, dass er viel ruhiger und behäbiger agiert als Drive. Die Gesichter werden manchmal minutenlang eingefangen ohne sich jemals zu bewegen oder auch nur eine minimale Regung zu tätigen. Das verleiht dem Ganzen den Eindruck, man würde ein Standbild anschauen. Hierbei muss man sich besonders die Szenen in der Karaoke Bar vor Augen halten. Denn während der Polizeichef auf der Bühne steht und ein herzerwärmendes Lied nach dem anderen trällert, sieht man in den Gesichtern der Gäste absolut keine Regung. Wie versteinert sitzen sie auf ihren Platz und alles um den Zuschauer scheint still zu stehen.

Wo Winding Refn in Drive noch auf schnelle Action, markante Sprüche, sowie auf die schon angesprochen herzzerbrechende Story Wert gelegt hat, setzt er hier auf das genaue Gegenteil. Kaum Dialoge und wenn dann wird meistens nur auf thailändisch gesprochen. Wenn die Akteure dann doch miteinander kommunizieren, dann sieht man den Darstellern auch dabei keinerlei Gefühlsregung an, ein Highlight ist hier Ryan Gosling, der während dem kompletten Film wie ein Eisblock wirkt und das ist hier äußerst positiv. Man kann den Charakter des Julian nicht lesen, egal wie sehr man es probiert. Viel mehr sind hier die Taten aussagekräftiger als alles andere.

Darüber hinaus bleiben die Charaktere den ganzen Film über mysteriös und werden kaum näher beleuchtet. Wo Drive darauf gesetzt hat, dass man sich mit den Charakteren verbunden gefühlt hat, da entzieht einem Only God Forgives förmlich diese Grundlage. Man sucht Halt in dem Charakter des Julian nur um immer wieder abzurutschen und den Halt zu verlieren. Das mag sicherlich einige Leute abschrecken, da man eben den ganzen Film über auf der Suche nach einem Sinn und einem Haltepunkt ist. Für Fans des etwas anderen Films dürfte aber genau dies ein Punkt sein, den sie so oft in den großen Hollywoodproduktionen vermisst haben.

Only God Forgives hält einem zu keinem Zeitpunkt an der Hand oder erklärt vorab groß was als nächstes passieren wird. Immer wieder befindet man sich als Zuschauer in einer Situation in der man nicht so richtig weiß, wieso beispielsweise ein Mensch getötet wird, nur um im Nachhinein zu erfahren was bzw. wer dahinter steckt. Wo in Drive alles mit einem roten Faden verbunden war, reißt dieser in Only God Forgives nicht nur einmal ab, um dann nicht mehr aufgegriffen zu werden. Man muss den Film einfach erleben und den Kopf teilweise ausstellen, um die gewünschte Wirkung zu erhalten. Unterstützt wird das Ganze darüber hinaus von einer Farbgebung die dermaßen unwirklich und abseitig ist, dass es für Fans des Experimentellen Films ein wahrer Traum ist. Hinter jeder Ecke warten Neonfarben auf einen, Gesichter werden in blaues, rotes oder orangenes Licht getaucht und immer wieder sehen die Figuren Gesichter oder gar ganze Menschen, die entweder da sind oder aber auch nicht. Man weiß nie was wirklich passiert oder was nicht. Sind einzelne Figuren wirklich da, oder sind dies nur Sinnbilder für andere Charaktere. Die Tendenz zum Mindfuck, also Szenen die mit dem Kopf des Zuschauers spielen und ihn verwirren wollen, ist allgegenwertig, ein gutes Beispiel dafür ist die Szene als Julian eine Stripperin zu sich einlädt. Da man nicht zu viel von dem Film verraten sollte, muss jeder selber diesen Trip erleben und für sich selber eine Deutung finden.

Die Musik, welche wie in Drive auch von Cliff Martinez, erstellt wurde zeigt sich eher zurückhaltend. Wo sich in Drive zu dem Score auch noch ein paar richtige Songs gesellt haben, beschert einem der Score von Only God Forgives viel mehr eine sehr unterschwellige, fast unwirkliche Geräuschuntermalung, die für sich gesehen absolut überzeugen kann, aber sehr dezent eingesetzt wird. Lediglich die kurzen thailändischen Lieder, welche in der deutschen Fassung leider nicht übersetzt worden sind, bieten hier etwas Abwechslung. Gepaart mit den extremen Farben ergibt sich dadurch ein Audiovisueller Trip, der so für ein außergewöhnliches Erlebnis sorgen kann. Natürlich waren die Bild- und Tonkompositionen auch in Drive schon sehr gut, doch hier erreicht Winding Refn wirklich den nächsten Level. Alles ist unheilvoll, brutal und kalt. Die Nerven des Zuschauers sind angespannt und man weiß nie was als nächstes auf einen wartet. Wird der Film in eine Gewaltorgie explodieren oder passiert etwas, mit dem man nicht rechnet?

Apropos Gewalt, was Only God Forgives hier zeigt, oder viel mehr andeutet ist nicht gerade leichte Kost. Wo Drive zwar noch deutlich stärker drauf hält und einen wahrlich mit der Gewalt schockt, da eben während des gesamten Filmes eine romantische Grundstimmung vorherrscht, da hofft man in Only God Forgives förmlich drauf, dass das Ganze in einer Gewaltspitze endet. Doch diese bleibt immer wieder aus. Dafür bekommt man diese Szenen eben dann präsentiert, wenn man am wenigsten damit rechnet, wodurch sie einen noch viel stärken Eindruck hinterlassen als in Drive. Zwar hält der Film nicht immer voll drauf, aber wenn er es dann tut, sind die Ergebnisse meist dermaßen gut und extrem umgesetzt, dass man sich als Zuschauer nur fragend an den Kopf fassen kann, wie hier eine FSK 16 Freigabe vergeben werden konnte.

Fazit: Was ist Only God Forgives nun geworden. Ein Film, der einen zu keinem Zeitpunkt bei der Hand nimmt, einen immer wieder ins kalte Wasser wirft und eine Story verfolgt die nicht wirklich Sinn macht. Für all diejenigen, die solchen Filmen etwas abgewinnen können, ist Only God Forgives sicherlich empfehlenswert. Wer außergewöhnliche Filme mag, die sich nicht an Konventionen festhalten dürfte dieser Film vielleicht sogar eines der Highlights des Jahres sein. Wer allerdings einen Film wie Drive erwartet, der wird sicherlich enttäuscht werden. Dennoch schafft es die Kombo Winding Refn und Gosling auch hier wieder zu zeigen, warum man immer wieder mit ihnen rechnen muss und für mich ist dieser Film genau das geworden, was ich mir nach dem Trailer erwartet und erhofft habe. Ein Film der zeigt wozu das Medium Film gut ist. Ein Trip der ganz anders ist, als die ganzen Hollywoodfilme die man jedes Jahr zu tausenden um die Ohren geworfen bekommt.

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Cyberpunk Kaiju Experimentalworld

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 Betreff des Beitrags: Re: Only God Forgives (2013)
BeitragVerfasst: 24. Nov 2013, 12:04 
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Only God Forgives
(Only God Forgives)
mit Ryan Gosling, Kristin Scott Thomas, Vithaya Pansringarm, Gordon Brown, Yayaying Rhatha Phongam, Tom Burke, Sahajak Boonthanakit, Pitchawat Petchayahon, Charlie Ruedpokanon, Kowit Wattanakul, Wannisa Peungpa
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch: Nicolas Winding Refn
Kamera: Larry Smith
Musik: Cliff Martinez
FSK 16
Frankreich / Schweden / Thailand / USA /2013

Die ungleichen Brüder Julian (Ryan Gosling) und Billy (Tom Burke) leben in Bangkoks Rotlichtviertel inmitten von Luxus, Sex, Sünde und Verbrechen. Dreh- und Angelpunkt für ihre illegalen Geschäfte ist ihr Kickbox-Club. Der unbarmherzige Kopf des Familienkartells ist jedoch ihre unnahbare, schöne und erbarmungslose Mutter Crystal (Kristin Scott Thomas). Als Billy eine Frau tötet, sorgt ein selbsternannter Racheengel (Vithaya Pansringarm) auf seine ganz eigene Art für Gerechtigkeit und Billy bezahlt seine Tat mit dem Leben. Die trauernde Crystal sinnt auf Rache und schickt Julian auf eine blutige Jagd nach Vergeltung durch Bangkoks Unterwelt...


Nachdem das Gespann Nicolas Winding Refn und Ryan Gosling schon mit "Drive" einen riesigen Erfolg feierte liegt nun mit "Only God Forgives" das nächste Werk vor, in dem Regisseur und Hauptdarsteller zusammen arbeiten. Aufgrund der ziemlich eindeutigen Inhaltsangabe könnte man nun einen recht klassischen Rache-Thriller erwarten, doch was Refn hier in Szene gesetzt hat, lässt lediglich das Thema Rache im Vordergrund erkennen, sondert sich aber ansonsten von den üblichen Genre-Vertretern ab. Dies geschieht dann sogar auf eine doch ziemlich drastische Art und Weise, denn das Szenario lässt schon nach wenigen Minuten erkennen, das die üblichen Strukturen des Rache-Thrillers hier nicht greifen. So bekommt man im Prinzip eine Geschichte präsentiert die mehr Fragen aufwirft als das sie diese beantworten würde. Zudem offenbart sich eigentlich noch nicht einmal eine wirkliche Handlung, wodurch das Geschehen an etlichen Stellen eher verwirrend erscheint, aber gerade aus diesem Aspekt seinen ganz besonderen Reiz bezieht. Anstatt dem Zuschauer nämlich eine strukturierte Handlung zu präsentieren, setzt Refn in seinem Film auf visuelle Stärken und untermalt seine Erzählung mit einem äußerst kräftigen Farbenspiel, das größtenteils schon eine hypnotische Faszination auf den Betrachter ausübt. Dadurch entsteht eine Art Sog, die einen ganz automatisch immer tiefer in die Ereignisse hinein zieht und phasenweise überkommt einen dabei das Gefühl, das man nur schwerlich zwischen Realität und Fiktion unterscheiden kann. Die zu großen Teilen recht wild aneinander gefügten Bildfolgen suggerieren nämlich den Eindruck surrealer Passagen und diverse Schauplätze des Ganzen lassen sogar einen leicht futuristischen Anstrich, so das die ganze Chose stellenweise schon an Werke von David Lynch erinnert.

"Only God Forgives" ist ganz sicher ein Film, der sich jenseits jeglichen Mainstreams ansiedelt, zudem wird die hier gewählte Umsetzung des eigentlich klassischen Rache-Themas unter Garantie die Meinungen spalten. Manch einer wird wird dem Werk wahrscheinlich jegliche Klasse absprechen, wohingegen andere in der Geschichte Genialität erkennen werden. Auf jeden Fall aber handelt es sich hier um ein ästhetisch inszeniertes Kunstwerk, das in erster Linie durch die Kraft der gezeigten Bilder nachhaltig auf einen einwirkt und phasenweise mit einer unglaublichen Härte aufwartet, die auch visuell in etlichen Szenen zu erkennen ist. Ein weiteres hervorstechendes Merkmal sind sehr viele Einstellungen die vollkommen ohne Dialoge auskommen und so eine extrem beklemmende Grundstimmung auslösen, die man nur schwerlich in Worte fassen kann. Teilweise fühlt man sich vom vorherrschenden Schweigen regelrecht erschlagen und manche Stellen in der Geschichte erinnern dabei an einen zu erwartenden Showdown in einem Western, bei dem sich die Gegner schweigend gegenüber stehen. Dieser Punkt sorgt zwangsweise dafür das der Zuschauer im Prinzip durchgehend unter extremster Anspannung steht, erwartet man doch jederzeit, das im nächsten Moment die Entladung aufgestauter Wut und Aggressionen erfolgen kann. Refn sorgt so dafür das man seinen Blick nicht vom heimischen Bildschirm lösen kann, denn auch wenn es nicht immer sonderlich leicht fällt den Zusammenhängen zu folgen, möchte man keinesfalls auch nur eine Sekunde des hypnotischen Geschehens verpassen.

Der Name Ryan Gosling mag hier bei vielen Leuten eventuell große Hoffnungen auf eine herausragende Performance aufkommen lassen, doch der Charakter des sehr schweigsamen Julian nimmt hier meiner Meinung nach eine eher untergeordnete Rolle ein. Im Vordergrund stehen viel mehr der als selbsternannter Racheengel auftretende Vithaya Pansringarm und die glänzend agierende Kristin Scott Thomas, die als eiskalte Mutter eine herausragende Performance abliefert. Vithaya Pansringarm kristallisiert sich im Laufe der Zeit immer mehr als eigentliche Hauptfigur heraus, wobei der von ihm dargestellte Charakter keine großartigen Erklärungen erfährt, sondern eher undurchsichtig und dadurch äußerst geheimnisvoll dargestellt wird. Insbesondere in der zweiten Filmhälfte konzentriert sich das Szenario dann auf eine immer weiter eskalierende Gewaltspirale, wobei die Kamera größtenteils voll drauf hält und einem so manche derbe Einstellung liefert, die für eine 16er Freigabe nicht unbedingt selbstverständlich sind. Dabei entwickelt sich immer mehr ein von Brutalität strotzender Ablauf der Ereignisse, in dem sich nicht die üblichen Gruppen von Gut und Böse zu erkennen geben. Hier liegt nämlich der wohl größte Unterschied zu den üblichen Genre-Kollegen, denn "Only God Forgives" zeigt dem Betrachter fast ausschließlich Figuren, die keinerlei Sympathiewerte beim Betrachter aufkommen lassen. Dadurch entfaltet die Geschichte dann auch ihre ganz eigene Dynamik und wirft auch gleichzeitig die Frage auf, ob ein Mörder einer 16-Jährigen Prostituierten es überhaupt verdient hat, das jemand seinen Tod rächen würde. Diesen Punkt kann man jedoch gleichzeitig auf sämtliche Abläufe anwenden, denn nicht ein einziger Charakter der Story hinterlässt den Eindruck, das man sich auf seine Seite schlagen müsste, vielmehr entpuppt sich die immer stärker ausufernde Gewalt-Orgie als logische Folge diverser Ereignisse, die sich in der kriminellen Unterwelt abspielen. Lediglich Ryan Gosling lässt an einigen Stellen so etwas wie ein Gewissen erkennen, was man in mehreren seiner Taten erkennen kann, dennoch ist dieser Punkt keinesfalls ausreichend, um seine Figur als guten menschen zu bezeichnen.

Und so steht man zum Ende des Filmes vor dem Problem, das es gar nicht einmal so leicht fällt, das eben Gesehene auch richtig einzuordnen und zu bewerten. Manch einer wird das Werk sicherlich als visuell ästhetischen Schund abtun, wohingegen andere in "Only God Forgives" ein wahres Meisterwerk sehen werden. Wie dem aber auch sei, auf jeden Fall präsentiert sich hier der wohl außergewöhnlichste Film des Jahres, dem man eine gewisse Genialität kaum absprechen kann. Die teils surreal erscheinende Geschichte strahlt eine unglaubliche Faszination aus und es fällt extrem schwer, sich dieser auf irgendeine Art zu entziehen. Für mich persönlich stellt der Film ein kleines Meisterwerk dar, das einen durch seine hypnotische Wirkung in den Sog brutaler Ereignisse zieht, die im Prinzip keine wirkliche Handlung erkennen lassen, aber genau aus diesem Aspekt ihre ganze Kraft beziehen. Rache-und Sühne offenbaren sich als zentrale Thematik in einem vollkommen anderen Gewand, als wie man sie ansonsten offeriert bekommt und erlangen durch die unglaubliche Bildgewalt ein Höchstmaß an Intensität. Für Freunde klar strukturierter Geschichten dürfte der neu Film von Nicolas Winding Refn sicherlich keine gute Adresse sein, doch wer seine Freude an außergewöhnlich umgesetzten Geschichten hat, der kann bei "Only God Forgives" getrost darauf vertrauen, das er mit einem herausragenden Szenario belohnt wird.


Fazit:


"Only God Forgives" wirft die ansonsten üblichen Strukturen eines Rache-Thrillers gänzlich über Bord und geht vielmehr den Weg eines surreal erscheinenden Bilderrausches, der den Zuschauer in seinen hypnotischen Bann zieht. Hier gibt es nicht das gewohnte Gut gegen Böse, denn sämtliche Charaktere bewegen sich viel eher in einer Grauzone, wobei sich zu keiner Zeit wirkliche Sympathieträger erkennen lassen. Die teils verwirrend erzählte Geschichte mag nicht jedermanns Sache sein, hält einen jedoch bis zur letzten Einstellung bei Atem und hinterlässt dabei einen äußerst beklemmenden Eindruck.


10/10

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 Betreff des Beitrags: Re: Only God Forgives (2013)
BeitragVerfasst: 28. Dez 2013, 23:40 
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Eventuell waren die Erwartungen an diesen Film einfach zu hoch, div. Kritiken und eine Zusage an Anspruch und darstellerisches
Können weckten doch gesteigertes Interesse an diesem Werk.

Wahrscheinlich gibt es wieder auf die Mütze, aber was bitte war das ? Wo sind Aussagekraft, brilliantes Schauspiel oder
ein Anstoss zum eigenen Nachdenken ? Mein pers. Fazit: langatmig, wenig faszinierend und darstellerisch nur mittelmässig anspruchvoll;
der Hauptcharakter hatte exakt 2x Mimiken drauf (u. a. den berühmten Dackelblick den A. Paul bereits beim Highlander perfektionierte :D ).

Pluspunkte gibt es für Kameraarbeit und Ausleuchtung der Szenenbilder, wobei erstere eindeutig ein Faible für Blicke durch
Türen, Gänge und quadratische Formen aufweist. Dies mag ja angfangs als Schmankerl rüberkommen, bietet allerdings im Laufe
des Filmes auch kaum Abwechslung. Ständig beobachtet die Kamera, wie jemand durch das Bild schreitet, läuft oder rennt. Dialoge
sind sehr minimalistisch gestreut, was ja erstmal nichts negatives wäre, Grossteile an Gesprächen sind jedoch auf Thai, was das
Sehvergügen noch zusätzlich schmälert. Ewig verbleibt der Blick auf ausdruckslosen Gesichtern, Händen oder musikalischer Anbringung
von einem der Charaktere in einer Bar.

Bis auf die Mutter wirken die gezeichneten Charaktere leer und "egal" in ihren Handlungen oder Darstellungen, der Film schafft es nicht,
zu einem der Personen eine Beziehung aufzubauen. Die dünne Story gibt "Only God Forgives" dann den Rest.

Es gibt Filme, die ohne viele Worte, allein durch das Gezeigte etwas rüberbringen, den Zuschauer dazu anregen, den eigenen Verstand
einmal anzuschalten, zu hinterfragen - unabhängig, ob einem soetwas gefällt oder nicht; OGF gehört bei mir nicht dazu.

Tut mir leid, hier einigen auf den filmischen Schlips treten zu müssen, aber schönreden funktinierte irgendwie nicht, zu wenig
Substanz hat dieser Film, keinerlei Aussage. Er wirkt wie zu viel gewollt und zu wenig gekonnt, Ähnlichkeiten zu Enter the Void
o. ä. Arthousekino sind zu erkennen, erreichen aber nichteinmal ansatzweise deren Niveau.

4/10



... gespannt auf weitere Urteile der wehrten Userschaft

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I don't think runnning will save you.


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 Betreff des Beitrags: Re: Only God Forgives (2013)
BeitragVerfasst: 29. Dez 2013, 10:54 
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Du trittst sicherlich niemandem auf den Schlips und ich kann deine Sichtweise auch durchaus nachvollziehen. Gerade das macht dieses Werk aber so interessant und außergewöhnlich, das sicherlich auf jeden eine andere Wirkung hat.

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