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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Opera - Terror in der Oper (1987)
BeitragVerfasst: 1. Okt 2013, 23:34 
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O-Titel: Opera
Herstellungsland: I
Erscheinungsjahr: 1987
Darsteller: u. a. Cristina Marsillach, Ian Charleson, Urbano Barberini, Antonella Vitale, Daria Nicolodi, William McNamara, Coralina Cataldi-Tassoni, Barbara Cupisti, Antonino Iuorio, Carola Stagnaro, Francesca Cassola, Maurizio Garrone
Regie: Dario Argento
FSK: ungeprüft

Inhalt:


Eine Krähe ist zu sehen. In der Oper. Eine Gesangsprobe. Die Krähe nervt und eine Frau schmeißt ihren Schuh nach ihr. Vögel auf der Bühne? Wo sind wir hier eigentlich? Mara, die Hauptdarstellerin von Giuseppe Verdi's MacBeth ist empört und verlässt wutschnaubend die Probe und die Oper an sich. Draußen wird sie von einem Auto überfahren.

Betty erhät einen Anruf. Sie soll als Zweitbesetzung ihr Debüt als Lady MacBeth geben. Soll das ein Scherz sein? Sie macht sich Sorgen, dass sie noch nicht die Stimme dafür hat. Sie ist zu jung. Ihre Mutter wäre aber wohl Stolz auf sie gewesen.

Die Oper ist im Gange und es ist ziemlich gut gefüllt. Der Vorhang wird aufgezogen. Hinter den Kulissen herrscht hektisches Treiben. Betty wird für ihren auftritt drapiert. Doch jemand scheint durch die Oper zu schleichen, durch dunkle Gänge im Hintergrund. Die Person beobachtet das Geschehen von einer Empore aus. Er wird in der Ehrenloge von einem Techniker überrascht. Ein Scheinwerfer fällt nach unten. Betty wird abgelenkt, aber sie soll weiter singen. Der Techniker wird ermordet. Und Betty bekommt viel Applaus. Mara hingegen hat die Aufführung im Krankenbett mit angesehen, und ist verärgert darüber, dass sie dort nicht gesungen hat.

Nach der Oper. Berry geht in ihre Kabine und bekommt viel Lob für ihre Rolle von Giulia, der Gardobiere. Alan Santini steht vor ihrer Tür, ein Inspektor, auch wenn sie ihn erst für einen Fan gehalten hatte. Der Bühnen arbeiter ist ums Leben gekommen. Bettys Freund Stefano will sie noch mit auf eine Party nehmen. Ein Päkchen wird ihr gereicht - mit den besten Wünschen von Mara. Die Schachtel enthält ein Flakon, aber als sie die Flasche öffnet, riecht dies erbärmlich, so dass sie die Flüssigkeit entsorgt. Es hätte schließlich Säure oder etwas anderes darin enthalten sein können.

Ein Gang durch die abgelegenen Teile des Theaters. Eine schlafende Frau. Eine Hand in einem Handschuh zieht die Decke weg und elgt ihren nackten Körper frei. Ein MEsser wird gezogen. Der Frau werden die Hände gefesselt. Sie erwacht schreiend. In einem Koffer sind die Requisiten zu sehen.

Die Oper wird abgespielt - auf Video. Ein besonderes Augenmerk legt der Betrachter auf das Kostüm, welches Betty in ihrer Rolle getragen hat. Dann wird das Kostüm aus dem Lager entwendet. Mit einem Messer fährt der Täter an ihm entlang und fängt an es auseinander zu nehmen. Die Krähen werden dabei unruhig in ihren Käfigen. Sie schaffen es diese zu öffnen und sie fliegen quer durch den Raum und auch auf den Täter zu. Dieser kann drei der Krähen töten. Eine Säule fällt im Raum um und das Licht geht an. Der Täter verschwindet durch eine Tür und bleibt vorerst unentdeckt.

Betty und Stefano haben sich in das Haus seines Onkels zurückgezogen anstatt auf die Party zu gehen. Ihr Tächtelmächtel hat nicht geklappt, denn Betty ist nicht in Stimmung. Dann wird sie von hinten gepackt und an eine Säule gefesselt. Nadeln werden an ihre Augen angeklebt und der Mund wird verschlossen. Jetzt nur nicht die Augen schließen. Die Tür ist abgesperrt, so dass Stefano, der kurz zuvor den Raum verlassen hatte, die Tür mit Gewalt öffnen muss. Er sieht, dass seine Freundin gefesselt ist, aber als er sich ihr nähert, wird ihm eine Klinge erst in den Hals und dann in andere Körperstellen gerammt. Betty flüchtet, nachdem der unbekannte Täter sie wieder losgemacht hat, im Bademantel nach draußen in den Regen. Einen Münzfernsprecher benutzt sie um die Polizei zu rufen. Draußen trifft sie unerwartet den Produzenten der Show. Er fährt sie in seinem Wagen nach Hause.

Betty hat diese Dinge schon vorher in ihren Alpträumen erlebt. Es gab schon vorher einen Vorfall. Draußen hat er jemanden gesehen, doch als Betty aus dem Fenster sieht, ist die Straße leer. Der Produzent lässt sie allein, aber sie soll die Tür absperren. Das Telefon klingelt - wortlos aufgelegt.

In dem Haus von Stefanos Onkel werden blutige Federn von Krähen gefunden. Alan untersucht den Fall. Es soll Leute geben, die glauben, dass die Oper verflucht sei. Giulia wird beauftragt das Kostüm wieder zu reparieren. Jemand scheint noch in den Werkstätten zu sein. Bei der Untersuchung des Kostüms fällt auf, dass dort ein Anhänger mit enthalten ist, der nicht dazu gehört. Giulia sucht eine Lupe, mit der sie diesen Untersuchen kann, und als sie den Raum verlässt, wird Betty wieder gepackt, gefesselt und ihre Augen bearbeitet. Giulia erkennt eine Jahreszahlt und als sie zurück kommt, entdeckt sie die gefesselte Betty. Und auch den Killer hat sie entdeckt, denn diesem versucht sie sich zu entziehen. Aber er wirft ein Bügeleisen und bringt sie damit zu Fall. Er nimmt ihr das Medallion ab, doch sie kann sich aufrappeln und ihm das Bügeleisen auf den Kopf knallen, und die Kette wieder an sich bringen. Dann nimmt sie ihm die Maske ab, doch bevor sie Betty sagen kann, wer dahinter steckt, wird sie gewürgt und schlussendlich abgestochen. Bevor sie jedoch ganz weg ist, schafft sie es die Kette zu verschlucken. Der Mörder aber nimmt eine größeere Schere und öffnet Giulias Körper um es wieder heraus zu holen. Betty muss alles mit Ansehen. Er zeigt ihr die Kette im Anschluss und macht sie wieder los.

Auch tagsüber wird Betty von Gedanken daran verfolgt. Sie trifft Alan vor ihrer Wohnung. Er erkennt die Fesselmale an ihren Handgelenken. Sie soll sich einschließen und auf seinen Mitarbeiter Daniele Soave warten. In ihrer Wohnung behandelt sie gerade ihre Augen mit Augentropfen, so dass ihre Sicht stark eingeschränkt ist, als es an der Tür klingelt. Es ist der Mitarbeiter der Polizei, den sie in die Wohnung lässt. Es klingelt kurz darauf nochmals, und Mira wird eingelassen. Sie hat gerade unten mit Soave gesprochen. Aber dieser sitzt doch im Nebenraum. Als sie nachsieht, ist niemand da. Nur eine brennende Zigarette deutet noch auf die Anwesenheit von jemand anderem hin. Das Telefon steht in der Mitte des Wohnzimmers, aber Betty traut sich nicht die Polizei zu rufen. Die beiden Frauen verbarrikadieren sich deshalb in der Küche. Mira nimmt ein Küchenmesser als Verteidigungswaffe an sich. Sie sieht durch das Schlüsselloch. Der Mann geht durch die Wohnungstür und verschwindet. Betty und Mira wagen sich wieder hervor. Es klopft an der Tür. Daniele Soave. Er zeigt seine Marke. Und auch seine Waffe, doch Mira sieht zu lange durch den Türspion und wird durch diesen hindurch erschossen.

Alles ist dunkel und Betty schleicht sich durch ihre Wohnung. Dann kommt ein Mann ins Bild, und sie sticht auf ihn ein, doch er ist bereits zuvor tot gewesen. An seinem Ausweis erkennt sie, um wen es sich handelt - Soave. Sie nimmt die Waffe an sich, und als sie den Killer sieht, schießt sie auf ihn. In ihrem Rückzug öffnet sich der Lüftungsschacht und Alma, die Nachbarstochter, kommt ins Bild. Sie bringt Betty durch den Lüftungsschacht in ihr Zimmer, wo sie sich vor dem Killer verbergen können. Als sie jedoch dann nach unten gehen, wird sie von Almas Mutter vor die Tür gesetzt.

Gedanken schwirren Betty im Kopf herum. Sie sucht ein sicheres Plätzchen und geht deshalb wieder in die Oper. Auch der Produzent ist anwesend. Sie will sich ein wenig schlafen legen. Dann kommen die hinteren Räume wieder in Sicht. Betty träumt. Mira ist zu sehen. Und ein kleines Mädchen. Und sie lächeln sie an. Dann wacht sie wieder auf.

Ab hier Spolier!

Die Zuschauer sehen eine Aufführung. Betty steht mit einem Mann auf der Bühne. Plötzlich durchbricht der Käfig mit den Krähen das Fenster hinter ihnen und kommt auf der Bühne zum Liegen. Er ist offen, und die Krähen machen sich auf durch den Saal zu fliegen. Die Zuschauer werden unruhig und dann setzt ein Vogel zum Sturzluf auf Alan an, und hackt ihm ein Auge aus. Er schießt auf die Vögel und trifft dabei eine der Statisten auf der Bühne. Betty ist wieder in ihre Kabine geflüchtet. Alan aber bereits da und bedroht sie. Sie ist wie ihre Mutter. Er hat sie geliebt. Betty will er allerdings nicht töten. Sie will raus aus dem Raum, aber er bindet sie an einen Stuhl. Auch ihre Augen werden verbunden.

Er wird sich selbst verbrennen, weshalb er Benzin verteilt. Dann gibt er ihr eine Waffe. Sie soll ihn erschießen. Er hat schließlich ihre Mutter erwürgt, und entzündet dann das Benzin. Dann schießt Betty, aber nicht auf ihn sondern ihre Fesseln durch. Die Tür ist verschlossen, doch mithilfe eines Schlüssels, den sie aus dem verkohlten Körper angeln konnte, kann sie sich aus dem Raum befreien.

In einem Landhaus, irgendwo in den Bergen. Betty und ihr Produzent verbringen gemeinsame Zeit dort in der Abgeschiedenheit. Die Nachrichten berichten, dass Santini nicht verbrannt ist, sondern dass es sich um einen Tierkadaver handelte. Dann entdeckt der Produzent, dass seine Haushälterin getötet worden ist. Er ruft Betty draußen zu, dass sie laufen soll, udn das macht sie. Santini ist hinter ihr, doch der Produzent kann ihn zu Fall bringen. Alan kann aber auf ihn einstechen und er stirbt. Betty nimmt Alan am Arm. Sie ist genau wie ihre Mutter. Und sie müssen verschwinden. Doch dann nimmt sie einen Stein und schlägt ihn nieder, und die Polizei kommt aus dem Dickicht hervor und kann Savini festenehmen. Sie ist nicht wie ihre Mutter.

Wertung:


Schade. Ich hatte einen richtig großartigen Giallo erwartet, was zum einen an der allgemeinen Bewertung von Opera als auch an dem Qualitätssiegel "Dario Argento" liegt, doch ich wurde ein klein wenig enttäuscht, und das ist in der Handlung dieses Films begründet. Der Film ist spannend und hat eine entsprechende Atmosphäre, die ich von einem solchen Werk erwarte. Warum Alan aber diese Morde begeht und Betty dabei zusehen lässt, wird nicht richtig aufgeklärt. Er wurde von ihrer Mutter ebenso enttäuscht und behandelt, dass liefert aber nur eine sehr dünne und magere Begründung dafür, warum diese Morde verübt werden. Betty lässt er wahrscheinlich dabei zusehen, da er ihr das gleiche antuen wollte wie seine Mutter damals ihm. So weit so gut, aber warum immer die Nadeln an den Augen? Das ist die vielleicht bekannteste Szene des Films und reich physiologisch gesehen, kann Betty gar nicht genau erkennen, was passiert, denn Augen offenhalten ohne zu Blinzeln fördert nicht unbedingt die Wahrnehmung von weiter entfernten Dingen.

Dass als Setting eine Oper gewählt worden ist, hätte eigentlich gut sein müssen, aber die Umsetzung an sich ist dann doch etwas misraten. Warum hakt ein Rabe z. B. ausgerechnet Savini ein Auge aus? Weil sie nicht vergessen und er das Kostüm beschädigt hat? Vielleicht soll das ja die Erklärung sein, aber so richtig einleuchtend ist das nicht gerade. Auch weil er ja nur einer unter ganz vielen im Publikum ist. Warum ist er überhaupt im Publikum? Was hat er da zu suchen? Was hat es mit Soave auf sich, und wer war nun wer? Viele Fragen, die einem im Kopf rumspucken und die einfach nicht oder nur unzureichend beantwortet werden.

Die Atmosphäre ist allerdings exzellent, was nicht zuletzt an der glorreichen Musik liegt, die von der "Großen Callas" gesungen worden ist. Dabei gibt es häufig einen Wechsel zwischen klassischen und modernen Klängen, was insgesamt einen guten Eindruck macht. Die Schauspieler sind dagegen weniger glorreich. Einzig Betty kann aus meiner Sicht eine guter Vorstellung geben, aber alle anderen haben einfach zu wenig Entfaltungsmöglichkeiten. Mit Savini hätte man etwas ausführlicher umgehen können, aber da viele Szenen aus der Ich-Perspektive gedreht worden sind, kann vieles auch nicht richtig zum Ausdruck gebracht werden. Am Rande sei hier nur erwähnt, dass Michele Soavi hier eine Gastrolle als Soave hat. Die Kameraarbeit dagegen ist wiederum sehr gut, was gerade in Ich-Perspektiven als auch an der Vogelperspektive über den Zuschauern deutlich wird. Auch die Bildqualität kann hier durchaus überzeugen.

An Gore gibt es hier zwar das ein oder andere zu sehen, allerdings ist dies für den Film selbst eher nebensächlich. Die Effekte sind recht brutal ausgefallen und können absolut überzeugen. Lediglich die "Kettenverschluckszene" wirkt ein wenig gestellt und sehr künstlich.

Als Veröffentlichung ist es trotzdem schade, dass es bisher keine "einfache" Veröffentlichung gibt. Lediglich in 2 Hartboxen jeweils von X-Rated als auch von '84 ist dieser Film in einer Gesamtzahl von 1000 Stück in seiner ungeschnittenen Fassung erhältlich, weshalb er auch einen entsprechenden Preis hat.

Alles in Allem ist Opera ein Giallo, der nicht mit anderen Vertretern seiner Zunft mithalten kann. Es gibt schlechtere, aber es gibt auch zahlreiche bessere Gialli. Vielleicht liegt es an der eher späten Verfilmung für einen Giallo. Und auch Dario Argento selbst hat schon viele viele bessere Werke auf den Weg gebracht. Dabei kann man hier natürlich den Vergleich zu "Profondo Rosso - Die Farbe des Todes" ziehen als auch zu seinem Überwerk "Suspiria". Profondo Rosso ist in etwas gleichwertig, wobei hier die musikalische Untermalung zu einer geringen Aufwertung von "Opera" führt. An "Suspiria", auch wenn es sich in keinster Weise um einen Giallo handelt, kann "Opera" einfach nicht heran ragen. Mit "The Stendhal Syndrome" ist ihm erst wieder in den 90ern ein großartiger Giallo gelungen, der aber entsprechend viele Mystery-Elemtente enthält. Für "Opera" gibt es hier aus all den genannten Gründen leider nur 07/10 Punkten.

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Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


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 Betreff des Beitrags: Re: Opera - Terror in der Oper (1987)
BeitragVerfasst: 6. Okt 2013, 16:36 
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Ein älterer Kurzkommentar:


Das ist sicherlich einer der allerbesten Filme von Dario Argento .Leider gibt es die Uncut Version lediglich als Bootleg, einige Passagen sind in englisch und nicht untertitelt. Die Bildqualität ist aber sehr gut.Die Story ist sehr gut und wird sehr flüssig und interessant erzählt. Atmosphärisch ist der Film extrem dicht, man kann die Bedrohlichkeit förmlich spüren. Auf den Zuschauer wirkt der Film die gesamte Zeit über sehr faszinierend, man taucht richtiggehend in die Geschichte ein und kann sich ihrer Faszination kaum entziehen.

In Sachen Spannung kann "Opera" meiner Meinung nach vollends überzeugen, die Spannung bewegt sich den gesamten Film über auf einem sehr hohen Level, so das hier keinerlei Langeweile aufkommt. Argento ist es mit diesem Film einmal mehr gelungen, die Zuschauer zu bannen und faszinieren.Die Darsteller sind sehr gut und spielen ihre Rollen sehr gut und überzeugend. Auch die Musik im Film ist genial, vor allem der ständige Wechsel zwischen Klassik und Rock gibt dem Film noch eine ganz besondere Note. Als Fan dieser italienischen Klassiker darf man sich diesen tollen und farbenprächtigen Film auf keinen Fall durch die Finger gehen lassen.


8,5/10

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 Betreff des Beitrags: Re: Opera - Terror in der Oper (1987)
BeitragVerfasst: 27. Nov 2015, 13:02 
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Terror in der Oper
(Opera)
mit Cristina Marsillach, Ian Charleson, Urbano Barberini, Daria Nicolodi, Coralina Cataldi-Tassoni, Antonella Vitale, William McNamara, Barbara Cupisti, Antonino Iuorio, Carola Stagnaro, Francesca Cassola, Maurizio Garrone
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento / Franco Ferrini
Kamera: Ronnie Taylor
Musik: Brian Eno / Roger Eno / Steel Grave / Claudio Simonetti / Bill Wyman
FSK 16
Italien / 1987

Nachdem sein weiblicher Star in einen schweren Unfall verwickelt wurde, findet der junge Horrorregisseur Marco für seine Operninszenierung von Verdis „Macbeth“ in der jungen Betty den perfekten Ersatz. Doch auf der Oper scheint ein Fluch zu Lasten: Ein unheimlicher Killer macht Jagd auf die Beteiligten und zieht mit bestialischen Morden seine Kreise immer enger um das Objekt seiner Begierde: Die neue Diva der La Scala.


Knapp drei Jahrzehnte mussten ins Land gehen, bis man diesen großartigen Beitrag von Altmeister Dario Argento nun endlich in einer wirklich würdigen Veröffentlichung begutachten kann. Das lange Warten hat sich aber wirklich gelohnt, denn das Mediabook von Koch Media ist wie eigentlich immer sehr gelungen, so das man diesen grandiosen Beitrag nun auch in exzellenter Bildqualität genießen darf. Komischerweise zählt "Opera" zu den Filmen Argento's, die bei erstaunlich vielen Leuten einen recht zwiespältigen Eindruck hinterlassen, was ich persönlich nicht so ganz nachvollziehen kann. Zugegebenermaßen ist das vorliegende Drehbuch vielleicht nicht das beste seiner Art, aber insbesondere die visuelle Umsetzung der Erzählung ist über jeden Zweifel erhaben. Streckenweise beinhaltet das Ganze dann sogar einen leicht bizarren Anstrich, kommt aber in erster Linie mit unglaublich ästhetischen Bildern daher und überzeugt durch die immer wieder brillanten Kamerafahrten, die dem Geschehen einverleibt wurden.

"Opera" wird des Öfteren als Gialli bezeichnet, wobei diese Genre Einordnung wohl kaum zutreffen dürfte. Sicherlich sind gewisse Elemente des italienischen Gialli durchaus zu erkennen, doch im Grunde genommen handelt es sich um einen waschechten Slasher, der auch mit mehreren selbst für die heutige Zeit recht derben Passagen bestückt ist. Umso erfreulicher erscheint da der Aspekt, das dieses Werk nun ungeschnitten mit einer 16er Freigabe ausgestattet wurde, denn für diese Alterseinstufung bekommt der Betrachter mehrere richtig harte und blutige Einstellungen geboten. So dürften dann selbst die Liebhaber der etwas härteren Gangart durchaus auf ihre Kosten kommen, denn Argento war in Sachen Blut und härte wirklich nicht gerade geizig. Da kann man dann auch gern einmal darüber hinweg sehen das die Abläufe nicht durchgehend absolut logisch erscheinen, wobei aber im Prinzip auch die einzige kleine Schwäche dieses ansonsten extrem stimmigen Werkes aufgezählt ist.

Ansonsten gibt es nämlich nichts zu meckern, präsentiert sich doch ein teilweise farbenprächtiger Bilderrausch, der den Betrachter mit einem grandiosen Soundtrack attackiert. Dabei entsteht ein nahezu genialer Mix aus klassischer Opernmusik und kräftigen Metal Klängen, wobei Letztere absolut stimmig den teils brachialen Slasher Elementen zugeordnet wurden. So entsteht dann auch ein äußerst stimmiger Gesamteindruck, der insbesondere durch die vorherrschende Atmosphäre untermalt wird. Die herausragende Grundstimmung der Geschehnisse gibt sich dabei von der ersten bis zur letzten Minute zu erkennen und es ist so gut wie unmöglich, sich der manchmal fast schon hypnotischen Wirkung dieses Filmes zu entziehen. Fast ist es so, als wenn man in einen sogartigen Strudel gezogen wird, aus dem es anscheinend kein Entkommen gibt. Immer tiefer taucht man in eine Welt ein, in der Schönheit und Brutalität so dermaßen nahe beieinander liegen, das die Grenzen absolut fließend sind.

Eine Besonderheit des Szenarios ist ganz sicher auch die spürbare Emotionslosigkeit der Protagonisten, wobei an dieser Stelle ganz besonders Hauptfigur Betty zu nennen ist. Die junge Frau scheint an einer kaum erklärbaren Gefühlskälte zu leiden, auf die sich der Zuschauer keinen richtigen Reim machen kann. Erst mit zunehmender Laufzeit und durch diverse Rückblenden löst sich das Rätsel ein wenig, wobei Argento bis zum Ende keine vollständige Aufklärung dafür anbietet, sondern vielmehr genügend Spielraum für eigene Interpretationen lässt. Das mag nicht jedem gefallen, verleiht dem Ganzen allerdings eine ganz eigene Würze, zumal man sich aufgrund des letzten Drittels der Geschichte die Zusammenhänge für diesen Umstand auf jeden Fall erklären kann. Und so bietet "Opera" letztendlich absolut sehenswerte und vor allem spannende Filmkost, in der sowohl die Identität des Killers wie auch dessen Motive für die Morde lange Zeit im Dunkeln bleiben. Im Zusammenspiel mit der herausragenden Atmosphäre, den tollen Schauplätzen und der brillanten musikalischen Untermalung ergibt sich also ein Gesamtpaket, das man im Prinzip nur als absolut berauschend bezeichnen kann.


Fazit:


Es dürfte extrem schwer fallen sich der hypnotischen Faszination dieses Filmes zu verweigern, denn Argento hat mit diesem Beitrag ein teils bizarres Meisterwerk geschaffen, das in seinem filmischen Schaffen ganz weit oben angesiedelt ist. Natürlich sieht das nicht jeder so, aber "Opera" ist meiner persönlichen Meinung nach definitiv zu den Klassikern des Altmeisters zu zählen.


9/10


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