Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Proxy (2013)
BeitragVerfasst: 26. Sep 2014, 13:10 
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Proxy
(Proxy)
mit Joe Swanberg, Kristina Klebe, Alexa Havins, Alexia Rasmussen, Erika Hoveland, Shayla Hardy, Kitsie Duncan, Jim Dougherty, Adam Stephenson, Faust Checho, Jason Dixie, Bruce Spielbauer, Erica Stikeleather
Regie: Zack Parker
Drehbuch: Zack Parker / Kevin Donner
Kamera: Jim Timperman
Musik: The Newton Brothers
keine Jugendfreigabe
USA / 2013

Für Esther war es ein Schock: Kurz vor der Geburt ihres Kindes wurde sie nach einem Arztbesuch auf dem Heimweg ohne Vorwarnung von einem vermummten Unbekannten niedergeschlagen. Als sie im Krankenhaus erwacht ist ihr ungeborenes Kind tot. Seelische Unterstützung findet sie in einer Selbsthilfegruppe, wo sie Melanie kennen lernt, die einen ähnlichen Schicksalsschlag hinnehmen musste. Doch die scheinbar heile Fassade ihrer neuen Freundin beginnt allmählich zu bröckeln. Durch Zufall findet Esther heraus, dass Melanies Kind sehr wohl noch am Leben ist und sie die ganze Zeit belogen wurde. Esther trifft eine folgenschwere Entscheidung.


Immer wieder trifft man in regelmäßigen Abständen auf Filme, die einem von der ersten Minute an ein ziemlich flaues Gefühl in der Magengegend bescheren. Zack Parker's Thriller "Proxy" zählt ganz eindeutig zu dieser Kategorie, wobei man definitiv eine Menge Geduld aufbringen muss, bis man dieses Gefühl auch wirklich begründen kann. Die Geschichte braucht nämlich eine geraume Zeit bevor man die Zusammenhänge erkennen kann und so bleiben die meisten Ereignisse zunächst auch ineinander verschachtelt, bevor sich der Zuschauer einen Reim auf die Geschehnisse machen kann. Parker versteht es dabei gekonnt mit mysteriös erscheinenden Puzzle-Teilchen die Neugier des Betrachters zu entfachen und der in der Inhaltsangabe beschriebene Plot deutet dabei nur einen Teil des Szenarios an, das erst in den letzten Minuten eine endgültige Lösung der teils ominösen Abläufe offenbart. Trotz einer Laufzeit von gut 118 Minuten erscheint der Film dabei zu keiner Zeit langweilig und benötigt auch durchaus diese Laufzeit, um die gesamte Intensität der Geschichte freizusetzen, in der sich alles um Aufmerksamkeit, psychotische Charaktere und verschobene Realitäten dreht.

Gleich zu beginn wird man dabei mit einem recht heftigen Einstieg bedient, denn der Überfall auf die schwangere Esther ist nicht von schlechten Eltern und versetzt einem auch visuell sofort den ersten Tiefschlag in die Eingeweide. Umso erstaunter ist man danach über die scheinbar teilnahmslose junge Frau, die irgendwie seltsam auf die Ereignisse reagiert und einen teilweise apathischen Eindruck hinterlässt. Erst im Laufe der Zeit wird dieses Verhalten erklärt und der Regisseur setzt dabei auf diverse gelungene Wendungen innerhalb der Story, die einen selbst jedoch phasenweise fast schon in eine Art Schockzustand versetzen. Es ergeben sich nämlich immer mehr Fakten die in eine ganz besondere Richtung deuten, wobei der eigene Verstand sich am liebsten weigern möchte die schreckliche Wahrheit zu akzeptieren. Ganz generell bedient man sich hier des erstklassigen Schauspiels der Akteure um die Ereignisse mit einer Intensität zu versehen, die sich wie ein bleierner Mantel auf die Schultern des Zuschauers legt. Die wenigen Hauptfiguren liefern durch die Bank erstklassige Performances ab, wobei das Szenario sich in der ersten Hälfte des Filmes hauptsächlich auf Esther fokussiert, um danach durch ein heftiges Break die Aufmerksamkeit auf die Person von Melanie zu legen, die im ersten teil noch eher eine Nebenrolle einnimmt.

Hat "Proxy" bis zu diesem Zeitpunkt schon einen äußerst heftigen Eindruck hinterlassen, so verstärkt sich dieser nun noch weiter. Denn auch wenn das Rätsel um den ominösen Überfall mittlerweile gelüftet ist bleiben noch genügend Ungereimtheiten, die sich um die Person der Melanie ranken. Zwar kann man schon zu diesem Zeitpunkt diverse Überlegungen anstellen, doch eine endgültige Bestätigung der eigenen Vorahnungen präsentiert Parker erst ganz am Ende seiner Geschichte, die bis dahin immer weiter mit überraschenden Wendungen daher kommt. Ohne großartige visuelle Gewaltdarstellungen und übersteigerten Aktionismus gestaltet sich die Erzähl-Struktur des Ganzen dabei eher ruhig, was für die Wirkung auf den Betrachter ungemein wichtig ist. Nur so kann man nämlich immer tiefer in eine Welt eintauchen, in der sich anscheinend alles um Neurosen, falsche Wahrnehmungen und extreme Aufmerksamkeits-Defizite dreht, die vom Regisseur immer intensiver in den Vordergrund gerückt werden. Man selbst schwankt dabei immer wieder zwischen Mitleid-und Unverständnis für die wenigen Hauptfiguren, denn die Ereignisse schaffen es immer wieder einen emotionalen Widerspruch beim Betrachter auszulösen, der einem regelrecht unter die Haut kriecht.

Genau dieser Aspekt ist es dann auch der einen Thriller wie "Proxy" zu etwas ganz Besonderem macht und diesen Film sollte man sich auch keinesfalls so nebenbei anschauen. Diese Geschichte fordert die ungeteilte Aufmerksamkeit eines jeden Einzelnen, denn ansonsten wird das Geschehen kaum die vom Regisseur erhoffte Wirkung erzielen. Zudem sollte man auch eine Menge Geduld mitbringen, denn bevor sich die einzelnen Puzzle-Teilchen in einem Gesamt-Zusammenhang offenbaren vergeht eine geraume Weile. Dafür wird man jedoch letztendlich mit einem äußerst beeindruckenden Film-Erlebnis belohnt, das hauptsächlich von der Ausdrucksstärke seiner Darsteller lebt, die allesamt einen mehr als überzeugenden Eindruck hinterlassen.


Fazit:


"Proxy" ist nicht leicht zu verdauen und stellt auch bestimmt alles andere als den typischen Mainstream dar. Vielmehr handelt es sich um einen außergewöhnlich intensiven Thriller mit einer ruhigen Erzählung, die dabei die heftigsten Reaktionen beim Zuschauer auslöst. Man sollte sich dieses Werk auf jeden Fall anschauen um sich selbst ein Bild davon zu machen, wie intensiv das Gesehene auf einen selbst wirkt.


8/10


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