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 Betreff des Beitrags: Roter Drache (2002)
BeitragVerfasst: 16. Nov 2013, 13:29 
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Roter Drache
(Red Dragon)
mit Anthony Hopkins, Edward Norton, Ralph Fiennes, Harvey Keitel, Emily Watson, Mary-Louise Parker, Philip Seymour Hoffman, Anthony Heald, Ken Leung, Frankie Faison, Tyler Patrick Jones, Lalo Schifrin, Tim Wheater
Regie: Brett Ratner
Drehbuch: Thomas Harris / Ted Tally
Kamera: Dante Spinotti
Musik: Danny Elfman
FSK 16
Deutschland / USA / 2002

Bei der Festnahme des gefährlichen Psychopathen und Massenmörders Hannibal "The Cannibal" Lecter entgeht FBI-Agent Will Graham nur knapp dem Tod. Grund genug für ihn, den Dienst zu quittieren. Doch schon nach kurzer Zeit ist das FBI erneut auf seine Hilfe angewiesen. Ein Serienkiller, der in Vollmondnächten schlafende Familien heimsucht, hinterlässt eine grauenhafte Spur des Schreckens. Graham nimmt den Auftrag an und versucht sich in die Psyche des Killers, der nur die Zahnfee genannt wird, hineinzuversetzen. Dabei ist er auf die Hilfe eines ähnlich genialen und gestörten Geistes in Form von Hannibal Lecter angewiesen. Doch dieser verfolgt seine eigenen Pläne...


Manchmal braucht es erst einer Neuauflage damit gewisse Geschichten den Zuspruch erhalten, den sie aufgrund ihrer vorhandenen Klasse auch verdient haben. Ähnlich verhält es sich auch mit diesem auf einem Roman von Thomas Harris basierenden Romans, der gleichzeitig den Beginn der Trilogie um die Figur des Kannibalen Hannibal Lecter darstellt, der in den Verfilmungen der jeweiligen Bücher durch Anthony Hopkins und sein brillantes Schauspiel Berühmtheit erlangte. "Roter Drache" wurde dabei jedoch als letzter Film gedreht und ist die Neuauflage des 1986 erschienenen "Blutmond" von Michael Mann, der eigentlich unverständlicherweise an den Kinokassen ziemlich floppte. Vergleicht man jedoch das Original mit vorliegenden Film dann muss man feststellen, das die Version mit Edward Norton und Anthony Hopkins durchaus die bessere Wahl ist, auch wenn das Original keineswegs so schlecht ist, wie manche Kritiken es vermuten lassen. Mann's Werk wirkt allerdings ein wenig sperrig und hat seine Defizite vor allem in der Darsteller-Riege. Vorliegender Film von Brett Ratner hingegen ist insbesondere in den Hauptrollen absolut perfekt besetzt, denn mit Hopkins, Norton und auch Harvey Keitel sind drei absolute Könner ihres Fachs unterwegs, die den von ihnen dargestellten Figuren eine unglaubliche Präsenz verleihen. Vergessen sollte man allerdings auch keinesfalls Ralph Fiennes, der als Serienkiller weitaus überzeugender daher kommt als es bei Tom Noonan 1986 der Fall war.

Ganz generell präsentiert sich hier eine gelungenere Erzählweise der Geschehnisse und "Roter Drache" ist wirklich sehr nah an der literarischen Vorlage. Ähnlich wie in "Das Schweigen der Lämmer" lässt die Geschichte genügend Platz für die Beziehung zwischen dem ermittelnden FBI-Agenten und dem inhaftierten Hannibal Lecter, wobei dieser Aspekt nicht ganz so viel Platz einnimmt wie im zweiten Teil der Trilogie. Dennoch sind in den entsprechenden Passagen definitiv Höhepunkte dieses Thrillers zu erkennen, denn die zwischen Norton und Hopkins stattfindenden Dialoge zeugen von hoher Qualität, zudem wird das Ganze durch absolut brillantes Schauspiel noch zusätzlich aufgewertet. Dennoch erreicht der Film nicht den ganz hohen Standard des Nachfolgers, zählt aber definitiv zu der Gruppe erstklassiger Thriller, die ohne explizite Gewaltdarstellungen trotzdem dazu in der Lage sind, einen immensen Härtegrad in der Fantasie des Betrachters zu entfachen. Dieser entsteht allein durch die Schilderungen der FBI-Agenten, wie es zu den grausamen Morden an zwei Familien gekommen sein muss und was der Tätern seinen Opfern angetan hat. Dadurch versucht man ganz automatisch sich das Szenario vorzustellen, was einmal mehr viel härter erscheint, als wenn man das Ganze durch diverse Splatter-Gore Einlagen ins Bild gesetzt hätte.

Am interessantesten ist jedoch meiner Meinung nach der Aspekt der Denkweisen von Ermittlern und Tätern, wobei wir automatisch wieder bei Norton und Hopkins ankommen. Für uns Laien präsentieren sich hier Gedankengänge die in unseren Köpfen wohl eher schwerlich zustande kommen würden und man bemerkt einmal mehr, wie kompliziert gerade die Arbeit der sogenannten Profiler und anderer Spezialisten sein muss, um Serienmördern auf die Schliche zu kommen. Andererseits stellt man sich auch die Frage, wie die Ermittler ein möglichst normales Leben führen können, wenn sie Tag für Tag mit den Abgründen der menschlichen Seele konfrontiert werden, ohne selbst Schaden daran zu nehmen. Diese Punkte kommen in "Roter Drache" sehr gut zum Vorschein, gleichzeitig wird einem zudem vor Augen geführt, wie sehr die zuständigen Ermittler selbst von den Killern bedroht sind und um ihr eigenes, sowie das Leben ihrer Familien fürchten müssen. Brett Ratner hat hier sehr viel Einfühlungsvermögen bewiesen und neben der von Haus aus unglaublich spannenden Geschichte auch die menschlichen Aspekte beleuchtet, was in der Summe ein äußerst stimmigen Gesamtpaket ergibt, das man sich immer wieder gern anschaut.

Im Endeffekt zählt "Roter Drache" sicherlich zu den Thrillern, die auf jeden Fall im oberen Drittel des Genres einzuordnen sind. Eine Geschichte die nahe an der literarischen Vorlage angelehnt ist, sehr viel Spannung und grandioses Schauspiel der Akteure sorgen für beste Thriller-Kost. Doch obwohl der Film eigentlich alle Zutaten beinhaltet kommt er nicht an die Klasse eines "Das Schweigen der Lämmer" heran, der definitiv der mit Abstand beste Film der Hannibal Lecter Reihe ist, doch das wird dann an anderer Stelle besprochen. Und obwohl Ratner die bessere Version kreiert hat, sollte man sich auch das Original von Michael Mann einmal anschauen, um einen wirklichen Vergleich ziehen zu können und sich letztendlich für seinen persönlichen Favoriten zu entscheiden.


Fazit:


"Roter Drache" ist ein überdurchschnittlich guter Thriller mit Serienkiller-Thematik, der den Zuschauer vor allem durch seine glänzend agierenden Hauptdarsteller in seinen Bann zieht. Der Film ist nahezu ein Paradebeispiel dafür, wie sehr die Wirkung einer Geschichte doch von den agierenden Schauspielern beeinflusst werden kann. In diesem Punkt liegt auch der größte Unterschied zum Original "Blutmond", das trotz eines überzeugenden William Petersen nicht an die Qualität des vorliegenden Werkes heran kommt.


8/10

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