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 Betreff des Beitrags: Sicario (2015)
BeitragVerfasst: 23. Feb 2016, 18:37 
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Sicario
(Sicario)
mit Emily Blunt, Benicio Del Toro, Josh Brolin, Victor Garber, Jon Bernthal, Daniel Kaluuya, Jeffrey Donovan, Raoul Max Trujillo, Julio Cedillo, Hank Rogerson, Bernardo P. Saracino, Maximiliano Hernández, Kevin Wiggins
Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Taylor Sheridan
Kamera: Roger Deakins
Musik: Jóhann Jóhannsson
FSK 16
USA / 2015

Die FBI-Agentin Kate aus Arizona wird von ihren Vorgesetzten zu einer Mission abgestellt, in der ein mexikanisches Drogenkartell durch das Unterbrechen des Geldflusses zu einem Verbindungsmann nervös gemacht werden soll. Über die wahren Direktiven wird sie von dem mysteriösen Matt allerdings im Unklaren gelassen. Nachdem es Matts Vollstrecker Alejandro gelingt, von einem großen Tier des Kartells die Schmuggelroute von Mexiko in die USA zu erfahren, geht der Einsatz in einem langen versteckten Tunnel in die heiße Phase über.


Mit "Sicario" präsentiert der Kanadier Denis Villeneuve seinen neuesten Film und legt damit gleichzeitig einen der besten und intensivsten Actionthriller der letzten Jahre vor, der sich mit einer immer aktuellen und brisanten Thematik beschäftigt. Im Focus steht nämlich einmal mehr der schier aussichtslose Kampf gegen die Drogenkartelle, wobei sich die Geschichte in der Hauptsache damit beschäftigt, wie man wohl am besten an die ganz großen Fische an der Spitze der Organisationen heran kommen kann. Villeneuve setzt dabei auf starke und unbequeme Charaktere, was dem Ganzen insgesamt gesehen einen äußerst glaubwürdigen Anstrich verleiht. Als eigentliche Hauptfigur dient erstaunlicherweise eine Frau, denn die junge FBI-Agentin Kate wird innerhalb des Szenarios durchaus als Sympathieträgerin aufgebaut, die aufgrund ihrer idealistischen Berufseinstellung die hier geschilderten Abläufe jederzeit hinterfragt. Als Mitglied einer Task Force muss sie nämlich mit ansehen, wie sich eine geplante Aktion gegen die Kartelle vollkommen anders entwickelt, als wie es ihr zu Beginn noch vermittelt wird. Die Angaben ihrer Vorgesetzten sind aber ganz generell eher schwammig und die Gründe dafür werden mit zunehmender Laufzeit auch immer klarer. Das Team startet nämlich alles andere als legale Aktionen und so wird der Zuschauer auch schon relativ frühzeitig mit den Grenzen der Moral konfrontiert. Stellt sich doch den ganzen Film über die ständige Frage wie weit man gehen würde, um das angestrebte Ziel auch wirklich zu erreichen. Dabei wird man mit kompromisslosen und stellenweise harten Bildern konfrontiert, denn sämtliche Taten der Task Force stellen sich als höchst illegal heraus und lassen durchgehend den Eindruck enstehen, das der Zweck letztendlich die Mittel heiligt.

Einerseits führt das zu einem gewissen Zwiespalt, doch wenn man auf der anderen Seite die Methoden der Kartelle sieht, ensteht recht schnell eine völlig andere Betrachtungsweise der Dinge. Man begibt sich quasi auf das gleiche Niveau der Drogenbarone und versucht diese mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen, was insbesondere bei der jungen Kate auf wenig Gegenliebe stößt. Als einzige Frau des Teams werden ihre Bedenken aber nicht ernst genommen, zudem erhält die junge Frau auch nur spärliche Informationen über den Einsatz und die wichtigsten Fakten werden vor ihr geheim gehalten. An dieser Stelle kommt dann auch Benicio Del Toro verstärkt in den Vordergrund, denn der von ihm dargestellte Charakter Alejandro ist von der ersten Minute an extrem undurchsichtig. Am Anfang noch wie ein eher schweigsamer Einzelgänger auftretend, kommt seiner Figur mit zunehmender Laufzeit immer mehr Bedeutung zu. Die dritte wichtige Figur wird von Josh Brolin dargestellt, der innerhalb des Teams den zynischen Vorgesetzten von Kate interpretiert. Obwohl "Sicario" bis in die kleinsten Nebenrollen nahezu perfekt besetzt ist, prägen die drei Hauptcharaktere doch ganz eindeutig das Geschehen und drücken dem Gesamtbild dabei auch einen ganz eigenen Stempel auf. Das an den Tag gelegte Schauspiel ist absolut grandios und wirkt jederzeit absolut authentisch, was dem gewonnenen Gesamteindruck äußerst gut zu Gesicht steht.

Um die Kompromisslosigkeit seiner Geschichte noch zusätzlich zu unterstreichen, hat Villeneuve die Ereignisse auch noch mit diversen Gewaltspitzen angereichert. Dabei präsentiert sich das Szenario aber keinesfalls als Action Spektakel, denn die entsprechenden Passagen sind insgesamt sehr gut über die gesamte Laufzeit verteilt worden. Die eigentliche Härte dieses Filmes entsteht vielmehr durch die Überschreitung der Grenzen zwischen Legalität und den stattfindenden illegalen Aktionen. Als Zuschauer ist man dabei regelrecht hin und her gerissen, denn auch wenn man die Handlungen am liebsten verteufeln möchte muss man sich doch eingestehen, das anscheinend nur auf diesem Weg der wirkliche Erfolg eingefahren werden kann. Dieser Aspekt macht aber der Hauptdarstellerin extrem schwer zu schaffen und immer wieder rückt der Regisseur die innere Zerrissenheit der jungen Kate in den Mittelpunkt, die unter dem entstehenden Zwiespalt fast zu Grunde geht. Das Ganze kommt unheimlich intensiv beim Zuschauer an, denn die gute Emily Blunt brilliert in ihrer Rolle als idealistische FBI-Agentin, die in ihrem neuen Aufgabenbereich vollkommen desillusioniert und dabei an die Grenzen ihrer Moral geführt wird. Dieser Punkt wird auch durchgehend immer wieder thematisiert und bildet zudem einen grandiosen Kontrast zum Vorgehen der anderen Teammitglieder. Ganz generell kann man anmerken, das "Sicario" ein absolut erstklassiger Beitrag ist, in dem sperrige und unbequeme Charaktere glaubwürdig nachgezeichnet werden. Das größtenteils heraus ragende Schauspiel der Protagonisten ist besonders hervorzuheben und eine ganz große Stärke eines Filmes, der den Betrachter nicht nur glänzend unterhält, sondern gleichzeitig auch zum nachdenken anregt.

Einen ganz kleinen Wermutstropfen sollte man bei allem verdienten Lob dennoch anmerken und dieser gibt sich in einem Nebenerzählstrang zu erkennen, in dem immer wieder ein korrupter Polizist in den Vordergrund rückt. Diesen Punkt hätte sich Villeneuve durchaus ersparen können, denn irgendwie passt die eher oberflächliche Skizzierung der Figur nicht so ganz in das ansonsten absolut stimmige Gesamtbild. Eventuell ist dies aber auch nur mein rein subjektiver Eindruck und manch einer sieht das völlig anders, doch die Gewichtung dieser für die eigentliche Story nicht zwingend notwendigen Figur passt nicht so ganz in das harmonische Gesamtbild. Hier handelt es sich allerdings lediglich um Kritik auf einem extrem hohen Niveau, denn in allen anderen Bereichen gibt es überhaupt nichts zu bemängeln. Insgesamt gesehen kann man dem Regisseur nur ein grandioses Zeugnis für sein bemerkenswertes Werk ausstellen, denn "Sicario" zählt ganz sicher zu den Filmen, die für einen stark nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis des Betrachters sorgen.


Fazit:


Eine faszinierende und großartig in Szene gesetzte Geschichte, brillant aufspielende Darsteller und jede Menge Spannung sind die Zutaten für einen kompromisslosen Actionthriller, der wohl ohne wenn und aber zum Besten zählt, was in den letzten Jahren auf den Markt gekommen ist. Auf jeden Fall kann man an dieser Stelle nur eine ganz dicke Empfehlung aussprechen, denn "Sicario" bietet ein intensives Filmerlebnis, über das man auch noch lange nach Beendigung der Sichtung nachdenken wird.


9/10


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