Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Sieben (1995)
BeitragVerfasst: 14. Nov 2013, 12:57 
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Sieben
(Se7en)
mit Morgan Freeman, Brad Pitt, Daniel Zacapa, Gwyneth Paltrow, John Cassini, Bob Mack, Kevin Spacey, Peter Crombie, Reg E. Cathey, R. Lee Ermey, Hawthorne James, Charline Su, Dominique Jennings, Mario Di Donato
Regie: David Fincher
Drehbuch: Andrew Kevin Walker
Kamera: Darius Khondji
Musik: Howard Shore
FSK 16
USA / 1995

Eine unheimliche Mordserie erschüttert die City, in der zwei grundverschiedene Cops, der alte William Somerset und sein junger Hitzkopfpartner David Mills, gemeinsam ihren Dienst verrichten. Jede der bestialischen Gewalttaten verweist auf eine der sieben biblischen Todsünden. Mit nicht immer legalen Tricks kommen die Cops dem Serienkiller schließlich auf die Spur. Als sich dieser, in die Enge getrieben, sogar selbst stellt, scheinen die Polizisten den Fall abschließen zu können - doch der Schein trügt.


Thriller mit Serienkiller-Thematik gibt es zur Genüge, doch nur ganz wenige hinterlassen einen wirklich bleibenden-und nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer. Beispiele dafür sind ganz sicher Filme wie "Das Schweigen der Lämmer" oder auch "Resurrection - Die Auferstehung" und natürlich das vorliegende Meisterwerk von David Fincher. Mit "Sieben" hat der bekannte Regisseur eine Geschichte auf den Weg gebracht, die fast gänzlich auf explizite Gewaltdarstellungen verzichtet, aber dennoch einen immensen Härtegrad entfaltet, der sich durch die psychologische Schiene mehr als nur bemerkbar macht. So werden einem keinesfalls die brutalen des scheinbar religiös-fanatischen Mörders gezeigt, stattdessen wird man immer nur mit den getöteten Opfern konfrontiert und hat als Anhaltspunkt für die bestialischen Morde lediglich die Dialoge, die zwischen den beiden ermittelnden Detectives Somerset und Mills ausgetauscht werden. Dabei erhält man eine detaillierte Schilderung darüber, wie sich die Taten des Killers abgespielt haben müssen und genau in diesem Punkt zeigt sich eine der herausragenden Stärken dieses Werkes, das wie ein Dampfhammer auf die Psyche des Betrachters einschlägt. Entfalten sich doch in der eigenen Fantasie Bilder, die voller Wucht und Intensität auf einen einprasseln, so das die dabei entstehende Härte weitaus stärker daher kommt, als wenn man das Szenario mit visuellen Gewaltdarstellungen angereichert hätte. So wird man auch von der ersten Minute an mit einer Gänsehaut überzogen, versprüht "Sieben" doch eine so dermaßen dichte-und düstere Grundstimmung, das diese einen wie ein Mantel einhüllt und dabei ein extrem beklemmendes Gefühl auslöst, das man bis zum bitteren Ende nicht ablegen kann.

Unterstützt wird das Ganze durch eine sehr düstere Optik des Geschehens, die durch den anhaltenden Dauerregen in der Stadt noch zusätzlich unterstützt wird. Durch den religiösen Hintergrund der Morde gewinnen die Ereignisse immer mehr an Bedrohlichkeit und je mehr man über die Motive des Täters erfährt, desto mehr verdichtet sich die schon von Haus aus einzigartige Atmosphäre zu einem morbide erscheinenden Seherlebnis, das einem mächtig unter die Haut geht. Wohl eher selten hat man einen Thriller präsentiert bekommen, der einen so mitnimmt und ganz unweigerlich in einen sogartigen Strudel der Ereignisse zieht, aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt. Dabei wird die gesamte Geschichte im Prinzip lediglich von seinen drei Haupt-Charakteren getragen, wobei die meisten Spielanteile auf Morgan Freeman (Somerset) und Brad Pitt (Mills) fallen. Unterschiedlicher könnte ein ermittelndes Team kaum ausfallen, den mimt Freeman den kurz vor der Pensionierung stehenden Beamten mit einer fast stoischen Ruhe und rückt damit die Erfahrung und Ruhe von unzähligen Dienstjahren perfekt in den Fokus, so steht mit Mills ein ungeduldiger-und hitzköpfiger Heißsporn an seiner Seite, der zum Ende hin noch auf tragische Art und Weise in den morbiden Plan des Serienkillers hineingezogen wird. Trotz der total unterschiedlichen Charaktere ergänzen sich die beiden Beamten ganz hervorragend und das dabei dargebotene Schauspiel von Pitt und Freeman kann man wohl ohne Übertreibung als brillant bezeichnen. Dennoch stiehlt ihnen der gute Kevin Spacey ein wenig die Schau, denn obwohl er in der Rolle des Mörders erst im letzten Drittel des Filmes auch im Bild erscheint, ist seine Performance an Genialität schwerlich zu überbieten.

Die restlichen Darsteller kann man getrost vernachlässigen, lediglich Gwyneth Paltrow als Ehefrau von Mills nimmt noch einen erwähnenswerten Stellenwert in der Geschichte ein, wohingegen sämtliche anderen Charaktere nicht über den Status einer nötigen Staffage herauskommen. Das ist aber auch gar nicht weiter schlimm, denn das gesamte Szenario lebt von den vier Hauptfiguren und wird von diesen ganz allein getragen. So entpuppt sich auch Fincher's Erzählweise der Abläufe so, das sie vollkommen auf diese Charaktere zugeschnitten ist und keinerlei Freiraum für irgendwelche Nebenfiguren lässt. Dadurch erscheint einem das Ganze noch weitaus dichter und man wird immer tiefer in einen Plan hinein gezogen, der auf eine äußerst grausame Art eine gewisse Faszination freisetzt. Dabei eröffnet sich dem Zuschauer erst ganz am Ende die ganze Grausamkeit des Mörders und Fincher konfrontiert einen an dieser Stelle wohl mit einem der härtesten-und verstörendsten Schlusspunkte, die einem je in der Geschichte des Films präsentiert wurde. Auch hier wird dieser Eindruck nicht durch visuelle Gewalt ausgelöst, sondern lediglich durch Andeutung dessen, was der Serienkiller getan hat. Die psychische Wirkung ist dabei von einer solchen Vehemenz, das man gerade bei der ersten Sichtung des Filmes unter einer extremen Schockwirkung steht und das Ganze erst einmal lange sacken lassen muss, bevor man wieder zur normalen Tagesordnung übergehen kann. Allerdings ist es im Prinzip vollkommen egal wie oft man "Sieben" schon gesehen hat, der finale Showdown ist immer wieder verstörend und geht einem nahe, gleichzeitig wird man förmlich von einer Welle voller menschlichen Emotionen überrollt, in der sich grenzenlose Wut, Mitleid, Verzweiflung, Schmerz und Verständnis regelrecht überschlagen, bis man dann wieder einen klaren Gedanken fassen kann.

"Sieben" ist also nicht einfach nur ein handelsüblicher 08 / 15 Thriller mit Serienkiller-Thematik, vielmehr handelt es sich um ein echtes Meisterwerk seiner Art, in dem einfach sämtliche Details absolut perfekt aufeinander abgestimmt sind und so ein Gesamtwerk ergeben, das man nicht so schnell vergisst. Herausragende Hauprdarsteller, eine wirklich einzigartige Atmosphäre und absolute Hochspannung garantieren hier nicht nur für ein erstklassiges Film-Erlebnis, sondern gleichzeitig auch für eine Intensität, die man in dieser Form nicht jeden Tag geboten bekommt. An diesem Film gibt es wirklich überhaupt nichts zu kritisieren, gehen doch sämtliche Elemente der Geschichte perfekt ineinander über und sorgen so für einen absolut hervorstechenden Gesamteindruck. Auch knapp zwei Jahrzehnte nach seinem Erscheinen zieht einen "Sieben" immer wieder in seinen Sog und überzieht den Betrachter mit einer Gänsehaut, die man beim besten Willen nicht ablegen kann. Die Thematik der sieben Todsünden wird einem dabei so glaubwürdig und nachvollziehbar näher gebracht, das es einem in etlichen Passagen der Geschichte richtiggehend fröstelt und man fast zu dem Eindruck gelangt, selbst ein Teil der grausamen Geschehnisse zu sein.


Fazit:


David Fincher hat so einige tolle Filme gemacht, doch hier dürfte wohl ganz eindeutig sein Meisterstück vorliegen. Eine grandiose Story, knisternde Spannung, geniales Schauspiel und eine Grundstimmung, die an Brillanz nicht zu überbieten ist machen dieses Werk zu einem wahren Erlebnis, das man sich in regelmäßigen Abständen immer wieder gern zu Gemüte führt.


10/10

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 Betreff des Beitrags: Re: Sieben (1995)
BeitragVerfasst: 14. Nov 2013, 17:35 
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Beiträge: 1716
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Geht mir nicht anders. War bei Erstsichtung der absolute Oberknaller, gerade das, was da am Ende zu sehen war. Deshalb auch hier von mir 10/10!

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Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


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 Betreff des Beitrags: Re: Sieben (1995)
BeitragVerfasst: 14. Mär 2014, 19:09 
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Beiträge: 2
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War damals im Kino und dachte mir WOW was für eine kranke Scheisse :) nun sind schon fast 20 Jahre vergangen und ich finde Ihn immer noch sehr gut :=)

auch 10 von 10 Sündenpunkte


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