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 Betreff des Beitrags: Spuren auf dem Mond (1975)
BeitragVerfasst: 11. Feb 2016, 15:58 
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Spuren auf dem Mond
(Le Orme)
mit Florinda Bolkan, Peter McEnery, Klaus Kinski, Lila Kedrova, Nicoletta Elmi, Caterina Boratto, John Karlsen, Ida Galli, Miriam Acevedo, Rosita Torosh, Luigi Antonio Guerra, Franco Magno, Esmeralda Ruspoli, Feridun Çölgeçen
Regie: Luigi Bazzoni / Mario Fanelli
Drehbuch: Luigi Bazzoni / Mario Fanelli
Kamera: Vittorio Storaro
Musik: Nicola Piovani
FSK 16
Italien / 1975

Drei volle Tage fehlen der Dolmetscherin Alice (Florinda Bolkan), als sie eines Morgens ohne Erinnerung erwacht. Nur ein unheimlicher Traum über einen zurückgelassenen Astronauten auf dem Mond ist ihr im Gedächtnis geblieben. Die verwirrte Frau beschließt, die mysteriösen Vorkommnisse aufzuklären. Ihre Suche führt sie zu einem unscheinbaren Hotel auf einer abgelegenen Insel, wo sie eine verstörende Entdeckung macht...


Im Normalfall werden die Vertreter der italienischen Gialli nach einem altbewährten Schemata aufgezogen. Ein Mörder mit Handschuhen, eine blutige Mordserie und ein spannendes Rätselspiel um die Identität eines ominösen Killers stehen dabei in der Regel im Mittelpunkt. All das bekommt man im vorliegenden "Spuren auf dem Mond" aus dem Jahr 1975 nicht geboten und gerade deshalb handelt es sich um einen ganz außergewöhnlichen Vertreter seiner Art, den man getrost als echtes Meisterwerk bezeichnen kann. Entstanden ist der Film unter der Regie von Luigi Bazzoni und Mario Fanell, wobei Bazzoni insbesondere durch seinen 1971 erschienenen Edel Giallo "Ein schwarzer Tag für den Widder" schon vorher auf sich aufmerksam machen konnte. Mit der vorliegenden Geschichte präsentiert das Regie Duo nun Kopfkino der feinsten Art und verzichten dabei gänzlich auf den Einsatz von reißerischen und blutigen Elementen, was angesichts der hier erzählten Geschehnissen auch vollkommen fehl am Platz gewesen wäre. Sowohl der deutsche als auch der englische Filmtitel (Footprints on the Moon) deuten an, das es sich um einen Vertreter der Gialli handeln könnte und dennoch ist diese Zuordnung absolut zutreffend. Es handelt sich eben um einen dieser ganz außergewöhnlichen Vertreter seiner Art, der allein durch seine zu Grunde liegende Thematik und vor allem durch deren filmische Umsetzung absolut überzeugen kann.

Dabei schlägt das Szenario von der ersten Minute an den Weg eines Mystery Thrillers ein und ist von der Erzählweise her ein extrem ruhiger Vertreter. Das mysteriöse Element ist allgegenwärtig, wodurch die Erzählung einen stetig ansteigenden Spannungsbogen zum Vorschein kommen lässt, der sich auch bis zum Ende aufrecht erhalten kann. Bazzoni und Fanell ist es dabei meisterhaft gelungen, trotz der eher stillen Töne ein Höchstmaß an Intensität aufzubauen und gleichzeitig auch die Neugier des Zuschauers in schwindelerregende Höhen ansteigen zu lassen. Zwar bekommt man zwischendurch durchaus einige Appetit Häppchen zugeworfen die einen auf die richtige Spur zur Lösung des rätselhaften Treibens führen, aber zu keiner Zeit lassen die Macher wirklich erkennen, wie sich die ominösen Ereignisse denn nun wirklich zueinander halten. Durch diesen Aspekt wird die Fantasie des Betrachters ganz automatisch in Gang gesetzt und man kann dabei ohne Weiteres zu der Erkenntnis kommen, das mehrere Szenarien denkbar wären. Die endgültige Bestätigung für die eigenen Vermutungen bekommt man jedoch erst ganz am Ende geliefert und ist im ersten Moment vielleicht sogar ein klein wenig darüber enttäuscht, wie relativ simpel der finale Showdown letztendlich ausfällt. Im nachhinein betrachtet hat man allerdings genau das richtige Ende für dieses grandiose Meisterwerk gefunden, denn insbesondere in der Nachbetrachtung erscheint "Spuren auf dem Mond" fast schon erschreckend perfekt inszeniert.

Viel zu selten bekommt man in der heutigen Zeit noch solche Filme geboten, in denen weder großartige Action, noch ein ordentliches Tempo zugegen sind, die jedoch gerade wegen des Fehlens dieser Dinge eine fast schon hypnotische Ausstrahlung auf den Zuschauer haben. Und das ist hier definitiv der Fall, denn "Spuren auf dem Mond" zieht einen von der ersten bis zur letzten Minute unweigerlich in seinen Bann. Mit einer ganz ruhigen Erzählung und kraftvollen Bildern schafft es der Film nahezu spielerisch, den Betrachter immer tiefer in eine Art Sog hinein zu ziehen, aus dem es anscheinend kein Entkommen gibt. Zusammen mit der glänzend aufgelegten Hauptdarstellerin Florinda Bolkan begibt man sich auf die Suche nach einer verlorenen Identität, die ganz offensichtlich im Mittelpunkt der Ereignisse steht. Mit den einfachsten Mitteln wird dabei ein Maximum an Spannung aufgebaut und ganz besonders in atmosphärischer Hinsicht ist dieses Werk ein absoluter Knaller. Fast im Minutentakt verdichtet sich die Grundstimmung immer mehr und an manchen Stellen wünscht man sich einfach nur noch das Ende herbei, um endlich die endgültige Auflösung der mysteriösen Abläufe serviert zu bekommen.

Wer Action und hohem Tempo den Vorzug gewährt, der sollte erst gar nicht zu diesem Film greifen, wer aber anspruchsvolles Kopfkino mit einem Höchstmaß an Qualität zu schätzen weiß ist hier definitiv an der richtigen Adresse. Die Veröffentlichung von Koch Media ist diesem brillanten Werk absolut angemessen und beinhaltet zudem auch noch den Bonusfilm "La Donna Del Lago", der sowohl auf Blu-ray wie auch auf DVD enthalten ist. Fans des Genres sollten definitiv zugreifen, denn dieser wundervolle Klassiker darf eigentlich in keiner Sammlung fehlen.


Fazit:


"Spuren auf dem Mond" ist ganz großes Kino und stellt ein absolutes Highlight des Cinema Italiano dar. Ein extrem außergewöhnlicher Giallo der aus der breiten Maße heraus ragt und ganz eigene Wege geht. Gerade aufgrund dieses Umstandes besitzt der Film einen unglaublich hohen Wiedererkennungswert und hinterlässt vor allem einen absolut bleibenden Eindruck im Gedächtnis des Zuschauers.


10/10


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