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 Betreff des Beitrags: The Horseman - Mein ist die Rache (2008)
BeitragVerfasst: 22. Okt 2013, 16:59 
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The Horseman - Mein ist die Rache
(The Horseman)
mit Peter Marshall, Caroline Marohasy, Brad McMurray, Jack Henry, Evert McQueen, Christopher Sommers, Bryan Probets, Steve Tandy, Chris Betts, Damon Gibson, Hannah Levien, Ron Kelly, Robyn Moore, Greg Quinn
Regie: Steven Kastrissios
Drehbuch: Steven Kastrissios
Kamera: Mark Broadbent
Musik: Ryan Potter
Keine Jugendfreigabe
Australien / 2008

Christian ist ein alleinerziehender Vater, den der Tod seiner Tochter aus der Bahn geworfen hat. Als er anonym ein Video erhält, das zeigt, wie seine Tochter unter Drogen gesetzt und misshandelt wird, verlangt er nach Antworten. Er begibt sich auf eine Reise hin zur hässlichen Wahrheit. Zorn und Trauer treiben ihn an. Er ist bereit zu töten, um die Antworten zu erhalten, die er sucht. Und seine Tochter zu rächen. Doch dann lernt er Alice kennen, eine junge Ausreißerin, die ihn an seine Tochter erinnert und ein zartes Band der Freundschaft entwickelt sich zwischen den beiden Menschen, die alles verloren haben.


Die Rache eines Vaters



Nun gibt es ja wirklich genügend absolut sehenswerte Rachethriller, von denen sogar einige im Laufe der Jahre einen gewissen Kultstatus erreicht haben, wie beispielsweise die "Death Wish-Reihe", in der Charles Bronson den unbarmherzigen Rächer spielt. Allerdings gibt es nur wenige Vertreter dieser Art, die einen schier unauslöschlichen Eindruck im Gedächtnis des Zuschauers hinterlassen, da sie durch ihre Geschichte eine so starke Intensität auslösen, die einem für immer unter die Haut kriecht. Das vorliegende Regie-Debut von Steven Kastrissios zählt ganz eindeutig zu diesen Filmen, denn was der Betrachter hier geboten bekommt, hinterlässt ganz eindeutige Spuren und beschäftigt einen auch noch sehr nachhaltig. Dabei hat der Regisseur scheinbar vollkommen bewust darauf verzichtet, die Geschichte mit expliziten Gewaltdarstellungen vollzustopfen, sind doch die härteren Passagen zumeist eher nur andeutungsweise zu sehen und der Rest wird der Fantasie des Betrachters überlassen. Und gerade durch diesen Aspekt entfaltet sich eine immense Intensität der Ereignisse, da der eigenen Fantasie keinerlei Grenzen gesetzt sind. Dabei treffen einen die Geschehnisse mit einer solch ungeheuren Wucht, das man nicht selten ganz unwillkürlich vor dem Bildschirm zusammenzuckt und nicht selten das Gefühl entsteht, als könnte man selbst die Schmerzen verspüren, die bei den Protagonisten zu Tage treten.

Die ganz große Stärke von "The Horseman" liegt ganz eindeutig bei den agierenden Darstellern, die den von ihnen gespielten Figuren ein unglaublich hohes Maß an Authenzität verleihen, jeder einzelne Charakter wird absolut glaubwürdig dargestellt, was dem Zuschauer einen äusserst realistischen Eindruck des Szenarios vermitteln. Und obwohl der Film bis in die kleinsten Nebenrollen perfekt besetzt ist, muss man einen Darsteller ganz besonders hervorheben, denn was Peter Marshall in der Rolle des von Rachegefühlen besessenen Vaters hier abliefert, das ist Schauspiel der ganz großen Schule. Zu keiner Zeit überkommt einen das Gefühl, das der Mann hier eine Rolle spielt, vielmehr entsteht der Eindruck das er diese Rolle lebt. Es gibt keinerlei übertriebene Gefühlsausbrüche, streckenweise erscheint er sogar sehr beherrscht, um in der nächsten Szene dann aus sich herauszugehen und seinen aufgestauten Gefühlen freien Lauf zu lassen. dabei erscheinen seine Ausbrüche niemals auch nur ansatzweise übertrieben, mann kann sich sogar zu 100 % mit ihm identifizieren, denn stellt man sich doch selbst fast schon zwangsläufig die Frage, wie man an seiner Stelle reagieren würde. Es ist gerade diese Mischung aus äusserlicher Coolness und den immer wieder auftretenden Wutausbrüchen, wenn er den Peinigern seiner verstorbenen Tochter gegenübersteht, die dem Geschehen eine ungeheure Glaubwürdigkeit verleihen. Und so kann man auch die Kaltblütigkeit, mit der er die Peiniger bestraft durchaus nachvollziehen und verspürt dabei sogar eine gewisse Art von Befriedigung, auch wenn es sich hier um Selbstjustiz handelt.

Von der ersten bis zur letzten Minute zieht sich ein dramaturgisch erstklassig aufgebauter Spannungsbogen durch das Szenario, das zudem auch noch Platz für einige positive Emotionen lässt, die sich hauptsächlich in den Passagen äussern, in denen Christian die junge Anhalterin Alice mitnimmt. Mit der Zeit entwickelt sich zwischen den beiden eine Art Vertrauensverhältnis und Christian fühlt sich durch das junge Mädchen an seine eigene Tochter erinnert. Zwischenzeitlich werden auch immer wieder einige Flashbacks eingefügt, in denen die tote Tochter als kleines Mädchen erscheint. Insbesondere diese Passagen zeigen auf, welch seelischer Schmerz den Vater peinigen muss der auch für den Zuschauer zu spüren ist. Es ist dabei so gut wie unmöglich ,sich dem beklemmenden Gefühl zu entziehen, das einen wie eine zweite Haut einhüllt und einfach nicht mehr loslassen will, da man streckenweise selbst zu einem Teil der Geschichte wird. Denn nicht selten ertappt man sich dabei, wie man selbst in die Figur des Vaters schlüpft und fast erschreckt feststellen muss, das man genau wie er handeln würde, obwohl man ganz genau weiss das Selbstjustiz keine Lösung ist. Durch diesen Aspekt wird ganz deutlich, wie glaubwürdig und authentisch das Geschehen dargestellt wird, hat man doch eher selten den Eindruck sich in einem Film zu befinden, vielmehr fühlt man sich in einer realistischen Situation gefangen, in der man sich selbst zum Handeln berufen fühlt um den entstehenden Schmerz zu vertreiben.

Letztendlich kann man Regisseur Steven Kastrissios nur zu diesem eindrucksvollen Regie-Debut gratulieren, das an Wucht und Intensität nur schwerlich zu überbieten ist. Es handelt sich um ein wirklich starkes Stück Film, das einen extrem nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis des Zuschauers hinterlässt, der streckenweise selbst zu einem Teil der Geschehnisse wird, die dadurch ihre volle Wirkung entfalten können. Herausragende Schauspieler und ein dramaturgisch erstklassiger Spannungsaufbau sind die ganz große Stärke einer Geschichte, die unauslöschbare Spuren hinterlässt. Die Tatsache, das anscheinend ganz bewust auf explizite Gewaltdarstellungen verzichtet wurde, verleiht dem ganzen eine noch viel stärkere Intensität, da sich viel im Kopf des Betrachters abspielt. Die dabei entstehende Härte und Brutalität ist um ein Vielfaches höher, als wenn man sie visuell eingesetzt hätte und so entsteht ein Filmerlebnis, das größtenteils wie eine Art Rollenspiel erscheint, in dem man selbst mitspielt.


Fazit:


Es ist schon wirklich erstaunlich, zu welchen Erstlingswerken manche Regisseure in der Lage sind, denn beeindruckender als in vorliegendem Fall kann ein Debut-Film kaum sein. Hier wurde alles richtig gemacht, die einzelnen Komponenten fließen perfekt ineinander über und ergeben ein Gesamtwerk, das wirklich unter die Haut geht. Selbst der Beruf von Christian (Schädlingsbekämpfer) wird hier mit ganz anderen Augen gesehen und bekommt eine ganz neue Bedeutung, kann man doch gerade die Peiniger seiner Tochter durchaus als Schädlinge ansehen. Mit Peter Marshall wurde ein Hauptdarsteller verpflichtet, der seine Rolle wirklich lebt und dem Film so ganz unweigerlich seinen persönlichen Stempel aufdrückt. Und so kann man letztendlich nur eine uneingeschränkte Empfehlung für dieses Werk aussprechen, das unter den unzähligen Rachethrillern einen ganz besonderen Platz einnimmt.


9/10

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