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 Betreff des Beitrags: The Reluctant Fundamentalist (2012)
BeitragVerfasst: 25. Apr 2014, 14:52 
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The Reluctant Fundamentalist
(The Reluctant Fundamentalist)
mit Riz Ahmed, Kate Hudson, Liev Schreiber, Kiefer Sutherland, Om Puri, Shabana Azmi, Martin Donovan, Nelsan Ellis, Haluk Bilginer, Meesha Shafi, Imaaduddin Shah, Christopher Nicholas Smith, Ashwath Bhatt
Regie: Mira Nair
Drehbuch: Javed Akhtar / Mohsin Hamid / William Wheeler
Kamera: Declan Quinn
Musik: Michael Andrews
FSK 16
USA / 2013

Im Jahr 2011 wird ein amerikanischer Professor in Lahore, Pakistan entführt. Bobby (Liev Schreiber) ist ein amerikanischer Journalist und möchte einen Artikel über militante Akademiker in Pakistan schreiben. In einem kleinen Café in Lahore interviewt er dazu Changez Khan (Riz Ahmed). Der hat an der Princeton-Universität in den U.S.A. studiert und erzählt jetzt rückblickend von seinem Leben als erfolgreicher Finanzanalytiker einer New Yorker Firma, von seiner großen Liebe Erica (Kate Hudson), wie sich sein komplettes Leben nach dem 11. September 2001 verändert hat und er nach Pakistan zurückgekehrt ist. Hat sich Changez Khan radikalisiert und hat er etwas mit der Entführung des Professors zu tun?


Einmal mehr handelt es sich um eine filmische Umsetzung in der das Datum des 11.9.2001 eine große Rolle spielt, wobei in "The Reluctant Fundamentalist" viel eher die Folgen der Katastrophe anhand eines Einzelschicksals präsentiert werden. Auf dem Buch von Mohsin Hamid basierend wird dabei ein Politthriller erzählt, der den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute in seinen Bann zieht und durchgehend für jede Menge Spannung sorgt. Diese bezieht die Geschichte in erster Linie aus der Situation in der sich Journalist Bobby (Liev Schreiber) und Changez Khan (Riz Ahmed) befinden und die sich mit zunehmender Laufzeit immer mehr zuspitzt. Gleichzeitig wartet man sehr interessiert auf die Antwort der Frage, ob Changez mittlerweile wirklich radikalisiert wurde und so für die in der Inhaltsangabe beschriebene Entführung verantwortlich zeichnet. Obwohl die Thriller-Elemente hier eher sekundär in Erscheinung treten und die Erzählung sich vielmehr als politisches Drama zu erkennen gibt ist man durchgehend von den Geschehnissen eingenommen, die einem auf äußerst gelungene Art und Weise näher gebracht werden. Regisseurin Mira Nair lässt ihren Haupt-Charakter Changez rückwirkend seine Story erzählen, die einerseits vom amerikanischen Traum, auf der anderen Seite aber auch vom persönlichen Umdenken des Mannes handelt, der das Streben nach Geld und Macht gegen ein Leben in seiner Heimat Pakistan eintauscht, um scheinbar gegen die vorherrschende Gewalt und das unnötige Blutvergießen zu kämpfen. Bis kurz vor dem Ende wird man dabei im Unklaren darüber gelassen, wie Changez wirklich zu den Dingen steht und ob sich in seiner Person ein Wolf im Schafspelz versteckt hat. Auch die Figur von Liev Schreiber hat keinesfalls die klaren Konturen, die noch zu Beginn der Abläufe erkennbar sind und immer mehr soll sich so in der Folge eine Beleuchtung der amerikanischen Politik wie auch dem Verhalten radikalisierter Moslems in den Vordergrund drängen, die meiner persönlichen Meinung nach relativ objektiv von statten geht.

Immer wieder lässt Mira Nair dabei durch etliche Dialoge und eindrucksvolle Bilder die oft angeprangerte Arroganz der USA durchscheinen, ohne dabei jedoch das Gefühl zu vermitteln, das hier ausschließlich den Amis der schwarze Peter zugeschoben werden soll. gleichzeitig kommt nämlich auch immer wieder Kritik an der Gewaltbereitschaft radikaler Moslems durch, so das an dieser Stelle durchaus ein annehmbares Gleichgewicht herrscht. Eher nüchtern werden so gewisse Dinge beleuchtet die ja keinesfalls an den Haaren herbei gezogen sind und man bekommt einen recht guten Eindruck darüber, wie es gerade den in Amerika lebenden Moslems nach den Ereignissen des 11. September gegangen sein muss. Dies wird eindrucksvoll am Einzelbeispiel von Changez deutlich, dessen Leben sich nach diesem Tag grundlegend ändert. Das wird nicht nur Repressalien wie beispielsweise einer am Flughafen vorgenommenen Leibesvisitation oder am Umgang mit seinen Mitmenschen sichtbar, sondern auch an der inneren Wandlung, die der junge Mann immer mehr vollzieht. Hat er bis dahin eigentlich sämtliche Voraussetzungen des Kapitalismus erfüllt und ist dabei gerade in seinem Job fast über Leichen gegangen, so hinterfragt er sich selbst immer mehr und versucht dabei den richtigen Weg seiner eigentlichen Bestimmung zu finden.

Geschickt wird dieser Weg bis zum Fianle eher etwas schwammig dargestellt, so das sich der Zuschauer schwerlich ein klares Bild darüber machen kann, welche Ziele der Mann denn nun wirklich verfolgt. Das sorgt für jede Menge Spannung so das man zu keiner Zeit das Interesse an diesem großartig umgesetzten Film verliert, der einen regelrecht vor dem heimischen Bildschirm in seinen Bann zieht. Dabei enthält das Geschehen im Prinzip überhaupt keine spektakulären Momente, was aber letztendlich auf keinen Fall einen negativen Aspekt darstellt, sondern dem Ganzen vielmehr eine äußerst glaubwürdige Note verleiht. Phasenweise erscheint einem das Ganze so dermaßen authentisch das man zu der Meinung gelangt, hier einen echten Tatsachenbericht präsentiert zu bekommen, der keine Seite übermäßig an den Pranger stellen will. Angst und Paranoia rücken ebenso in den Vordergrund wie blinder Hass von Terroristen und im Grunde genommen dreht sich alles darum, zwischen diesen beiden vorhandenen Fronten einen für alle annehmbaren Mittelweg zu finden. Ob Changez sich auf der Suche nach diesem Weg befindet erschließt sich dem Betrachter erst am Ende und so bleiben bis dahin genügend Freiräume für Interpretationen. Streckenweise ist "The Reluctant Fundamentalist" sogar extrem clever in Szene gesetzt, was insbesondere in den Passagen zum tragen kommt in denen die Hauptfigur feststellen muss, das sich das Leben in seinen beiden Welten (Pakistan & Amerika) gar nicht einmal so sehr unterscheidet. Wird in der einen Welt viel eher der fundamentale Kapitalismus gelebt der übrigens am Beispiel von Kiefer Sutherland brillant in Erscheinung tritt, so ist es in der anderen Welt eher der religiöse Fundamentalismus terroristischer Anführer, der ebenso anzuprangern ist. Durch das erstklassige Schauspiel seiner Akteure versetzt der Film einen in durchaus nachdenkliche Phasen und wirft dabei einige Fragen auf, die man sich ehrlich gesagt auf die Schnelle nicht beantworten kann.

Man muss die regelrechte Flut an zwiespältigen Eindrücken erst einmal verarbeiten die diese Geschichte bei einem hinterlässt. Man könnte fast schon zu philosophischen Ansätzen gelangen und sich des Öfteren nach dem eigentlichen Sinn in seinem Leben fragen. Was ist die persönliche Bestimmung auf dieser Welt, soll man lieber nach Reichtum und Wohlstand streben und dabei eventuell ohne Rücksicht auf Verluste andere Menschen in ihr Unglück stürzen? Oder sollte man lieber versuchen, gewaltfreie Lösungen für angespannte Situationen zu finden, um so dem Frieden ein wenig näher zu kommen? Für manch einen mag sich das jetzt eventuell ein wenig hochtrabend anhören und eventuell interpretiere ich selbst ein wenig zu viel in diesen Film hinein, der jedoch gerade solche Fragen in mir wach gerufen hat. Eines dürfte allerdings auf jeden Fall deutlich werden, denn weder die finanzielle Ausbeutung von Menschen sowie auch religiöser Fanatismus sind keine Mittel für einwirklich friedliches Miteinander und zu stark aufkommende Paranoia kann für bestimmte ethnische Gruppen eine wahre Qual werden und das Gefühl der Eigenständigkeit vollkommen verschwinden lassen. All diese Aspekte werden in vorliegendem Werk ganz ausgezeichnet beleuchtet, so das sich "The Reluctant Fundamentalist" auch äußerst wohlwollend von anderen Genre-Kollegen abheben kann und zudem einen sehr nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis des Betrachters hinterlässt. Leider ist dem Werk von Nair bisher aber anscheinend noch nicht die Beachtung geschenkt worden, die es aufgrund seiner vorhandenen Qualität definitiv verdient hätte. Bleibt zu hoffen das sich dieser Umstand schnellstens ändert, bekommt man es doch mit einer großartig erzählten Geschichte zu tun, die einmal nicht die ansonsten übliche US-Propaganda beinhaltet, sondern eine eher objektive Beleuchtung diverser Fakten vornimmt.


Fazit:


Ist man ansonsten eher Filme dieser Art gewohnt in denen es vor Patriotismus und Gutmensch-Denken nur so wimmelt, so unterscheidet sich Mira Nair's Beitrag ganz erheblich von solchen Werken. Man sollte an dieser Stelle wirklich einen Blick riskieren und bekommt dafür eine Geschichte serviert, die einen absolut nachhaltig beeindruckt und auch nachdenklich stimmt.


9/10


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