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 Betreff des Beitrags: The Stendhal Syndrome (1996)
BeitragVerfasst: 25. Jan 2013, 21:57 
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O-Titel: LA Sindrome di Stendhal
Herstellungsland: I
Erscheinungsjahr: 1996
Darsteller: u. a. Asia Argento, Thomas Kretschmann, Marco Leonardi, Luigi Diberti, Paolo Bonacelli, Julien Lambroschini, John Quentin, Franco Diogene, Lucia Stara, Sonia Topazio, Lorenzo Crespi, Vera Gemma
Regie: Dario Argento
FSK: KJ

Inhalt:


Eine Frau bewegt sich in einer Menschenmenge, und es sind viele. Alle strömen in die Uffizien, eines der bekanntesten Kunstmusen der Welt, gelegen in der italienischen Stadt Florenz. Es hängen viele Gemälde dort, und Anna Manni betrachtet sie. Es ist für eine Galerie sehr gut gefüllt. Die Bilder faszinieren sie, doch als sie einem Bild mit ihrer Hand zu nahe kommt, gibt es Alarm. Schnell geht sie einen Raum weiter. Faszination, wie das Wasser in einem der Bilder, in welches sie einfach so hineinzutauchen scheint. Doch es erschreckt sie auch. Ein Fisch spendet ihr Unterwasser Atem, damit sie nicht ertrinkt. Doch auf einmal kommt sie im Museum wieder zu sich, auf dem Boden liegend, um sich herum eine kleine Menschentraube. Sie blutet an den Lippen. Als sie das Museum so schnell wie möglich verlassen hat, läuft ihr ein Mann, Alfredo, hinterher und bringt ihr ihre Tasche. Ihr Schlüssel ist noch da, doch so richtig kann sie nicht mehr denken, und weiß nicht, wer sie gerade ist. Bevor sie verschwinden kann, gibt er ihr ein wenig Geld für das Taxi mit. Dann fährt sie davon. Ihr Name bleibt Alfredo verborgen.

Chefinspektor Manetti hat für sie im Hotel angerufen. In ihrem Hotelzimmer durchsucht sie ihre Handtasche. Sie versucht sich mit dieser zu erinnern, wer sie eigentlich ist, Anna Manni. Sie versucht ihre Adresse über die Vermittlung herauszufinden und bekommt auch tatsächlich ihren eigenen Anrufbeantworter an die Strippe. Von ihrem Bett aus betrachtet sie das Bild an der Wand, und plötzlich tauchen Geräusche im Zimmer auf, wie als wenn mehrere Menschen auch in ihrem Zimmer wären. Doch die Figuren auf dem Bild bewegen sich nicht. Sie hängt es trotzdem mit einem Tuch zu, doch dann beginnt das Bild zu zerfließen und Anna kann durch einen Türrahmen in die Schwärze eintauchen.

Rom. Manetti ist bereits vor Ort. Ein Tatort. Sie ist Polizistin und soll die Vergewaltigungsmorde aufklären. Sie soll sich nach Florenz begeben, wo ebenfalls Frauen umgebracht worden sind. Und sie gelangt nach Florenz, zurück durch das Bild. Sie ist wieder in ihrem Hotelzimmer. Das Bild ist wieder da, doch sie ist nicht alleine: Ein Mann ist auch mit ihr im Zimmer. Er bedrängt sie. Er ist der Vergewaltiger. Alfredo. Er spielt mit einer Rasierklinge in seinem Mund und schiebt diese in ihren. Sie fängt wieder an am Mund zu bluten. Er beugt sich zu ihr runter und küsst sie. Und vergewaltigt sie. Sie blutet und wird ohnmächtig.

Sie hat geschrien, als er auf ihr lag. Eine Kugel hat ihre Wange durchschlagen. Ein glatter Durchschuss. Sie ist vor ihm geflohen. Während sie läuft und von ihm im Auto verfolgt wird, beobachten die Menschen aus der Straße teilnahmslos das Geschehn aus ihren Fenstern. Polizisten können sie auflesen.

Eine Polizistin will mit Anna über die Geschehnisse der letzten Nacht sprechen. Ein Arzt muss sie noch untersuchen. Anna soll sich ein wenig ausruhen, doch anstatt das zu machen, nimmt sie eine Schere und schneidet sich die Haare ab.

Auf der folgenden Zugfahrt zerbricht sie ein Glas und schneidet sich dabei in die Finger. Und blutet wieder. In Rom wird sie von einem Mann in Empfang genommen. Wieder steht sie in einer Halle vor einem großen Bild, in welches sie auch wieder hineingezogen wird. Eien grüne Landschaft mit fließendem Wasser. Durch den Wasserfall kann sie die Szenerie wieder verlassen.

Die Kommission ist heute zusammen gekommen, und möchte mit Anna über den Vorfall reden. Auch dabei beginnt sie ihre Fingerspitzen bis zum Bluten zu malträtieren. Inspektor Manetti händigt Anna ihre Dienstmarke und auch eine 9mm Pistole au. Der Vergewaltiger hat sie am Leben gelassen, aber warum? Zu Hause stellt sie fest, dass der Anrufbeantworter tatsächlich ihrer gewesen ist. Sie selbst ist Spezialistin für Sexualverbrechen, und jetzt wurde sie gerade von einem solchen Verbrechen heimgesucht. Deshalb muss sie mit einem Psychiater reden, zweimal in der Woche.

Sie wusste durch einen Anruf, wen sie in die Uffizien treffen würde. Und deshalb war sie dort. Sie hatte in der Galerie das Gefühl, dass die Bilder sich bewegen. Alles erinnert den Psychiater an eine Passage des französischen Autors Stendhal, der ein entsprechendes Überkommen in seinen Niederschriften dargelegt hat. Gefühle hatten darin eine gewisse Macht, und er wollte sich dieser Macht entziehen. Man nennt diese Art der Wahrnehmung deshalb auch das Stendhal Syndrom.

Zu Hause bekommt sie Besuch von Marco, einem Freund. Sie beginnt ihn scharf zu machen, doch er erkennt sie nicht wieder: Vulgäre Ausdrucksweise und ein Verhalten, wie es eher ein Mann an den Tag gelegt hätte, und dadurch die Rollen vertauscht hat. Er geht. Auch das erzählt sie ihrem Psychiater. Anna hat sich selbst gefühlt wie ein Mann, und sie merkt, dass etwas mit ihr nicht stimmt. Sie verletzt sich abermals absichtlich die Hände. Er rät ihr sich für eine Weile zu ihrer Familie zurückzuziehen, weshalb sie sich nach Viterbo auf macht.

Ihr Vater und ihr Bruder begrüßen sie, aber Anna sehe inzwischen wie ein Mann aus mit ihren kurzen Haaren. Sie möchte ins Museum, ein Ort, den sie an ihre Mutter erinnert, die Malerin gewesen ist. Sie will auch etwas malen. Später auf der Straße ist eine Frau in einem roten Kleid unterwegs. Sie bekommt eine Rose gereicht. Ein Mann hat sie angesprochen und sie verziehen sich in eine dunkle Ecke. In der Lagerhalle haben die beiden Sex miteinander, doch dafür muss die Frau, deren Name nicht genannt wird, mit ihrem Leben bezahlen. Sie wird gewürgt und wird schlussendlich erschossen. Die Polizei untersucht den Fall. Die Frau war eine Prostituierte.

Anna möchte unterdessen mit allen noch lebenden Opfern sprechen, und sie beginnt ihre Liste abzutelefonieren. Später bedeckt sie sich selbst mit Farben und beginnt mit ihrem Körper zu malen. Eines der Opfer gibt ihr am Telefon ein wenig Auskunft über die augenblickliche Situation. Als sie nach dem Training am Abend nach Hause kommt, stehen verschiedene Bilder in ihrer Wohnung. Das Telefon klingelt, und sie geht ran, und der Mann am anderen Ende der Leitung erwähnt jemanden namens Stendhal. Doch auf einmal steht er hinter ihr und schlägt sie nieder.

Als sie wieder zu sich kommt, liegt sie gefesselt am Boden. Alfredo zündet ein paar Kerzen an. Er schlägt sie. Und vergewaltigt sie wieder. Anschließend erscheint wieder die Rasierklinge in seiner Hand. Und er schneidet ihr damit durch das Gesicht. Die anderen versuchen Anna zu finden. Alfredo war es, der Anna in die Uffizien gelockt hatte. Er spielt mit ihrer Waffe und lässt sie gefesselt in der Höhle zurück. Sie hört Vogelgezwitscher. Geräusche von den Bildern an den Wänden. Sie bekommt Panik. Die Gestalten beginnen sich bedrohlich auf sie zu zubewegen. Wasser rauscht. Alfredo kommt zurück. Doch Anna konnte sich befreien und kann ihm beide Haken, an denen sie gefesselt war, in den Hals rammen. Er ist schwer verwundet, kann aber trotzdem noch an die Waffe gelangen. Doch Anna kann ihm diese abnehmen und auf ihn schießen. Am Boden und wahrscheinlich tot bringt sie ihn nach draußen an den Rand einer Klippe und lässt ihn in den rauschenden Strom fallen. Die Polizei sucht seine Leiche, doch sie kann sie einfach nicht finden. Anna hingegen glaubt, dass er ein weiteres Mal zurückkommen wird.

Anna wird zusehends merkwürdiger. Sie verändert ihr Aussehen mit einer blonden Perrücke. Als die Ehefrau von Alfredo befragt wird, darf Anna nicht dabei sein. Anna glaubt, dass Alfredo noch lebt. Sie lernt in einem Kunstgeschäft Marie, einen französischen Studenten, kennen. Er nimmt sie auf seiner Vespa mit, und sie beginnt sich in ihn zu verlieben. Eines Nachmittags im Park küsst sie ihn.

Als sie wieder zu Hause ist, klingelt das Telefon, und sie bekommt wieder Angst. Es könnte Alfredo sein. Deshalb holt sie einen ihrer Bewacher, Marco, mit in ihre Wohnung. Als das Telefon erneut klingelt und Marco das Gespräch vom Nebenraum aus mithört, ist es jedoch nur Marie. Anna lässt sich ein Bad ein, aber anstelle es zu nutzen, klettert sie durch das Badezimmerfenster nach draußen, damit Marco das nicht mitbekommt. Sie will sich mit Marie im Museum treffen. Als sie dort ankommt, kann Marie erst nicht von seiner Restauration weg, weshalb Anna draußen waretet. Doch dann hört der Museumswärter einen Schuss. Und als er nachsieht, ist Marie tot. Erschossen. Doch wer war der Täter? War es wirklich Alfredo? Oder ist an Anna doch mehr dran, als das unschuldige Vergewaltigungsopfer?

Wertung:

Dieser Film ist fast perfekt. Er vermittelt die richtige Atmosphäre, die nur ein italienischer Film vermitteln kann: Künstlerische Eleganz, durchdachte Geschichte und eine Ausgeklügelte Symbiose aus spannender Erzählung und dem Anlass angemessener Musik. Und obwohl es ein Film von Dario Argento ist, kann man hier in keinster Weise von einem Horrofilm ausgehen. Und trotzdem ist dieser Film ein fast schon künstlerisch-anmutendes Stück Filmwerk. Vor allem die surrealen Elemente machen diesen Film zu etwas Besonderem, da sich der Film im Vergleich zu seinen anderen Mitstreitern etwas abzuheben versucht. Allerdings ist es für einen richtigen Giallo auch nicht notwendig, dass solche Elemente enthalten sind.

Von der Grausamkeit her ist durch die 3 Vergewaltigungen schon recht viel drin. Shockmomente gibt es im eigentlichen Sinn nicht, aber in einigen Szenen geht man doch ein wenig weiter als in normalen Krimis (ich denke da an die zerschossene Hand oder die Vergewaltigungen an sich, die zwar nicht so grausam wie in I spit sind, aber durchaus eine Kategorie mit The Last House on the Left besiedeln).

Fulci hätte wahrscheinlich auch seine wahre Freude an diesem Film gehabt. Schauspielerisch ist die Tocher vom Regisseur keine schlechte Besetzung, und auch Alfredo ist mit Thomas Kretschmann ein interessanter Gegenpart zu Anna.

Leider erschließt sich die Bedeutung des Stendhal Syndroms an sich nicht richtig bzw. hätte deutlicher herausgearbeitet werden können, wenn der Film nunmal schon so heißt. Auch das Eintauchen in die Bilder gibt dem Film zwar eine phantastische Note hat aber richtig in einem klassischen Giallo eigentlich nichts zu suchen.

Dennoch kommen hier Argento und auch Giallo-Fans auf ihre kosten und ich kann diesem Film einen sehr guten Unterhaltungswert absprechen. Aufgrund der Tatsache, dass das Erstexemplar defekt war und ich den Film nur bis zur Hälfte sehen konnte, ist diese Wertung nicht der allererste Eindruck des Films. Es reicht trotzdem ohne Probleme für eine 08/10.

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Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


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 Betreff des Beitrags: Re: The Stendhal Syndrome
BeitragVerfasst: 25. Jan 2013, 23:10 
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Dieser Argento wird von vielen Leuten sehr unterschätzt, oder gar unterbewertet. Das mag vielleicht daran liegen, das es hier nicht so viel visuelle Härte zu sehen gibt, wie in anderen Werken von Argento. "The Stendhal Syndrome ist in dieser Beziehung eher etwas zurückhaltend und setzt mehr auf die psychische Schiene, das aber sehr gekonnt. Und so kommt es, das man hier heftige Splatter / Gore Sequenzen überhaupt nicht vermisst, ich glaube sogar, das zuviel Härte dem guten Gesamteindruck des Films eher nur geschadet hätte.

Dieser Film überzeugt eher durch andere Vorzüge, da ist zum Beispiel die intelligent und gut durchdachte Story, die teilweise schon etwas verwirrend auf den Zuschauer wirken kann, wenn man sich nicht richtig auf den Film konzentriert. Man sollte sich schon vorher die Inhaltsangabe durchlesen, um zu wissen, was es mit dem "Stendhal Syndrome" auf sich hat. Wenn man den Film einfach nur so nebenbei sieht, kann es ansonsten sehr schnell passieren, das man den Faden verliert.

Zum anderen verfügt der Film über eine ausgesprochen dichte und beklemmende Atmosphäre, die jederzeit sehr bedrohlich ist und den Zuschauer zu fesseln vermag. Wenn man dazu in der Lage ist, in die Geschichte einzutauchen, dann kommt man bis zum Ende nicht mehr von ihr los.

Die ditte Stärke des Films sind die Darsteller, bei denen man Asia Argento natürlich hervorheben muß. Sie spielt ihren Charakter so eindringlich und absolut glaubwürdig, das es eine wahre Pracht ist. Vor allem die so verletzliche und unsichere Seite ihres Charakters wird so überragend dargestellt, das es eine Freude ist, ihr beim spielen zuzusehen.

Wer also auf intelligente Horrorkost steht und mit Argentos Werken etwas anfangen kann, der kommt an diesem wirklich tollen Film nicht vorbei und wird auf jeden Fall nicht bereuen, ihn gesehen zu haben.




8,5/10

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