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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Betreff des Beitrags: Torso - Die Säge des Teufels (1973)
BeitragVerfasst: 28. Jan 2014, 16:30 
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Torso
(I Corpi presentano tracce di violenza carnale)
mit Suzy Kendall, Tina Aumont, Luc Merenda, John Richardson, Roberto Bisacco, Ernesto Colli, Angela Covello, Carla Brait, Conchita Airoldi, Patrizia Adiutori, Luciano Bartoli, Gianni Greco, Luciano De Ambrosis
Regie: Sergio Martino
Drehbuch: Ernesto Gastaldi / Sergio Martino
Kamera: Giancarlo Ferrando
Musik: Guido De Angelis / Maurizio De Angelis
SPIO/JK
Italien / 1973

Eine italienische Universität der Kunstgeschichte wird von seltsamen Morden heimgesucht - die Tat eines Serienkillers. Der Satan in Menschengestalt stranguliert seine bildschönen, weiblichen Opfer um sie dann bestialisch zu zerstückeln. Panische Angst ergreift die jungen Studentinnen der Fakultät und so sehen Jane und drei ihrer Freundinnen nur einen Ausweg vor dem Grauen. Die Gefährtinnen fliehen in ein malerisches Provinzdorf um ihre Sorgen hinter sich zu lassen und schon bald kehrt der Alltag ein. Es könnte ein malerischer Urlaub sein, wäre die Bestie nicht auf ihrer Fährte...


Mit "Torso" hat Sergio Martino einen sleazigen Beitrag zum Sub-Genre des Gialli auf die Beine gestellt, der die Meinungen der Fans doch des Öfteren in zwei verschiedene Lager spaltet. Wird dieser Titel doch einerseits oft genannt wenn es um empfehlenswerte Genre-Vertreter geht, so gibt es auch genügend Leute, die dieses Werk gerade einmal im Mittelmaß ansiedeln. Die Wahrheit liegt wohl wie eigentlich immer irgendwo in der Mitte, doch ich persönlich sehe die vorliegende Geschichte schon als einen der Klassiker an, die diese Film-Gattung auch nachhaltig geprägt haben. Zugegeben, gerade bei der ersten Sichtung kann streckenweise der Eindruck entstehen, das man sich viel eher in einem Soft Erotikfilm befindet, denn etliche Dialoge und eine Menge nackter Haut lassen durchaus eine Tendenz in diese Richtung erkennen. Bei genauerer Betrachtung erkennt man jedoch, das Martino zwar keine Gelegenheit ausgelassen hat, um dem Zuschauer weibliche Geschlechtsorgane zu präsentieren, aber andererseits eine atmosphärisch äußerst dichte-und zugleich sehr spannende Geschichte erzählt, in der wie eigentlich immer ein wahnsinniger Mörder sein Unwesen treibt. Wie man es gewohnt ist bleiben die Beweggründe wie auch die Identität des Mörders bis kurz vor dem Ende im Dunkeln, so das man durchgehend mit einem wunderbaren Szenario konfrontiert wird, das die eigentlichen Zusammenhänge erst ganz am Ende erkennen lässt. Bis dahin wird man lediglich immer wieder mit diversen Puzzle-Teilchen konfrontiert, die zudem immer neue Verdächtige in den Mittelpunkt rücken.

Insbesondere mit möglichen Tätern geht Martino nicht unbedingt sparsam um und legt dabei auch so manche falsche Fährte, die den Betrachter in die Irre locken soll. Manche davon sind schon fast zu offensichtlich, so das man diverse Personen also verhältnismäßig schnell wieder ausschließen kann, andere wiederum kommen eher dezent daher, so das die Riege der potentiellen Täter sich erst nach und nach auch wirklich lichtet. Zwischendurch wurde sorgsam darauf geachtet, das gerade für das männliche Auge einige optische Reizpunkte präsentiert werden, denn die hübschen-und gut gebauten Damen der Schöpfung geizen hier keinesfalls mit ihren Reizen. Es verhält sich nun aber keinesfalls so, das die eigentliche Mordserie dadurch an die Seite geschoben wird, denn nachdem der brutale Killer zu Beginn noch in der Stadt gemordet hat, sind die vier Hauptdarstellerinnen auch in einer abgelegenen Villa nicht sicher vor dessen Attacken. Besonders auffällig sind bei "Torso" die teilweise blutig ins Bild gesetzten Morde und für einen Film der mittlerweile schon vier Jahrzehnte auf dem Buckel hat, sind die Effekte nun wirklich sehenswert. Martino arbeitet hier jedoch mit einem für den Gialli eher ungewohnt hohen Härtegrad, denn werden in den meisten anderen Werken die Kills eher nur angedeutet, so hält die Kamera in vorliegendem Fall zumindest streckenweise voll drauf. Selbst das Abtrennen diverser Gliedmaße mit einer Säge ist phasenweise zu sehen und verleiht dem Ganzen dadurch ein hohes Maß an Intensität.

Insbesondere in der zweiten Filmhälfte verdichtet sich die sehr gute Atmosphäre des Geschehens noch einmal zusätzlich, denn durch den Schauplatz der einsam gelegenen Villa lässt das Ganze nun auch stark klaustrophobische Momente erkennen. Gerade die Passagen, in denen sich die junge Jane (Suzy Kendall) allein mit dem Mörder im Haus befindet, lassen echte Hochspannung entstehen. Die immer stärker aus den Fugen geratende Gewaltspirale tut ihr Übriges, um für ein absolut sehenswertes Film-Erlebnis zu sorgen, an dem im Prinzip jeder Fan des italienischen Gialli seine helle Freude haben dürfte. Ich persönlich kann es so auch nicht nachvollziehen, das wirklich nicht wenige Leute ziemlich hart mit diesem Klassiker ins Gericht gehen, denn Sergio Martino hat doch sämtliche notwendigen Zutaten zusammen gemischt, um ein äußerst intensives Werk zu kreieren, das eigentlich kaum Wünsche offen lässt. Auch die am Ende erfolgende Erklärung für die Motive des Killers erscheint vollkommen ausreichend, um die Abläufe durchaus logisch nachvollziehen zu können, was ja längst nicht bei allen Genre-Vertretern der Fall ist. Es macht einfach jede Menge Spaß, sich an dem hier in Szene gesetzten Rätsel-Spiel zu beteiligen und sich auf die Suche nach einem brutalen Mörder zu begeben, dessen Beweggründe augenscheinlich in seiner Vergangenheit verborgen sind. Darauf deuten jedenfalls immer wieder eingestreute Flashbacks hin und so ist es letztendlich auch keine allzu große Überraschung, als sich diese Vermutung am Ende auch bewahrheitet. Das tut dem dramaturgisch erstklassigen Spannungsaufbau auch keinerlei Abbruch, der bis zur letzten Minute keine nennenswerten Einbrüche erkennen lässt.


Martino hat so also sehr Vieles richtig gemacht und präsentiert mit "Torso" einen Giallo, den man sich auch in der heutigen Zeit immer wieder gut anschauen kann. Ich liebe diesen sehr sleazigen Vertreter seiner Art, der viel nackte Haut mit einer erstklassigen Geschichte verbindet. Der enthaltene Anteil der visuellen Härte erscheint dabei streckenweise fast ungewöhnlich hoch für einen Gialli, so das der Film allein schon durch diesen Aspekt eine kleine Ausnahmestellung einnimmt. Und ganz egal wie man letztendlich zu diesem großartigen Film stehen mag, gesehen haben sollte man ihn auf jeden Fall, auch wenn er eventuell nicht an die absoluten Größen des Genres heranreichen kann.


Fazit:


"Torso - Die Säge des Teufels" gehört zu den Werken, die meine Vorliebe für diese Film-Gattung geschürt haben, weshalb ich vielleicht auch eine ganz persönliche Beziehung zu der hier erzählten Geschichte aufgebaut habe. Dennoch ändert das rein gar nichts daran, das Martino seiner Erzählung sämtliche Elemente für ein spannungsgeladenes Szenario einverleibt hat, das auch nach nunmehr 40 Jahren nichts von seiner Klasse eingebüßt hat.


8,5/10

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