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 Betreff des Beitrags: Unthinkable (2010)
BeitragVerfasst: 21. Jan 2013, 23:50 
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Unthinkable
(Unthinkable)
mit Samuel L. Jackson, Carrie-Anne Moss, Michael Sheen, Stephen Root, Lora Kojovic, Martin Donovan, Gil Bellows, Vincent Laresca, Brandon Routh, Joshua Harto, Holmes Osborne, Michael Rose, Randy Oglesby
Regie: Gregor Jordan
Drehbuch: Peter Woodward
Kamera: Oliver Stapleton
Musik: Graeme Revell
FSK Keine Jugendfreigabe
USA / 2010

Ein Terrorist erklärt öffentlich, drei Atomsprengköpfe irgendwo in den Vereinigten Staaten platziert zu haben. Den Behörden bleiben zwei Tage sie zu finden und zu entschärfen. Überraschenderweise kann der Mann von FBI-Agentin Helen Brody ausfindig gemacht und ohne Gegenwehr in Gewahrsam genommen werden. Doch damit ist das Problem nicht gelöst, denn der Terrorist macht keine Anstalten, die Standorte der Sprengkörper preiszugeben. Brody ist machtlos, doch sie hat noch einen Trumpf in der Hinterhand: Kurzerhand wird der mysteriöse "H" hinzugezogen. Dessen Aufgabe: Ein Geständnis erzwingen, koste es, was es wolle! Bald schon muss auch die rechtschaffene FBI-Agentin Brody feststellen, dass hinter der Fassade des Familienvaters "H" ein eiskalter Pragmatiker lauert, für den Menschenrechte nur ein Stolperstein auf dem Weg zum Erfolg sind...


Welche Rechte würdest du verletzen, um Millionen von Menschen zu retten?


Dies ist im Prinzip die einzige Kernfrage eines Szenarios, mit dem Regisseur Gregor Jordan es wirklich immer wieder versteht, den Zuschauer zu fesseln und gleichzeitig auch zu schocken. "Unthinkable" konfrontiert einen dabei mit einer Geschichte, die man am liebsten wirklich als undenkbar abtun würde, die aber meiner Meinung nach durchaus realistische und auch äusserst glaubwürdige Züge erkennen lässt, die nicht nur die Charaktere des Filmes an die Grenzen ihrer Moralauffassung bringen, sondern auch den Betrachter in ein einziges Wechselbad der Gefühle versetzt. Noch nicht einmal in den kühnsten Träumen will man Entscheidungsträger in einem Szenario sein wie es hier dargestellt wird und auf gar keinen Fall möchte man die Rolle eines Samuel L. Jackson schlüpfen, der hier den scheinbar eiskalten Verhörspezialisten "H" zum Besten gibt und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn in kaum einem anderen Film hat Jackson ein solch grandioses Schauspiel an den Tag gelegt wie in vorliegender Geschichte, die einem streckenweise kalte Schauer über den Rücken jagt und mit etlichen Wendungen immer wieder für neue Schweißausbrüche Sorge trägt, die man beim besten Willen nicht verhindern kann. Zu spannend und nahezu elektrisierend offenbart sich ein Story-Plot, der von der ersten bis zur letzten Minute absolute Hochspannung verspricht und zudem für ein extrem angespanntes Sehverhalten beim Zuschauer sorgt. Selbst wenn man es wollte, könnte man sich gar nicht der erschreckenden Faszination der Geschehnisse entziehen, die mit einer absolut brachialen Gewalt auf einen einwirken. So verspürt man dann auch denn physischen-und vor allem den psychischen Druck, der hier auf allen Personen lastet und sich mit zunehmender Laufzeit immer weiter verstärkt, so das die entstehende Spannung phasenweise kaum noch auszuhalten ist.

Dabei wird man selbst an die Grenzen seiner eigenen Psyche herangeführt und stellt sich ganz unweigerlich ständig die Frage, welche Mittel man einsetzen würde, um an die erforderlichen Informationen zu kommen, die einen nuklearen Holocaust verhindern könnten. Der von Jackson dargestellte Charakter wird dabei von Anfang an als äusserst unsymphatisch und scheinbar eiskalt in Szene gesetzt und erst im Laufe der Zeit ändert sich dieser Eindruck immer mehr und man kann sogar Symphatien für den ganz speziellen Verhörspezialisten entwickeln. Ihm gegenüber steht mit Carrie-Anne Moss der Part der moralischen FBI-Agentin, die hier die menschenrechte ganz eindeutig außer Kraft gesetzt sieht, was letztendlich auch wirklich der Fall ist. Und so entsteht ein wahrhaftiger Gewissenskonflikt, der sich auch ganz automatisch im Kopf des Zuschauers abspielt und bei dem es im Prinzip einzig und allein um ein Abschätzen der bevorstehenden Situation geht, die Millionen von Menschen das Leben kosten kann. Man mag dieses Thriller-Drama durchaus als moralisch fragwürdig ansehen, bietet das Szenario doch enorm viel Anlass zu Grundsatzdiskussionen, doch so hart-und menschenunwürdig sich die Foltermethoden harauskristallisieren, so extrem sind doch auch die Folgen, wenn man dem Drahtzieher nicht doe erforderlichen Informationen entlocken kann. So entwickelt sich dann auch ein perfides Katz-und Mausspiel zwischen "H" und dem Terroristen, der übrigens von einem glänzend aufspielenden Michael Sheen dargestellt wird. Es werden auch keinerlei Grausamkeiten ausgelassen, wobei die Foltermethoden phasenweise auch noch ziemlich hart ins Bild gesetzt wurden und selbst die bildlich nur andeutungsweise zu erkennenden Versuche, den Willen eines Menschen zu brechen, gehen einem spürbar unter die Haut.

Doch nicht nur der Terrorist leidet merklich unter der andauernden Prozedur, auch "H" gehen die Ereignisse merklich an die eigene Substanz, wodurch seine Person auf einmal sogar echte menschliche Züge erkennen lässt, die ihn in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Es ist ein ständiges auf und ab, die Emotionen schlagen regelrecht Purzelbäume, was übrigens ebenso für die Protagonisten des Filmes wie auch für einen selbst gilt. Längst ist man nämlich in dieses auf eine grausame Art und Weise faszinierende Szenario eingetaucht und hat dabei schon lange den Status des Zuschauers verloren. Man spürt die innere Zerrissenheit der Protagonisten und versucht dabei immer wieder, die Argumente beider Seiten gegeneinander abzuwägen. Und auch wenn man eigentlich für sich selbst schon die Entscheidung getroffen hat, das das Leben von Millionen Menschen auf jeden Fall gewichtiger ist als das eines einzelnen Terroristen, so schlägt man sich doch trotzdem weiterhin mit dem moralischen Aspekt der Geschichte herum, der einem einfach keine Ruhe lassen will. Genau dieser Asüekt wird auch von einem glänzenden Darsteller-Ensemble absolut erstklassig in Szene gesetzt, ständige Meinungsumschwünge stehen an der Tagesordnung und vor allem zum Ende hin scheint das Ganze vollkommen zu eskalieren. Da die Zeit immer schneller verrinnt, muss "H" nämlich zu Methoden greifen, die einen schon fast um den Verstand bringen wollen. Um die Spannung nicht rauszunehmen, möchte ich nicht näher auf den Inhalt eingehen, aber die Situation spitzt sich so sehr zu, das man sich am liebsten die Haare aureissen möchte.

Selten habe ich in den letzten Jahren einen solch intensiven Film gesehen, dessen Szenerie einen so dermaßen mitnimmt wie es hier der Fall ist. Dabei ist der Eindruck des Spielfilmes eigentlich schon nach wenigen Minuten verflogen, vielmehr überkommt einen das Gefühl, das man sich mitten im Geschehen befindet und somit eins wird mit der Geschichte. Es handelt sich um wahrhaftiges Gefühlskino, das einen immer mehr in einen erschreckenden Strudel hineireisst, aus dem es anscheinend keinerlei Entkommen gibt. Immer tiefer werden die menschlichen Abgründe, mit denen man konfrontiert wird und das ständige Wechselbad der Gefühle hätte man kaum besser kreieren können. Herausragende Darsteller, ein kaum zu überbietender Spannungsbogen und eine absolut beklemmende Grundstimmung sorgen hier für ein Filmerlebnis, das man ganz sicher nicht so schnell wieder vergisst. "Unthinkable" ist defintiv kein Film, den man sich einmal so nebenbei anschauen sollte, denn hier handelt es sich um Kopf-Kino der ganz besonderen Art, das einen von der ersten bis zur letzten Einstellung völlig in Beschlag nimmt und die vollste Aufmerksamkeit erfordert. Füt zartbesaitete Gemüter ist dieses Werk nicht unbedingt geeignet, entwickelt sich doch eine Gewaltspirale der besonderen Art, die sich längst nicht nur durch reine Gewaltdarstellungen zu erkennen gibt. Am härtesten ist nämlich der enorme psychische Druck, dem man die gesamte Laufzeit über ausgesetzt ist. Die sich dabei freisetzende Intensität der Ereignisse ist scheint einen in diversen passagen förmlich zu erdrücken und das kurze, aber absolut passende Ende setzt dem ganzen dann noch einmal die Krone auf.


Fazit:


Gregor Jordan hat mit "Unthinkable" einen Film geschaffen, der längst nicht nur extrem spannende Unterhaltung bitet sondern zusätzlich noch äusserst nachdenklich stimmt. Dabei ist es im Prinzip vollkommen unerheblich, ob man sich eventuell von den eigenen Moral-Vorstellungen verabschieden muss, denn eines steht nach der Sichtung dieses Werkes einwandfrei fest, nie möchte man selbst in eine Situation gelangen, in der man die hier gezeigten Entscheidungen treffen muss, die über das Leben von vilen Millionen Menschen getroffen werden. Im Endeffekt sollte man diesen Film unbedingt selbst gesehen haben, in dem wirklich erstklassige Schauspieler und ein alles überragender Samuel L. jackson authentisch-und glaubhaft in ein Schreckens-Szenario verwickelt sind, das hoffentlich immer nur in Filmen zu sehen sein wird.


9,5/10

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