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 Betreff des Beitrags: Der schwarze Leib der Tarantel
BeitragVerfasst: 5. Dez 2016, 18:42 
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Der schwarze Leib der Tarantel
(La Tarantola dal ventre nero)
mit Giancarlo Giannini, Claudine Auger, Barbara Bouchet, Rossella Falk, Silvano Tranquilli, Annabella Incontrera, Ezio Marano, Barbara Bach, Stefania Sandrelli, Giancarlo Prete, Anna Saia, Eugene Walter, Nino Vingelli
Regie: Paolo Cavara
Drehbuch: Marcello Danon / Lucile Laks
Kamera: Marcello Gatti
Musik: Ennio Morricone
keine Jugendfreigabe
Frankreich / Italien / 1972

Ein Psychopath ermordet kaltblütig die hübsche Maria, indem er sie mit Insektengift erst paralysiert und danach gekonnt ausweidet: das Grauenvolle ist, Maria muss bei vollen Bewusstsein aber bewegungslos ihrem eigenen Mord zusehen. Inspektor Tellini, noch neu in seiner Position, wird mit der Ermittlung beauftragt. Er verdächtigt ihren Ehemann Paolo, der sich auch sofort aus dem Staub macht. Schnell hat Tellini einen zweiten Mord im gleichen modus operandi auf dem Tisch, die Dame war im Drogenhandel tätig. Und es gibt weitere Opfer, Tellini selbst und seine Frau geraten ins Netz des Mörders - bis ihn die Spur endlich zu einer Massagepraxis und dem gnadenlosen Showdown führt.


Ganz generell ist es eine tolle Sache, wenn ältere Klassiker nach etlichen Jahren endlich eine deutsche Erstveröffentlichung auf DVD und Blu-ray erhalten. Wenn es sich dann auch noch um Beiträge aus einem tot geglaubten Sub-Genre wie dem des italienischen Gialli handelt, ist die Freude des Liebhabers umso größer. Nun ist der Fan dieser Kategorie in den letzten Jahren wahrlich verwöhnt worden, denn etliche Vertreter haben mittlerweile den Weg zu uns nach Deutschland gefunden und der Beitrag von Paolo Cavara aus dem Jahr 1972 ist der beste Beweis dafür, das Geduld sich manchmal eben doch auszahlt. Nicht wenige Leute zählen "Der schwarze Leib der Tarantel" zu den besten Beiträgen seiner Art und nach Sichtung des Filmes kann man diese Einschätzung auch ohne Weiteres teilen. Cavara setzt dabei auf das handelsübliche Strickmuster und hat seiner Geschichte die obligatorische Mordserie, einen erst kurz vor dem Ende erkennbaren Mörder und etliche Verdächtige einverleibt, so das der Freund des klassischen Gialli hier durchgehend auf seine Kosten kommt.

Obwohl der Kreis der Tatverdächtigen wie fast immer recht groß ist, kann man als Kenner des Genres schon frühzeitig auf den wahren Mörder stoßen. Das ändert aber rein gar nichts an einem gelungenen Spannungsaufbau, zumal keinerlei eindeutige Indizien in den Raum geworfen werden, die den Killer frühzeitig entlarven. Eine wirkliche Bestätigung der eigenen Vermutungen erhält man also erst wenige Minuten vor dem Ende, so das sich hier also durchgehend ein interessantes Rätselspiel präsentiert. Dafür zeichnen auch die Darsteller verantwortlich, die mit richtig guten Performances aufwarten. Besonders fällt dabei Hauptdarsteller Giancarlo Giannini ins Auge des Betrachters, der in seiner Rolle als ermittelnder Inspektor von einigen Selbstzweifeln geplagt wird, ob der von ihm ausgeübte Beruf denn auch der richtige für ihn ist. Dieser Aspekt kommt des Öfteren in den Fokus und verleiht dem Ganzen eine sehr passende menschliche Note und zeigt deutlich auf, das auch Polizisten nur Menschen sind.

Auch in atmosphärischer Hinsicht gestaltet sich "Der schwarze Leib der Tarantel" äußerst stimmig, was sicherlich auch der musikalischen Untermalung von Ennio Morricone zu verdanken ist, die stellenweise zwar im ersten Moment ein wenig ungewöhnlich erscheint, im Gesamteindruck aber doch nahezu perfekt ist. Morde gibt es dann auch genügend, nur sollte man an dieser Stelle keine vor Blut triefenden Gewalt-Orgien erwarten. Der visuelle Härtegrad bewegt sich viel eher auf einem sehr überschaubaren Niveau, was der Klasse des Werkes aber keinesfalls abträglich ist. Es handelt sich also um eine absolut sehenswerte Gesamtkomposition, bei der Paolo Cavara keinerlei experimentelle Wege einschlägt, sondern ganz einfach auf die üblichen Zutaten des Genres setzt und diese verdammt gut zusammen fügt. Ohne wenn und aber darf man diesen Beitrag zu den seltenen und vor allem besten seiner Art zählen, der nun auch endlich bei uns in Deutschland auf Blu-ray und DVD zu bewundern ist.

Der geneigte Fan sollte also bedenkenlos zugreifen, bekommt er doch eine absolut erstklassige und spannende Geschichte serviert. Wie bei fast allen Gialli erscheint diese zwar in einigen Momenten nicht immer vollkommen logisch, wobei man an dieser Stelle aber auf keinen Fall von größeren Defiziten sprechen kann. Letztendlich bekommt der Zuschauer den typisch klassischen Stoff geliefert und dürfte an diesem eine ganze Menge Freude haben. Zudem wird es sicher nicht bei einer einmaligen Sichtung bleiben, denn "Der schwarze Leib der Tarantel" zählt definitiv zu den Klassikern des Gialli, die man sich in regelmäßigen Abständen immer wieder gern anschaut.


Fazit:


Und wieder einmal hat es für einen echter Klassiker zu einer deutschen Erstveröffentlichung gereicht, die im Prinzip schon lange überfällig war. Spannende und atmosphärische Unterhaltung ist hier vorprogrammiert und nur zu gern rätselt man als Betrachter mit, wer denn nun am Ende der psychopathische Mörder ist.


9/10


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 Betreff des Beitrags: Re: Der schwarze Leib der Tarantel
BeitragVerfasst: 28. Mai 2017, 21:53 
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Archivmeister
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Die Meinung kann ich irgendwie nicht teilen, und dass, obwohl ich den Gialli durchaus zugetragen bin. Dabei halte ich diesen Film durchaus typisch Gilli-like, aber er gefiel mir einfach doch nicht so gut, wie ich es erwartet hatte, denn der Titel ist ja schon ein wenig größer. Größtes Manko aus meiner Sicht ist der Spannungsbogen, denn dieser will sich bei mir nicht einstellen. Insgesamt habe ich 5 (!) versuche gebraucht diesen Film zu Ende zu sehen, da ich vorher immer eingeschlafen bin. Das lag für mich vor allem an der Spannungskomponente. Die Frage nach dem Täter wird hier leider nur in geringer Weise herausgearbeitet, so dass einfach kein "Rätselspaß" aufkommen will, wer jetzt genau der Mörder ist. In dieser starken Form hatte ich das bisher bei einem Giallo noch nicht. Musikalisch ist der Film ansonsten gut und auch die Bildqualität auf Blu Ray ist in Ordnung. Für mich aber leider nur ein durchschnittlicher Vertreter seiner Gattung und deshalb auch "nur" 06/10 Punkten.

_________________
Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


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