Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Das Schwein
BeitragVerfasst: 1. Okt 2013, 08:43 
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Verlag: Festa Verlag
Herausgeber: Festa Verlag
Autor: Edward Lee
Erscheinungsjahr: 2013
Seitenanzahl: 152
Sprache: Deutsch
Festa Verlag

Covertext:
Man nehme:
- einen skrupellosen Pornoproduzenten
- ein auf Perversitäten spezialisiertes Studio mitten in der Einöde
- zwei abgefuckte, drogenabhängige Prostituierte
- dumme, aber liebenswerte Hinterwäldler
- einen naiven Filmstudenten aus der Großstadt
- eine sexsüchtige Sektenbraut
- einen allzeit willigen Schäferhund
- ein Hausschwein mit besonderen Talenten

Und fertig ist die größte literarische Sauerei des Jahrhunderts.


Richard Laymon: »Edward Lee - das ist literarische Körperverletzung!«

Horror Reader: Ein perverses Genie.


Meinung:
Das Schwein, ein Buch von Edward Lee, ist allein schon durch die Prämisse, dass man es so nicht im freien Handel sondern nur explizit beim Verlag erwerben kann, etwas Besonderes. Was steckt dahinter, wieso bekommt man dieses Buch nicht im freien Handel? Ist es zu brutal? Zu Krank? Genau diese Fragen schwirren dem interessierten Leser sofort durch den Kopf, sobald er auf dieses Buch stößt. Die Presse spricht von einem Buch, welches so krank und pervers ist wie kaum eins zuvor, aber wird das Buch diesem Ruf auch gerecht?

Leonard ist ein junger, engagierter Filmemacher, der nur einen Wunsch hat. Er will einen eigenen Film drehen und er glaubt ganz fest daran, dass er damit seinen Durchbruch schaffen kann. Das Drehbuch steht, das Equipment hat er auch, lediglich ein wenig Geld für die Kulissen fehlt ihm. Als er eines Tages einen Mann trifft der ihm einfach so einen privaten Kredit anbietet, ahnt er nicht, mit wem er sich da eingelassen hat. Die Mafia. Und die verlangen ihr Geld schneller zurück als Leonard Schnitt rufen kann. Und so bleibt ihm nichts anderes übrig als seine Schulden abzuarbeiten und damit beginnt für ihn die Hölle auf Erden und er begibt sich auf einen Weg, der ihm die tiefsten Abgründe der Menschlichkeit aufzeigt.

Die Geschichte von „Das Schwein“ ist zunächst recht fesselnd, ist aber recht schnell erzählt. Was dann bleibt ist ein Dauerfeuer an Perversionen und Abartigkeiten, gemischt mit perfiden sexuellen Fantasien. Von Nekrophilie, über Zoophilie (also der Sex mit Tieren), bis hin zum Snuff, bleibt hier kein Thema unberührt, sodass der geneigte Leser sicherlich das eine oder andere Mal an seine Grenzen kommen wird. Lee schafft es sowohl weibliche Leser zu schockieren, da viele der sehr explizit beschriebenen Szenen meist an weiblichen Akteuren vollzogen werden, aber auch das männliche Geschlecht bekommt hier das eine oder andere Mal ein sehr mulmiges Gefühl im Magen, wenn beispielsweise zwei Männer auf sehr abseitige und alles andere als normale Weise mit einander kopulieren. Man wird von Lee förmlich mit abartigen und kranken Ideen bombardiert, wodurch sich zwar beim Leser eine gewisse Sättigung einstellen könnte, doch dies umschifft Lee gekonnt, indem er die vierte Dimension immer wieder durchbricht und den Leser durch humorvolle, fast absurd wirkende Sprüche direkt anspricht, um ihm so die Schwere der anderen Szenen ein wenig zu nehmen.

Der Beginn schafft es den Leser sofort in die vorgegebene Welt zu ziehen. Man fühlt sich als kranker Voyeur, vor dessen Innerem Auge sich die abartigsten Szenen abspielen und vor denen es keine Flucht gibt. Genau so wie sich eben auch Leonard hinter der Kamera fühlt, dadurch entsteht eine tiefe Bindung zwischen Leser und Leonard die beide gefangen genommen werden und mit jeder Seite hofft der Leser diesem bizarren Spiel aus Gewalt, Sex und Film zu entkommen, nur um noch weiter in diese Spirale aus Verderben und Tod hineingezogen zu werden. Zum Ende hin gipfelt das Ganze dann in einem fast unwirklichen Schluss, der den Leser mit offenem Mund zurück lässt. Dieser wirkt fast befremdlich, wenn man bedenkt das Lee vorher eine sehr reale Geschichte gezeichnet hat, man sollte daher sehr offen sein, um auch am Schluss seinen Gefallen zu finden.

Kreativität kann man Lee daher keinesfalls absprechen. Er schafft es so viele perverse Szenerien zu zeichnen, dass es immer wieder spannend ist, was als nächstes auf den Leser einprasseln wird. Die Charaktere bleiben zwar relativ blass, aber immerhin Leonard, der der Mittelpunkt der Story ist, wird sehr interessant charakterisiert und besonders dessen Jugend sorgt schon zu Beginn für sich drehende Mägen beim Leser. Man merkt einfach das Lee einem hier ein Werk vorsetzen will, was einen so schnell nicht wieder los lässt und genau das schafft er dann auch. Da das Buch mit seinen 152 Seiten zudem recht kurz ist, gibt es kaum Platz für Langeweile. Die Frage die sich jeder Leser schon vor Beginn des Lesens stellen muss ist, wie viel perverse und kranke Ideen er oder sie aushalten kann und ob ein Buch welches im Endeffekt nur von der einen zu anderen Abartigkeit springt, etwas für einen selber ist.

Fazit: Das Schwein ist definitiv kein Buch für jedermann. Hartgesottene Leser die ihre eigenen Grenzen ausloten wollen, finden hier sicherlich genau das. Eine recht kurzweilige Geschichte, welche mit einem sehr interessanten Ende aufwarten kann, gepaart mit ekelhaften und perversen Ideen, macht das Schwein zu einem Buch, was man so schnell nicht wieder vergessen wird.

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 Betreff des Beitrags: Re: Das Schwein
BeitragVerfasst: 1. Okt 2013, 10:12 
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Alleine schon Funde beziehungsweise Tipps wie dieser sind Grund genug hier im Forum zu sein :D Natürlich konnte ich nicht widerstehen und habe
sofort zugeschlagen, lobenswerter Weise ist der link zum Verlag ja im Beitrag. Den "Teratologen" habe ich gleich mitgenommen, liest sich ja schon
sehr gut um was es da geht,,,

Vielen Dank Logge :Up:

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 Betreff des Beitrags: Re: Das Schwein
BeitragVerfasst: 1. Okt 2013, 10:22 
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Clyde hat geschrieben:
Alleine schon Funde beziehungsweise Tipps wie dieser sind Grund genug hier im Forum zu sein :D Natürlich konnte ich nicht widerstehen und habe
sofort zugeschlagen, lobenswerter Weise ist der link zum Verlag ja im Beitrag. Den "Teratologen" habe ich gleich mitgenommen, liest sich ja schon
sehr gut um was es da geht,,,

Vielen Dank Logge :Up:


Der Teratologe liegt schon bei mir bereit und ist das nächste Buch, was eine Review erhält. Danke fürs Lob Clyde sowas höre ich sehr gerne :knuddel:
Bin schon auf deine Meinung gespannt. Fand das Buch sehr gut und die ganzen krassen Szenen haben es echt in sich. Besonders die mit den zwei Männern, wenn man sich das vor Augen vorstellt, dann wird einem als Mann schon mulmig.

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 Betreff des Beitrags: Re: Das Schwein
BeitragVerfasst: 1. Okt 2013, 13:32 
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*auf der Liste notier* Noch so ein Buch, das ich unbedingt haben muss.... Danke fürs rezensieren, Logge. Das Buch passt perfekt in mein Beuteschema ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: Das Schwein
BeitragVerfasst: 1. Okt 2013, 13:33 
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Angel hat geschrieben:
*auf der Liste notier* Noch so ein Buch, das ich unbedingt haben muss.... Danke fürs rezensieren, Logge. Das Buch passt perfekt in mein Beuteschema ;)


Das dachte ich mir, als ich die ersten Sätze gelesen hatte :D Frau trinkt Sperma aus Glas und übergibt sich :D Sehr unterhaltsam :nippel:

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 Betreff des Beitrags: Re: Das Schwein
BeitragVerfasst: 1. Okt 2013, 14:41 
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 Betreff des Beitrags: Re: Das Schwein
BeitragVerfasst: 1. Okt 2013, 15:03 
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Angel hat geschrieben:
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Ich kann mal loslegen und was verraten :sf: Du hast noch nicht mal ansatzweise einen Einblick in das Buch :lol22:

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 Betreff des Beitrags: Re: Das Schwein
BeitragVerfasst: 6. Okt 2013, 17:09 
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Jetzt melde ich mich hier auch mal zu Wort: Danke an Logge für diesen großartigen Link :ds: , denn das ist etwas, womit ich genau etwas anfangen kann. Und mir ging es genauso wie Clyde: Hab direkt bestellt. Habe in der Vergangenheit, und das ist schon ein paar Jahre her, über "Dunkle Verse" oder so ähnlich mal von Lee gehört. Da gab es auch einen Autoren Namens Marc Gore, der ebenfalls diverse "Schweinereien" veröffentlicht hatte. Bin auf jeden Fall gespannt auf die Exemplare, die ich bestellt habe. "Felsh Gothic" ist da bei mir noch hinzu gekommen. Mal sehen, wie die Qualität so insgesamt ist, und ob mich das überzeugen kann.

Und genau sowas macht dieses Forum hier aus: Dinge, auf die man im Lebtag nicht kommt, weil man einfach nichts darüber weiß, weil es einem nie jemand gesagt hat. Deshalb hat das was absolut exklusives. Werde berichten, wenn ich mein Exemplar in den Händen halte und es gelesen habe.

Schlage deshalb Logges Beitrag für den "Beitrag des Monats" vor :Up:

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Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Schwein
BeitragVerfasst: 6. Okt 2013, 17:30 
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Blaine, der Mono hat geschrieben:
Und genau sowas macht dieses Forum hier aus: Dinge, auf die man im Lebtag nicht kommt, weil man einfach nichts darüber weiß, weil es einem nie jemand gesagt hat. Deshalb hat das was absolut exklusives. Werde berichten, wenn ich mein Exemplar in den Händen halte und es gelesen habe.

Schlage deshalb Logges Beitrag für den "Beitrag des Monats" vor :Up:


Absolut Deiner Meinung Blaine :D Äh, wo finde ich den Thread zum "Beitrag des Monats" ? *lach* Sollten wir vielleicht einführen...

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 Betreff des Beitrags: Re: Das Schwein
BeitragVerfasst: 12. Okt 2013, 19:04 
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Clyde hat geschrieben:
Absolut Deiner Meinung Blaine :D Äh, wo finde ich den Thread zum "Beitrag des Monats" ? *lach* Sollten wir vielleicht einführen...


Ist eingeführt :D

Mein Exemplar zusammen mit zwei weiteren ist übrigens gerade eingetroffen. Macht einen sehr guten Eindruck. Ist vor allem eins der wenigen Taschenbücher, welches original verschweißt ist. Hatte ich glaube ich auch so fast noch nie. Der Verlag an sich macht aber viel her.

Werde berichten, wenn ich es durch habe, und das wird nicht lange dauern :D

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Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


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