Unsere kleine Filmwelt

Die bunte Welt des unterschlagenen Films
Aktuelle Zeit: 8. Dez 2016, 08:49

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde





Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 2 Beiträge ] 
AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 513

AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Tagebuch aus der Hölle
BeitragVerfasst: 9. Nov 2013, 14:26 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 07.2013
Beiträge: 463
Wohnort: Freudenstadt
Geschlecht: männlich
Bild

Verlag: Festa Verlag
Herausgeber: Festa Verlag
Autor: Jeffrey Thomas
Erscheinungsjahr: 2011
Seitenanzahl: 265
Sprache: Deutsch
Buch bestellen

Covertext:

Die Warnung eines Toten an uns, die noch Lebenden.

Dies sind die Aufzeichnungen eines Mannes, der nach seinem Selbstmord in der Hölle erwacht – denn dort landen alle Menschen, außer bibelfeste Christen. Fragt den Papst, der wird es Euch bestätigen.

Eine Welt des Leidens und ewigen Sterbens.

Wie all die anderen armen Seelen muss der Mann endlose Qualen ertragen – denn in der Hölle stirbt man nicht. Und die vielen Dämonen haben nur eine Aufgabe: Ungläubige zu foltern und zu bestrafen. Als der Mann die schwerverletzte Dämonin Chara findet, die von einigen rebellischen Verdammten an einem Baum gekreuzigt wurde, überkommt ihn Mitleid. Er befreit Chara und damit löst er eine sich langsam vollziehende Kettenreaktion aus, die zur letzten Schlacht zwischen Himmel und Hölle, Engel und Dämonen führt...


Meinung:

Tagebuch aus der Hölle, ein Titel der schon für sich genommen recht interessant ist. Doch welche Hölle wird damit angesprochen. Handelt es sich um die Niederschrift der Erlebnisse von einem Jugendlichen? Jemandem der irgendwo verschollen ist, oder gar in einem Gefängnis sitzt. Auch wenn man sicherlich zunächst nicht davon ausgehen mag, aber bei dem Tagebuch aus der Hölle handelt es sich tatsächlich um ein Tagebuch von jemandem der in der Hölle gefangen ist. Doch kann dieses Buch überzeugen oder sollte man seine Zeit lieber nicht mit diesen Tagebucheinträge verschwenden?

Ein Mann wacht in der Hölle auf. Nachdem er durch einen Kopfschuss sein Leben und all dessen Qualen beendet hat, hofft er auf Ruhe, doch das ist ihm nicht vergönnt, denn all die jenigen, welche nicht an Gott glauben, landen als Strafe in der Hölle. Und so wacht er an dem Ort auf, an welchen er in seinem ganzen Leben nie geglaubt hat. Doch das ist noch bei weitem nicht die größte Strafe. Denn in der Hölle ist er den Dämonen ausgesetzt. Aber bald entdeckt er, dass die Hölle nicht so schlimm wie er es zunächst erwartet hat und so beginnt sein Leben doch noch einen Sinn zu bekommen und das erst nachdem es eigentlich schon beendet war.

Das Buch von Jeffrey Thomas liest und fühlt sich von der ersten bis zur letzten Minute wirklich wie ein Tagebuch an. Die Einträge sind nie gleich, sondern mal eher lang und mal kürzer. Abhängig davon, was dem Mann an jenem Tag in der Hölle passiert ist. Immer wieder kommt es dann auch dazu, dass man mehrere Tage überspringt, wobei sich hier nicht nur der Leser, sondern auch der Charakter selber fragt, ob es in der Hölle überhaupt noch Tage gibt. Dies wird dann auch immer wieder dadurch ersichtlich, da die Dämonen nichts mit dem Wort Tagen anfangen können. Doch die Dämonen sind bei weitem noch nicht das Schlimmste, was in der Hölle auf die Verdammten wartet, denn auch die Engel kommen immer mal wieder in der Hölle vorbei, um Verdammte zu jagen und diese zu quälen. Der Leser stellt sich daher immer wieder die Frage, wer die wirklich bösen in dieser Geschichte sind. Sind die Dämonen vielleicht noch ärmer dran, als die Verdammten, denn immerhin sind sie bei weitem nicht so frei, wie man es zunächst denkt. Denn wenn immer die Engel in die Hölle einfallen, lassen sie die Verdammten und die Dämonen spüren, wer von Gott auserwählt wurde und wer nicht.

All das bekommt der Leser immer wieder zwischen den Zeilen vermittelt, doch darüber hinaus gibt es noch ein weiteres Hauptaugenmerk und zwar verliebt sich der Tagebuchschreiber in einen Dämonen, bzw. in eine Dämonin. Ab gut der Hälfte entspinnt sich so ein minimal ausgebaute und nie zu klischeehafte Liebesgeschichte zwischen jemandem der in seinem Leben nie wirklich froh war und nun vielleicht sogar mehr Sinn in dem Leben nach dem Tod sieht und einer Kriegerin die bei weitem nicht so stark ist, wie man vermutet möchte. Hier schafft Thomas es eine kranke und wirklich unheilwolle Welt nach dem Tod darzustellen, ohne dabei ein ums andere mal auch mit einem Lichtblick daher zu kommen. Und genau diese Lichtblicke sind es dann, die den Leser immer wieder zum weiterlesen animieren. Das ganze ist bei weitem kein purer Horrorroman, sondern viel mehr eine Geschichte die so auch ohne weiteres in der echten Welt spielen könnte, von ein paar außergewöhnlichen Vorfällen, wie fliegende Aale abgesehen. Man kann die Geschichte der Liebe zwischen Dämon und Verdammten auch durch andere Charaktere austauschen. Beispielsweise die Liebe zwischen Juden und Deutschen im zweiten Weltkrieg. Immer wieder schleicht sich dieser Vergleich in die Geschichte ein. Denn spätestens am Ende, wenn die Dämonen aus der Stadt Oblivion fliehen müssen, fühlt man sich unweigerlich an die fliehenden Menschen während dem zweiten Weltkrieg erinnert.

Dennoch herrscht auf Grund der einseitigen Sichtweise des Ich-Erzählers auch immer wieder ein wenig Leerlauf. Besonders dann wenn es dem Autor nicht so ganz gelingen will, den Leser mit seinen Schilderungen zu fesseln. Gott sei dank halten sich diese Momente aber in Grenzen und kommen nur dann vor, wenn Jeffrey Thomas zu viel von der Welt um den Charakter vermitteln möchte und dabei ein wenig die Spannung aus dem Auge verliert. Natürlich kann man nun auch so argumentieren, dass ein Tagebuch eben die Wiedergabe des täglich Erlebten ist und das nicht jeder Tag nur aus spannenden Ereignissen bestehen kann. An dieser Stelle muss eben jeder selber wissen, ob dieser Schreibstil einem gefällt oder eben nicht.

Fazit: Tagebuch aus der Hölle liest sich wirklich wie ein Tagebuch und die Darstellung der Hölle kann auf ganzer Linie überzeugen. Neben all den kranken und grausamen Geschehnissen, bietet die wunderschön und zu keinem Zeitpunkt zu kitschig erzählte Liebesgeschichte einen tollen Ausgleich. Wer schon immer wissen wollte, wie ein Leben nach dem Tode aussehen könnte, der sollte die Reise mit diesem Buch wagen!

_________________
Bild

Cyberpunk Kaiju Experimentalworld

Cyberpunk Kaiju Experimentalworld bei Facebook: Fan werden ;)


Nach oben
 Profil Besuche Website  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Tagebuch aus der Hölle
BeitragVerfasst: 27. Dez 2015, 19:37 
Offline
Archivmeister
Benutzeravatar

Registriert: 12.2012
Beiträge: 1716
Geschlecht: männlich
Der Namenlose ist in der Hölle gelandet. Wahrscheinlich aht er es auch geahnt, denn er hat sich selbst erschossen. Und da er ein Agnostiker ist, wurde ihm ein "A" auf die Stirn eingebrannt. Und was muss man in der Hölle machen? Zur Schule gehen. Eigentlich ist es eine Universität, wo man seinen Magister in Selbsthass und dergleichen ablegen muss. Dabei lernt der Namenlose auch, dass er nicht sterben kann. Alles, was man ihm abhackt regeneriert sich unter äußerst großen Schmerzen und manchmal dauert das auch eine gewisse Weile, aber es regeneriert sich. Da er so viele Erfahrungen macht, möchte er das außerdem in einem Tagebuch festhalten. Vielleicht hat er einmal die Möglichkeit dieses zu veröffentlichen.

Doch er verlässt die Stadt und entdeckt in einem Waldstück eine Dämonin namens Chara. Und unser jemand findet sie attraktiv. Sie ist anscheinend von jemandem an einem Baum gepfählt worden und wurde dazu noch vergewaltigt. Allein kann sie sich nicht befreien. Der Namenlose hat Mitleid mit der Dämonin, obwohl er genau weiß, wieviel Leid sie über die Verdammten bringen. Doch er kann sie einfach nicht zurück lassen, denn das wäre ihr Tod. Und deshalb befreit er sie. Doch ihre Wege trennen sich bereits wieder. Erst später in Oblivion werden sie sich wieder sehen. Wenn die Auflehnung der Menschen da und die Vernichtung der Dämonen nah ist...

Wertung:

Als ein in der Ich-Form geschriebener Roman beschreibt die Hauptperson selbst all das, was sie in ihr Tagebuch geschrieben hat. Dabei erfahren wir leider niemals ihren eigenen Namen. Das gute daran ist, dass wirklich eine Person die Situation beschreibt, die gerade in der Hölle ist. Dabei erscheint die Hölle doch ein wenig anders, als man es durch diverse Darstellungen kennt, sowohl literarisch als auch malerisch. Feuer und Lava genau wie Folter gibt es hier zwar auch, diese Elemente scheinen aber eher eine untergeordnete Rolle einzunehmen. Die Geschichte an sich ist so wie sie ist ganz in Ordnung. Man hat keine sehr großen Horror- oder Ekelmomente vor sich, sondern es wird fast schon klassisch die Hölle als Hauptthema auserkoren. Dabei gibt es mir leider ein wenig zu wenige Überraschungen, was der Geschichte sonst recht gut getan hätte. Man kann hier außerdem fast von einer eher ungewöhnlichen "Liebesgeschichte" sprechen (Mensch liebt Dämon). Auch daran mag das liegen, dass der Horroranteil sich eher im niedrigen Niveau aufhält.

Insgesamt solide Kost ohne großartige Umschweife. Wer klassischen Horror mag, der ist hier richtig bedient. Wer es brutaler oder modern mag sollte eher die Finger von diesem Buch lassen. Von mir gibt es 07/10 Punkten.

_________________
Und Blaine, der Mono fuhr weiter Richtung Südosten unter dem Dämonenmond. "Warum taufte die Frau ihren Sohn Siebeneinhalb?" - "Weil sie seinen Namen aus einem Hut gezogen hat!"


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 2 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron
© phpBB® Forum Software | phpBB3 Forum von phpBB8.de
» Kontakt & Rechtliches Support / Hilfe Forum Gooof Webdesign Kostenloses Forum Dein Forumo Forum web tracker