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 Betreff des Beitrags: Ein Kartenhaus (House of Cards, Das Original) Teil 1 (1990)
BeitragVerfasst: 3. Apr 2014, 19:38 
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Ein Kartenhaus
(House of Cards)
mit Ian Richardson, Susannah Harker, Miles Anderson, Alphonsia Emmanuel, Malcolm Tierney, Diane Fletcher, Colin Jeavons, Damien Thomas, William Chubb, Kenneth Gilbert, Christopher Owen, David Lyon, Kenny Ireland
Regie: Paul Seed
Drehbuch: Andrew Davies / Michael Dobbs
Kamera: Jim Fyans / Ian Punter
Musik: Jim Parker
FSK 12
Großbritannien / 1990

Die Konservativen haben die britischen Wahlen gewonnen. Der hinterhältige, aber loyale Francis Urquhart freut sich schon auf den versprochenen Ministerposten. Doch der neue Premierminister bricht sein Wort, Francis soll weiter als Fraktionschef dienen und die eigenen Reihen auf Linie halten. Von nun an sinnt der Mann mit dem verschmitzten Lächeln auf Rache und hält dabei die Trümpfe in der Hand. Er beherrscht nicht nur alle Regeln des dreckigen Polit-Geschäfts, er kennt auch die kleinen Geheimnisse seiner Parteifreunde. Ein bitterböses Spiel um Macht, Sex, Korruption und Verrat beginnt ...


Momentan ist ja gerade die amerikanische TV-Serie "House of Cards" in aller Munde, die auf dem gleichnamigen Roman des britischen Schriftstellers Michael Dobbs basiert. Dabei konnte Dobbs auf eigene Erfahrungen in der britischen Politik zurückgreifen, in der er selbst leitende Stellungen bekleidet hat. Im Zuge des Erfolges der amerikanischen Adaption hat nun Ascot Elite auch das englische Original herausgebracht, das allerdings weitaus kürzer ausfällt als sein US-Pendant. Auf 3 Mini-Serien ausgelegt wird dem Zuschauer dabei ein tiefer Einblick in politische Ränkespiele, unglaubliche Intrigen und jeder Menge Lügen gewährt, der einerseits einen äußerst glaubwürdigen Eindruck hinterlässt, auf der anderen Seite aber auch vollgestopft ist mit Sarkasmus und zynischen Spitzen. Die hier besprochen erste Mini-Serie "Ein Kartenhaus" beinhaltet 4 Episoden mit einer Laufzeit von je ca. 55 Minuten und bietet dabei herausragende Filmkost, die mit teils überragenden Leistungen ihrer Schauspieler angereichert ist. An dieser Stelle muss man ganz besonders Ian Richardson hervorheben der neben den schon glänzenden Performances seiner Kollegen noch einmal eine absolute Ausnahmestellung einnimmt. Seine Darstellung des von Ehrgeiz zerfressenen Fraktions-Führers ist nahezu einmalig und erscheint gleichzeitig jederzeit glaubhaft und authentisch.

So wie in dieser Mini-Serie in Szene gesetzt kann man sich politische Intrigen nur zu gut vorstellen und von diesen bekommt man nun wirklich genügend geboten. Nachdem Francis Urquhart (Richardson) nämlich bei der Regierungsbildung trotz Versprechungen seines Premier-Ministers übergangen wurde reift ein nahezu teuflischer Plan in ihm, der er auch ohne zu zögern sofort in die Tat umsetzen will. Und so nimmt das Unheil seinen Lauf, denn Urquhart spannt diverse Personen vor seinen Karren, um mehr als raffiniert seine angestrebten Ziele zu erreichen. Dabei wird im wahrsten Sinne des Wortes auch über Leichen gegangen, wobei sich dieser Aspekt des Geschehens erst kurz vor dem Ende dieser ersten Serie zu erkennen gibt und dem bis dahin bunten Treiben eine ziemlich tragische Note verleiht. Bis dahin ist es jedoch ein weiter Weg auf dem unzählige Konkurrenten aus dem Weg geräumt werden müssen, was in sämtlichen Fällen nicht unbedingt auf die feine englische Art geschieht. Bestechung, Erpressung und Manipulation in großem Stil sind die Waffen derer sich Urquhart bedient, um am Ende selbst als Premier-Minister von der Queen berufen zu werden und der gute Mann lässt zu keiner Zeit auch nur den geringsten Zweifel daran aufkommen das er zu wirklich allem bereit ist, um das angestrebte Ziel auch zu erreichen.

Als Fraktions-Vorsitzender weiß er ganz genau wo die Parteimitglieder ihre Leichen im Keller begraben haben und er benutzt dieses Wissen nun auch vollkommen ungeniert, um einen nach dem anderen zu diffamieren. Natürlich bleibt er selbst dabei dezent im Hintergrund, aus dem er ein solch dichtes Netz aus Lügen, Manipulation und Korruption strickt, das man ihn unmöglich selbst damit in Verbindung bringen kann. Dabei benutzt er schamlos die junge Reporterin Mattie Storin die er dahin gehend beeinflusst, das die junge Frau ihm nach einer gewissen Zeit regelrecht hörig ist. Sie glaubt ihm nicht nur jede seiner kleinen und großen Lügen sie verliebt sich auch noch in ihn und beginnt sogar ein sexuelles Verhältnis mit dem Mann, der im Prinzip jederzeit als ihr Vater durchgehen könnte. Susannah Harker kann in der Rolle der Mattie gänzlich überzeugen und spiegelt bravourös den Spagat zwischen Intelligenz und einer gewissen Naivität wieder, der ihrer Figur verliehen würde. Dennoch ist es lediglich Mattie die eher durch einen kleinen Zufall als einzige erkennt, wer letztendlich hinter dem gigantischen Lügengerüst steht, das sich hier im Laufe der Zeit immer weiter in die Höhe schraubt. Wie sich das für die junge Frau auswirken soll wird an dieser Stelle nicht verraten, denn davon sollte sich schon ein jeder selbst ein Bild machen. Nur so viel sei verraten, lebt "Ein Kartenhaus" im Großen und Ganzen von seiner intelligenten Geschichte, der glaubhaften Inszenierung, den bissigen Spitzen und seinen grandiosen Darstellern, so wird zum Abschluss Tragik und eine gewisse Härte in das Szenario eingeschoben, so das der Zuschauer am Ende mit einem flauen Gefühl im Magen aus dieser Mini-Serie entlassen wird, das erst lange nach Beendigung der Sichtung wieder verschwindet.

Die US-Version mit Kevin Spacey kann ich nicht beurteilen, da ich noch keine einzige Folge gesehen habe, aber dieses kompakte englische Original hat es wirklich in sich. Lediglich vier Episoden sind vollkommen ausreichend, um dem Betrachter einen politischen Treibsand zu offenbaren aus dem es anscheinend kein Entkommen gibt. Durch die eigenen Erfahrungen eines Michael Dobbs kann man zudem wohl auch von einem Geschehen ausgehen, in dem weite Teile ganz sicher nicht dem Reich der Fantasie entspringen und der Rest höchstwahrscheinlich ganz bewusst etwas überspitzt dargestellt wird. Durch die Kombination entsteht ein explosives Film-Erlebnis das einen durchgehend in seinen Bann zieht und von dem eine ungeheuer starke Faszination ausgeht, der man sich unmöglich verweigern kann. Ist dieser erste Teil einer Trilogie in seiner Gesamtheit schon eine echte Wucht, so muss man doch zum Ende hin noch einmal kurz auf Ian Richardson zurückkommen, der diesem Format definitiv seinen persönlichen Stempel aufdrückt. Rein optisch wie ein britischer Adeliger auftretend schlummert in diesem Mann das abgrundtief Böse, das aber dennoch auf eine unglaublich charmante Art und Weise zum Ausdruck kommt, so das man trotz aller seiner Taten ein Höchstmaß an Sympathie für den guten Mann aufbringt. Seine aristokratische Eleganz paart sich mit einer diabolischen Boshaftigkeit, wodurch ein derartig grandioses Schauspiel entsteht, das einen regelrecht aus den Schuhen hebt. Man saugt sich mit seinen Augen regelrecht an diesem spielfreudigem Mimen fest, der ohne wenn und aber das absolute Highlight in einer überragenden Produktion darstellt, die sich jeder Liebhaber von Polit-Thrillern unbedingt anschauen sollte. Mit riesiger Vorfreude kann man nun auch an die zeitgleich erscheinende zweite Mini-Serie heran gehen, denn wenn diese nur annähernd das vorgelegte Niveau erreicht bekommt man einmal mehr hochklassige Unterhaltung geboten.


Fazit:


Auch wenn die im Moment so hochgelobt US-Serie "House of Cards" im Fokus der Serien-Liebhaber steht, so sollte man auf jeden Fall auch dieses englische Original sichten. Welche Variante man dann letztendlich als die Bessere erachtet ist wie immer dem persönlichen Geschmack zuzuschreiben, aber das hier besprochen Original ist definitiv mehr als nur einen Blick wert, so das ich an dieser Stelle nur eine ganz dicke Empfehlung aussprechen kann.


9/10


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