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AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Thriller - Ein unbarmherziger Film (1974)
BeitragVerfasst: 3. Jul 2014, 10:56 
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trashig-exploitativer Chef
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Originaltitel : Thriller - En grym film
Alternativtitel : Hooker's Revenge, A | They Call Her One-Eye | Thriller | Thriller - A Cruel Picture
Herstellungsland : Schweden
Erscheinungsjahr : 1974
Regie : Bo Arne Vibenius
Darsteller : Christina Lindberg, Heinz Hopf, Solveig Andersson, Despina Tomazani, Per-Axel Arosenius u.a.
Laufzeit : 106:36 Minuten (Unrated Fassung), 104:59 Minuten (gekürzte Fassung - koreanische DVD)
Freigabe : Unrated (US DVD Limited Edition), FSK 18 (deutsche Kinofassung) ,ungeprüft (Korea DVD), 18 Ans (belgisches VHS)

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Story :

Im noch sehr jungem Alter wurde Madeleine als Mädchen von einem Pädophilen im Wald vergewaltigt.
Durch dieses Trauma spricht sie von nun an kein eiziges Wort mehr.

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15 Jahre später :
Madeleine ist zur jungen, attraktiven Frau herangereift und hat ihren Schulbus verpasst.
Als sie unbeholfen am Strassenrand steht und über eine Option nachdenkt, kreuzt sich ihr Weg mit dem schnicken Städter Tony in seinem teuren Sportwagen.
Er bietet Madeleine an sie im Auto mit in die Stadt zu nehmen und die junge Frau ahnt noch nicht wie schlagartig die Einwilligung ihr bisher wohlbehütetes Leben verändern wird.

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Tony gibt sich vorerst als Gentleman und lädt sie in ein vornehmes Restaurant ein.
Doch in seiner Wohnung angekommen nimmt das Unheil seinen Lauf.
Madeleine wird dort von ihm vergewaltigt, auf Heroin gesezt und muss von nun an ihr Dasein als drogensüchtiger Junkie fristen.

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Schon ihre Begegnung mit dem ersten Freier verläuft unheilvoll und die Taubstumme zerkratzt dem Kunden das Gesicht.
Solch ein Verhalten kann Tony nicht dulden und sticht Madeleine kurzum mit einem Skalpell das Auge aus.

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Die potenziellen Kunden lassen sich von der Augenklappe die sie nun tragen wird aber nicht abschrecken.
Ihre Qualitäten als Tonys Pferdchen sind so überzeugend, das die meisten Freier nur noch nach "Dem Piraten" verlangen.

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Madeleine fängt an sich Tony zu fügen und für ihre Kooperationsbereitschaft zeigt sich der Zuhälter recht Großzügig.
Von nun an bekommt sie einen freien Tag pro Woche, an dem sie sich vom ganzen Matrazensport erholen soll.

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Doch Tony hat keinen blaßen Schimmer das Madeleine das ihr zugeteilte Heroin verkauft und das Geld anderweitig investiert.
Training in Martial Arts, Schußwaffen und Autofahren stehen an der Tagesordnung um sie an ihr ersehntes Ziel zu bringen.
Und dieses Ziel ist einzig un allein Rache an ihren Freiern und Tony zu nehmen.


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Bewertung :

"Rape and Revenge" Filme sind ein beliebtes Subgenre des Exploitation Films, die aber auch meist einen bitteren Beigeschmack haben und für ihre kontroverse Art in Verbindung mit expliziten Vergewaltigungs-und Gewaltdarstellungen bekannt sind.
Der wohl erste Film dieser Art ist Ingmar Bergmans DIE JUNGFRAUENQUELLE aus dem Jahr 1960, der in seiner Art erstmal für die nächsten 10 Jahre sowas wie ein Unikat darstellte.
12 Jahre später nahmen sich zwei junge Unbekannte namens Wes Craven und Sean S. Cunningham der Vorlage von Bergman an und verpasstem diesen mit LAST HOUSE ON THE LEFT ein exploitativ-zeitgemässes Gewand.
Zu diesem Klassiker mit David Hess bedarf es keiner großen Worte mehr, da dieser wohl in jeder gut sortierten Horrorsammlung einen wohlverdienten Platz gefunden hat und auch den Weg für Craven und Cunningham ebnete um im Genrefilm Fuß fassen zu können.

Zwei Jahre nach LAST HOUSE griff auch der Schwede Bo Arne Vibenius mit THRILLER - EIN UNBARMHERZIGER FILM diese Thematik auf.
Und dieses sleazige Rachevehikel, welches das europäische Pendant zu den amerikanischen Vorbildern darstellt, hat zu Recht den Ruf eines Cult Classic inne.

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Unter dem Pseusonym Alex Fridolinski hat Vibenius bei THRILLER Regie geführt und auch das Drehbuch verfasst, wobei die Beweggründe für diese Entscheidung im Unklaren liegen.
Ich selbst vermute aber das der gute Bo so eventuellen Problemen aus dem Weg gehen wollte, da man es bei THRILLER mit einem kontroversem, sleazigem Exploitation Kracher zu tun hat.
In seiner Art sucht der Film nämlich Seinesgleichen und stellt durchaus ein Unikat dar.
Wo andere Rape & Revenge Sexploiter bei den Sexszenen dezent ausblenden und nie zu Explizit sind, hat Vibenius für seinen Beitrag einen anderen Weg gewählt.
Uns so ist THRILLER einer der wenigen Beiträge zum Genre, in denen man die Szenen des erzwungenen Beischlafs in ihrer vollen, erschütternden "Schönheit" zu sehen bekommt - das gute Rein/Raus Spiel entfaltet sich hier nämlich in vollster Pornösität vor den Augen des Zuschauers.

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Als THRILLER entstand hatten die Involvierten wohl im Traum nicht dran gedacht, das dieses Schmuddel-Vehikel auf die Filmwelt so einen nachhaltigen Einfluss haben wird.
Denn fast 3 Dekaden später zollte einer der erfolgreichsten Regisseure der Neuzeit dem Film seinen Tribut.
Kein geringerer als Quentin Tarantino lehnte den Charakter der "Elle Driver" an Christina Lindbergs Rolle der "Madeleine" aus THRILLER an.
Und so durfte bei der von Daryl Hannah gespielten "Elle" die charakteristische Augenklappe natürlich nicht fehlen.
Und bei genauerer Betrachtung fällt zusätzlich noch auf, das die kühle Verköperung der beiden Charaktere sich auch sehr ähnelt.

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Eine kleine Anekdote am Rande sei mir hier erlaubt :
Damit Hannah sich besser auf die Rolle vorbereiten konnte, ließ Tarantino ihr sogar eine Kopie von THRILLER zukommen.
Aufgrund der expliziten Sexszenen war sie doch sichtlich geschockt und meinte zu Quentin daraufhin empört : "You made me watch a Porn!".

Aber auch in der Neuzeit hat THRILLER - zumindest in meinen Augen - sichtliche Spuren hinterlassen.
Denn bei SAVAGED aus dem Jahr 2013 handelt es sich bei der Hauptdarstellerin auch um eine Taubstumme.
Dies kann ein Zufall sein, aber ich bin fester Überzeugung das diese Parallele dem nachhaltigem Einfluss von THRILLER zuzuschreiben ist.

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Doch genug jetzt des Abschweifens und zurück zum eigentlichem Thema.Bo Arne Vibenius hat mit THRILLER einen knallharten Beitrag zum europäischem Exploitationkino erschaffen, welchen man als Fan gesehen haben sollte!
Die bereits angesprochenen Hardcore Szenen mögen nicht jedermanns Smak entsprechen, doch letztendlich dienen sie lediglich dazu die gesamte Chose um einiges Realistischer und Härter wirken zu lassen.
Auch wenn Christina Lindberg in diesen Szenen nicht selber mitwirkte, sorgen diese selbst bei einem Exploitationfilm für eine
unerwartete Verschiebung der Grenzen.
Auf der anderen Hand wirken sie aber auch ein wenig deplaziert, plakativ und sorgen für eine Bruch der klasisschen Erzählstruktur.
Hardcore Szenen wirken in einem Spielfilm halt in den meisten Fällen nicht wirklich, aber THRILLER zählt der Sorte von Film wo sie dem Genrefan nicht Übel aufstoßen.
Bei THRILLER sind aber nicht nur die Sexszenen von einer expliziten Härte geprägt und die Freunde von auf Celluloid gebannten Gewalteskapaden kommen hier auf ihre Kosten.
Was hier an blutigen Details aufgetischt wird, steht den amerikanischen Vorbildern und auch Nachfolgern nämlich in nichts nach und es werden keine Gefangenen gemacht.
Dies etabliert sich schon nach nicht allzu langer Laufzeit, als Madeleine den erzwungenen Beischlaf mit ihrem ersten Freier auf sehr rabiate Art verweigert und diese Aktion von Zuhälter Tony auf brutalste Weise bestraft wird.
Diese beiden Stilmittel - die explizite Gewalt gepaart mit dem Sex - geben THRILLER dann im Endeffekt seine ganz persönliche Note und erhöhen gleichzeitig auch den psychischen Gewaltgrad.

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Auf darstellerischer Ebene gibt es bei THRILLER nicht viel zu bemängeln, wenn man von den Nebenrollen ,die wohl von Laien verkörpert werden, mal absieht.
Christina Lindberg, die ein wahrer Augenschmaus ist, ist hier positiv hervorzuheben und macht den Film erst richtig Rund.
Auch wenn die hübsche Schwedin sich in Filmen wie SEX & FURY, DAS SCHWEDENMÄDCHEN ANITA, JOURNEY TO JAPAN, SCHULMÄDCHEN REPORT 4 oder VERBOTENE FRÜCHTE DER EROTIK nicht minder Freizügig präsentierte, dürfte der Part der Madeleine wohl auch die Rolle gewesen sein, durch die sie die meisten Fans gewonnen hat.
Die Transformation Madeleines vom hilflosen, zugedrogtem Opfer zum Racheengel ist wirklich gelungen und überzeugend.
Dabei fällt auf, das sie sich immer mehr die Attribute männlicher Gewalt aneignet um Rache zu nehmen.
Heinz Hopf als Konterpart von Madeleine überzeugt durch seine Leistungen und man nimmt ihm den schmierigen Zuhälter Tony ab.
Tony ist ein tolles Exempel für den bekannten Wolf im Schafspelz, der er äußerlich einen vertrauenswürdigen und liebenswerten Eindruck macht.
Wie bei den meisten Rape & Revenge Filmen sollten hier auch die Erwartungen was die Story anbelangt zurückschrauben, da diese nicht wirklich viel hergibt oder gar Neues bieten kann.
Mitunter machen sich im Plot auch die üblichen Ungereimtheiten der Unlogik breit und nicht immer ist alles Nachvollziehbar oder Glaubhaft.
Diese Unzulänglichkeiten man Vibenius aber durchaus verzeihen, wenn man ein Auge zudrückt oder eine Augenklappe aufsetzt.
Wer sich aber an solchen Grundszenarien mit limitiertem Plot erfreuen kann, wird auch bei THRILLER auf seine Kosten kommen.
Ähnlich begrenzt wie der Plot sind auch die Sets des Film und das private Bordell von Tony ist sehr Trist und Spartanisch ausgestattet.
Aber auch dies macht wieder einen großen Teil des Realismus aus, denn welcher skrupellose Frauenhändler betet seine Pferdchen schon auf Rosenblättern im Ambiente einer Wellness Oase.

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Dies alles mag sich für die Außenstehenden nun auf den ersten Blick so lesen, als sei THRILLER nichts anderes als ein schmuddeliges Rachefilmchen, das dem Zuschauer nicht wirklich viel zu bieten hat.
Doch dem ist absolut nicht so, denn auf visueller Ebene wird das Auge des Betrachters mit tollen Bildern verwöhnt.
Ein leichter Arthouse Touch ist THRILLER nicht abzusprechen, der sich schon am Anfang bei der Szenen mit der jungen Madeleine im Wald etabliert und aus später erneut auftritt.
Das orangefarbene Kleid, die in herbstlichen Rot- und Brauntönen leuchtenden Blätter der Bäume werden sich leitmotivisch durch den Film ziehen, der ja in einem Zeitraum von etwa 15 Jahren spielt.

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Darüber hinaus wird im letztem Akt, nämlich dem der Rache der Geschändeten, sehr viel mit Zeitraffer Effekten gearbeitet.
Durch die Bank weg erinnert dies an die Werke von Sam Peckinpah oder Enzo G. Castellari und auch bei THRILLER verfehlen die Raffer ihre Wirkung nicht.
Auch wenn die Arbeit von Quentin Tarantino teils zu sehr gehypt wird, haben die Exploitationfans es ihm zu verdanken das THRILLER in der letzten Dekade die verdiente Aufmerksamkeit zu Teil wurde.
Und hier lehnt sich Tarantino auch nicht zu weit aus dem Fenster mit seiner Aussage "Der härteste Rachefilm, der je gedreht wurde"!

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Wenn man THRILLER noch nicht kennt sollte man sich von diesem Kultfilm ein eigenes Bild machen und nicht jeder wird ihn mögen.
In meiner Liste der Lieblingsfilm konnte er sich einen festen Platz sichern und an dieser Stelle gibt es von mir

10 von 10 Augenklappen

www.youtube.com Video From : www.youtube.com


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"Are you gonna bark all day little doggie, or are you gonna bite?"


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