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Die bunte Welt des unterschlagenen Films
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 Post subject: Die Stunde, wenn Dracula kommt
PostPosted: 13. Oct 2016, 21:00 
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Die Stunde, wenn Dracula kommt
(La Maschera del demonio)
mit Barbara Steele, John Richardson, Andrea Checchi, Ivo Garrani, Arturo Dominici, Enrico Olivieri, Antonio Pierfederici, Tino Bianchi, Clara Bindi, Mario Passante, Renato Terra, Germana Dominici, Nando Gazzolo, George Gonneau
Regie: Mario Bava
Drehbuch: Nikolai Gogol / Ennio De Concini / Mario Serandrei / Mario Bava
Kamera: Mario Bava
Musik: Les Baxter / Roberto Nicolosi
FSK 16
Italien / 1960


Zweihundert Jahre, nachdem sie mit ihrem Liebhaber 1630 zum grausamen Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt wurde, wird die Hexe Asa (Barbara Steele) durch einen Zufall wieder zum Leben erweckt. Um ihre schreckliche Rache an den Nachfahren ihrer Peiniger verüben zu können, vertraut sie auf die vampirischen Fähigkeiten ihres ebenfalls von den Toten wieder auferstandenen Geliebten. Ihr Ziel: Die schöne Fürstentochter Katia (Barbara Steele in einer Doppelrolle), deren Blut die Hexe vollends wiederherstellen soll.


Mario Bava war und ist eine Legende seiner Zunft und hat so manch wegweisenden und prägenden Film auf den Weg gebracht. Einer seiner größten Klassiker dürfte dabei wohl der vorliegende Beitrag "Die Stunde, wenn Dracula kommt" sein, wobei der deutsche Filmtitel auch heute noch so manchen Zuschauer auf eine falsche Fährte lockt. Die Figur des Dracula ist nämlich gar nicht mit an Bord, was bei der vorhandenen Klasse dieses nahezu perfekten Gothic-Gruslers jedoch beileibe kein Beinbruch ist. Bava huldigt hier ohne Weiteres den alten Universal Klassikern der 30er und 40er Jahre und präsentiert so eine Hommage, die man wohl kaum besser hätte in Szene setzen können. Der geneigte Gothic und Grusel Liebhaber bekommt hier nämlich die volle Ladung geboten, bei der wirklich sämtliche Elemente perfekt miteinander harmonieren.

Neben einer spannenden und sehr gut erzählten Geschichte fallen dem Betrachter vor allem die wundervollen Kulissen auf, zudem offenbart das Szenario von der ersten bis zur letzten Minute eine als herausragend zu bezeichnende Atmosphäre, die einen sofort in die genau richtige Stimmung versetzt. Schaurige Settings wie beispielsweise die unterirdische Krypta des Schlosses runden das Ganze perfekt ab, so das es bei den genannten Punkten überhaupt nichts zu bemängeln gibt. Als wenn das noch nicht genug wäre, bekommt man zudem auch noch eine darstellerisch hervor stechende Performance der großartigen Barabara Steele zu sehen, die in einer Doppelrolle das absolute Highlight in schauspielerischer Hinsicht ist. Fast über Nacht avancierte die Britin damit zu einem der großen Horror Stars ihrer Zeit, was sich auch in späteren Filmen noch oft genug zeigen sollte.

Fast selbstredend zeichnet Bava hier auch für die Kameraarbeit verantwortlich und verwöhnt den Betrachter dabei mit wunderschönen Kamerafahrten, in denen er einen stilistisch brillant durch das schaurig schöne Szenario führt. Die damals verwendete s/w Optik muss man im Prinzip gar nicht erwähnen, andererseits stellt man sich bei der Sichtung doch fast schon zwangsläufig die Frage, ob "Die Stunde, wenn Dracula kommt" in einer Farbfassung auch nur annähernd die gleiche Faszinierende Wirkung auf den Zuschauer hätte. Die Antwort kann eigentlich nur nein lauten, denn obwohl es eigentlich kaum möglich erscheint, verstärkt gerade die farblose Optik das Grusel-Ambiente um ein Vielfaches und macht somit dieses Meisterwerk zu einem Filmerlebnis der allerersten Güte. Leider werden solche Beiträge in der heutigen Zeit nicht mehr gedreht, wobei manch ein Regisseur durchaus schon versucht hat, die gute, alte Zeit auch in neueren Werken einzufangen. Und dennoch ist es so gut wie unmöglich an einen Beitrag wie diesen heran zu reichen, da Mario Bava mit "Die Stunde, wenn Dracula kommt" wirklich den absolut perfekten Gothic Horrorfilm abgeliefert hat.

Der Großteil der heutigen Generation wird wohl nicht sehr viel mit dieser Perle anfangen können, denn blutige Einstellungen und sonstige Härten sind definitiv nicht zu erwarten. Wer jedoch eine Liebe für den klassischen Horrorfilm hegt, kommt unmöglich an Bavas Beitrag vorbei, denn "Die Stunde, wenn Dracula kommt" ist ganz einfach ein zeitloses Juwel, das auch nach über einem halben Jahrhundert nichts von seiner einzigartigen Faszination und Klasse eingebüßt hat. Hier stimmt einfach alles und allein schon die überragende Performance von Barbara Steele wäre es immer wieder wert, um die Blu-ray oder auch die DVD erneut in den heimischen Player einzulegen.


Fazit:


In der nicht gerade kleinen Filmografie eines Mario Bava nimmt dieser Film ganz sicher einen der obersten Plätze ein, denn das gewonnene Gesamtbild ist einfach nur überragend. So bleibt dann auch im Endeffekt nichts anderes übrig als eine ganz dicke Empfehlung an all jene auszusprechen, die den klassischen Horrorfilm absolut zu schätzen wissen.


10/10


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